SCHOCK

IPS und Notfall

IPS und Notfall


R. P.
Diese Lernkarten vermitteln fundiertes Wissen zu Schockformen, deren Ursachen, klinischen Zeichen und Therapieansätzen, wobei der Fokus auf Diagnostik, Überwachung und pflegerischen Schwerpunkten liegt. Dabei werden Symptome wie Unruhe, Durchblutungsstörungen und Organfunktionsstörungen ebenso behandelt wie spezifische Maßnahmen bei septischem, kardiogenem oder hypovolämem Schock. Ideal für medizinisches Fachpersonal, das seine Kenntnisse zu Notfallmanagement und kritischen Patientenzuständen vertiefen möchte.
Karten
71
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
13.05.2025 / 15.07.2026

Lernkarten

Ergänzende Maßnahmen 

Hypovolämer Schock - Transfusions-Management bzw. Massentransfusion

- Abdominelles Kompartment-Syndrom

Kardiogener Schock - Rhythmusüberwachung

- Elektrolytkontrolle

- Blutungskontrolle nach Angiografie

Septischer Schock - Ödeme / Chemosis

- Spannungsblasen

- Fieber / Shivering / Temp - Managment

Anaphylaktischer Schock - Urtikaria und Pruritus

- Überwachung / Therapie bei Bronchospasmus

Neurogener Schock - Neurologische Überwachung

Massentransfusion

Austausch der gesamten Blutmenge innerhalb

von 24 Std.

Transfusion ≥ 4 EC innerhalb von 1 Std.

Massentransfusion

Komplikationen / Nebenwirkungen

- Hypothermie

- TACO / TRALI

- Alkalose / Azidose

- Hypokalziämie / Hyperkaliämie

- Gerinnungsstörungen

- Allgemeine Transfusionsgefahren

Massentransfusion

Management bei Massentransfusion

- Klare Organisation der Blutkomponenten-Verabreichung

- Kardiopulmonale Überwachung

- Elektrolytkontrolle / Laborkontrollen

- Transfusion gewärmt verabreichen (LevelOne)

- Vollständige Dokumentation

Abdominelles Kompartment 

Ursachen

Primär intraabdominell: Blutung , Aszites ,Hämatom , Peritonitis

Sekundär extraabdominell: Rea, Massentransfusion, Verbrennungen, Sepsis, Ödem nach Reperfusionsschaden

Abdominelles Kompartment 

Auswirkungen auf die Organsysteme

- Gehirn: Erhöhung ICP wegen vermindertem venöseen Rückfluss

- Lunge: Zwerchfellhochsztand, verminderte Residualkapazität, Atelektasen, hoche Spitzendrücke

- Herz: Verminderter venöser Rückfluss, erhöhter ZVD, Abfall HZV, Tachycardie

- GI-Trakt: Verminderte Perfusion, vermindertes Blutvolumen, verminderter Filtrationsdruck

- Niere: Portalvenöse Stase, Minderperfusion, Translokation, Leberschädigung

Abdominelles Kopartment

Management

- Abdomen-Spannung kontrollieren (Dokumentation)

- Abdomen-Umfangmessung

- Auskultation Abdomen

- Blasendruckmessung

- Fusspulse kontrollieren

- Zwerchfellentlastende Lagerung (OK hoch, Beine tief)

- Diurese kontrollieren

- Beatmung muss bei steigendem abdominalen Druck ggf. angepasst werden (Achtung

Hypoventilation)

Blasendruck-Messung

Normwert: 5 – 7 mmHg

über 12 mmHg = abdominelle Hypertonie

über 20 mmHg = Kompartment-Syndrom

Kardiogener Schock / Akute Hezinsuffizienz

Primär ist den O2 Angebot zu tief, der Pat kann normalem Druck haben und trotzdem in Schock zu sein.

Hämodynamik Classification of CS : warm dry, warm wet, cold dry, cold wet. 

Physiologische Grundlage

• Sauerstoffangebot

DaO2 = CaO2 x HZV

Hb x SaO2 X1,34 SV X HF

SV : Vorlast , Nachlast , Kontraktilität

Pathophysiologie allgemein

• Beim Eintreten eines Schocks kommt es zu einer Akuten bis subakuten

Störung des Sauerstoffangebots für die Organe und des Gewebes,

infolge eines Abfalls

• des Hb (Blutung)

• der Sauerstoffsättigung (Hypoxämie)

• des Herzzeitvolumens durch Volumenmangel  Preload

Herzinsuffizienz  Inotropie und Afterload

 

Im Rahmen des Schocks kommt es in Abhängigkeit der Schockform zu einer

Störung der Durchblutung der Gewebe (Perfusion). Dabei hängt die

Sauerstoffversorgung eines Organes von der regionalen Durchblutung ab.

Vasokonstriktion (bei Zentralisation) reduziert die Gewebeperfusion

Vasodilatation (Sepsis) verursacht durch Pooling zu einem relativen

Sauerstoffmangel führen

Störung der Mikrozirkulation

Schockformen Einteilung 

Symptome & Klinische Zeichen von Schock

Bewusstseinsstörung Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz

Tachykardie, Hypotonie, Rekap-Zeit >2 sek, Mottling

Tachypnoe, O2-Sättigungsabfall

Oligurie bis Anurie

Symptome & Klinische Zeichen von

kardiogenem und obstruktivem Schock

Jede Schockform hat spezifische klinische Zeichen, die durch die

Zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen verursacht werden.

Bewusstseinsstörung Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz

Schwindel, Bewusstlosigkeit, Todesangst

Tachykardie, Hypotonie, Rekap-Zeit >2 sek, Mottling

Gestaute Halsvenen, Zyanose, blasse Peripherie, Arrhythmie,

Tachypnoe, O2-Sättigungsabfall

Atemnot, Lungenödem

Oligurie bis Anurie

Übelkeit

Symptome & Klinische Zeichen von

distributivem Schock

Jede Schockform hat spezifische klinische Zeichen, die durch die

Zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen verursacht werden.

Bewusstseinsstörung Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz

Schwindel, Bewusstlosigkeit, 

Tachykardie, Hypotonie, Rekap-Zeit >2 sek, Mottling

Warme Peripherie (hyperd. Phase), Bradykardie bei Neurog. mgl.

Tachypnoe, O2-Sättigungsabfall

Bei anaphyl. Atemnot, expiratorischer Stridor

Oligurie bis Anurie

A: Juckreiz, Erytheme, Flush, Nesselsucht; S: Fieber

Kompensationsmechanismen

Der Körper ist in der Lage den Pathophysiologischen Prozessen

temporär entgegenwirken um die Sauerstoffversorgung der Organe zu verbessern.

Werden die Ursachen des Schocks nicht behoben brechen Mechanismen zusammen

Optimierung des Blutdrucks

Sympathikus-Aktivierung Freisetzung von Adrenalin/ Noradrenalin

ADH Freisetzung Verstärkte Wasserrückresorption

RAAS-System Vasokonstriktion, Natrium und Wasserretention

(Renin, Angiotensin, Aldosteron)

Optimierung der Sauerstoffaufnahme

Stimulation des Atemzentrums Verbesserung der O2-Aufnahme

Komplikationen

Enzephalopathie, Neuropathie

Kardiomyopathie, Herzrhythmusstörungen, Pumpversagen

ARDS, Oxigenationsstörungen, Hyperventilation mit Erschöpfung

Darmischämie, Schleimhautnekrosen, Bakt. Translokation; Leberversagen

Akutes Nierenversagen durch Hypotonie und Gewebshypoxie

DIC, Mikrozirkulationsstörungen, Verbrauch von Gerinnungsfaktoren

bei akt. Gerinnung durch endotheliale Veränderungen, Blutungsneigung

Sepsis durch Translokation von Bakterien, ARDS

Pflegeschwerpunkte

• Das frühzeitige Erkennen des kritisch kranken Patienten ist elementar!

Hautkolorit Das Hautkolorit ist ein guter Indikator, wie es um den

Kreislauf der Patienten gestellt ist. Dabei ist der

Mottlingscore eine Möglichkeit die Veränderung des

Hautkolorits an den Beinen zu objektivieren.

Atemfrequenz Eine Atemfrequenz über 20 /Min muss als Warnzeichen

für eine potenzielle Gefährdung der Patientengesundheit

angesehen werden. Die SpO2 hingegen spiegelt nicht die

Ventilation der Patienten wieder und kann nicht die

Überwachung der Atemfrequenz ersetzen.

Schockmanagement

Ziel: Verbesserung der Organperfusion und somit auch der

Gewebeoxigenation!

Venöse Zugänge (ZVK), art. Katheter, Blasendauerkatheter, grosszügige

Flüssigkeitszufuhr (Cave: Kardiogener Schock)

arterielle BD-Messung, Pulsoxymetrie, Rhythmusüberwachung,

erweitertes Hämodynamisches Monitoring erwägen

Sicherung der Atmung, Verbesserung der Oxigenation, frühzeitige

Erwägung der Intubation und maschinelle Beatmung

Vasoaktivatherapie (angepasst an Klinik und Gewebeoxigenation)

Korrektur von Elektrolytstörungen und Metabolischer Entgleisung

Eine Reduzierung des Sauerstoffverbrauches ist dringend angezeigt!

Hypovolämer Schock

Therapie

• Volumengabe: Kristalloide (Ringer-Lösung)

bei Bedarf Ergänzung mit Kolloide (Albumin)

• Ursache beheben (kausale Therapie): Blutungsquelle stoppen, 

Kompression, OP, Gabe von Gerinnungsfaktoren 

• Bluttransfusionen

• Ggf. Vasoaktiva

Distributiver Schock

Therapie des septischen Schocks

Kausaltherapie: Sanierung des Infektionsherdes

Antibiotikatherapie (so bald wie möglich)

Medikamente: Vasoaktiva (Noradrenalin, Vasopressin), Inotropika

und bei Bedarf Kortikosteroide ( verstärken die Vasopressorwirkung ?)

Volumen: Kristalloide

Distributiver Schock

Therapie des anaphylaktischen Schocks

Kausaltherapie: Entfernung des Auslösers

Adrenalingabe ( 500 mg i.m., 2 bis 10 mcg i.v )

Medikamente: Antihistaminika (H1/H2- Blocker), Kortikosteroide,

Beta-2-Mimetika inhalativ (Salbutamol) bei Bronchospasmus, Adrenaline inhalativ

Volumen: Kristalloide (viel Volumen wegen Flüssigkeitverschiebung)

Atmung: Frühzeitige Intubation bei Gefahr der Atemwegsverlegung

Distributiver Schock

Therapie des neurogenem Schocks

Volumen: Kristalloide als erste Wahl

Medikamente: Vasoaktiva (Noradrenalin)

Atropin bei Bradykardie

Bei Trauma: Stabilisierung der Wirbelsäule

Kardiogener Schock

Therapie

Kausaltherapie

Myokardinfarkt: PCI/ Stent, (Lysetherapie)

Herzinsuffizienz: Diuretika, Vasoaktiva/ Inotropika

Rhythmusstörungen: Rhythmisierung: EKV, Antiarrhythmika

Klappeninsufizienz/Stenose: Klappen-OP, Ersatz

Medikamente: Vasoaktiva, Inotropika, Antiarrhythmika, Betablocker

Flüssigkeitsvolumen: vorsichtig !!!

Mechanische Unterstützung: IABP (Ballonpumpe), Impella, vaECMO

Obstruktiver Schock

Therapie

Kausaltherapie

Spannungspneumothorax: Entlastungspunktion, (2,3 ICR parasternal), EinlageThoraxdrainage

Herzbeuteltamponade: Entlastungspunktion

Lungenembolie: Lysetherapie

Aortendissektion Blutdruck senken, zeitnah OP

Vena-Cava-Kompression Lagerung auf der linken Seite

Medikamente: Vasoaktiva, Inotropika

Flüssigkeitsvolumen Kristalloide

Pflegeschwerpunkte Angst / Unruhe

Behandlung von Angst und Unruhe um den

Sauerstoffverbrauch zu senken.

-> Orientierung fördern (Umgebung, Körperwahrnehmung,

Tag-Nacht-Rhythmus, Seh- und Hörhilfen)

-> Delir Erkennen und Behandeln (Big Seven)

-> Basale Stimulation

-> Lagerungen (Nestbau)

-> Für Ruhe sorgen ggf. Abschirmen

-> Beurteilung der Sedationstiefe bei intubierten Patienten RASS/BIS

-> Analgetikabedarf abschätzen (VAS/ BPS)

Neurologisches Monitoring

Pflegeschwerpunkte Herz / Kreislauf

Überwachung des Herz-Kreislaufes und Sicherstellung der

Verabreichung der benötigten Vasoaktiva, Medikamente und Infusionen

->Alarmgrenzen adäquat setzen

-> Vitalparameter überwachen und dokumentieren (Dynamik)

-> Vitalparameter interpretieren und ggf Medikamente verabreichen

-> Rhythmusinterpretation

-> Bilanzierung

-> Erweitertes Hämodynamisches Monitoring (Thermodilutionsmessung)

-> Infusionsmanagement ggf Transfusionsmanagement

-> Beurteilung der Haut (Mottling Score, Rekap-Zeit)

-> …

Pflegeschwerpunkte Lunge

Die Oxygenation ist durch die Perfusionsstörung der Lungen erschwert.

Metabolische Azidose führt evtl zu Hyperventilation und somit zu einer

Steigerung der Atemarbeit.

-> Überwachung der Atmung (Atemweg und Atemmechanik beurteilen

-> Applikation von O2 über adäquates Tool

-> Bei Bedarf Inhalieren lassen.

-> Überwachung und Pflege des intubierten Patienten

-> Interpretation der BGA bezüglich Oxygenation, Ventilation und

Säure-Basen-Haushalt

-> Anpassung der Beatmungseinstellung in Delegation

-> Lagerung zur Verbesserung der Oxygenation und Ventilation

-> Sekretolyse

-> Mobilisation sobald möglich

Pflegeschwerpunkte GI Trakt 

Ausreichende Nährstoffzufuhr ist in der Behandlung des akuten Schocks

nicht prioritär. Dabei sollte jedoch auf den Funktionserhalt und die Integrität

des Darmes geachtet werden.

-> Überwachung des Refluxes als Marker der Magen-Darm-Passage

-> Auskultation, Palpitation und Perkussion des Abdomens

-> BZ-Messung und behandeln

-> wenn vorhanden Überwachung der enteralen Ernährung

 

Pflegeschwerpunkte Niere 

Durch die von einem Schock verursachte Hypoxie und Gewebehypoxie

wird die renale Funktion deutlich gestört und es kommt zu einer Oligurie/ Anurie.

-> Bilanzierung der Urinausscheidung

-> Überwachung des Kreislaufes und Einhaltung der Grenzwerte

-> Überwachung des Elektrolythaushaltes/ Säure-Basen-Haushalt

Durch endotheliale Veränderungen kann die Gerinnung aktiviert sein.

Dies kann zu Thrombenbildung und zum Verbrauch von Gerinnungsfaktoren führen.

-> Beobachtung der Haut auf Durchblutungsstörungen und Einblutungen.

-> Beobachtung auf Organdysfunktionen verursacht durch

Thrombenverschluss der Gefässe

Pflegeschwerpunkte Haut / Hygiene 

Im Rahmen des Schocks sind die Patienten Immungeschwächt und

es kann zu einer (nosokomialen) Infektion kommen. Patienten mit Sepsis

bedürfen einer Behandlung der vorliegenden Infektion.

-> Hygienisches Arbeiten, v.a. auf Händehygiene achten.

-> Beobachten der Patienten auf Infektionen (Trachealsekret, Urin,

Haut, Fieber, Entzündungsparameter)

-> Behandlung von Fieber (Wichtig: Erhöhter Sauerstoffverbrauch)

Durch den hohen Bedarf an Vasoaktiva, der Zentralisation und der mit

einem Schock einhergehenden Immobilisation besteht ein erhöhtes

Dekubitus-Risiko. Durch evtl. Mikrothromben ist die Durchblutung der

Haut zusätzlich gefährdet.

-> regelmässiges Umpositionieren ggf Spezialmatratze

-> Ödembildung beobachten ggf Hochlagerung der Extremität

-> Blasenbildung beachten, präventiv arbeiten (Verbände)

 

Tipp !!! Leberversagen

Wenn der gesamt Calcium zunimmt, der Bikarbonat ausfällt,wenn die Acidose zunimmt und BZ ausfällt ! denk an Leberversagen !!!!

Hinweise auf eine beginnende oder fortgeschrittene Leberfunktionsstörung

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