Ausbildung NFS: Spezielle Pharmakologie nach Kompendium
Spezielle Pharmakologie nach dem gemeinsamen Kompendium Rettungsdienst 2025 (Kreis Gütersloh)
Spezielle Pharmakologie nach dem gemeinsamen Kompendium Rettungsdienst 2025 (Kreis Gütersloh)
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Lernkarten
***Dimenhydrinat: Wirkstoff, Konzentration, Arzneimittelgruppen***
- Der Wirkstoff von Dimenhydrinat ist Diphenhydramin und 8-Chlortheophyllin
- Das Medikament liegt in einer Konzentration von 6,2mg/ml vor (62mg auf 10ml) oder als 40 mg Supp.
- Dimenhydrinat gehört zu den Gruppen der Antihistaminika (H1-Rezeptor-Antagonisten)
- und zur Gruppe der Antiemetika
***Dimenhydrinat: Kontraindikationen***
- bekannte Unverträglichkeit bzw. Allergie
- akute Bronchialobstruktion (Asthma, COPD) -> Anticholinerg = Sekret der Becherzellen wird dickflüssiger
- Engwinkelglaukom -> Anticholinerg = Abnahme des Kammerwasserabflusses
- Krampfanfälle (Epilepsie, Eklampsie) -> Senkung der Krampfschwelle
- bekannte Porphyrie -> Abbau in der Leber über bestimmte Systeme = porphyrinerg
- bekanntes Long-QT-Syndrom -> Einfluss auf Kaliumkanäle am Herzen
- Phäochromozytom
- Therapie mit MAO Hemmern (z.B. Moclobemid, Tranylcypromin, Selegilin, Rasagilin, Safinamid) -> Diverse gefährliche Nebenwirkungen wie z.B. Lähmung der Darmaktivität, starke zentrale Dämpfung etc.
- Altersbegrenzung: Keine Anwendung durch NFS bei Pat. < 1 Jahr
Steht nicht im Kompendium
- ICP-Anstieg (erschwert Diagnose)
- akute Vergiftungen
- akuter Glaukomanfall
- Phäochromozytom
- Früh- und Neugeborene
- gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
- gleichzeitige Therapie mit Aminoglykosiden
- Schwangerschaft mit einsetzender Wehentätigkeit
In welchen drei Fällen sollte bei Dimenhydrinat eine besondere Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden?
***Dimenhydrinat: besondere Nutzen-Risiko-Abwägung***
- Schwangerschaft und Stillzeit (CAVE: keine Anwendung bei WEHENTÄTIGKEIT!)
- Morbus Parkinson
- HRST und KHK
***Dimenhydrinat: UAW***
- ZNS-Dämpfung mit Sedierung
- Müdigkeit (verstärkt unter Alkoholeinfluss)
- paradoxe Reaktion möglich (Unruhe, Erregung / besonders bei Kindern)
- Tachykardie
- Mydriasis, Sehstörungen,
- Mundtrockenheit, Miktionsstörungen, gastrointestinale Beschwerden,
Steht nicht im Kompendium
- Schwindel
- Erhöhung des Augeninnendrucks
***Epinephrin: Indikationen***
- Reanimation
- instabile Bradykardie
- Anaphylaxie ab Stadium II mit Atemstörung oder Schock
- Laryngotracheobronchitis
- Obstruktion der oberen Atemwege durch Schleimhautschwellung
Steht nicht im Kompendium
- Zusatz zu Lokalanästhetika
- Blutstillung (z.B. bei Ösophagusvarizenblutung bei Gastroskopie)
***Epinephrin: Dosierung und Applikation***
Reanimation
- Erwachsene: 1mg i.v./i.o.
- Kinder: 0,01mg/kg KG i.v./i.o.
- Hyperdynam (VF, pVT): nach dem dritten Schock danach alle 4 Minuten
- Hypodynam (Asystolie, PEA): so früh wie möglich, danach alle 4 Minuten
Instabile Bradykardie
- 1mg Epinephrin in 100ml NaCl 0,9% verdünnen (0,01mg/ml)
- 0,5ml (5 µg) bolusweise jede Minute bis adäquater Herzfrequenzanstieg
- Alternativ: Perfusor 1 mg Epinephrin auf 100 ml NaCl mit Laufrate 30 ml/h
Anaphylaxie Stadium II mit Kreislaufbeteiligung und Stadium III (Schock)
- Erwachsene und Kinder > 12 Jahre: 0,5mg i.m.
- Kinder 6-12 Jahre: 0,3mg i.m.
- Kinder <6 Jahre: 0,15mg i.m.
- Repetition alle 5 bis 10 Min. bei ausbleibender / unzureichender Wirkung
Obere Atemwegsobstruktion
- 4 mg Epinephrin mit 6-8l Sauerstoff vernebeln
- Repetition nach 10 Minuten möglich
***Esketamin: Kontraindikationen***
- Allergie bzw. Unverträglichkeit
- Bewusstseinsstörung mit Sopor oder Koma
- Intoxikation mit psychoaktiven Substanzen, Alkohol oder Opioiden
- gesteigerter Hirndruck (ohne adäquate Beatmung)
- ACS, Myokardinfarkt,
- Herzinsuffizienz mit kardialer Dekompensation
- schwere hpyertensive Entgleisung (über 180/100 mmHg)
- Schwangerschaft insbesondere bei Eklampsie, Präeklampsie
- Vormedikation mit Aminophylling, Theophylling, Ergometrin
- Nicht oder ungenüngend behandelte Hyperthyreose
- Altersbegrenzung: Keine Anwendung durch NFS bei Pat. < 10 Kg KG (entspr. ca. 12 Monate)
Steht nicht im Kompendium
- KHK
- Hyperthyreose
- Psychosen
- bekanntes Krampfleiden
- perforierende Augenverletzungen
- Glaukom
***Esketamin: UAW***
weitere Blutdrucksenkung bei Volumenmangelschock
Nystagmus, Doppelsehen
Aufwachreaktionen, Albträume,
Unruhe, Schwindel
Euphorie, Dysphorie, Panikattacken,
Bewusstseinseintrübung
Ateminsuffizienz (dosisabhängig)
Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz
Zunahme des intraokularen Drucks (Cave: Glaukom)
Speichefluss, Übelkeit und Erbrechen
***Fentanyl: UAW***
Atmung
- Atemdepression
- Hypoventilation
Kreislauf
- Blutdruckabfall
- Bradykardie
Zerebrale
- Übelkeit & Erbrechen
- Benommenheit
- Schwindel
- Euphorisierung
Augen
- Miosis
Sonstige
- Muskelsteifheit insbesondere Thoraxrigidität bei schneller Applikation
- Obstipation
- Anticholinerge NW ( z.B. Mundtrockenheit/ Miktionsstörungen / Glaukom)
- Serotinerge NW (Wachheit / Erregung / RR ++)
***Fentanyl: Gegenmaßnahmen bei Überdosierung***
- Anzeichen: Atemdepression, Atemstillstand, Bewusstseinsverlust
- Kommandoatmung anwenden
- bei Abfall der SpO2: Sauerstoff applizieren
- assistierte Beatmung (Beutel-Masken-Beatmung)
- BPR Atemwegsmangement
- Ultima Ratio: Naloxon titrieren
- Bei Übelkeit / Erbrechen = SAA Dimenhydrinat
***Fentanyl: Besonderheiten***
- Im Vergleich zur Referenzsubstanz Morphin hat Fentanyl eine ca. 100x stärkere Wirkung
- Cave: besonders vorsichtige Titration bei alten und multimorbiden Patienten
- Cave: Wirkungsverstärkung und erhöhtes Risiko von Atemdepression in Kombination mit Alkoho- / Drogenkonsum / zentral dämpfenden Medikamenten (z.B. Benzodiazepine, Gabapentin, Pregabalin o.Ä.)
- Cave: bei Opiatabhängigkeit / Substitution mit Methadon strenge Indikationsstellung