Lese - Glossar

Lese - Glossar

Lese - Glossar


L. E.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die Grundlagen der Sinneswahrnehmung und -verarbeitung, mit Fokus auf Substanzen, Interaktionen und Reize. Sie erklären, wie Reize wie Geruch, Geschmack und Berührung durch das Gehirn verarbeitet werden, wobei Begriffe wie Schwellenwert, Empfindung und Aktionspotentiale zentral sind. Die Karteikarten sind ideal für Studierende der Naturkunde, die ein tiefes Verständnis der sensorischen Physiologie und Psychophysik erlangen möchten.
Karten
101
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Naturkunde
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
30.01.2025 / 09.02.2025

Lernkarten

Somatosensorik

Empfindungen, die durch Reizungen verschiedener Sensoren im Körper ausgelöst werden (ausser von Seh-, Hör-, Schmeck-, Rich-Sinneszellen sowie Sinneszellen des Gleichgewichtsorgans), d.h. z.B. durch tastempfindliche Sinneszellender der Haut, durch schmerzempfindliche Sinneszellen, durch Sinneszellen der ineren Organe oder Sinneszellen des Bewegungsapparats.

Stäbchen

Sehsinneszellen, die  für das Hell- / Dunkel-Sehen bzw. das Dämmerungssehen verantwortlich sind.

Die Retina (Netzhaut) des menschlichen Auges besitzt ca. 60 Mio. Stäbchen.

Stevens Gesetz

Stevens Gesetz basiert auf den Gesetzen von Weber und Fechner. Es besagt, dass die Empfindungsstärke eine Potenzfunktion der Reizstärke ist. Dies belegte er mittels "Magnitude Estimation", einem Verfahren, dass die Empfindungsintensität in Abhängigkeit von der Reizstärke erfasst. Der Exponent ist dabei stets für die jeweilige Reizmodalität spezifisch.

Stimulus

Ein Stimulus ist ein reiz, der eine Spannungsschwankung an einer Sinneszelle auslöst und im zentralen Nervensystem (i.d.R. im Gehirn) zu einer Wahrnehmung führt.

Man unterscheidet adäquate und inadäquate Stimuli. Ein adäquater Stimulus für eine Sehsinneszelle wäre z.B. ein Photon oder ein chemisches Molekül wie Sacharose für eine Geschmackssinneszelle. Ein inadäquater Stimulus wäre z.B. ein mechanischer Reiz für eine Sehsinneszelle, der Farbwahrnehmungen auslösen kann.

Suppression

Suppressive Effekte sind Interaktionen zwischen Substanzen, welche zu einer Verringerung der Empfindungsintensität führen. Die resultierende Empfindungsintensität nach Kombination / Mischung der Substanzen wird geringer als die die Ausgangsintensitäten der einzelnen Substanzen wahrgenommen. Sofern es sich nicht um zwei Einzelsubstanzen handelt, die gemischt werden (binäre Gemische), sondern um komplexe Mischungen (wie es Lebensmittel i.d.R. sind), kann es auch sein, dass einzelne Komponetnten weniger intensiv bewertet werden oder sich asymetrische Intensitätsveränderungen ergeben.

Beispiel: die Mischung von Zucker und Salz (knapp überschwellig) führt zu einer Reduktion der Süsswahrnehmung (unvollständige gegenseitige Neutralisation

Süss-Wahrnehmung

Verschiedene Zuckermoleküle (Sachharose, Glucose, Fructose, ...) sowei Süsstoffe können sich auf der Oberfläche von Geschmacksrezeporen wie Schlüssel zu Schloss an Rezeptorproteine binden. Hierbei spielen die Moleküle TAS1R2 und TAS1R3, welche an sogenannte Gustducine (G-Proteine) gebunden sind, eine besondere Rolle. Sobald die Zuckermoleküle sich anbinden, zerfallen die G-Proteine in 2 Teile und lösen aus, dass im Zellinneren ein Botenstoff ausgeschüttet wird, der die Kalium-Kanäle blockiert. In der Folge wird die Zelle depolarisiert und ein Rezeptorpotential entsteht. Analog zur Sauer- und Salzig-Wahrnehmung werden in der Folge Ca++ Ionen in das Zellinnere eingelassen, welche die Aussschüttng von Neurotransmittern (Botenstoffen) in den synaptischen Spalt verursachen. Dadurch wird die elektrische Informtion in eine chemische Information umgewandelt und zur nächsten Nervenzelle transportiert. In Abhängigkeit von der Reizstärke wird dort eine Frequenz von Aktionspotentialen ausgelöst, welche die die Informration weiter zum Gehirn leiten. Einfach geladene K+ Ionen stellen das ursprüngliche Ruhepotential der Rezeptorzelle wieder her, indem Sie aus dem Zellinneren austreten.

Synapse

Die Synapse bildet den Übergang von einer zur nächsten Nervenzelle. Im Rahmen der Erregnungsleitung werden die elektrischen Impulse (Aktionspotentiale) in einer Synapse zunächst decodiert, d.h. es werden sogenannte Neurotarnsmitter (chemische Botenstoffe) in den synaptischen Spalt ausgeschüttet. Diese lösen an der nächsten Nervenzelle wieder elektrische Impulse (postsynaptische Potentiale) aus, welche für die Weiterleitung entlang der Nervenbahn wiederum in Aktionspotentiale umgesetzt werden.

Synergismus

Synergistische Effekte sind Interaktionen zwischen Substanzen, welche zu einer Verstärkung der Empfindungsintensität führen. Die resultierende Empfindungsintensität nach Kombination / Mischung der Substanzen übertrifft die Ausgangsintensitäten der einzelnen Substanzen. Sofern es sich nicht um zwei Einzelsubstanzen handelt, die gemischt werden (binäre Gemische), sondern um komplexe Mischungen (wie es Lebensmittel i.d.R. sind), kann es auch sein, dass einzelne Komponetnten stärker hervortreten oder sich asymetrische Intensitätsveränderungen ergeben.

Beispiele:
Kuchenteig: Mischung von Salz (unterschwellig) in eine süsse Matrix (überschwellig), führt zu einer verstärkten Süssempfindung

Tomatensosse: Mischung vonZucker (unterschwellig) in eine herzahfte Matrix (säuerlich, würzig, ...), führt zur Abflachung der Säurespitze und zu einer Intensivierung der "salzig-würzigen" Note in der Sosse

Taste Modifier

Substanzen, welche die Wahrnehmung von Geschmacksqualitäten verändern.

Beispiele:
Gymneasäure: Die Substanz aus der Kletterpflanze Gymnea Sylvestre führt zu einem Ausfall der Süsswahrnehmung, da die für die Süesswahrnehmung verantwortlichen Rezeptoren blockiert werden.

Miraculin (Gykoprotein): Die Substanz aus dem Strauch Synsepalum dulcificum fügt einer sauren Geschmacksempfindung eine Süssempfindung hinzu. Dadurch wird die Säureempfindung insgesamt reduziert resp. quasi ausgeglichen. Auf Zellebene bedeutet dies, dass das Miraculin die Süssrezeptoren besetzt. In Folge des Säureeintrags wird der pH-Wert abgesenkt. und das Zuckermolekül des Miraculins kann die Zuckerrezeptoren stimulieren.

Tast-Wahrnehmung

Mittels Reizung von Tast- oder Mechano-Rezeptoren (Messner-Zellen, Merkel-Körperchen, Pacini-Körperchen, Haarfollikel-Sensoren, Tastscheiben, Ruffini-Körperchen, ...), welche sich in der menschlichen Haut, sowie in bestimmten Papillentypen der Zunge (fadenförmige Papillen), an den Lippen, am Zahnfleisch und im Gaumen, befinden, können Textureigenschaften von Lebensmitteln durch den Menschen wahrgenommen werden (Viskosität, Struktur, Mundgefühl, ...). Je nach Art und Stärke des auslösenden Reizes werden die elektrischen Impulse in Form von Aktionspatentialen über spezifische Nervenfasern zum Gehirn geleitet.

Beispiele für unterschiedliche Tastempfindungen:

Intensität: Druck, Dehung (Merkel-Zellen)

Geschwindigkeit: Änderungmechanischer Belastung (Meissner-Körperchen, Haarfollikel-Sensorik)

Beschleunigung / Vibration (Pacini-Körperchen)

Richtunsgwahrnehmung (Ruffini-Körperchen)

Thalamus

Region des Gehirns in der die elektrischen Impulse via Erregungsleitung über Nervenzellen eingehen. Der Thalamus gilt als Schaltzentrale des Gehirns und leitet die Impulse in die verschiedenen Bereiche des sensorischen Cortex weiter, in denen dann die spezifische sensorische Wahrnehmung stattfindet.

Transduktion

Prozess der Auslösung eines Rezeptorpotentials durch einen Reiz/Stimulus.

Transformation

Auslösung eines Aktionspotentials. Je stärker der Reiz umso höher das Rezeptorpotential und umso häufiger wird ein Aktionspotential ausgelöst (Frequenz). Die Frequenz der Aktionspotentiale codiert den Reiz und die Reizstärke im Rahmen der Erregungsleitung mittels Nervenbahnen.

Trigeminale Empfindung

Trigeminale Empfindungen sind Empfindungen, welche vom 5. Hirnnerv, dem Nervus Trigeminus, abgeleitet werden. Reizauslösende Substanzen werden nicht über Geruchs- oder Geschmackssinneszellen aufgenommen, sondern von sogenannten freien Nervenendigungen, welche v.a. in den Schleimhäuten von Augen, Nase und Mund zu finden sind.

Beispiele für reizauslösende Substanzen und zugehörige "primäre" Empfindungen sind z.B.:

Capsaicin aus Chili: brennend (scharf)

Pierin aus Pfeffer: brennend (scharf)

Methol aus Pfefferminze: kühlend

Alliin aus Zwiebeln und Knoblauch: beissend

Kohlensäure in Getränken: prickelnd

Polyphenole in Kaffee/Tee: adstringierend

Abhängig davon wie die Empfindungen assoziiert sind, unterscheidet man in  oral-trigeminale (geschmacks-assoziierte) und nasal-trigeminale (geruchs-assoziierte) Empfindungen.

Neben den beschriebenen "primären" Reaktionen, werden in der Folge "sekundäre" (körperliche) Reaktionen ausgelöst, z.B.:

Schwitzen

verstärkte Nasensekretion

Tränen der Augen

verstärkter Speichelfluss

ggf. Stimulation der Magen-Darm-Persitaltik

ggf. Reflexe wie das Niesen

Umami-Wahrnehmung

Salze von Aminosäuren (Na-Glutamat, K-Glutamat, ...) können sich auf der Oberfläche von Geschmacksrezeporen wie Schlüssel zu Schloss an Rezeptorproteine binden. Hierbei spielen die Moleküle TAS1R und TAS3R, welche an sogenannte Gustducine (G-Proteine) gebunden sind, eine besondere Rolle. Sobald die Salze der Aminosäuren sich anbinden, lösen die G-Proteine aus, dass im Zellinneren ein Botenstoff ausgeschüttet wird, der zu einer Ca++ Ionen-Ausschüttug aus dem endoplasmatischen Retikulum ins Zellinnere führt. Durch die Ca++ Ionen wir die Zelle depolarisiert. Ausserdem führt der Ca++ Einstrom zu einer Aussschüttung von Neurotransmittern (Botenstoffen) in den synaptischen Spalt verursachen. Dadurch wird die elektrische Informtion in eine chemische Information umgewandelt und zur nächsten Nervenzelle transportiert. In Abhängigkeit von der Reizstärke wird dort eine Frequenz von Aktionspotentialen ausgelöst, welche die Informration weiter zum Gehirn leiten. Einfach geladene K+ Ionen stellen das ursprüngliche Ruhepotential der Rezeptorzelle wieder her, indem Sie aus dem Zellinneren austreten.

Unterschiedsprüfungen

Diskriminierende Prüfverfahren oder Unterschiedsprüfungen, sind Methoden, mit denen sich feststellen lässt, ob kleine bis kleinste Unterschiede zwischen Merkmalseigenschaften der Prüfproben sensorisch wahrnehmbar sind. Daten, die man mittels Diskriminierender Prüfverfahren erhebt sind binomialverteilt und müssen entsprechend ausgewertet werden.

Zu den Unterschiedsprüfungen gehören Methoden wie: Paarweiser Vergleich, Duo-Trio-Test, Dreiecksprüfung, Two-out of-five-Test, A-not A-Test, etc.

Häufigstes Anwendungsgebiet für derartige Prüfverfahren ist die Qualitätssicherung von Lebensmitteln.

Unterschieds-Schwellenwert

Minimal notwendiger Unterschied in der Reizsstärke, damit ein Intensitätsunterschied festgestellt werden kann.

Der Unterschieds-Schwellenwert nennt sich auch "Upper difference limit (UDL)".

Upper difference limit (UDL)

Minimal notwendiger Unterschied in der Reizsstärke, damit ein Intensitätsunterschied festgestellt werden kann.

Der Unterschieds-Schwellenwert nennt sich auch "Just noticable difference (JND)".

Webers Gesetz

Webers Gesetz besagt, dass die Unterschieds-Schwelle in einem nahezu festen Verhältnis zur Reizintensität steht. Um eine sensorische wahrnehmbare Intensitätsveränderung zu erzeugen, muss daher der Reizunterschied umso grösser sein, je grösser der initiale Reiz ist.

Zapfen

Sehsinneszellen, die für das Farb-Sehen verantwortlich sind.

Die Retina (Netzhaut) des menschlichen Auges besitzt ca. 120 Mio. Zapfen. Diese unterteilen sich in rot-, grün- und blau-empfindliche Zapfen. Je nach Wellenlänge des Lichts, werden die entsprechenden Zapfen erregt. Farbempfindung entsteht dann durch den Vergleich der verschiedenen Erregungszustände der drei Zapfen-Typen.

Zilien

Haarfortsätze der Geruchssinneszellen in denen die Geruchrezeptoren angesiedelt sind.

Lernen