NIN-Erklärt
Fragen und Antworten aus dem Bereich der Niederspannungsinstallationsbereich
Fragen und Antworten aus dem Bereich der Niederspannungsinstallationsbereich
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Cartes-fiches
Stecker von Geräten mit doppelter Isolation müssen im Lieferzustand mit den Leitungen untrennbar verbunden sein. Dies kann z.B. durch Verschweissen des Steckers oder Pressen der Anschlüsse im Stecker geschehen. Dies soll verhindern, dass zweipolige Stecker T11 durch Personen ohne Fachwissen demontiert und an dreiadrige Leitungen an Geräte mit Schutzleiter angeschlossen werden. Der Schutzleiter könnte entweder gar nicht oder falsch angeschlossen werden.
4.1 Schutz gegen el. Schlag - Reparatur Verlängerungsklabel
Wie verhält es sich bei der Reparatur eines zweiadrigen Verlängerungskabels, wenn ein Leiterbruch kurz vor dem Netzstecker entstanden ist. Darf der Stecker T1 durch einen Stecker T12 ersetzt werden?
Wenn ein zweiadriges Kabel mit Stecker und Kupplung des alten Modells T1 ausgerüstet ist, ist die Situation anders. Diese lassen sich nicht in Steckvorrichtungen mit Schutzkragen einführen, weil das Kabel keinen Schutzleiter aufweist, und es nur an Stellen und für Geräte zum Einsatz gelangen darf, wo der Schutzleiter nicht zwingend notwendig ist. Aus diesem Grund ist es nicht zulässig, wenn der Stecker T1 gegen einen Typ 12 ausgewechselt wird.
4. Schutz gegen el. Schlag - Nicht leitende Umgebung
Welches Schutzziel wird durch die Schutzmassnahme «nicht leitende Umgebung» angestrebt? Welche massgebende Distanz muss in solchen Bereichen zwischen leitfähigen Körpern und fremden leitfähigen Teilen eingehalten werden?
NIN 4.1 C.1
Die Schutzmassnahme «nicht leitende Umgebung» soll das gleichzeitige Berühren aktiver Teile mit unterschiedlichem Potenzial verhindern. Die Körper müssen so angeordnet werden, dass es unter normalen Betriebsbedingungen und ohne Hilfsmittel für eine Person nicht möglich ist, gleichzeitig zwei leitende Körper zu berühren. Als minimale horizontale Distanz gilt eine Strecke von 2,5 m zwischen leitfähigen Körpern und fremden leitfähigen Teilen. Die gleiche Distanz ist auch für den vertikalen Bereich gültig. Anders verhält es sich bei Bereichen mit leitendem Fussboden. Vom leitenden Standort (Grenzbereich) zu einem leitenden Körper darf die horizontale Distanz nicht kleiner sein als 1,25 m.
4.1 Schutz gegen el. Schlag - Fremedes Leitfähiges Teil
Die NIN spricht im Zusammenhang von Schutzpotenzialausgleich von «fremden leitfähigen Teilen». Diese sind zwingend in den SPA miteinzubeziehen. Was meint die NIN aber mit dieser Bezeichnung?
NIN: 2.1.12.11
Die NIN definiert wie folgt: Leitfähiges Teil, das nicht zur elektrischen Anlage gehört, das jedoch ein elektrisches Potenzial, im Allgemeinen das einer örtlichen Erde, einführen kann. Aus dieser Definition heraus wird folgendes klar: Fremde leitfähige Teile gehören nicht zur elektrischen Anlage.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Vorgehen
Welche Weisungen oder Normen gilt es bei Installationen und bei der Montage von thermischen Geräten zu beachten, wenn diese in kritischer Umgebung eine Brandgefahr für brennbare Teile und ihre Umgebung darstellen?
NIN:4.2.1
- Die NIN geht im Kapitel 4.2 grundsätzlich auf das Problem der schädlichen Wärmewirkungen ein. Die darin erlassenen Normen gelten für jede Installation und auch für die Montage von elektrischen Betriebsmitteln.
- Jeder Hersteller von Geräten oder Betriebsmitteln kann für seine Geräte von der NIN abweichende Weisungen erlassen. Daher sind diese auch gemäss Herstellerangaben zu betreiben und zu warten.
- Für die Aufstellung von wärme- und lufttechnischen Geräten gelten zudem die Weisungen der Vereinigung kantonaler Feuerversicherer (VKF)
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Maximale Oberflächentemperatur
Welche maximale Temperatur darf an Gehäusen von elektrischen Betriebsmitteln selbst im Störungsfall nicht überschritten werden?
NIN 4.2.1
Die Praxis zeigt, dass eine Entzündung von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Einer ist die Einwirkdauer der kritischen Temperatur. Die NIN spricht von Erfahrungswerten, wobei festgestellt wurde, dass Holz nach mehrjähriger Einwirkung bereits bei 85 °C entzündbar ist. Daher dürfen auf Holz montierte Betriebsmittel keine höhere Temperatur als 85 °C annehmen können.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Massnahmen zur Reduktion der Brandgefahr
Welche verschiedenen Möglichkeiten bestehen, um eine Brandgefährdung durch wärmeabgebende Betriebsmittel zu verhindern?
Die Massnahmen sind von der Art der Betriebsmittel oder Energieverbraucher abhängig:
- Einbau in Gehäuse mit geringer Wärmeleitfähigkeit,
- Verkleidung der brennbaren Gebäudeteile mit Stoffen mit geringer Wärmeleitfähigkeit,
- genügenden Abstand von brennbaren Gebäudeteilen einhalten,
- für ausreichende Lüftung sorgen, damit ein Wärmestau vermieden wird,
- als elektrische Massnahme können Temperaturbegrenzungseinrichtungen wie Thermostate, Temperatursicherungen sw. eingebaut werden.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Montage von Geräten mit Funken oder Lichbogen
Welche Schutzmassnahmen verlangt die NIN bei der Montage von Betriebsmitteln, die selbst im Normalbetrieb Funken oder Lichtbogen erzeugen können, wie Leitungsschutzschalter, Schaltschütze usw. bei der Montage auf brennbare Gebäudeteile?
NIN: 4.2.1.3 + 4.2.1.6 B+E
Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten: •
- Einbau der Betriebsmittel in lichtbogenbeständige Gehäuse, •
- Aufbau der Betriebsmittel auf Stoffe, die eine schädliche Wirkung von Funken auf Gebäudeteile verhindern.
Als nichtbrennbar und wärmeisolierend gelten Stoffe dann, wenn sie eine genügende Dicke, eine geringe Wärmeleitfähigkeit sowie eine ausreichende mechanische Festigkeit aufweisen.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Maximale Temperatur für Verbrennungsgefahr
Wie heiss dürfen metalleneTeile und Gehäuse von elektrischen Betriebsmitteln maximal werden, damit keine Verbrennungsgefahr für Personen besteht?
NIN: 4.2.3.1
Die NIN unterscheidet drei verschiedene Berührungsarten. Diesen werden entsprechende Temperaturen zugeordnet. Bei metallenen Teilen, welche im Betrieb berührt werden müssen, jedoch nicht in der Hand gehalten werden, gilt eine maximale Temperatur von 70 °C. Diese Temperatur darf im normalen Betrieb auch kurzfristig nicht überschritten werden.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Gebläseheizsystem
Der Schutz gegen Überhitzung nimmt bei Heizgeräten einen wichtigen Platz ein. Welche Bedingungen müssen Gebläseheizsystemnach NIN zum Schutz der Benützer erfüllen?
NIN: 4.2.4.1
Die folgenden Bedingungen werden gestellt:
- Gebläseheizsysteme müssen so verriegelt sein, dass die Heizung nur dann einschalten kann, wenn der erforderliche Luftdurchsatz vorhanden ist. Ein strömungsabhängiger Wachter erfüllt diese Bedingung.
- Bei Heizleistungen > 3 kW muss das Gebläse zudem einen Nachlauf von 60 s zur Heizung aufweisen.
- Ein Temperaturbegrenzer muss unmittelbar beim Heizregister angeordnet sein (Distanz max. 1 m). Einstellung auf maximal 85 °C. Er darf nicht selbsttätig wieder einschalten.
- Wird nur der Steuerkreis geschaltet, müssen Strömungswächter und Temperaturbegrenzer auf zwei getrennte, im Hauptstrom liegende Schütze wirken.
- Verkleidungen von Heizelementen müssen aus nichtbrennbarem Material bestehen.
- In feuergefährdeten Räumen dürfen keine Umluftheizungen eingesetzt werden.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Einsatz von Heissluftgebläsen
In welcher Raumkategorie darf ein Heissluftgebläse nicht mit Umluft aus dem Raum betrieben werden?
NIN: 4.2.4.3
In Betriebsstätten mit Brandgefahr (z.B. Schreinerei) dürfen Umluft-Raumheizgeräte mit elektrischen Heizeinsätzen nicht betrieben werden, wenn die Luft der Betriebsstätten durch diese Geräte geführt werden.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Montage von Wasserwärmern
Welche Vorsichtsmassnahmen sind bei der Montage von Wassererwärmern im Bereich von brennbaren Gebäudeteilen zu beachten?
NIN 4.2.4.2
Die entsprechenden Angaben sind den Montageanweisungen des Herstellers zu entnehmen. Der Hersteller bestimmt, welche Abstände, Regelungen und dgl. bei seinem Erzeugnis einzuhalten sind.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Temperatrurbegrenzer im Hilfssrormkreis
Welche Bedingung muss bei Wassererwärmern eingehalten werden, wenn die Temperaturbegrenzungseinrichtungen nicht den Hauptstromkreis schalten?
Die beiden Thermostate sollen unter allen Umständen verhindern, dass im Störungsfall die Heizkörper weiterheizen.
- Am sichersten ist es deshalb, wenn beide direkt den Hauptstromkreis schalten.
- Wenn das durch die Grösse der zu schaltenden Leistung nicht möglich ist, schalten die Thermostate nur den Steuerstromkreis. Ein Klebenbleiben des Hauptschützes würde beide Thermostate unwirksam machen.
Deshalb verlangt die NIN für jeden Thermostat einen separaten Schütz. Damit wird der geforderte Sicherheitsstand erreicht.
Bei der zweiten Variante wirken beide Thermostate auf ein Schütz. Dieser muss so gewählt werden, dass ein Verschweissen der Kontakte durch den vorgeschalteten Überstromunterbrecher verhindert wird.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Abstände von Heizgeräten
Welche Abstände sind bei der Montage von Konvektions- und Speicherheizgeräten zu brennbaren Gebäudeteilen zwingend einzuhalten?
NIN: 4.2.4.3
Auch hier gilt es die Montageanweisung des Herstellers zu beachten. Durch spezielle Konstruktionen können unter Umständen die Abstände verringert werden
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Wärme von Leuchten
Leuchten bzw. ihre Leuchtmittel können unter ungünstigen Umständen zur Entzündung von Stoffen führen. Welche Sicherheitsmassnahme ist hier zu empfehlen
Die höchste Temperatur entsteht direkt am Leuchtmittel. In Räumen, in denen Leuchten Stoffe entzünden können, dürfen nur die vorgeschriebenen Leuchtmittel eingesetzt werden. Weiter sind Leuchten mit speziellen Schutzgläsern auszurüsten. Diese müssen nach dem Ersatz von Leuchtmitteln wieder montiert werden, oder es sind Leuchtmittel mit zusätzlichen Schutzgläsern zu verwenden.
Hinweis:
LED-Leuchten haben reduzierte Temperaturen am Leuchtmittel. Beachten Sie jedoch die Abwärme des jeweiligen Netzteiles.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Kennzeichnung von Leuchten
Welche Zeichen belegen die Eignung von Leuchten für eine Montage auf brennbare Gebäudeteile?
Da an modernen Lampen bereits im normalen Betrieb hohe Temperaturen entstehen, dürfen nur Leuchten auf brennbare Gebäudeteile montieren werden, welche dafür geeignet sind. Die notwendigen Symbole sind entweder direkt auf der Leuchte aufgedruckt oder in der Montageanweisung des Herstellers aufgeführt.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Herausfallen von heissen Splittern
Wie können Unfälle vermieden werden, welche beim Herausfallen oder Zersplittern der heissen Leuchtmittel von Niedervoltleuchten entstehen können?
Es sollten nur Leuchtmittel mit zusätzlichem Schutzglas eingesetzt werden. Diese decken die heissen Bereiche im Leuchtmittel ab und verhindern dadurch Schäden an Personen oder Möbeln.
Hinweis:
Das Anbringen von zusätzlichen Schutzgläsern ist insbesondere in der Lebensmittelindustrie sehr wichtig. Oft werden heute als Alternative Leuchtmittel mit Splitterschutz eingesetzt (sog. «self-shielded» Leuchtmittel)
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Betrieb mit Brandrisiko
Zählen Sie mindestens fünf Betriebe auf, in denen ein erhöhtes Brandrisiko zu erwarten ist.
NIN:4.2.2.0
Zu diesen Räumen/Bereichen gehören:
- Holzbearbeitungsbetriebe,
- Papierfabriken,
- Spinnereien/Webereien,
- Mühlen,
- Scheunen mit Heu- oder Strohlager,
- Bühnenhäuser von Theatern.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - IP-Schutz in feuergefährdeten Bereichen
Welche IP-Schutzart verlangt die NIN bei Leuchten in Räumen mit brennbarem Staub, um der Gefahr der Überhitzung durch Staubansammlung vorzubeugen?
NIN: 4.2.2.3.8
Leuchten müssen für die Betriebsstätte geeignet sein und eine Umhüllung haben,
- die mindestens dem Schutzgrad IP 4X
- oder im Falle von Staubablagerungen IP 5X
- oder im Falle von Ablagerungen leitfähigen Staubes IP 6X entspricht.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Leitungen in feuergefährdeten Betriebstätten
Welche Forderungen gilt es bei Leitungen in feuergefährlichen Räumen einzuhalten?
- NIN: 4.2.2.3. (4,5,9,10,12,13)
- NIN 5.2.1.8.4
Bei der Montage von Leitungen gelten folgende Forderungen:
- Leitungen welche diese Bereiche nur durchqueren und keine Verbraucher darin anspeisen, dürfen in diesen Räumen keine Verbindungen oder Klemmen aufweisen, ausser wenn diese Verbindungen in speziell geprüften Gehäusen eingebaut sind.
- Der Überlast- und der Kurzschlussschutz sind durch vorgeschaltete Überstromunterbrecher sicherzustellen.
- Sämtliche Endstromkreise müssen durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD's) mit IN ≤ 300 mA geschützt sein. Ausnahmen werden nur für Leitungen mit speziellen Isolationen und Stromschienensysteme zugelassen.
- Die gesamte Installation muss in der Installationsart TN-S ausgeführt werden. Als Ausnahme gelten nur Leitungen, die den feuergefährlichen Bereich lediglich queren.
- Ortsveränderliche Kabel müssen dem Einsatz entsprechen und mechanisch widerstandsfähige Isolationen wie z.B. PUR- Kabel aufweisen.
- Ist eine Blitzschutzanlage vorhanden, müssen elektrische Leitungen zu dieser einen genügenden Abstand aufweisen, damit es bei einem Blitzeinschlag möglichst zu keiner Zerstörung bzw. keinem Überschlag auf die elektrischen Leitungen kommen kann.
- Sind elektrische Leitungen nicht ganz in nicht brennbarem Material eingebettet oder anderweitig vor Feuer geschützt, müssen sie aus schwerbrennbarem Material bestehen
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Verteilung in feuergefährdetem Raum
Werden Schaltgerätekombinationen in feuergefährlichem Bereich montiert, muss das Material der Schutzkasten bestimmte Anforderungen erfüllen. Was schreibt die NIN hinsichtlich des Materials dieser Schutzkasten vor?
NIN: 4.2.2.3.3
Es sollten in diesen Bereichen keine Schaltgerätekombinationen montiert werden. Falls es trotzdem notwendig wird, müssen die Schutzkästen aus nicht brennbarem Material (Metallblech) und der Schutzart IP 4X oder höher entsprechen, oder die ganze Kombination ist in geschlossene Nischen einzubauen.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - Einlasskasten in brennbaren Stoffen
Aus welchem Material müssen Einlasskästen oder Einbaugehäuse von Schaltern und Steckdosen bestehen, wenn diese in brennbare Gebäudeteile eingebaut werden?
Brandgefahr kann von Leuchten wie z.B. Scheinwerfern oder defekten Vorschaltgeräten ausgehen, wenn sich brennbarer Staub wie Stofffasern, Heu oder Stroh in erheblichen Mengen auf der Leuchte absetzt. Die NIN geht von einer maximalen Oberflächentemperatur von ≤90 °C unter üblichen Bedingungen und ≤ 115 °C im Störungsfall aus.
Leuchten die mit D gekennzeichnet sind, sind Leuchten mit begrenzter Oberflächentemperatur.
4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse - 300-mA-RCD-Schutz
Es ist bekannt, dass in feuergefährdeten Betrieben der Einbau von RCD's 300 mA für den Brandschutz obligatorisch ist. Gilt dies für die gesamte Installation?
In der vorhergehenden NIN war es noch so, dass die gesamte Installation mit 300 mA RCD geschützt werden musste. Seit der NIN 2015 heisst es in 4.2.2.3.9 nun: «Endstromkreise, die die Räume oder Orte versorgen oder durchqueren ... ». Dies bedeutet, dass die Endstromkreise zu schützen sind. Natürlich müssen Steckdosenstromkreise weiterhin mit 30-mA-RCD Schutz ausgerüstet werden.
4.3 Überstromschutz - Schutz vor aktivem Leitern
Welche Bedingung wird zum Schutz der Leiter in elektrischen Installationen verlangt?
NIN: 4.3.0.3
Es müssen alle aktiven Leiter im Fall von Überlast und/oder Kurzschluss so geschützt sein, dass die vorgeschaltete Schutzeinrichtung rechtzeitig abschaltet und eine zu grosse Erwärmung der Leiter oder der Isolation vermieden wird.
Wenn Leiter durch einstellbare Schutzeinrichtungen geschützt werden, gilt entweder der eingestellte Stromwert am Thermorelais oder der Bemessungsstrom des angeschlossenen Motors. Verbindlich ist immer der höhere Stromwert. Es besteht die Möglichkeit, dass das Thermorelais für spezielle Bereiche tiefer als auf den Bemessungsstrom des Motors eingestellt wird. Trotzdem ist der höhere Wert, also der Bemessungsstrom des Motors, massgebend für die Bemessung des Querschnittes.
4.3 Überstromschutz - Schutz von Leitern und Leitungen
Welche Umstände machen eine Überstrom-Schutzeinrichtung zum Schutz von Leitern und Leitungen notwendig?
NIN: 4.3.3.2
Eine Überlast- und Kurzschluss-Schutzeinrichtung ist immer dann notwendig,
- wenn eine Verringerung des Querschnittes einer Leitung erfolgt,
- wenn eine Änderung der Verlegungsart nur noch einen geringeren Stromwert zulässt,
- wenn durch eine andere Art Leitung die mögliche Strombelastbarkeit abnimmt.
4.3 Überstromschutz - Welche Leiter sind zu schützen
Müssen alle Leiter in Hausinstallationen, wie L 1, L2, L3, N und PE gegen Überströme geschützt sein?
NIN: 4.3.1.1.1
Die drei Aussenleiter Ll, L2, L3 sind gegen überströme zu schützen. Jeder einzelne überlastete Leiter muss, ungeachtet der Strombelastung in anderen
Leitern, abgeschaltet werden können. N-Leiter werden in speziellen Fällen, PE-Leiter nie gegen Überströme geschützt.
Der Strom im Neutralleiter kann aufgrund von Oberwellen grösser werden als der Strom in den Aussenleitern. Bei Anwendung mit vielen elektronischen Bauteilen ist der Schutz des N-Leiters zwingend.
4.3 Überstromschutz - Überlastschutz von Motoren?
Von welcher Leistungsgrenze an müssen alle Motoren, ungeachtet in welchem Bereich sie montiert werden, mit Überlast-Schutzeinrichtungen
ausgerüstet sein?
NIN: 4.2.2.3.7
Es müssen alle Motoren mit Bemessungsleistung ≥ 0,5 kW mit ÜberlastSchutzeinrichtungen ausgerüstet werden. Motoren mit kleineren Leistungen
in nicht feuergefährdeten Räumen können ohne Motorschutzschalter angeschlossen werden. In feuergefährlichen Bereichen gilt für alle Motoren, dass sie gegen Überhitzung durch eine temperaturabhängige Überlast-Schutzeinrichtung geschützt sind.
Falls in feuergefährdeten Bereichen Motoren mit Bemessungsleistungen ≥0,5 kW nur beaufsichtigt betrieben werden, müssen sie nicht zwingend
geschützt sein, z.B. eine Schleifmaschine.
4.3 Überstromschutz - Einstellungen MS
Welcher Stromwert muss am Motorschutzschalter eingestellt werden, damit der nachgeschaltete Motor gegen Überlast geschützt ist.
Jede Überlast-Schutzeinrichtung, ob Thermorelais oder Motorschutzschalter, hat bereits eine kleine Fabrikationstoleranz (1,05-1,2). Deshalb darf kein höherer Wert als der Nennstrom des zu schützenden Motors eingestellt werden.
Eine impedanzlose oder -arme Verbindung kann in Stromkreisen an ganz unterschiedlichen Orten und zwischen verschiedenen aktiven Leitern und/
oder dem Schutzleiter/Erde auftreten.
Grundsätzlich wird in jedem Stromkreis unterschieden zwischen:
- dem grösstmöglichen Kurzschlussstrom (unbeeinflusster oder prospektiver Kurzschlussstrom). Wir nennen ihn IK3 Dieser Wert ist verbindlich für die Bemessung der Betriebsmittel. Der gemessene oder berechnete Wert wird ohne Reduktionsfaktor direkt eingesetz
- dem geringsten Kurzschlussstrom Ik1 Diese Grösse ist für die Leiterdimensionierung wichtig. Im Kurzschlussfall werden Leiter weniger durch hohe Kurzschlussströme gefährdet, diese werden ja durch die vorgeschalteten Schutzeinrichtungen abgeschaltet. Kritischer sind geringere Werte, weil hier der Kurzschlussstrom bis maximal 5 s fliessen kann. Weil Übergangswiderstände an der Kurzschlussstelle den Kurzschlussstrom reduzieren können, und kleinere Kurzschlussströme gefährlicher sind, wird ein Sicherheitsfaktor von 0,25 für dreipolige, und 0,75 für einpolige Kurzschlussströme eingerechnet.
Hinweis:
Zur Messung von grossen Kurzschlussströmen - in der Regel> 2 kA- müssen spezielle lmpedanztester verwendet werden.
Zur Messung von Kurzschlussströmen im Wohnungsbereich sind die bekannten Installationstester ausreichend.
Die korrekten Antworten lauten:
- Leitungsschutzschalter bieten sowohl den Überlast- wie auch den Kurzschlussschutz.
- Motorschutzschalter ohne elektromagnetische Auslösung können nur
- Überlastströme abschalten.
- Das Gleiche gilt für Thermorelais mit Steuerkontakt. Sie können keine
- Kurzschlussströme abschalten, sondern nur überlastströme.
- Schmelzsicherungen hingegen beherrschen beide Arten der überströme.
Es gibt zwei Personengruppen, welche für die Bedienung von Schutzeinrichtungen vorgesehen sind. Zur ersten Gruppe gehören die Laien, zur zweiten elektrotechnisch unterwiesene Personen (BA4) oder höher qualifizierte Fachleute. Grundsätzlich dürfen Schutzeinrichtungen nur dann von Laien bedient werden, wenn keine Gefahren bei der Bedienung bestehen und keine Schmelzeinsätze für zu hohe Bemessungsstromstärken oder zu niedrige Spannungen verwendet werden können. Bei der zweiten Gruppe gelten diese Einschränkungen nicht, da man davon ausgehen kann, dass sie über die Gefahren hinreichend unterwiesen sind und sich entsprechend schützen. Die persönliche Schutzausrüstung PSA muss beim Auswechseln von offenen NHS-Schmelzeinsätzen getragen werden.
4.3 Überstromschutz - Manipulation von Schutzeinrichtungen
Welche Massnahmen sieht die NIN vor, um Laien vor Manipulationen an Schutzeinrichtungen abzuhalten? Erwähnen Sie alle Schmelzsicherungssysteme, die nicht durch Laien bedient werden dürfen.
NIN 5.3.1.2
Die folgenden Bedingungen sind einzuhalten: •
- Laien dürfen nur Sicherungssysteme mit Passeinsätzen bedienen. Daher sind in allgemein zugänglichen Bereichen ausschliesslich Diazed Schmelzsicherungen der Grössen D I, D II und D III zulässig. •
- Sind in solchen Bereichen andere Schutzeinrichtungen vorhanden, welche nur durch elektrotechnisch unterwiesene Personen (BA4) bedient werden dürfen, müssen diese in Schränke eingebaut sein, welche entweder abgeschlossen sind oder nur mit entsprechenden Werkzeugen geöffnet werden können. Es ist auch möglich, ganze Räume nur berechtigten Personen zugänglich zu machen.
Nicht durch Laien bedient werden dürfen die nachstehenden Schmelzsicherungen, weil sie ohne Verwendung von Passeinsätzen auskommen: •
- NHS Niederspannungshochleistungssicherungen der Grössen NH 000 bis NH 4a,
- KLS Kleinleistungssicherungen mit den sandgefüllten Miniatursicherungen in zylindrischer Röhrenform. Diese Art ist nur noch in Steuerkreisen zulässig.
HInweis:
Bei Leistungsschaltern mit vielen Parametern müssen alle gültigen Einstellungen dokumentiert werden.
Die Netzbetreiberin entscheidet über die Art der Anschlussüberstromunterbrecher. Sie hat die Übersicht über ihr Netz und damit auch über die vorgeschalteten Überstromunterbrecher in der Kabelverteilkabine oder in der Trafostation. Die Entscheidung ist abhängig:
- von der Selektivität der Anschlussüberstromunterbrecher zu den vorgeschalteten Überstromunterbrechern,
- von dem im Kurzschlussfall fliessenden, maximalen Strom.
HInweis:
Bei grossen Anschlussleistungen werden oft Leistungsschalter eingesetzt. Durch die verschiedenen Einstell-Parameter kann die Selektivität gut eingehalten werden
Anschlussüberstromunterbrecher müssen allgemein zugänglich und ohne Hilfsmittel erreichbar sein. Eine unzulässige Platzierung wäre in nassen, korrosionsgefährlichen oder feuergefährlichen Räumen. Der Standort der Anschlussüberstromunterbrecher ist mit der Netzbetreiberin abzusprechen.
Weil bei Blitzschlägen über die Freileitung Überspannungen in die Installationen eindringen können, sieht die NIN die folgenden Massnahmen vor:
- die Anschlussüberstromunterbrecher müssen aus einpoligen Elementen bestehen, Kurzschlussschutz diese einpoligen Elemente müssen entweder - durch Einzeldeckel
- oder - geeignete Trennwände voneinander getrennt sein,
- oder - bei offenen Elementen müssen sie untereinander einen Abstand von mind. 1 cm aufweisen.
Der Kurzschlussschutz ist vor allem wichtig für den:
- Leiterschutz: Alle elektrischen Leiter sind vor einer unzulässigen Belastung durch Kurzschlussströme zu schützen. Die Überlegung, dass Kurzschlussströme mit geringer Grösse die Abschaltzeit der Schutzeinrichtung erhöhen, bedeutet, dass gleichzeitig auch die Leiterbelastung zunimmt. Fliesst hingegen ein hoher Kurzschlussstrom, schaltet die vorgeschaltete überstrom-Schutzeinrichtung ab, sodass für den Leiter in der Regel keine Gefahr besteht. Für den Schutz der Leiter gilt es demzufolge, den geringsten Kurzschlussstrom zu berücksichtigen.
- Schutz der Betriebsmittel: Diese sollen auch bei Störungen, also z.B. im Kurzschlussfall, möglichst gut geschützt sein. Hier gilt je höher der Kurzschlussstrom, umso gefährlicher die Situation für die eingebauten Betriebsmittel wie z.B. Steckvorrichtungen. Umgekehrt wird die Chance einer Zerstörung mit abnehmendem Kurzschlussstrom geringer. Beim Schutz der Betriebsmittel muss deshalb der höchst mögliche Kurzschlussstrom berücksichtigt werden.