NIN-Erklärt

Fragen und Antworten aus dem Bereich der Niederspannungsinstallationsbereich

Fragen und Antworten aus dem Bereich der Niederspannungsinstallationsbereich


M. B.
Diese Lernkarten erklären die NIN mit Fokus auf Schutzmaßnahmen, Leitungen und Installationen. Sie behandelt Farbcodierungen, Schutzleiter, Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen sowie spezielle Anforderungen in Landwirtschaft, Baustellen und Feuchträumen. Praktische Prüfmethoden und Schutzklassen werden ebenfalls erläutert. Ideal für Elektrofachkräfte und Auszubildende, die sich auf Prüfungen vorbereiten oder ihr Wissen vertiefen möchten.
Karten
273
Lernende
13
Sprache
Deutsch
Kategorie
Elektrotechnik
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
12.06.2024 / 02.07.2026

Lernkarten

4.3 Überstromschutz - Abschalten bei Kurzschluss

Wie schnell soll ein Kurzschluss in Hausinstallationen abgeschaltet werden

NIN:  5.4.3.1

Bezogen auf den Leiterschutz, muss die vorgeschaltete Schutzeinrichtung so rasch unterbrechen, dass weder thermische, noch dynamische Wirkungen die Leiter und die Anschlussstellen gefährden können. Die Abschaltzeit ist demzufolge abhängig vom fliessenden Kurzschlussstrom, dem Leiterquerschnitt und dem Isolationsmaterial des Leiters. Im Kurzschlussfall beträgt die höchstzulässige Leitertemperatur bei:

  • PVC 160 °C, 115
  • bei VPE-/EPR-Isolationen gar 250 °C. 143

Diese Zusammenhänge erscheinen in der zugehörigen Berechnungsformel für die maximale Abschaltzeit einer Schutzeinrichtung.

 

t  = maximale Abschaltzeit in Sekunden

S = Querschnitt des Leiter in mm2

IKmin = minamaler Kurzschlussstrom in Ampere, 

k = Faktor, abhängig von der max. zulässigen Leitertemperatur der spez. Wärme und dem spez. Widerstand.

 

Im Zusammenhang mit dem Schutz gegen elektrischen Schlag darf die Abschaltzeit nicht länger als 0,4 bzw. 5 s betragen.

4.3 Überstromschutz - Berechnung des Kurzschlussschutzes 

Berechnen Sie den Kurzschlussschutz des PVC-Kabels in der im Bild gezeichneten Motoreninstallation. Der am Motor gemessene Kurzschlussstrom zwischen L-PE beträgt 400 A. 

Das Thermorelais schützt den Leiter wohl im Überlastfall, aber nicht im Kurzschlussfall. Deshalb muss der Kurzschlussschutz berechnet werden. Zuerst wird der minimale Kurzschlussstrom ermittelt: einpoliger I K1 Sicherheitsfaktor 0,75 = 400 A x 0,75 = 300 A. Die maximal zulässige Abschaltzeit beträgt: 0.33s

4.3 Überstromschutz - Icp und Ipk

Erwähnen Sie die Bedeutung der am meisten verwendeten Kurzzeichen zu den Kurzschlussströmen wie z.B. lcp Ic und Icw.

 

 lcp: Unbeeinflusste Kurzschlussstrom > höchster theoretischer Strom an einer Netzstelle bei vernachlässigung der Impedanzen. Bestimmt das Schaltvermögen von Schutzgeräten. 

 Ic: Kurzschlussstrom mit Impedanzen: fliesst tatsächlich bei realen Bedingungen. (impedanzen Übergangswiderstände, Erwärmung )

Icw: Bemessungskurzzeitstrom > Effektivwert des Stroms welcher die Leitung (meist 1s) noch nicht thermisch beschädigt.

4.3 Überstromschutz - Verzicht auf Überlastschutz 

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit auf Überlast-Schutzeinrichtungen in direkten Zuleitungen zu Geräten verzichtet werden kann? 

NIN: 4.3.3.3.2 B+E

Wird ein Gerät fest angeschlossen, fliesst in der Zuleitung der Bemessungsstrom des Gerätes. Bei kalorischen Geräten wie Wassererwärmern, Kochgeräten, Heizgeräten usw. muss nicht mit Überlastströmen gerechnet werden. Das Gleiche gilt für Leitungen zu fest angeschlossenen Kondensatoren. Das fest angeschlossene Gerät stellt mit seinem Bemessungsstrom für die eigene Zuleitung den Überlastschutz sicher.

Auf dem Zuleitungsstück, das zu diesen Geräten führt, dürfen keine Abzweigungen vorhanden sein, sonst könnte mehr Strom als der Bemessungsstrom des fest angeschlossenen Gerätes über die Leitung fliessen. Das Bild zeigt die Zusammenhänge. Für Kurzschlussströme, wie sie im Störungsfall auftreten können, muss der Kurzschlussschutz auf andere Art gewährleistet werden. Leitungen in Schaltgerätekombinationen stellen einen Spezialfall dar. 

 

4.3 Überstromschutz - Fest angeschlossene Motoren 

Gewährleisten fest angeschlossene Motoren ebenfalls den Überlastschutz der Zuleitung wie z.B. Wassererwärmer?

NIN:4.3.3.3.B+E

Motoren können durch mechanische Überlastung einen grösseren Strom als den vorgesehenen Bemessungsstrom aufnehmen und damit die Zuleitung überlasten. Die NIN schreibt jedoch für praktisch alle Motoren einen Motorschutz vor. Dieses Thermorelais stellt in der Zuleitung den Überlastschutz sowohl für den Motor wie auch für die Zuleitung sicher. Mit dieser Kombination, Motor und zugehöriges Thermorelais, ist der nach NIN verlangte Überlastschutz der Zuleitung erfüllt. Der Kurzschlussschutz muss auch hier zusätzlich gewährleistet sein. 

4.3 Überstromschutz - Spezielle Bereiche 

In welchen Räumen oder Zonen ist ein Überlastschutz von Leitungen durch fest angeschlossene Geräte nicht zulässig? 

NIN: 4.3.3.3

Die NIN erwähnt feuergefährdete Räume oder explosionsgefährdete Zonen als unzulässige Bereiche für die Anwendung dieser Art Überlastschutz für Leitungen.

4.3 Überstromschutz - Anschluss von Geräten ohne Überlastschutz

Die NIN kennt Geräte, die direkt ohne eigenen bzw. fremden Überlastschutz an das speisende Netz angeschlossen werden dürfen. Erwähnen Sie dazu Beispiele.

NIN: 4.3.3.3.1.e 

kein Überlastschutz 

  1. Kleine Motoren < 500W 
  2. Blokierfeste Motoren - Überlastung schadet ihnen nicht 
  3. Kurzschlussfeste Transformatoren  (Sonnerietrafo ... ) Die vorgeschaltete Schutzeinrichtung darf nicht grösser sein als das 5-fache des Bemessungsstromes der Primärwicklung des Trafos, muss aber nicht kleiner als 10 A sein. 

mit Überlastschutz 

unbeaufsichtigt in feuergefährdeten Räumen oder explosionsgefährdeten Bereichen.

4.3 Überstromschutz - Kritischer Einbau von Überlastschutz 

Unter welchen Umständen ist ein Einbau von Überlast-Schutzeinrichtungen kritisch? 

NIN: 4.3.3.3.2.3 

Dies wäre bei Gerätschaften der Fall, in denen ein chemischer Prozess abläuft, der auf keinen Fall unterbrochen werden darf, weil es sonst zu Überhitzungs- oder gar Explosionsgefahr kommen könnte. In solchen Fällen muss eine vorhandene Überlastung signalisiert, aber nicht direkt abgeschaltet werden, weil damit unvorhergesehene Gefahren verbunden wären.

4.3 Überstromschutz - Grundsätzliche Regeln des Kurzschlussschutzes

Welche Regeln gelten bei der Platzierung von Kurzschluss-Schutzeinrichtungen? 

NIN 4.3.4.5.1

Kurzschluss-Schutzeinrichtungen müssen zwei Bedingungen erfüllen:

  1. Ihr Schaltvermögen muss mindestens dem am Einbauort auftretenden grössten unbeeinflussten Kurzschlussstrom entsprechen.
  2. Ein geringeres Schaltvermögen ist nur dann zulässig, wenn eine andere Schutzeinrichtung mit dem erforderlichen Schaltvermögen vorgeschaltet ist. Die beiden Schutzeinrichtungen müssen aufeinander abgestimmt sein. 

Back - up- Schutz

Zwei Ausnahmen kommen in Betracht:

  1. Die erste Ausnahme betrifft Leitungen, die durch fest angeschlossene Verbraucher gegen Überlast geschützt werden.
  2. Die zweite Ausnahme gelangt am häufigsten in Schaltgerätekombinationen bei der Anspeisung von Sicherungselementen zur Anwendung. Bei Verdrahtungsleitung innerhalb von Schaltgerätekombinationen muss der Kurzschlussschutz nicht nachgewiesen werden, wenn die drei folgenden

Bedingungen alle erfüllt sind: 

  • der reduzierte Leitungsteil darf nicht länger als 3 m sein
  • er muss so installiert sein, dass die Gefahr eines Kurzschlusses minimal ist, und
  • er darf nicht in der Nähe von brennbarem Material angeordnet werden.

4.3 Überstromschutz - Blockierfester Mortor 

Was versteht man unter einem blockierfesten Motor?

 NIN: 4.3.3.3.1 B+E 

Ein solcher Motor kann blockiert sein und darf trotzdem nicht Schaden nehmen. Der vorgeschaltete Überstromunterbrecher darf nicht grösser als der Bemessungsstrom des Motors sein. 

4.3 Überstromschutz - Schaltvermögen 

Was versteht man unter dem Begriff «Schaltvermögen» einer Schutzeinrichtung? 

NIN: 4.3.2.1 

Das Schaltvermögen sagt aus, welchen Kurzschlussstrom eine Schutzeinrichtung im Maximum abschalten kann. Es muss beim Einbau darauf geachtet werden, dass die Schutzeinrichtung für den höchstmöglichen Kurzschlussstrom Icp an der Einbaustelle bemessen ist. Das Schaltvermögen einer Schutzeinrichtung wird mit der Abkürzung Icu oder Ics bezeichnet. 

4.3 Überstromschutz - Wahl des Schaltvermögens 

Wie weiss ein Anwender, ob eine Schutzeinrichtung das notwendige Schaltvermögen lcu oder lcs, für den an der Einbaustelle fliessenden Kurzschlussstrom lcp aufweist?

Jede Schutzeinrichtung besitzt ein eigenes Schaltvermögen. Diazed-Patronen der

  • Grösse I können einen Icr von 10 kA
  • Grösse II 50 kA
  • Grösse II 50 kA
  • NH-Sicherungen > 100 kA

Der Anwender muss den am Einbauort möglichen Kurzschlussstrom Icr kennen, um die richtige Schutzeinrichtung einzubauen.

4.3 Überstromschutz - Was tun bei zu grossem Ik

Was ist vorzukehren, wenn der Kurzschlussstrom am Einbauort für eine Schutzeinrichtung zu hoch ist?

 

In solchen Fällen muss der Schutzeinrichtung mit der geringeren Kurzschlussfestigkeit eine solche mit einer höheren vorgeschaltet werden. Man spricht dann von Rückschutz (Back-up-Schutz). Die Hersteller von Leitungsschutzschaltern deklarieren dies meist mittels Tabellen. Das Bild  zeigt, wie der Leitungsschutzschalter mit einem zu geringen Ausschaltvermögen durch die vorgeschaltete Schmelzsicherung geschützt wird.

Hinweis:

Die Einhaltung der Selektivität ist zwar eine Empfehlung, trotzdem sollte ihre Einhaltung stets angestrebt werden.

 

4.3 Überstromschutz - Steuersicherung in Schaltschrank

Der Schützesteuerung in einem trockenen Raum sind Schmelzsicherungen DIII 40 A vorgeschaltet. Weil die Steuerung mit maximal 10 A vorgesichert werden darf, wird ein kleines Steuersicherungselement für KLS-Sicherungen auf dem Deckel des Schutzkastens der Steuerung gemäss Bild  montiert. Was sagt die NIN zu dieser Installation? 

 

Miniaturschmelzeinsätze dürfen nur in Steuerstromkreisen eingebaut werden. Soweit wäre das in der gestellten Anordnung richtig. Wenn sie jedoch allgemein zugänglich sind, was bei dieser Steuerung der Fall ist, sind KLS-Sicherungen nicht zulässig. Sie besitzen keine Passschrauben, welche ein Einsetzen von falschen Schmelzeinsätzen verhindern. Sie sind nur für elektrotechnisch unterwiesene Personen (BA4) und nicht für Laien zulässig.

4.3 Überstromschutz - Schutz durch DIN-Sicherungssysteme 

Aus welchem Grund sollen Leitungen, die praktisch dauernd mit ihrem Bemessungsstrom belastet werden, nicht durch Diazed-Schmelzeinsätze der Grösse III, sondern durch DIN-00-Patronen geschützt werden? 

Bei Diazed-Sicherungssystemen der Grössen I, II und III ist der Kontaktdruck vom Bedienungspersonal abhängig. Bei Nennströmen bis 25 A, also bis zur Grösse II, spielt dieser Umstand eine untergeordnete Rolle. Anders bei der Grösse III.Die NIN schlägt vor, bei Diazed-Patronen der Grösse III mit 40 A und höherem Nennstrom die Maximalbelastung auf 85 % zu begrenzen. 

Wird die Sicherung unter Last herausgeschraubt, können Lichtbogen entstehen, die die Kontaktbereiche aufrauen und einen zusätzlichen Übergangswiderstand erzeugen, was zu noch mehr Erwärmung führt. Isolationsbeschädigung und Brand sind die Folgen.

4.3 Überstromschutz - Leitungsschutzschalter bei hoher Umgebungstemperatur

Welches Problem tritt bei Leitungsschutzschaltern auf, wenn sie in einer Umgebungstemperatur von > 40 °C betrieben und dazu mehrere LS aneinander gereiht platziert werden?

NIN: 4.3.2.1 B+E 

Jeder Leitungsschutzschalter hat eine eigene Verlustleistung. Je höher der LS belastet wird, umso grösser die entstehende Wärme. Werden mehrere hoch belastete Leitungsschalter aneinander gereiht montiert, können sie die im Innern entstehende Abwärme nicht mehr genügend abführen. Das eingebaute Bimetall wird bereits vorgewärmt. Die Auslösung kann bei einem geringeren Wert als dem aufgeprägten Bemessungsstrom erfolgen. Die NIN schlägt für solche Fälle eine reduzierte Belastung der betroffenen Leitungsschutzschalter auf 75 % des Bemessungsstromes vor. Die Hersteller bieten hierzu Tabellen für ihre Produkte an. 

4.3 Überstromschutz - Zusätzliche Forderungen bei Anlschlussüberstromunterbrechern 

Für Anschlussüberstromunterbrecher gelten neben den bekannten Forderungen für alle Überstromunterbrecher wie Zugänglichkeit, Montage etc. zusätzliche Bedingungen, welche es ein zuhalten gilt. 

NIN: 4.3.2.5 

Anschlussüberstromunterbrecher nehmen einen besonderen Platz ein. Sie sind die Trennstelle zwischen der Hausinstallation und dem speisenden Netz. Daher gelten für sie nachstehende Bedingungen:

  1. Weil sie die vorgeschalteten überstromunterbrecher im Verteilnetz beeinflussen können, darf die Netzbetreiberin über die Selektivität und das Schaltvermögen in den Werkvorschriften Bedingungen erlassen.
  2. Ihre Platzierung ist in nassen, korrosionsgefährlichen oder feuergefährlichen Räumen nicht zulässig.
  3. Sie sind so anzuordnen, dass sie jederzeit ohne Hilfsmittel bedient werden können.

4.4 Schutz gegen Überspannung - Überspannungsschutzpflicht 

Wann ist der Einbau von SPD's (Überspannungsableitern) bzw. das Erstellen eines Schutzes gegen Überspannung gefordert nach NIN?

NIN: 4.4.3

Der Schutz bei transienten überspannungen muss vorgesehen werden, wenn die Folgen der Überspannungen Auswirkungen haben auf:

  1. Menschenleben, z.B. Anlagen für Sicherheitszwecke, medizinisch genutzte Bereiche,
  2. öffentliche Einrichtungen und Kulturbesitz, z. B. Ausfall von öffentlichen Versorgungsdiensten, Telekommunikations- und Rechenzentren, Bauten und Anlagen, deren Inhalte einen besonderen Wert aufweisen (z.B. Archive, Museen, Sammlungen),
  3. Gewerbe-, Dienstleistungs- oder Industriebetriebe mit erhöhtem Risiko, z. B. Beherbergungsbetriebe, in denen dauernd oder vorübergehend 20 oder mehr Personen aufgenommen werden, Industrie- oder Gewerbebetriebe mit feuer- oder explosionsgefährdeten Bereichen, landwirtschaftliche Betriebe mit erhöhtem Risiko,
  4. in Wohnbauten darf auf den Schutz gegen transiente Überspannungen verzichtet werden, falls der Wert der elektrischen Anlage kleiner als der 50-fache Wert des Überspannungsableiters am Anlage-Einspeisepunkt ist

4.4 Schutz gegen Überspannung - Gefährdete Leitungen bei Blitzeinschlag 

Welche Leitungen stellen bei Blitzeinschlägen eine besondere Gefahr für die angeschlossenen Hausinstallationen dar, und welche Massnahmen sind vorzukehren?

NIN: 4.4.3

Leitungen, die von aussen in das Gebäude eingeführt werden, stellen ein Risiko dar. Sie sind deshalb mit überspannungsschutzgeräten zu schützen. Zu beachten ist auch die Gefährdung für Leitungen in der Nähe von Ableitungen. 

4.4 Schutz gegen Überspannung - Wo gibt es EMV? (Elektromagnetische Einflüsse)

Wo sind Probleme hinsichtlich EMV zu erwarten?

NIN: 4.4.4.0

Mit EMV-Problemen muss gerechnet werden, wenn grossflächige Leiterschleifen vorhanden sind oder an Orten, an welchen unterschiedliche elektrische Kabel- und Leitungssysteme gemeinsam verlegt sind. Sie sehen also, EMV trifft nahezu jede Installation.

4.4 Schutz gegen Überspannung - Prominente Verursacher von EMV

Welches sind bekannte Verursacher, welche sich hinsichtlich EMV negativ auswirken könnten?

Im Grundsatz kann man davon ausgehen, dass elektronische Geräte und Verbraucher mit grosser Last sich nicht selten in Bezug auf EMV negativ auswirken.

Als Beispiele dürfen hier genannt werden:

  • Schaltgeräte für induktive Lasten, Leuchtstofflampen,
  • Gleichrichter,
  • Kompensationsanlagen,
  • Aufzüge,
  • Schaltanlagen,
  • Leistungsverteiler mit Stromschienen

4.4 Schutz gegen Überspannung - TN-C oderTN-S 

Die NIN verlangt, Installationen nur noch alsTN-S auszuführen. Warum wird eine Sanierung vonTN-C-lnstallationen empfohlen? 

NIN: 4.4.4.4.3.2  &  4.4.4.4.3.1

Das System TN-C hat mehrere Nachteile:

  1. Ein Unterbruch des PEN-Leiters kann alle angeschlossenen Gehäuse unter Spannung setzen. 
  2. Beim System TN-C bestehen verschiedene Verbindungen zwischen dem Neutralleiter und dem Erdpotenzial. Damit entsteht einerseits eine niederimpedante Erdverbindung, andererseits wird aber auch der betriebsmässig auftretende Strom durch Gebäudeteile (oder einfach geerdete Teile des Gebäudes) geführt, 

4.4 Schutz gegen Überspannung - Ordnungstrennung

Ist eine Ordnungstrennung nach NIN vorgeschrieben? Macht es Sinn, eine Ordnungstrennung einzuhalten? 

NIN: 4.4.4.6 

Die NIN fordert eine getrennte Verlegung von Kabeln für die Versorgung und Kabeln der Informationstechnik. Aus dem Gesichtspunkt einer einwandfreien Funktion aller Betriebsmittel ist daher die Ordnungstrennung richtig.

4.4 Schutz gegen Überspannung - Minimale Abstände bei der Ordnungstrennung

Welche minimale Abstände verlangt die NIN hinsichtlich Ordnungstrennung?

NIN: Tabelle 4.4.4.6.2 

  • Gebündelt: ≥200mm 
  • Offene metallene Tragsysteme ≥ 150mm
  • Gefllochtene metallene Tragsysteme ≥ 100 mm
  • Metallisch geschlossen 0mm 

 

4.5 Schutz gegen Unterspannung - Schutz bei Spannungseibrüchen 

Im Kapitel «Schutz gegen Unterspannung» steht folgender Text: Wenn ein Spannungseinbruch oder ein Spannungsausfall mit anschliessender Spannungswiederkehr zu Gefahren für Personen oder Sachen führen kann, sind geeignete Abhilfemassnahmen zu treffen. Solche Massnahmen sind auch zu treffen, wenn durch den Spannungseinbruch Teile der elektrischen Anlage oder einzelne Betriebsmittel beschädigt werden können. Muss ich meine Anlagen gegen Unterspannung schützen?

NIN: 4.5.1.1

Unterspannungs-Schutzeinrichtungen werden nicht gefordert, wenn das Risiko einer Beschädigung der elektrischen Anlage oder einzelner Betriebsmittel als tragbar angesehen werden kann, vorausgesetzt, es entsteht dadurch keine Gefährdung für Personen. 

4.6 Trennen und Schalten  - Trennen und Schalten

Welcher Unterschied besteht zwischen Trennen und Schalten von elektrischen Anlagen oder Geräten? 

Trennen: in der Regel mit Werkzeug. Daher sachverständige Person notwendig (Ausser Diazed Sicherung: Laien)

Schalten: Schalthandlungen an gewöhnlichen Dreh-, Druck-, Wippschaltern- Jedermann ausführen

4.6 Trennen und Schalten - Welche Leiter Schalten 

a) Welcher Leiter darf nicht geschaltet werden? NIN: 4.6.1.2.1 

b) Unter welchen Bedingungen dürfen aktive Leiter geschaltet oder getrennt werden

a) 

  1. Ein Leiter darf nie geschaltet werden, nämlich der PEN-Leiter. Er darf nur bei Überstromunterbrechern oder mit geeigneten Klemmen getrennt werden.
  2. Ähnlich ist die Situation beim PE-Leiter. Hier besteht die Ausnahme mit Steckdosen, denn sie gelten bis zu einem IN  ≤ 16 A als Schalter. Eine Trennung darf nur auf Klemmen erfolgen, die gegen Selbstlockerung geschützt sind. 

b) 

Der Neutralleiter darf im System TN-S geschaltet werden, gleichzeitig mit den Aussenleitern oder nacheilend AUS und voreilend EIN. Die Trennung des Neutralleiters hat überall dort zu erfolgen, wo die Anlage für Messzwecke spannungslos gemacht werden muss.

 

4.6 Trennen und Schalten - Trenner oder Spezialklemme

Bei welchen Überstromunterbrechern sind für die Neutralleiter Trenner vorgeschrieben, und an welchen Stellen sind auch Spezialklemmen zulässig? 

NIN: 4.6.2.2.4

Ein Neutralleitertrenner ist in den Neutralleiter einzubauen:

  • beim Anschlussüberstromunterbrecher,
  • bei der Bezügerüberstrom-Schutzeinrichtung,
  • im System TN-C-S an der Stelle, wo der PEN-Leiter in Neutralleiter und Schutzleiter aufgeteilt wird.

Bei allen anderen Überstrom-Schutzeinrichtungen und bei PEN-Schienen in Schaltgerätekombinationen darf anstelle eines Neutralleitertrenners eine Spezialklemme angeordnet werden.

Ausnahme: Stromschienen in SGK

4.6 Trennen und Schalten  - Bedingunen für Spezialklemmen 

Welche Bedingungen gelten für Spezialklemmen, welche anstelle von Neutralleitertrennern zulässig sind? 

NIN: 4.6.2.1 + 5.3.7.2

Es sind die folgenden Bedingungen einzuhalten:

  • das mehrmalige, sichere Trennen der Verbindung muss möglich sein,
  • das Trennen darf nur durch Werkzeug und nicht von Hand erfolgen können,
  • das Trennen muss mit einem einzigen Werkzeug zu bewerkstelligen sein,
  • die Zugehörigkeit zum entsprechenden Stromkreis muss klar ersichtlich sein.

Falls aus dreipoligen Sicherungselementen einpolige 230-V-Stromkreise gespeist werden, sind Spezialklemmen als gemeinsame Trennvorrichtung unzulässig. Der Grund liegt darin, dass die einpoligen Stromkreise nicht einzeln getrennt werden können. Das Bild  zeigt die unzulässige Situation

4.6 Trennen und Schalten - Spezialklemme für Neutralleiter 

Kann eine Klemmleiste gemäss Bild  als Spezialklemme für Neutralleiter montiert werden? 

  1. Sie weist unter anderem pro Neutralleiter/Gruppe eine Klemmstelle auf.
  2. Die Zugehörigkeit lässt sich durch die Nummerierung erkennen.

4.6 Trennen und Schalten - USV

Dürfen einer USV-Anlage 3- oder 4-polige Schalteinrichtungen vorgeschaltet werden?

Durch das 4-polige Schalten können in bestimmten Situationen unerwünschte Ströme und somit EMV-Probleme verhindert werden

4.6 Trennen und Schalten - Unterschiede der Sehalterarten 

Erklären Sie den Unterschied zwischen einem betriebsmässigen Schalter, einem Wartungsschalter und einem Notschalter? 

Betriebsmässiges Schalten:

Elektrische Geräte werden ein- oder ausgeschaltet. Ein allpoliges Schalten ist nicht zwingend, auch eine galvanische Trennung ist nicht zwingend. Halbleiterschaltgeräte wie Dioden und Thyristoren sind zulässig (z.B. Dimmer für Leuchten). 

Schalter für Wartungsarbeiten:

Für das Ausschalten von elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen, damit diese gefahrlos gewartet werden können. •

Not-Aus:

Diese Schalter dienen zum Ausschalten im Notfall. Sie sind für eine sofortige Beseitigung von unerwartet auftretenden Gefahren vorgesehen. Not-Aus-Schalter müssen gut erreichbar und auffällig markiert sein. 

Not-Halt:

Hier wird ein gefährlicher Prozess oder ein Bewegungsablauf rasch zum Stillstand gebracht oder bereits eine unzulässige Bewegung in Richtung Gefahr wird automatisch angehalten.

4.6 Trennen und Schalten - Grundsätzliche Bedingungen für Schalter-Typen

Welche grundsätzlichen Bedingungen schreibt die NIN für alle Schalter-Typen vor? 

Es gelten die folgenden Bedingungen: 

  1. Schalter sind so zu platzieren, dass sie jederzeit einfach und gefahrlos zubedienen sind. 
  2. Die Bemessungsstromstärke eines Schalters muss mindestens der maximalen Dauerstromstromstärke des angeschlossenen Energieverbrauchers entsprechen.
  3. Schalter für Kondensatoren müssen einen um den Faktor 1,5-mal höheren Bemessungsstrom aufweisen als der Bemessungsstrom der zu schaltenden Kondensatoren.
  4. Der vorgeschaltete Überstromunterbrecher darf bei festmontierten Schaltern und nicht bekannter Last nicht grösser sein als die Bemessungsstromstärke des Schalters. 

4.6 Trennen und Schalten - Sensorschalter an Kochfeldern

Bei modernen Glaskeramikkochfeldern werden Sensorschalter eingesetzt. Schreibt die NIN hier noch zusätzlich Wartungsschalter vor, um den Stromkreis galvanisch allpolig vom Netz zu trennen?

Grundsätzlich ist eine allpolige Abschaltung vom speisenden Netz für alle elektrischen Geräte und Anlagen sinnvoll. Fest angeschlossene Haushaltgeräte wie Kochfelder, Backöfen, Waschautomaten usw., welche über im Gerät eingebaute normale oder Halbleiterschalter verfügen, können ohne weitere Schaltstelle direkt an die vorgeschalteten Überstromunterbrecher angeschlossen werden  Variante 1.

Der Überlegung liegt der Gedanke zugrunde, dass im Störungsfall mit grosser Wahrscheinlichkeit nur Elektrofachkräfte Eingriffe vornehmen. Diese trennen den Stromkreis mit den vorgeschalteten Diazed-Überstromunterbrechern oder Leitungsschutzschaltern. Die Variante 2  zeigt eine mögliche Lösung mit allpoliger Abschaltung durch Schalter oder Steckdose. 

HInweis:

Bei industrieller Anwendung ist ein Wartungsschalter obligatorisch für alle Geräte in der Küche. Die SNG 491000 2046d behandelt diese Thematik eingehend. 

4.3 Überstromschutz - Ipk, Icc, Icw, Icp

 Was versteht man unter der Bezeichnung Ipk & Icc,  Icw, Icp? 

 

Ipk

Für die Berechnung der mechanischen Festigkeit von Schaltgerätekombinationen muss der Spitzenwert Ipk des unbeeinflussten Kurzschlussstromes berücksichtigt werden, da die dynamische Wirkung Stromschienen aus ihrer Verankerung reißen kann.

Icc

Der bedingte Bemessungskurzschlussstrom ist der vom Hersteller angegebene Effektivwert des Kurzschlussstromes, der durch eine vorgegebene Schutzeinrichtung im Stromkreis geführt werden kann. Zur Koordination des Schaltvermögens mit den Anforderungen des Netzes an der Einbaustelle

Icw:

Der Bemesungskurzzeitstrom eine Stromkreisee ist der Effektivwert des Kurzschlussstroms, den ein Stromkreise für eine bestimmte Zeit aushält. - meisst wählt man 1s.

Icp:

Der unebdingte Kurzschlussstrom ist der höchste Strom, der bei Vernachlässigung aller Impedanzen des nachgeschateten Stroimkreises an einer bestimmten stelle auftreten kann. Seine Grösse richtet sich direkt nach den angaben des Transformators. 

 

4.6 Trennen und Schalten - Schalter für Wassererwärmer

Dürfen zum Schalten von Wassererwärmern auch Halbleiterschalter zum Einsatz gelangen? Wie steht es mit einer Steckdose
T15 als allpoligem «Schalter» für einen Wassererwärmer?

 

Für Wassererwärmer, Dampferzeuger und Widerstandheizungen sind nur allpolige Schalter zulässig. Die Zugehörigkeit der Schalter und ihr Schaltzustand
muss eindeutig ersichtlich sein. Eine Steckdose T15 gilt nach NIN als Schalter.

4.6 Trennen und Schalten - Wartungsschalter

Wartungsschalter erfüllen bei Servicearbeiten wichtige Schutzaufgaben. Erwähnen Sie den grundsätzlichen Gedanken, der gemäss NIN zum Einbau von Wartungsschaltern führt.

NIN: 4.6.4

Wartungsschalter sind überall dort einzubauen, wo bei Reparatur- und Wartungsarbeiten für das ausführende Personal ein Verletzungsrisiko bestehen
kann.

4.6 Trennen und Schalten - Montage von Wartungsschaltern 

Für die Montage von Wartungsschaltern gelten noch weitere eindeutige Forderungen

NIN: 4.6.4.2.1

Die NIN stellt die folgenden Bedingungen für Wartungsschalter: 

  1. Wartungsschalter müssen handbetätigt sein.
  2. Sie sollen wenn immer möglich im Hauptstromkreis liegen ( direkte Abschaltung). Wird nur der Steuerstromkreis geschaltet (indirekte Abschaltung), muss gewährleistet sein, dass die Sicherheit gleich gross ist wie beim Schalten des Hauptstromkreises. 
  3. Die Zugehörigkeit der Schalter muss entweder durch die Anordnung oder nötigenfalls durch Bezeichnungen oder Anschriften eindeutig klar sein. 

4.6 Trennen und Schalten - Anforderungen an Notschalter 

Erwähnen Sie neben der auffälligen Kennzeichnung noch weitere Bedingungen, die Notschalteinrichtungen erfüllen müssen?

NIN: 4.6.5 + 5.3.7

Die folgenden Bedingungen sind einzuhalten:

  1. Die Betätigungseinrichtungen von Not-Aus-Schaltern wie Druckknopf, Drucktasten müssen eine rote Färbung vor gelbem Hintergrund aufweisen.
  2. Eine gut zugängliche Platzierung der Schalter.
  3. In sinvoller Höhe mindestens 0,8 m, aber nicht höher als 1,6 m über Boden.
  4. Wenn nötig mit Beschriftung oder Markierung auf die Notschalteinrichtungen hinweisen.
  5. Keine Steckdosen als Notschalteinrichtung zulässig.
  6. Not-Aus-Schaltgeräte müssen nach Betätigung in der Aus-Stellung verriegelt oder verklinkt bleiben.

Bei direktem Schalten des Hauptstromkreises sind handbetätigte Schalter einzusetzen. Erfolgt der Not-Aus-Befehl über Schaltleisten, Notleinen usw., sind Schaltungen anzuwenden, die sicherheitstechnisch gleichwertig sind.

4.6 Trennen und Schalten - Geräteanschluss ohne Schalter 

Welche Geräte werden praktisch immer ohne Schalter direkt über den Verbraucherüberstromunterbrecher an das speisende Netz angeschlossen?

Zu diesen Ausnahmen gehören z. B. Uhren, Tarifapparate, Steuerstromkreise mit Sicherheitsfunktion und ihre Transformatoren bis 1500 VA.

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