Pharmakologie und Toxikologie 2
Pharmakologie und Toxikologie 2, 4. Semester Biotechnologie ZHAW Wädenswil. Bei Fragen oder Korrekturen an silvannessler@gmail.com
Pharmakologie und Toxikologie 2, 4. Semester Biotechnologie ZHAW Wädenswil. Bei Fragen oder Korrekturen an silvannessler@gmail.com
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Lernkarten
Welche Prozesse laufen bei der Aufnahme von Giften im Körper ab? (Toxikokinetik)
Die Toxikokinetik beschäftigt sich einerseits mit der
- Adsorption
- Distribution (Wechselwirkungen)
- Metabolismus/Biotransformation
- Exkretion
eines bestimmten Stoffs oder mit der mathematischen Beschreibung des Konzentrationsverlaufs der Xenobiotika und deren Metaboliten in Flüssigkeiten und Geweben. Zusätzlich wird untersucht, welche biologischen Mechanismen dafür verantwortlich sind.
In welche Phasen kann der Weg einer Substanz im Körper eingeteilt werden?
Pharmazeutische Phase:
- Aufnahme
- Auflösung
Pharmakokinetische Phase:
- Absorption
- Verteilung
- Akkumulation
- Metabolismus
- Ausscheidung
Pharmakodynamische Phase
- pharmakodynamische Effekte
- therapeutisch/toxisch
Auf welchem Weg findet die Resorption eines API's hauptsächlich statt?
Die Resorption findet hauptsächlich auf interzellulärem Transport statt. Dabei müssen die Zellmembranen (meist epitheliale Zellen) überwunden werden. Dafür müssen also entweder Transporterproteine vorhanden sein oder der Stoff die Eigenschaft besitzen, die Zellwand zu durchqueren (klein, lipophil).
Welche Arten von Resorption in die Zelle gibt es?
- passive Diffusion
- kleine, meist lipophile Stoffe
- mit Konzentrationsgefälle
- erleichterte Diffusion
- mit Konzentrationsgefälle
- Aktiver Transport
- mit/gegen Konzentrationsgefälle
- ATP-Verbrauch
- Cotransport/sekundär aktiver Transport
- ATP-Verbrauch
Welche Hauptunterschiede gibt es zwischen aktivem und passivem Transport?
Aktiver Transport (Carrier mediated Transport) ist im Gegensatz zu passivem Transport
- Sättigbar
- Hemmbar
- Selektiv (Strukturspezifisch)
- Zell-spezifisch
Durch welche Faktoren wird die Resorption eines Stoffes bestimmt?
- Galenik
- Applikationsort
- Vorhandensein/Abwesenheit von Transporterproteinen
- Physikochemische Eigenschaften des Wirkstoffes/Toxins
- Dissoziationsgrad von Säuren/Basen im GI-TRakt
- Molekülgrösse
- Aggregatszustand eines Stoffes
Wann können Stoffe biologische Zellmembranen ohne Hilfe einer Translocons überwinden und wann nicht?
Für die Resorption eines Stoffes ist seine Lipophilie hauptsächlich ausschlaggebend. Wasserlösliche Stoffe werden jedoch schneller aufgenommen, da Stoffe gelöst sein müssen, um aufgenommen werden zu können und dies bei wasserlöslichen Substanzen einfacher der Fall ist.
Wieso kann das Löslichkeitsprodukt eines Stoffes nicht direkt auf die in-vivo Situation übertragen werden?
Weil die meisten Wirkstoffe oral aufgenommen und damit häufig im Dünndarm resorbiert werden, wo ein anderer pH (7,5 - 8,8) herrscht, kann es sein, dass das Löslichkeitsprodukt dort (oder generell im GI-Trakt) von den normierten Messungen abweicht. Weiter sind die Umgebungsfaktoren anders, wodurch gut lösliche Produkte entstehen können.
Wieso bededeutet eine schlechte Wasserlöslichkeit nicht automatisch eine gute Lipidlöslichkeit?
Bei gewissen Feststoffen ist das Löslichkeitsprodukt in beiden Flüssigkeiten schlecht.
Was ist die Ionenfalle?
In verschiednen Körperflüssigkeiten herrschen verschiedene pH-Werte. Dadurch können Stoffe je nach Millieu entweder protoniert (meist elektrisch neutral) oder deprotoniert (meist elektrisch negativ geladen) sein. Durch die Ladung des Moleküls können diese nun besser oder weniger gut durch die Membran diffundieren. Ungeladene Moleküle können besser durch die Plasmamembran diffundieren.
Schwache Säuren sind im Magensaft protoniert, da dort ein tiefer pH herrscht.-> guten Resorption ins Blut.
Was ist der pKs Wert und welche Rolle spielt er in der Resorption von Wirkstoffen?
Der pKs Wert sagt aus, wie stark eine Säure ist. Schwache Säuren (bzw. starke Basen) haben hohe pKs-Werte (>9), starke Säuren tiefe. Der pKs-Wert ist für Aussagen bezüglich der Ionenfalle wichtig. Einigermassen schwache Säuren (aber noch keine Basen) werden im Magen gut ins Blut resorbiert( ungefährt pKs 2-3), weil sie elektrisch neutral sind, starke Säuren sind deprotoniert und werden durch ihre negative elektrische Ladung schlecht resorbiert.
Was sagt der Verteilungskoeffizient (lipophilie) von Stoffen aus? Wie gut werden Stoffe mit einem hohen Verteilungskoeffizient resorbiert?
Der Verteilungskoeffizient wird in einem Wasser-Octanol-Gemisch bestimmt. Er ist der Quotient von der Konzentration des Stoffes im Octanol über der Konzentration im Wasser. Hohe Verteilungskoeffizienten sind demnach lipophil und können dadurch ohne Transportproteine aufgenommen werden, werden aber langsamer als wasserlösliche Stoffe resorbiert.
Welche physikochemischen Eigenschaften eines Stoffes beeinflussen die Resorption auf welche Weise?
- Wasserlöslichkeit
- Vorraussetzung für die Resorption ist der gelöste Stoff
- Polarität
- bestimmt die Löslichkeit eines Stoffes im Millieu des GI Traktes oder der Zellmembran
- Hydrophilie
- bestimmt die Löslichkeit eines Stoffes im Millieu des GI Traktes oder der Zellmembran
- Lipophilie
- bestimmt die Affinität zur Zellmembran
Zusätzlich ist der Dissoziationsgrad der Stoffe in GI-Trakt wichtig.
Was bestimmen die physikochemischen Eigenschaften eines Stoffes?
Die physikochemischen Eigenschaften bestimmen zusätzlich zur Resorptionsrate auch die Verteilung im Körper.
Welche in-vitro Modelle für die Analyse eines Stoffes gibt es?
Welche Hauptverteilungsräume gibt es im Körper?
- Intravasaler Raum (ca. 4 % der Körpergewichts)
- intersititeller Raum (ca. 15 % der Körpergewichts)
- Intrazellulärer Raum ( ca. 40 % der Körpergewichts)
Wie läuft die Verteilung von Xenobiotika im Körper ab?
Zunächst gelangen Arzneitsoffe in gut durchblutete Organe: Gehirn, Herz, Leber, Niere, danach läuft eine Umverteilung ins Fettgewebe oder die Muskulatur ab.
Von was hängt das Verteilungsgleichgewicht eines Stoffes ab (bezogen auf Eigenschaften der Gewebe) ?
- allfälliger Plasmaprotein Bindung
- pH-Verhältnisse
- Kapillaren: Fenestration (Durchlässigkeit für verschiedene Stoffe) ist unterschiedlich
Welche 4 Rezeptortypen kann man beim Menschen unterscheiden?
- G-Proteingekoppelte Rezeptoren
- Liganden-gesteuerte Ionenkanäle
- Enzymrezeptoren (Rezeptoren mit assoziierter Enzymaktivität zB Tyrosinkinaseaktivität)
- Intrazelluläre Rezeptoren
Was ist Myasthenia gravis?
- Autoimmunerkrankung
--> Bildung von AK gegen körpereigene Proteine, welche an den Acetylcholinrezeptoren binden.
--> Blockierung der Acetylcholinrezeptoren
--> führt zu Lähmungen - Beispiel für eine körpereigene Substanz, die toxisch wirken kann!
Wie werden Agonisten und Antagonisten definiert?
- Agonist erfüllt eine intrinsische Aktivität von 1 bei Bindung an den spezifischen Rezeptor/Enzym
- Antagonist bindet aber es kommt zu keiner Konformationsänderung (intrinsische Aktivität = 0)
Was verbinden Sie mit der Herbstzeitlose (Wiesensafran)?
Der Inhaltsstoff Colchicin interagiert mit dem Zytoskelett
--> verhindert den Aufbau der Mikrotubulispindel
--> die Zelle teilt sich trotzdem, so entstehen kernlose Zellen, die nicht überleben
Wieso können Radikale toxisch wirken?
- Radikale sind sehr reaktive und kurzlebige chemische Spaltprodukte (entstanden durch zb hohe Temperaturen oder energiereiche Strahlung wie UV)
- Radikale fangen Elektronen in der Zelle eln, so werden radikale Kettenreaktionen ausgelöst, die zum Funktionsverlust der Zelle führen können
- sie können mit jeglichen Substanzen im Körper interagieren und diese schädigen (zB Nukleinsäuren, DNA, RNA alkylieren und methylieren --> Aktivitäten von Proteinen stören)
Was sagt Ihnen der Begriff Endocrine Disruption?
- Umweltchemikalien, die Hormonwirkungen beim Menschen haben können
- in der Lage in das endokrine System des Menschen einzugreifen
- (unklar, wie viel wirklich eine Wirkung haben und ob gewisse Produkte nicht einfach Abbauprodukte sind)
Warum ist Theobromin (enthalten in Schokolade) nicht toxisch für den Menschen, aber für den Hund oder die Katze?
- Substanz wird von Katzen und Hunden langsamer metabolisiert, reichert sich in toxischen Mengen an und inhibiert den Adenosin Rezeptor
- Wirkungen von Pharmaka können sich bei verschiedenen Spezies qualitativ (eher selten) und quantitativ unterscheiden
- Unterschiede im PK-Profil --> alle Phasen des LADME-Systems sind betroffen, oft unterschiedliche Biotransformation
Was versteht man unter Elimination und welche zwei Vorgänge umfasst die Elimination?
Definition: Vorgänge, welche zur Abnahme der im Organismus vorhandenen Menge eines Fremdstoffes führen
umfasst:
- Metabolisierung (Biotransformation)
- Exkretion (Ausscheidung)
Was ist der Zweck des Fremdstoffmetabolismus bzw. der Biotransformation? Aus welchen zwei Phasen besteht dieser?
Damit lipophile Substanzen ausgeschieden werden können müssen sie zuerst
wasserlöslich gemacht werden.
- Phase I: Modifizierung (Anhängen einer funktionellen Gruppe)
- Phase II: Konjugation (Anhängen eines polaren Moleküls an fkt. Gruppe --> hydrophile Substanz)
Welche drei Bedingungen sollten für ein fremdstoffmetabolisierendes System idealerweise erfüllt sein? Was ist die Schwierigkeit dabei?
1. ausreichende Wasserlöslichkeit eines Metaboliten für die effiziente Ausscheidung
2. keine biologische Aktivität des Metaboliten, welche toxische Reaktionen hervorrufen könnte
3. Substratspezifität der beteiligten Enzyme sollte breit sein
Es ist sehr schwer alle Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen (zB Benzpyren). Oft besteht die Gefahr der Aktivierung der Substanz (Entfaltung einer toxischen Wirkung) zB über gefährliche Zwischenprodukte (siehe Benzpyren).
Definiere Biotransformation. Welche Risiken sind damit verbunden?
Definition: metabolische Umwandlung von Xenobiotika oder Pharmaka v. a. in der Leber, z.t. auch in der Niere. Lunge, Haut und Plasma
Ziel des Körpers: lipophile Xenobiotika in hydrophile, leicht ausscheidbare Stoffe umwandeln (--> Erhöhung der Polarität eines Fremdstoffes)
Risiko: metabolische Aktivierung oder Giftung, d.h. der Metabolit ist nach der Biotransformation toxischer als vorher!
Warum ist die Vorhersage von Metaboliten einer Substanz im Organismus schwierig?
- Spezies-Abhängigkeit
- interindividuelle Unterschiede im Metabolismus (aufgrund Alter, Geschlecht, Genetik)
- Abhängigkeit von Umweltfaktoren
- Krankheitszustände verändern Fremdstoffmetabolismus
Welche Eigenschaften haben Enzyme im Fremdstoffmetabolismus?
- breite Substratspezifität (Superfamilien mit unterschiedlicher, aber überlappender Substratspezifität)
- niedrige Umsatzrate
- substratinduzierbar (von der Zelle nicht ständig, sondern je nach Wachstumsbedingungen mit unterschiedlicher Syntheserate gebildet. werden nur in Gegenwart eines Induktors synthetisiert)
Welche Funktion und welche Reaktionen umfasst der Phase-I-Metabolismus (Funktionalisierung/ Modifizierung)?
Funktion: Einführung oder Freisetzung funktioneller Gruppen, die als Angriffspunkte für Konjugationsreaktionen der Phase II dienen.
- Oxidation
- Reduktion
- Hydrolyse
Welche Funktion und welche Reaktionen umfasst der Phase-II-Metabolismus (Konjugation)?
Funktion: Konjugation von Fremdstoffen mit körpereigenen wasserlöslichen Komponenten
- Glutathionkonjugation (Konjugation mit Tripeptid Glutathion (GSH))
- Glucuronidierung (Bindung an Glucuronsäure)
- Sulfatierung
- Acetylierung
- Konjugation mit Aminosäuren
- Methylierung
Nenne die Phase I Enzyme und in welche zwei Gruppen diese unterteilt werden können.
Oxidoreduktasen (katylisieren Redoxreaktionen)
- Cytochrom P540 abh. Monooxygenasen
- Flavin-abhängige Monooxygenasen
- Monoaminooxidasen
- Cyclooxygenasen
- Dehydrogenasen und Reduktasen
Hydrolasen (hydrolytische Spaltung von Bindungen d.h unter Wasserabspaltung)
- Esterasen
- Epoxidhydrolasen
Nenne Phase II Enzyme.
Transferasen
- UDP-Glucuronosyltransferase 2
- Sulfotransferasen, SULT 3
- N-Acetyltransferasen NAT
- Methyltransferasen
- Acyl-CoA-Aminosäure Ayclytransferasen
- Glutathion-S- Transferasen, GST
Was sind Cytochrom P450 abhängige Monoxygenasen und welche Aufgabe erfüllen sie?
Was versteht man unter einem Isoenzym?
Als Isoenzym (auch Isozym) bezeichnet man eine von mehreren Formen eines Enzyms, die die gleiche Reaktion katalysieren, wobei die einzelnen Formen sich in der Struktur (Aminosäurensequenz) unterscheiden.
Nenne die wichtigsten Isoenzyme der Cytochrom P540 Familie (CYP-Enzyme) und beschreibe kurz ihre Nomenklatur.
Nomenklatur:
- Abhängig von ihrer Sequenzverwandtschaft
-->Wenn Isozym Aminosäuresequenz-Übereinstimmung über 40% liegt: gleiche Familie
--> Wenn Aminioäuresequenz – Übereinstimmung über 50% : gleiche Unterfamilie - Unterfamilien A-Z, arabische Zahl für das jeweilige Isozym in der Unterfamilie
Besonders wichtige und häufige auftretende CYP-Enzyme
- CYP2D6 (Verteidigungssystem gegen pflanzliche Alkaloide)
- CYP3A4 (Aktivierung Steroidhormone, Makrolidantibiotika, Calciumantagonisten, breites Substratspektrum, induzierbar durch versch. Substanzen
zB Rifampicin --> Antibiotikum, setzte Wirksamkeit Anti-Baby-Pille runter, erhöhte Synthese an CYP3A4 sorgte für Eliminierung der Hormone der Anti-Baby-Pille)