Pharmakologie und Toxikologie 2

Pharmakologie und Toxikologie 2, 4. Semester Biotechnologie ZHAW Wädenswil. Bei Fragen oder Korrekturen an silvannessler@gmail.com

Pharmakologie und Toxikologie 2, 4. Semester Biotechnologie ZHAW Wädenswil. Bei Fragen oder Korrekturen an silvannessler@gmail.com


T. N.
Diese Lernkarten behandeln fortgeschrittene Themen der Pharmakologie und Toxikologie auf Universitätsniveau, mit Fokus auf die Wirkungen von Stoffen, deren Metabolismus in der Leber, und die Rolle von Xenobiotika. Sie eignen sich für Medizinstudierende, die sich mit der Biotransformation von Substanzen, der Toxizität von Drogen und der Bioakkumulation in der Umwelt auseinandersetzen möchten.
Karten
250
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
01.03.2022 / 14.10.2023

Lernkarten

Welche Eigenschaften haben Flavin-abhängige Monooxygenasen (FMO)?

  • Sauerstoffübertragungspotential der geladenen FMO ist niedriger als das der CYP
  • Setzt gewisse chemische Reaktivität der Substrate voraus
  • Breite Substratspezifität
  • Toxikologisch relevante Substrate: Nicotin, Phenotiazin Derivate (Psychopharmaka)

Was bewirkt ein Gendefekt in der FMO3 (Flavin-abhängigen Monooxygenase 3)? 

Fish odor syndrome

  • Homozygote Individuen sind nicht in der Lage Trimethylamin (Stoffwechselprodukt von Phosphatidylcholine, Choline ) in das entsprechende Noxid zu überführen
  • Sie schwitzen und atmen das tertiäre Amin aus: riecht nach verdorbenem Fisch

Welche Eigenschaften haben Monoaminooxidasen (MAO) und wo sind diese lokalisiert?

  • lokalisiert in der äusseren mitochondrialen Membran 
  • metabolisieren biogene Amine wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin sowie Fremdstoffe mit ähnlichen Strukturen

Was sind Cyclooxygenasen?

Schlüsselenzyme der Prostaglandinsynthese, die aber auch im Fremdstoffmetabolismus eine Rolle spielen. 

Welche Dehydrogenasen sind die toxikologisch bedeutsamsten? 

  • Alkoholdehydrogenasen (Dehydrogenierung von Ethanol)
  • Aldehyddehydrogenasen

Welche Enzyme gehören zu den Hydrolasen und welche Funkion nehmen diese ein?

Esterasen wie bspw. Acetylcholinesterase spielen bei der Toxizität von Organophosphaten eine wichtige Rolle 
(Organophosphate führen zu einer irreversiblen Hemmung der Acetylcholinesterase)

Epoxidhydrolasen hydrolysieren Epoxide zu Dihydrodiolen (Epoxide sind extrem reaktiv --> können mit allem reagieren)

Was sind typische Ko-Substrate im Phase II Fremdstoffmetabolismus, die angehängt werden? 

In der Phase II des Fremdstoffmetabolismus kommt es zur Kopplung von Kosubstraten unter Energieverbrauch 

 

Welche Reaktionen/ Enzyme kommen im Phase II-Fremdstoffmetabolismus vor und welche Funktion erfüllen diese jeweils?

  • Glucuronidierung (UPD-Glucuronosyltransferasen, UGT)
    -->aktivierte Glucuronsäure (UDPGA)
    --> Konjugation an Phenole, Alkohole, aromatische und alipathische Säuren etc.
  • Sulfatierung (Sulfotransferasen, SULT)
    --> aktiviertes Sulfat (PAPS)
    --> Konjugation an Phenole, Alkohole, aromatische Amine
  • Acetylierung (N-Acetyltransferasen, NAT) 
    --> aktiviertes Acetat (Acetyl-CoA)
    --> Konjugation an Amine, Hydrazine, Aminosäuren, Phenole etc.
  • Methylierung (Methyltransferasen)
    --> aktiviertes Methionin (SAM)
    --> Konjugation an Phenole, Thiogruppen, Metalle
  • Aminosäurekonjugation (Acyl-CoA Aminosäure-Acyltransferasen)
    --> Gluatamat, Glycin, Taurin
    --> Konjugation an aromatische und alipatische Carbonsäuren
  • Glutathionkonjugation (Glutathion-S-Transferase, GST)
    --> Glutathion (GSH)
    --> elektrophile Zentren (Epoxide, Alkyl, Allyl- und Benzylhalogenide etc.)

Welche Faktoren beeinflussen den Fremdstoffmetabolismus?

  • Modulierung der Expressionsrate und der enzymatischen Aktivität von Fremdstoff-Metabolismus-Enzymen
  • Interindividuelle Unterschiede
  • Speziesunterschiede
  • Stereoselektivität (von mehreren möglichen Stereoisomeren entsteht überwiegend oder ausschließlich ein bestimmtes)

Nenne die vier möglichen Wege um die Aktivität einzelner Enzyme zu beeinflussen.

  • Erhöhung der Expressionsrate (über Induktion)
  • Reduktion der Expressionsrate (Reprimierung)
  • Aktivierung der Enzymfunktion bei unveränderter Enzymmenge 
  • Inhibierung der Enzymfunktion bei unveränderter Enzymmenge

Wie verändert Grapefruitsaft die Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen?

Furanocoumarine im Grapefruitsaft hemmen CYP3A4, welche für den Metabolismus von Wirkstoffen relevant sind. 

Welche Funktion erfüllt der Ah-Rezeptor?

Aufgabe: Induktion von CYP1-Isoenzymen und einigen Phase II Enzymen 

1. molekulare Chaperone (wie HSP90) hält Ah-Rezeptor in seiner Konformation, bis Ligand bindet
2. Ah-Rezeptor bindet Fremdstoffe und bildet einen Komplex
3. geht in die Promotorregion und wirkt dort als Transkriptionsfaktor
4. Synthese von CYP-Enzymen wird induziert

Which of the following factors does not affect the mechanism of drug metabolism and excretion? 

Which of the following statement about the stages of phase I drug functionalisation is correct? 

To aid the absorption or reduce the toxicity, some drugs are given in an inactive prodrug form requiring metabolism in the body to release the active component. 

Which of the following may reduce the therapeutic efficacy of a prodrug? 

The route of administration of a drug has a significant impact on its bioavailability

Which of the following is NOT a major factor of consideration when choosing the most effective route of administration of a drug? 

Welche Wirkung hat der Stoff Paracetamol?

Paracetamol ist ein COX-2 Hemmer und hemmt dadurch die Synthese von Prostaglandinen (PGE2). Zusätzlich wirkt das Medikament fiebersenkend.

Wie wird Paracetamol metabolisiert?

Paracetamol wird zu 90 % über verschiedene Enzyme zu Paracetamol-Glucuronid/-sulfonat metabolisisert, das renal (über die Niere) ausgeschieden wird.

Durch CYP-2E1 wird dem Paracetamol zwei Wasserstoffatome abgenommen. Durch Glutathion (Glu-Cys-Gly) kann Paracetamol gebunden werden.

Was geschieht bei einer Überdosis von Paracetamol und wie kann die Überdosis behandelt werden?

Wenn kein Glutathion vorhanden ist, bindet Paracetamol unspezifisch an verschiedene Proteine und verursacht damit erhöhte Hormonlevel.
Bei einer Überdosis kann Acetylcystein verabreicht werden, welches den Glutathionspiegel erhöht.

Was hat die Anzahl an funktionellen Gruppen an einem Wirkstoff mit dessen metabolisierung zu tun?

Je mehr funktionelle Gruppen es an einem Wirkstoff gibt, desto schneller wird dieser metabolisiert und kann einen ausgeprägten First-Pass Effekt aufweisen.

Was versteht man in der Tokikokinetik unter Elimination?

Die Elimination beschreibt alle Vorgänge, welche zur Abnahme der im Organismus enthaltenen Fremdstoffs führen. Die Elimination beinhaltet damit die Exkretion und die Metabolisierung.

Was versteht man in der Toxikologie unter Clearance und was lässt sich damit berechnen?

Die Clearance \({A \over t } = CL \cdot C\) (A = Menge, t = Zeit, CL = Clearance, C = Plasmakonzentration) stellt die Fähigkeit zur Entfernung von Arzneimitteln durch verschiedene Organe dar und ist definiert als das Blutvolumen, aus dem alle Arzneimittel pro Minute entfernt werden (mL/Minute).

Mit der Clearance lässt sich berechnen, wie hoch die Eliminationsgeschwindigkeit eines Stoffes bei einer bestimmten Plasmakonzentration ist.

Welche Aufgaben verfolgt die Niere?

Die Niere kontrolliert die Salz- und Wasserausscheidung, reguliert den Säure-Base Haushalt, ist bei der Elimination von Stoffwechselendprodukte oder Fremdstoffen und bei der Produktion von Hormonen beteiligt.

Welches ist das Funktionsprinzip der Nieren?

Im Glomerulus wird Flüssigkeit und Moleküle mit einer Molaren Masse von <15 kDa aus dem Blut filtriert. Dabei werden Poren der Podocyten (umschliessen die glomerulären Kapillaren) von 50 - 100 nm an der appikalen und 5 nm an der basolateralen Seite penetriert. Vom Tubulus (nach Glomerulus) und Sammelrohr (folgt auf Henle Schleife) werden Substanzen resorbiert (durch spezifische Carrier, Ionenfalle o. Ä.).

Welche Resorbtionsmechanismen können beim tubulären (der Niere betreffenden) Transport vorkommen?

  • aktive Resorption (z.B. gelöstes NaCl)
  • passive Resorption (beispielsweise von pH abhängig)
  • aktive transzelluläre Sekretion (aktive Ausscheidung)
  • aktive oder passive zelluläre Sekretion

Was sagt die glomuläre Filtrationsrate aus und wie kann sie bestimmt werden?

Die glomuläre Filtrationsrate \({ A \over t} = GFR \cdot C\) (A = Menge, t = Zeit, GFR = glom. Filtrationsrate, C = Plasmakonzentration) bestimmt, wie schnell die renale (über die Niere) Ausscheidung abläuft. 

Für die Bestimmung der GFR wird eine Substanz verabreicht, die ausschliesslich renal ausgeschieden wird und nicht an Plasmaproteine bindet.

Was besagt die Michaelis-Mendten Kinetik im Bezug auf den Metabolismus von Xenobiotika?

Bei einer deutlich tieferen Konzentration als Km liegt eine lineare Kinetik vor. Die Eliminationsgeschwindigkeit ist ansonsten Proportional zur Konzentration des Stoffes.

Wie steht die Clearance im Verhältnis zur Plasmakonzentrations-Zeitkurve?

Weil die Clearance durch die verschiedenen Eliminationswege schwierig zu bestimmen ist, wird oft die Plasmakonzentrations-Zeitkurve benutzt. Der Zusammenhang ist der folgende \(A = CL \cdot \int_0^\infty C\,\mathrm{d}t = CL \cdot AUC\) umgeformt nach der Menge der Xenobiotika \(AUC = {F \cdot D \over CL}\) mit F = Menge und D = Bioverfügbarkeit.

Was beschreibt die Eliminationshalbwertszeit und wie verhält sie sich bei Eliminationsprozessen 1. Ordnung?

Die Eliminationshalbwertszeit beschreibt, nach welcher Zeit die Hälfte der Anfangskonzentration des Xenobiotikas im Blut erreicht ist. Bei Eliminationsprozessen 1. Ordnung ist dieser Wert eine Konstante \(t ={ \ln{C_{1/2}} - \ln{C_0} \over -k }\).

Wie ist der Zusammenhang zwischen der Halbwertszeit, dem Verteilungsvolumen und der Clearance bzw. wie wird die Halbwertszeit eines Stoffes berechnet?

\(t_{1/2} = \ln{2} \cdot {V \over CL}\)

V = Verteilungsvolumen

CL = Clearance

Was ist ein Zweikompartimentmodell?

Bei Zweikompartimentmodellen wird angenommen, dass zwei Kompartimente (z.B. Plasma und Gewebe) in der Verteilung des Xenobiotikas beteiligt sind. Dabei stellt sich zwischen den beiden Kompartimenten eine gewisse Verteilung ein.

Wie lassen sich Konzentrationsverläufe von Zweikompartimentmodellen beschreiben?

Bei Zweikompartimentmodellen lässt sich eine schnelle alpha-Phase (Verteilungsphase) und eine langsamere beta-Phase (Eliminationsphase) erkennen. DIe beschreibende Funktion ist eine Kombination aus zwei Exponentialfunktionen

Welche Aufgaben erfüllt die Leber?

  1. Kohlenhydratstoffwechsel 
    - Blutzuckerlevel
    - Verwertung Fructose und Galactose
  2. Proteinstoffwechsel
    - leberspezifische Plasmaproteine, Albumin, Gerinnungsfaktoren, Abbau von Aminosäuren und Proteinen, Harnstoffsynthese
  3. Fettstoffwechsel
    - Neubildung von Fettsäuren aus Glucose, Triglyceride und Lipoproteinsynthese,
    Synthese von Gallensäuren
  4. Porphyrinstoffwechsel
    - Hämsynthese, Glucuronidierung von Bilirubin
  5. Biotransformation von Fremdstoffen
  6. Biliäre Exkretion
    - Bildung von Lebergalle zur Ausscheidung von Myoglobin- und Hämoglobin-Abbauprodukten

Welche Vene und welche Arterie ist essenziell für die Leber? Wie gelangen Stoffe zur Leber? 

Pfortader (V.portae): Vene, die Blut aus Darm, Magen, Bauchspeicheldrüse, Milz und Gallenblase in die Leber führt 
--> Aufnahme von Nähr- und Fremdstoffen,
--> Aufnahme von Stoffwechselprodukten, Proteine, Lipoproteinen zum Abbau 

(--> enteral resorbierte Stoffe (Nährstoffe in Darmschleimhaut gehen über ins Blut) gelangen zuerst zur Leber

Leberarterie (Aorta): liefert sauerstoffreiches Blut zur Versorgung der Leberzellen

Was ist das portale Trias?

1. Portader (lila dargestellt)
2. Leberarterie (rot dargestellt)
3. Gallengang (grün dargestellt)

Aus welchen Bestandteilen besteht ein (Zentralvenen)-Leberläppchen neben dem portalen Trias? 

  • Hepatozyt: bilden den Gallengang, metabolismus von Fremdstoffen
  • Kupfer-Sternzellen: Makrophagen bzw. Phagozyten
  • Itozellen: Vitamin A Speicher
  • Sinusoiden: Leberkapillaren, kleinste Blutgefässe der Leber
  • Zentralvene: Sammelgefäss für das über die Sinusoide zufliessende Blut, führt Blut zurück zum Herz

Wie sieht das Leberläppchen-Modell aus? 

Konzept: am Lichtmikroskopischen Bild orientiert

- Ecken werden gebildet durch die portale Trias
- mittig befindet sich die Zentralvene

Welches Konzept gibt es noch neben dem Leberläppchen-Modell? 

Acinus-Konzept: 
aufbauend auf dem mikrozirkulatorischen Konzept des Leber-Acinus; Hepatozyten beerenförmig um die portale Trias angeordnet

3 Zonen 
Zone 1: sauerstoffreich
Zone 2: intermediär
Zone 3: sauerstoffarm

schwarzer Punkt = Zentralvene (am Rand) 
portale Trias = mittig 

Wie ist ein Sinusoid aufgebaut?

D= Disse’scher (interstitieller) Raum
E= Endothelzelle mit Zellkern und Ausläufern, gefenstert
H= Hepatozyt
I= Itozelle
K= Kupfferzelle
P= Pitzele mit Granula
Zk= Zellkerne

--> Membran ist penetriert, erlaubt Austritt von Molekülen kleiner 250kDa

Welchen Einfluss haben die Zonen auf toxikologische Leberschäden?

Toxikologische Schäden bzw. eine Giftung kommen vorwiegend in Zone 3 vor, da dort der Sauerstoffgehalt am tiefsten ist. (siehe Bild --> Leberläppchen-Modell d.h Zentralvene in der Mitte)

--> viele Fremdstoffe werden erst metabolisch zur hepatotoxischen Substanz aktiviert 
--> Anreicherung von CYP-Enzymen in Zone 3 = werden dort induziert
--> Zone 3 ist zusätzlich arm an Glutathion (Schutzstoff gegen Lebergifte) 

 

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