Analytische Chemie 1 - ZHAW Biotechnologie

Analytische Chemie 1 Vorlesung der ZHAW. Bei Fragen oder Korrekturen an silvannessler@gmail.com

Analytische Chemie 1 Vorlesung der ZHAW. Bei Fragen oder Korrekturen an silvannessler@gmail.com


T. N.
Diese Lernkarten behandeln grundlegende und fortgeschrittene Konzepte der analytischen Chemie auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf Messverfahren, Sensoren und die Bestimmung von Konzentrationen, insbesondere von Sauerstoff und Ionen in Lösungen. Themen wie Biosensoren, Leitfähigkeit und die Messung von Biomasse werden detailliert erläutert. Die Karteikarten richten sich an Studierende und Forscher, die sich mit analytischen Methoden und deren Anwendungen in der Biotechnologie vertraut machen möchten.
Karten
100
Lernende
8
Sprache
Deutsch
Kategorie
Chemie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
04.10.2021 / 15.01.2026

Lernkarten

Wie läuft ein analytischer Prozess in der analytischen Chemie ab und welche kritischen Faktoren im Zusammenhang mit der Probenahme und -aufbereitung gibt es?

  • Von einem Untersuchungsobjekt wird eine möglichst repräsentative Stichprobe gezogen
    • hohe Anfälligkeit für systematische Fehler
  • Bei der Probenaufbereitung wird die Probe in eine Form überführt, die vom Analysegerät verarbeitet werden kann
    • mittlere bis hohe Anfälligkeit für systematische Fehler (verdampfen des Analyten, Adsorbtion an Gefässen usw.)
  • Bei der Messung wird durch Wechselwirkungen zwischen Messsonde und Messprobe ein Signal erzeugt
    • tiefe Anfälligkeit für systematische Fehler

Welche Schritte werden bei der Probenahme durchgeführt?

  • Homogenisierung des Probegutes
  • Ziehen von verschiedenen Proben an verschiedenen Orten
    • getrennt Analysieren und Mittelwert
    • vor Analyse vereinigen, danach Mittelwert bilden

Welche Schritte werden bei der Probenaufreinigung durchlaufen?

  • Homogenisieren der Probe
  • Eliminieren von Interferenzen
  • Konzentrationsbereich des Analyten in den Arbeitsbereich des Messgeräts bringen

Was wird bei der Kalibration eines Messgeräts gemacht?

Für das Erstellen einer Kalibrationskurve/Eichgerade wird eine Reihe von Standardlösungen (meistens decadische abnehmende Konzentrationen) gemessen und daraus eine Eichgerade durch das least-square-Verfahren erstellt. Diese ordnet jedem Messwert x ein Rohsignal y zu. Mit der Umkehrfunktion kann bei der Messung der Probe auf die Konzentration geschlossen werden.

Damit das least-square-Verfahren für eine lineare Regression benutzt werden kann, muss ein linearer Zusammenhang zwischen Messwert und Rohsignal vorhanden sein.

Welches ist die Kalibrations- und welche ist die Analysefunktion?

Die Kalibrationsfunktion ist die Gleichung der Regressionsgerade, die Analysefunktion ist deren Umkehrfunktion.

Wie kann die Qualität der Regressiongerade überprüft werden?

Der Korellationskoeffizienten bzw. das Bestimmtheitsmass einer Regressionsgerade gibt Auskunft darüber, wie klein die Residuen (die Abstände der einzelnen Punkte zur Regressionsgerade) sind und damit, wie gut die Linearität der Messungen ist.

Was ist der Unterschied zwischen dem Korellationskoeffizienten und dem Bestimmtheitsmass?

Während der Korrelationskoeffizient ein Mass für die Beziehung zwischen zwei Variablen ist, gibt das Bestimmtheitsmass (auch Determinationskoeffizient genannt) Aufschluss darüber, wie viel Varianz durch die Regression erklärt wird.

Was ist ein Blindwert?

Der Blindwert ist der Wert, der gemessen wird, wenn die Probe keinen Analyten enthält. Der Messwert sollte dabei tief sein.

Was ist die Empfindlichkeit?

Die Empfindlichkeit entspricht der Steigung m der linearen Regressionsgerade. Je steiler die Gerade, desto genauer kann eine Änderung Δx der Konz. des Analyten aufgelöst werden/desto empfindlicher reagiert das Signal auf eine Änderung des Analyten in der Probe.

Was bedeutet die Wiederfindungsrate und wie wird sie berechnet?

Die Wiederfindungsrate sagt aus, welche Menge eines Analyten nach der Probenvorbereitung gefunden wird. Dies wird ermittelt, indem eine bekannte Menge Analyt einer Probe hinzugefügt wird und diese mit einer Probe verglichen wird, die keine Aufstockung durchlaufen hat.

Die Wiederfindungsrate berechnet sich wie folgt:

\(WFR = {m _{Probe, aufgestockt} - m_{Probe}\over m_{Aufstockung}}\)

Wobei die Aufstockung jeweils auf die Konzentration der Probe hochgerechnet werden muss.

Was ist die Richtigkeit und die Präzision/Genauigkeit einer Messmethode/eines Messgeräts?

Die Richtigkeit beschreibt die grundsätzliche Abweichung vom effektiven Wert. Die Abweichung verschiedener Messungen müssen also im Mittelwert möglichst nahe beim effektiven Wert liegen, wenn die Richtigkeit hoch sein soll.

Die Genauigkeit/Präzision beschreibt die Abweichung von verschiedenen Messungen vom gleichen Analyten. Hat ein Messgerät eine hohe Präzision, liegen die Messwerte nahe beieinander, habe also eine geringe Abweichung voneinander.

Was ist eine Nachweis- bzw. eine Bestimmungsgrenze und wie werden sie berechnet?

Die Nachweisgrenze ist die Konzentration, bei der mit einer bestimmten statistischen Sicherheit nachgewiesen werden kann, dass der Analyt vorliegt.

Die Bestimmungsgrenze ist die Konzentration, ab welcher die Konzentration eines Analyten mit einer bestimmten statistischen Sicherheit bestimmt werden kann.

Die Nachweisgrenze wird wie folgt berechnet:

\(b = {Y-Achsenabschnitt}\)

\(s_{b} = {Standardabweichung Blindwert}\)

\(y_{Nachweisgrenze}= {b + 3*s_{b}}\)

\(y_{Bestimmungsgrenze}= {b + 9*s_{b}}\)

Welche Prozesse finden bei einer Messung über einen chemischen bzw. Biosensor statt?

Erkennung:

  • In der sensitiven Schicht des Sensors findet eine Wechselwirkung zwischen dem Analyten und der immobilisierten Erkennungskomponente statt. Die Erkennungskomponente kann bspw. ein Ionophor sein, der Ionen komplexiert (Umhüllung von Ionen mit anderen neutralen oder polaren Stoffen) oder auch ein Enzym sein, dass Substrate spezifisch bindet.

Transduktion

  • Durch die molekulare Erkennung des Analyten muss in eine physikalische Eigenschaft der sensitiven Schicht ändern. Die kann z.B. eine Ladung, eine Farbe, Dichte usw. sein.

Signalwandlung

  • Oft muss die Messgrösse in ein weiteres (oft elektrisches) Signal umgewandelt werden. Es gibt jedoch einige Messgeräte, die die Messgrössen direkt aufzeichnen können.

Welche Einsatzorte gibt es für Sensoren (Ort/Art der Messung)?

  • In-situ oder in-line: Sensor ist direkt im Prozess eingebaut/Bypasslösungen
  • ex-situ, near-line oder off-line: Für die Messung wird eine Probe aus dem Prozess manuell oder automatisch entnommen und anschliessend analysiert
  • Nicht invasiv: Einige Messungen können durchgeführt werden, ohne dass in den Prozess eingegriffen wird.

Aus welchen Komponenten besteht ein sensorbasiertes Messsystem?

  • Sensor
  • Messkabel
  • Armatur
  • Messgerät
  • Wartungssystem für CIP und Kalibration des Sensors
  • Aufzeichnungs- und Steuereinheit bzw. Prozessleitsystem

Was ist das Ziel der Process Analytical Technology (PAT)?

Ziel des PAT ist es, kritische und qualitätsrelevante Prozessgrössen ohne Zeitverzug zu analysieren und zu regeln. Damit wird die Qualität bereits als integraler Bestandteil des Prozesses verstanden, wodurch auch mit variablen Eingangsgrössen eine gleichbleibende Qualität sichergestellt werden kann.

Mit welchen Sensoren (chemische oder Biosensoren) lassen sich welche Messgrössen messen?

Chemische Sensoren:

  • Kationen
  • Anionen
  • Gase

Biosensoren:

  • Metbolite
  • Antibiotika
  • Vitamine
  • Alkaloide

Welche drei elektroanalytischen Messverfahren git es?

  • Konduktometrie:
    • Anlegen einer Wechselspannung an Elektroden, Messung des Stroms zur Bestimmung der Leitfähigkeit von Elektrolyten. Je mehr Elektrolyte in der Lösung sind, desto besser wird der Strom zwischen den beiden Elektroden geleitet.
  • Potentiometrie:
    • Messung der Potentialdifferenz zwischen zwei Elektroden, die Potentialdifferenz ist proportional zur Analytenkonzentration
  • Amperometrie:
    • Messung eines Stroms, der durch Anlegen einer konstanten Spannung an eine elektrochemische Zelle entsteht.

Welche zwei Hauptprinzipien gibt es bei der Messung durch chemische Sensoren?

  • Ladungstransport: Kein Stoffumsatz
  • Elektrochemischer Stoffumsatz: Reduktion/Oxidation

 

Welche Methoden werden beim Prinzip des Ladungstransports bzw. des elektrochemischen Stoffumsatzes angewendet?

Ladungstransport:

  • Konduktometrie (physikalische Analysemethode, die die elektrische Leitfähigkeit einer flüssigen Probe zur Bestimmung ihrer Inhaltsstoffe und deren Konzentration ausnutzt.)
  • Potentiometrie (elektroanalytisches Verfahren der quantitativen Analyse unter Vermeidung eines Stromflusses und nutzt die Konzentrationsabhängigkeit der Leerlaufspannung)

Elektrochemischer Stoffumsatz:

  • Amperometrie (Amperometrie in der Chemie ist der Nachweis von Ionen in einer Lösung basierend auf elektrischem Strom oder Änderungen des elektrischen Stroms.)
  • Voltammetrie (Sammelbezeichnung für verschiedene elektroanalytische Methoden zur qualitativen und quantitativen Analyse einer Probe, mit der man die chemische Zusammensetzung von Stoffgemischen anhand des spannungsabhängigen Stromverlaufs bestimmen kann, sowie zur Aufklärung von Reaktionsmechanismen.)

 

 

Welche Messgrössen werden bei der Konduktometrie gemessen?

Strom, proportional zur Leitfähigkeit -> Leitfähigkeitssensor.

 

Welche Messgrössen werden bei der Potentiometrie gemessen?

Potentialdifferenz, stromlos, proportional zum Log der Analytenkonzentration -> pH-Elektrode, ionenselektive Elektrode.

Welche Messgrössen werden bei der Amperometrie gemessen?

Strom bei konstantem Potential, proportional zur Analytkonzentration -> O2-Sensor, Glucose Biosensor.

Welche Messgrössen werden bei der Voltammetrie gemessen?

Strom bei variablem Potential.

Welche Sorten von optischen Methoden gibt es, was wird gemessen?

  • Absorbanz
  • Luminenzemission
  • Brechungsindex
  • Phasenverschiebung

Wie lautet die Nernst'sche Gleichung

\(E = {E_0 + { RT\over zF}\ln(a)}\)

E = Spannung ("Elektromotorische Kraft")

E0 = standard potential

R = universal gas constant

T = temperature in kelvin

z = ion charge (moles of electrons)

F = Faraday constant

a = reaction quotient

Was wird bei der Potentiometrie gemacht?

Bei der Potentiometrie wird stromlos Spannung gemessen. Dafür braucht es immer zwei Pole, zwischen denen eine Spannung herrschen kann.

Wie funktioniert eine pH Glas-Elektrode?

Die Ableitelektrode befindet sich in einer Silberchlorid Lösung, die durch eine innere und eine äussere Quellschicht von der Messlösung abgetrennt liegt. Der vorliegende pH beträgt 7. Wenn sich der pH der Messlösung verändert, treten H+-Ionen in die Quellschicht auf der Glaselektrode ein, wodurch die Potentialdifferenz zwischen der Messlösung und der Referenzlösung verändert. Durch die Potentialdifferenz kann ein pH berechnet werden.

Wie lautet die Ansprechfunktion einer pH Elektrode und was sagt sie aus?

Die Ansprechfunktion wird mit der Nernst-Gleichung beschrieben:

\(E = E_0+{2.303*RT\over zF} \log(a) = E_0 + {2.303*RT\over zF} * pH\)

Mit ihr kann die Spannung E aus dem pH berechnet werden.

Welche Aufgabe hat ein Diaphragma?

Das Diaphragma muss einen elektrischen Kontakt zwischen Referenz- und Messlösung herstellen. Kalium und Chlorid-Ionen diffundieren dabei praktisch gleich schnell durch das Diaphragma, wehalb sie Bestandteil des Referenzelektrolyts sind.

Welche Steilheit hat eine Elektrode bei 25 °C und was bedeutet eine Steilheit von 98 %?

Die Steilheit beträgt -59.16 mV/pH. Die Prozentuale Abgabe bezieht sich auf die wahre Steilheit im Vergleich zur theoretischen Steilheit: Sie beträgt bei 98% demnach -58.0.

Wo liegt der Nullpunkt einer pH-Elektrode?

Da die pH-Elektrode mit einem Puffer mit pH 7 gefüllt ist, beträgt das Potential bei einer Lösung mit pH7 0mV.

Wo treten Alkali- oder Säurefehler auf?

Ab pH 12 oder unter pH 1 treten Alkali- oder Säurefehler auf.

Wieso entsteht der Alkalifehler?

Bei einer 0.01 Molaren NaOH-Lösung gibt es einen Überschuss von 1010 Natriumionen im Vergleich zu H+-Ionen. Die Glasmembran wird also von Na+ besetzt, wodurch ein tieferer pH gemessen wird, als das effektiv vorhanden ist. Diesen Fehler nutzt man zur Na+-Messung, indem man besonders schlechte Glasmembrane einsetzt.

Wodurch entsteht der Säurefehler?

Der Säurefehler entsteht ähnlich dem Alkalifehler, ist aber bei modernen Sensoren vernachlässigbar.

Welche drei Einflüsse hat die Temperatur auf die pH-Messung, welche Einflüsse werden korrigiert?

  • Temperaturabhängigkeit der Steilheit
    • Durch die Nernst-Gleichung ist das Potential der Messkette von der Temperatur abhängig; die Steilheit der Geraden verändert sich, wird aber von modernen pH-Messgeräten kompensiert.
  • Temperaturverhalten des Messmediums
    • Diese pH-Änderung ist real, sie hat mit den Dissoziationsreaktionen bzw. den Gleichgewichtskonstanten vom Medium zu tun. In der Regel nimmt der pH bei höheren Temperaturen ab.
  • Lage des Isothermenschnittpunktes
    • Durch verschiedene Temperaturen von Kalibrationsstandards und Messlösungen kann eine Verschiebung des Isothermenschnittpunkts verursacht werden.

Was muss wegen der Temperaturabhängigkeit des pH beachtet werden?

  • Mit Temperaturkorrektur arbeiten, sicherstellen, dass sie läuft
  • thermisches Gleichgewicht von verschiedenen Proben herstellen
  • bei derselben Temperatur kalibrieren, bei der später gemessen wird
  • pH immer auch mit Temperatur angeben

Was kann bei einer Verschmutzung des Diphragmas getan werden?

Mit geeigneten Reinigungslösungen können z.B. Proteinogene Verunreingungen beseitigt werden.

Welchen Einfluss haben CIP-Systeme auf die Glasmembran von pH-Elektroden? Wie lässt sich die Alterung der Glaselektroden rückgängig machen?

Saure, alkalische Reinigungsmittel, sowie hohe Temperaturen können der Glasmembran zusetzten und diese irreversibel schädigen. Die Alterung lässt sich mit einer genügenden Wässerung rückgängig machen. Teilweise muss jedoch die Quellschicht mit Flusssäure weggeätzt werden.

Welche Hauptvorteile haben digitale pH-Sensoren?

  • Durch die digitale Datenübertragung lassen sich elektromagnetische Störfaktoren vermeiden.
  • Es sind kontaktlose Steckverbindungen möglich.
  • Mess- und Systemdaten können ausgetauscht werden

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