Fragenkatalog und Antworten

Diese Karteikarten bieten einen umfassenden Überblick über die Grundlagen der Biotechnologie und Enzymkinetik, insbesondere im Kontext der Naturstoffproduktion. Sie decken Themen wie Enzymklassen, biotechnologische Herstellungsverfahren, enzymatische Reaktionen und die Trennung von Enantiomeren ab. Besonders nützlich sind sie für Studierende und Forscher, die sich mit der Optimierung von biotechnologischen Prozessen zur Herstellung von Aminosäuren, Glucose-Derivaten und anderen wertvollen Verbindungen befassen.
Flashcards
76
Students
9
Language
German
Category
Biology
Level
University
Created / Updated
30.06.2021 / 27.02.2025

Lernkarten

Erläutern Sie den Mechanismus der katalytischen Triade der Schweineleber-Esterase (Serinprotease) an einem selbst gewählten Beispiel!

Die Weltjahresproduktion von Aminosäuren beträgt mehr als 1 Mio Tonnen pro Jahr. Welche vier Verfahren werden grundsätzlich zur Produktion von Aminosäuren eingesetzt? Geben Sie fünf Beispiele an wozu Aminosäuren verwendet werden!

Herstellungsverfahren: Hydrolyse von Proteine, Fermentation der Glucose oder andere Kohlenstoffquellen, chemische Synthese aus Rohstofe, enzymatische Umsetzung aus chemische Rohstoffe (& Zellreaktor)

Beispiele für die Verwendung:

- Geschmacksverstärker (Glutamat)

- Futterzusatz (Lysin, Methionin, Tryptophan, Threonin)

- Aspartam-produktion (Aspartat, Phenylalanin)

- Süßstoff (Glycin)

- Medizin/Kosmetik (Arginin,...)

- Pflanzenschutzmittel

Die Weltjahresproduktion von Aminosäuren beträgt mehr als 1 Mio Tonnen pro Jahr. Nennen Sie die drei industriell wichtigsten Aminosäuren und geben Sie kurz deren Herstellungsprozess an!

Erläutern Sie die kinetische Razematspaltung von Hydroperoxiden mit Hilfe der Meerrettich-Peroxidase! Welche Produkte können damit hergestellt werden?

Peroxidasen sind Enzyme, welche die Reduktion von Peroxiden (meist Wasserstoffperoxid) katalysieren.

Meerettich - Peroxidase kann neben Wasserstoffperoxid auch andere Peroxide enantio- selektiv reduzieren. Hierfür braucht es einen Elektronen- und Wasserstoff-Donor, den es oxidieren kann. Als Donor wird meistens der Aromastoff Guajakol genommen, der durch die Reaktion oligomiert wird.

 

Erläutern Sie den Prozess der biotechnologischen Produktion von Asparaginsäure aus Fumarsäure! Asparaginsäure dient selbst als Ausgangstoff für die industrielle Produktion eines Lebensmittelzusatzstoffes. Um welchen Zusatzstoff handelt es sich?

Substrat: Fumarsaeure

LM-Zusatzstoff: Aspartam (L-Asp-L-Phe-OMe)

Enzym: L-Aspartase wird in Methylierter Form eingesetzt

Beim "Reichstein Gruessner Prozess" zur Herstellung von Vitamin C wird ein Intermediat der Reaktionskette durch mikrobielle Oxidation erhalten. Welcher Mikroorganismus wird eingesetzt? Geben Sie die Strukturformeln des Substrates und des Produktes der katalysierten Reaktion an! Welchen Vorteil hat die mikrobielle Oxidation gegenüber der chemischen Oxidation?

Die regioselektive Oxidation von D-Sorbitol zu L-Sorbose wird von Acetobacter Suboxidans geleistet.

Vorteile: regioselektive Oxidation von nur einer der endständigen OH-Funktionen (chemisch würden hier mehrere Schutzgruppen benötigt)

Erläutern Sie die Herstellung von Cyclodextrinen aus Stärke? Nennen Sie die beteiligten Enzyme und Intermediate! Wozu werden Cyclodextrine verwendet?

Cyclodextrine werden biotechnologisch durch den enzymatischen Abbau von Stärke, etwa aus Mais oder Kartoffeln, hergestellt. Die hierfür eingesetzten Enzyme werden als Cyclodextrin-Glycosyltransferasen, kurz CGTasen bezeichnet. Diese sind verschiedenen Bakterien und Archaeen zu finden, wobei industriell die aus dem Bacillus macerans isolierten CGTasen am bedeutsamsten sind. Bei der Einwirkung auf Stärke schneidet die CGTase aus der helikal gewundenen Struktur des Kohlenhydrats einzelne Stücke heraus und verbindet diese zu einem ringförmigen Oligosaccharid – dem Cyclodextrin.

  • Aus dem Abbau von Stärke mit alpha-Amylase erhaltene Maltodextrine werden mit Hilfe der Cyclomaltodextringlucano-transferase aus Bacillus macerans Cyclodextrine aus 6-12 Glucose-Einheiten erzeugt (Hauptprodukt: beta-Cyclodextrin (7 Glc-Einheiten).

Verwendung: Stabilisierung von Vitaminen und Aromastoffen, geschmackliche Neutralisierung von Bitterstoffen

Erläutern Sie die Wirkungsweise des Aminosäuren-Analogon Phosphinotricin! Warum kann diese Verbindung zur Selektion transformierter Pflanzen eingesetzt werden?

Erklären sie die Eigenschaften und molekularen Grundlagen der Wirkung des Pflanzenschutzmittel BASTA® (Phosphinotricin)! Wie werden Pflanzen vor BASTA® geschützt?

Phosphinotricin ist ein Aminosäure Antibiotika. Wo wird es eingesetzt? Wie lautet der Name des Handelsproduktes in dem Phosphinotricin der Wirkstoff ist? Erläutern sie den Wirkmechanismus des Antibiotikums!

Ein Aminosäure-Anitbiothikium ist L-Phosphinotricin. Wobei dieses v.a. als Pflanzenschutz- mittel eingesetzt wird und unter dem Namen Glufosinat besser bekannt ist. 

Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Glutaminsäure hemmt L-Phosphinotricin die Glutamin-Synthethase, welche bei L-Glutaminsäure die Hydroxygruppe durch Ammoniak substituiert und dadurch Glutamin entsteht. Durch die Hemmung kommt es zur Anreicherung von Ammoniak in der Zelle und die Pflanzenzelle stirbt ab. Das Herbizit ist also an sich unselektiv. Durch genetisches Einbringen des Gens für für das Enzym Phosphinothricin- Acetyl-Transferase (PAT-Enzym) in Pflanzen, können die Pflanzen Resistent gemacht werden.

  • Phosphinotricin ist ein Strukturanalogon zu Glutaminsäure.
  • Phosphinotricin hemmt die Glutaminsynthetase (normalerweise Feedbackinhibierung durch Glutamin).
  • Dadurch reichert sich NH3 an , welche toxisch ist.
  • Transformierte Pflanzen bekommen das Gen für die Phosphinotricin acetyltransferase, welche die Aminogruppe von Phosphinotricin acetyliert und das Antibiotikum somit unschädlich macht.

Welche Vorteile weisen biokatalytische Umsetzungen in organischen Lösungsmitteln aus?

  • Ausbeute erhöht: keine aufwendige Extraktion aus dem wässrigen LM, keine Emulsion, niedrig siedende Lösungsmittel
  • Unpolare Substrate werden besser umgesetzt wegen erhöhter Löslichkeit (somit stehen sie in größerer Konzentration zur Verfügung)
  • Mikrobielle Kontamination ist vernachlässigbar (Industriemaßstab)
  • Nebenreaktionen wie Hydrolysen, Razemisierung, etc. sind unterdrückt
  • Enzyme können durch einfache Filtration abgetrennt werden, da sie heterogen dispergiert sind
  • Erhöhte Stabilität der Enzyme (Denaturierung durch hydrolytische Prozesse erniedrigt)
  • Erhöhte Substrat-, Regio-, und Enantioselektivität da Enzyme in organischen Lösungsmitteln, da sie nicht mehr so flexibel sind
  • Verschiebung des thermodynamischen Gleichgewichts einer Hydrolysereaktion zugunsten der Synthesereaktion

Eine Lipase L setzt bevorzugt den R-konfigurierten Alkohol (A-OH) bei der enzymatischen Hydrolyse des razemischen Esters im wässrigen Medium frei. Welche Konfiguration weist der gebildete Ester auf wenn die Lipase L die Rückreaktion in einem organischen Medium aus dem racemischen Alkohol katalysiert. (Die Prioritäten der Substituenten am chiralen C-Atom ändern sich nicht während der Umsetzung). Begründen Sie ihre Wahl.

Der in der Rückreaktion entstehende Ester R-CO-O-A wird bevorzugt in der R-konfigurierten Form entstehen. Der R-Ester scheint besser in die aktive Tasche zu passen als der S-Ester somit wird auch dies der bevorzugte Weg auf der Rückreaktion sein. 

Der Grund dafür ist Drei-Punkt Anheftungsregel. 

Für die biotechnologischen Produktion von Citronensäure aus D-Glucose wird ein Hochleistungsstamm von Aspergillus niger eingesetzt. Der Hochleistungsstamm weist u. a. veränderte Aktivität von drei Biosynthese-Enzyme gegenüber dem Wildtyp auf. Um welche Enzymaktivitäten handelt es sich? Warum wurden die Aktivitäten verändert?

Pyruvat Carboxylase, Malat Dehydrogenase, Citrat Synthase

=> Erhöhung der Aktivitäten um mehr Vorläufer (Oxaloacetat durch Pyruvat-Carboxylase) herzustellen, so dass eine verstärkte Herstellung von Citrat (aus Oxalacetat durch Citrat Synthase) und verstärkte Herstellung von Malat (aus Oxalacetat durch Malat Dehydrogenase) stattfinden kann, (Citrat wird gegen Malat mittels Malat/Citrat-Antiporter aus Mitochondrium in Cytplasma transportiert und von Cytoplasma wird Citrat ins Medium ausgeschieden).

  • Wenn viel Oxalacetat vorhanden ist, wird auch viel Citrat gebildet.
  • Wenn viel Malat vorhanden ist, wird auch viel Citrat ins Medium abgegeben.
  • Da Citrat immer wieder von Produktionsanlage entfernt/sammelt wird, sind diese Mutationen noetig, damit die Citratzyklus weiterlaeuft.

Proteasen, Esterasen, Lipasen sind die industriell am häufigsten verwendeten Biokatalysatoren. Nennen Sie vier Gründe warum sich diese Enzymgruppen besonders gut eignen!

  • keine Cofaktoren
  • Vielzahl verfügbarer Enzyme
  • günstig
  • stabil
  • auch für umgekehrte Reaktion (Ester-bzw. Amidsynthese) einsetzbar => in organischen Lösungsmitteln mit geringer Wasseraktivität

Nennen und erläutern Sie fünf biotechnologische Anwendungen der Schweineleber Esterase (PLE)

Die am häufigsten verwendete Esterase (Serin-Esterase). Sie hat eine hohe Selektivität für Carbonsäuren und ist ziemlich günstig.

  • Hydrolyse prochiraler Ester (Enantioselektiv) 
  • Trennung razemischer Ester
  • Regio- und diastereoselektive Hydrolyse (bei zwei gleichen funktionelle Gruppen wird nur eine umgesetzt)
  • Milde Hydrolyse, z.B. PLE hydrolysiert die Vorläufer von Prostaglandin E (Methylester) genau an der benötigten Stelle mild
  • Trennung E/Z-Isomere (trans/cis) => nur der Ester in trans-Position wird hydrolysiert 

Sowohl Lipasen als auch Esterasen hydrolysieren Carbonsäure-Ester. Die molekularen Mechanismen der enzymatischen Reaktion unterscheiden sich aber. Erläutern Sie die Unterschiede.

  • Esterasen zeigen normale Michaelis-Menten-Kinetik, Lipasen aber nicht.
  • Lipasen arbeiten an der Öl/Wasser Phasengrenze => Erst sobald genug Substrat vorliegt, damit sich Öltröpfchen (CMC) bilden, kommt es zu einer Umsetzung, da die Umsetzung nur an der Grenzfläche geschieht. 

Die Kritische Mizellbildungskonzentration, oder CMC (englisch critical micelle concentration) beschreibt  die Konzentration eines Tensids, ab der sich Mizellen bilden. Bei einer weiteren Erhöhung der Konzentration gehen nahezu alle hinzukommenden Moleküle in Mizellen über.

Welche chemische Reaktion katalysieren Kinasen? Nennen Sie drei Kinasen und deren Einsatzgebiete in der Biokatalyse!

Kinasen katalysieren die regio-und enantioselektive Bildung von Phosphatestern unter Verbrauch von ATP als Cosubstrat. Dabei wird ATP durch Donorphosphat regeneriert. 

  • Carbamat (zur Regenerierung von ATP) ist instabil. Ammoniak, das nach Umseztung entsteht, kann Mg ersezten, wodurch manche Enzyme deaktiviert werden. 
  • PEP und Acetylphosphat werden als Donorphosphat verwendet. 

Hexokinase: Phosphorylierung der D-Glucose und seine Derivaten zu D-Glucose-6-Phosphat

Glycerol-Kinase: Phosphorylierung von Glycerol zu Glycerol-3-Phosphat

Acetat-Kinase: Phosphorylierung von Acetat zur Acetyl-CoA

Wodurch unterscheidet sich der Reaktionsmechanismus der Mono- und Dioxygenasen? Geben Sie jeweils eine Bruttogleichung der katalysierten Reaktionen an und nennen Sie jeweils zwei ihnen bekannte Mono- und Dioxygenasen!

Faktoren nennen, die jeweils ihre Anwendung in der indust. BT einschränken.

Oxygenasen sind Enzyme, die ein oder mehrere Sauerstoffatome auf ihr Substrat übertragen, wobei oft auch Ringöffnungen am aromatischen Molekül stattfinden.

Mono-Oxygenase: 

  • benötigen NADPH als Cofaktoren
  • katalysierte Reaktionen: Hydroxylierung, Epoxydierung, Beayer-Villiger-Reaktion

Dioxygenase: 

  • Bildung von Hydroperoxiden (Sub-O-O-H) durch Lipoxygenasen

 

 

Erläutern Sie den Prozess der biotechnologischen Produktion von Phenylalanin aus trans-Zimtsäure! Welches Enzym wird verwendet? Phenylalanin dient selbst als Ausgangstoff für die industrielle Produktion eines Lebensmittelzusatzstoffes. Um welchen Zusatzstoff handelt es sich?

Phenylalanin kann durch einen Enzymreaktor hergestellt werden, bei dem Ammoniak an trans-Zimtsäure durch Phenylalanin-Ammoniak- Lyase aus Rhodotorule glutinis addiert wird.

Aspartam ist ein Süßstoff aus L-Phenylalanin und L-Aspartat. 

Für die Produktion welcher Vitamine sind biotechnologische Verfahren Alternativen zur chemischen Synthese? Warum wird Acetobacter suboxydans bei der Herstellung des mengenmäßig wichtigsten Vitamins eingesetzt?

  • Vitamin B2 (Riboflavin)
  • Vitamin C (Ascorbinsäure)
  • Vitamin B12 (Cyanocobalamin)

werden fermenativ produziert. 

Beim Reinstein-Gruessner-Prozess, dem ältestesten Verfahren, wird D-Glucose an der Carbonylfunktion zu D-Sorbitol reduziert. Anschließend wird D-Sorbitol zu L-Sorbose oxidiert. Da diese Oxidation chemisch nur umständlich, unter Verwendung von Schutzgruppen möglich ist, wird der dieser Schritt fermentativ von Acetobacter Suboxydans durchgeführt.

Welches Enzym ist u.a. bei der Erweichung von Tomaten während der Reifung verantwortlich? Welche Reaktion wird katalysiert? Wie kann man die Reaktion analytisch verfolgen? Wie lässt sich diese Reaktion unterdrücken?

Das Enzym ist Polygalacturonase (PG), welche die 1,4 glykosidische Bindungen zwischen Galacturonsäuren hydrolysiert. Polygalacturonan, dessen Hauptbestandteil Galacturonsäure ist, ist ein wichtiger Kohlenhydratbestandteil des Pektinnetzwerks, das Pflanzenzellwände umfasst. Daher wirkt die Aktivität der endogenen Pflanzen-PGs auf das Erweichen und Süßen von Früchten während des Reifeprozesses.

Unterdrueckung der Reaktion:

Phytopathogene Pilze setzen Pflanzenzellwände "Zellwand abbauenden Enzymen" wie PGs aus. Als Reaktion darauf haben die meisten Pflanzen natürliche Inhibitorproteine, die die hydrolytische Aktivität von PG verlangsamen. Die Polygalacturonase-Inhibitor-Proteine (PGIPs) sind leucinreiche Wiederholungsproteine, von denen berichtet wurde, dass sie sowohl eine nicht-kompetitive als auch eine kompetitive Hemmung von PGs zeigen.

Erläutern sie vier wichtige Eigenschaften von Enzymen!

  • Chemoselektivität: greift nur eine funktionelle Gruppe an, Esterhydrolyse-/-Acetalspaltung
  • Regio-/Diastereoselektivität: erkennen gleiche funktionelle Gruppen an verschiedenen Stellen im Molekül, setzt nur eine um
  • Enantioselektivität: prochirale Verbindungen werden zu optisch aktiven (chiralen) Produkten umgesetzt, oder die Enantiomeren einer racemischen Mischung reagieren unterschiedlich schnell (kinetische Racematspaltung)
  • Biokatalysator (katalytische Aktivität): Enzyme senken die Aktivierungsenergie einer Reaktion ab und werden bei der Reaktion nicht verbraucht
  • Sie sind durch Hemmung oder durch inaktive Stufen regulierbar

Erklären sie die chromatographische Trennung von razemischen Gemischen an chiralen Phasen

Bei der chiralen Chromatographie ist eine Trennung von Enantiomeren möglich. Die chirale stationäre Phase bindet bevorzugt an eins der Enantiomere (3 Punkt-Anheftungsregel). Das andere kann eluiert werden.

Die wichtigsten in der Industrie angewendeten enzymkatalysierten Reaktionen sind hydrolytische Transformationen. Wie können sie dies erklären?

Hydrolasen spalten Ester, Peptide, Glycoside, Nitrile und andere Verbindungen hydrolytisch.  Sie benötigen keine Cofaktoren, sondern nur Wasser.

Hydrolytische Enzyme: Proteasen, Esterasen, Lipasen

  • Lipasen hydrolysieren Trglyceriden zu Fettsäuren und Glycerol 
  • Proteasen hydrolysieren die Peptidbindungen
  • Esterasen spalten Ester hydrolytisch in ein Alkohol und in eine Säure

Vorteile hydrolytischer Enzyme:

  • keine Cofaktoren
  • Vielzahl verfügbarer Enzyme
  • günstig
  • stabil
  • auch für umgekehrte Reaktion (Ester-bzw. Amidsynthese) einsetzbar ĺin organischen Lösungsmitteln mit geringer Wasseraktivität

Erläutern sie einen ökonomisch sinnvollen enzymatisch katalytischen Prozess zur Herstellung von Dihydroxyacetonphosphat (Reaktionsgleichungen mit den beteiligten Enzymen)

Dihydroxyaceton wird durch Glycerol-Kinase in Dihydroxyacetonphosphat umgewandelt. Dabei verbrauchte ATP wird wiederum durch Acetylphosphat unter der Katalyse von Acetyl-Kinase regeneriert.

Erläutern sie den Reaktionsmechanismus der Nitrilase und zeigen sie an einem Beispiel, dass diese Enzyme für die kinetische Razematspaltung verwendet werden können!

z.B. Synthetisierung von alpha-Hydroxysäuren und alpha-Aminosäuren aus Aldehyden

  1. Ein Aldehyd wird durch HCN zu Cyanhydrin (oben) oder durch HCN & NH3 zu einem Aminonitril (unten) umgesetzt. 
  2. Da die Reaktion nicht enantioselektiv ist, entsteht ein Racemat, was dann enantioselektiv durch eine Nitrilase in eine Amino oder eine Hydroxysäure umgewandelt wird. 

Welche Verbindung erhalten sie bei der asymmetrischen Oxidation von meso-Diolen mit HLADH (Pferdeleber-ADH). Erläutern sie die Reaktionen am Beispiel von 2R,3S-dimethylbutan-1,4-diol.

Meso-Verbindungen sind Verbindungen, die trotz Stereozentren achiral sind. Asymetrische Katalyse ist ein anderes Wort für enantioselektive Katalyse.

Ablauf der Reaktion:

  1. Oxidation der R OH Gruppe durch die HLADH. NAD+ wird recycelt.

  2. Ringbildung: Angriff des freien e− des OH an der Carbonylgruppe. Elektoronen klappen um und das H+ geht vom einen Sauerstoff auf den anderer rüber. Ein Halbacetal ist entstanden. Halbacetale sind organische Verbindungen, die sich durch eine Alkoxygruppe oder Aryloxygruppe –OR und eine Hydroxygruppe -OH auszeichnen, die an dasselbe Kohlenstoff-Atom gebunden sind.

  3. HLADH oxidiert die verbleibende OH Gruppe. Ein Lacton ist entstanden.

Nennen sie drei für Biotransformationen wichtige C-C bildende Enzyme aus der Klasse der Lyasen und beschreiben sie allgemein die von ihnen katalysierten Reaktionen!

Lyasen katalysieren eine Molekülspaltung. Das Reaktionsschema:

A − B → A + B

Lyasen erzeugen eine nicht-hydrolytische Spaltung eines Moleküls in zwei Produkte, meist unter Bildung einer Doppelbindung oder einer Ringstruktur.

Aldolase: Aldolkondensation => Verlängerung von Aldehyden um zwei oder drei C-Einheiten

Transketolase: Übertragung einer Hydroxymethylgruppe von Ketose-Phosphaten auf Aldose-Phosphate => dadurch wird das Akzeptor-Molekül um 2 C-Einheiten verlängert

Fumarase/3-Methylaspartase: Addition von Wasser/Ammoniak an Fumarsäure bzw. Methylfumarsäure

 

 

Erläutern sie an zwei Beispielen die kovalente Immobilisierung eines Enzyms an einen Träger!

Sollen die Enzyme fester gebunden sein, müssen diese kovalent mit dem Trägermaterial verknüpft werden. Enzyme verlieren dabei durch die harschen Reaktionsbedingungen etwas an Aktivität, Zellen überleben diese meistens nicht, weswegen es für Zellen kaum eingesetzt wird.

Für die Bildung von kovelenten Bindungen werden Harze (= Resin, Recine) verwendet, die mit Carboxyl oder mit Hydroxylgruppen funktionaliert sind. Das Hydroxyl Harz wird mit Epichlorhydrin behandelt und das gebundene Epoxid kann schließlich bei pH 7-8 freie Aminogruppen in der Seitenkette von Lysinresten binden.

Das Carboxyharz wird mit SOCL2 aktiviert und die Aminogruppe von Lysinsseitenketten unter basischen Bedingungen amidartig gebunden.

Formulieren sie das aus Valin abgeleitete cyanogene Glucosid Linamarin und dessen Hydrolyseprodukte nach Behandlung mit ß-Glucosidase und alpha-Hydroxynitril-Lyase!

 

 

Durch welches Modell kann die Enantioselektivität von Enzymen erklärt werden? Erläutern sie anhand dieses Modells die bevorzugte Bildung eines Enantiomers aus einer prochiralen Verbindung mit Hilfe eines selbst gewählten Beispiels!

  • Drei-Punkt Anheftungsregel: Das Substrat muss mit mindestens 3 unterschiedliche Punkten mit dem Enzym interagieren. Dies ermöglicht Enantioselektivität, da Enantiomere nicht in drei Punkten gleich sein können (sonst wären sie ja keien Enantiomere). 

  • Chirale Substrataufbau: AR-AS-B-C, wobei Enzym A', B' und C' beinhaltet.

  • Optimale Anpassung der Substituent AR oder AS (haengt davon ab, welche Enantiomer bevorzugt gebildet wird => beim Beispiel wird AS bevorzugt => so entsteht eine Chiralitaet mit einem S-Zentrum) fuehrt zur Umwandlung des Substrats.

  • Beim Beispiel wird L-Phenylalanin (CIP: S) gebildet.

Proteasen werden aufgrund ihrer im aktiven Zentrum katalytisch wirkenden Aminosäure in drei Gruppen eingeteilt. Wie heißen die Gruppen? Welche Aminosäuren wirken jeweils katalytisch? Nennen je einen Vertreter (Protease) pro Gruppe!

Serin-Proteasen: Schweine Leber Esterase, Chymotrypsin, Trypsin

Carboxy-Proteasen: Pepsin (Asp), Chymosin (Asp)

Thiol-Proteasen(Cysteinproteasen):Papain, Caspasen

Entwickeln sie eine biokatalytische Methode zur Produktion von D-Glucose-6-phosphat aus D-Glucose! Was wird benötigt? Wie kann das Verfahren kostengünstig gestaltet werden? Formulieren sie die Reaktionen!

Hexokinase setzt D-Glucose in D-Glucose-6-phosphat um. Dabei wird ATP zu ADP. Durch Phosphorylierung von ADP durch die Pyruvatkinase, die Phosphoenolpyruvat (PEP) in Pyruvat um- wandelt, wird ATP wieder regeneriert.

Um das Verfahren konstengünstiger zu gestalten, kann man Acetylphosphat (Acetat-Kinase) anstatt PEP (Pyruvat-Kinase) verwenden, da es billiger ist. 

4-Hydroxypentanitril soll in (R)-Gamma-Pentalacton umgewandelt werden. Schlagen sie einen biokatalytischen Prozess vor! (Strukturformeln und Enzym(e))!

Wie wird die Reaktion genannt mit deren Hilfe man aus cyclischen Ketonen Lactone synthetisieren kann? Zu welcher Enzymklasse und Untergruppe werden die Enzyme gerechnet die diese Reaktion katalysieren? Formulieren sie die Bildung des Pfirsicharomastoffes (S)-Delta-decalacton!

Die sog. Baeyer Villiger-Oxidation bildet aus monocyclischen Ketonen die dazugehörigen Lactone. Dies wird von der Baeyer-Villiger-Monooxygenase aus Pseudomonas putida katalysiert. Es dient O2 als Sauerstoffdonor und NADH2 reduziert das übrige O zu H2O.

Die Baeyer-Villiger Reaktion wandelt Ketone zu Estern um. Cyclische Ester werden Lactone gennant. Ein Anwenungsbeispiel ist die Herstellung von Fruchtaromastoffen in Acinetobacter sp. Die Reaktion kann zwar auch durch ein isoliertes Enzym aus Psedomonas putida erfolgen, dies erfordert aber ein NADH-Recycling weswegen sie bevorzug in Zellen katalsiert wird.

Enzym-Klasse: Oxidoreduktase

Enzym: Baeyer-Villiger-Monooxygenase

 

Definieren sie den Begriff „Prochiral“ Geben sie die exakte chemische Strukturformel von drei verschiedenen prochiralen Verbindungen an!

In der Stereochemie sind prochirale Moleküle solche, die in einem einzigen Schritt von achiral in chiral umgewandelt werden können. 

Strukturformel?

Geben sie zwei Verfahren zur präparativen Trennung von D- und L-Milchsäure an und erläutern sie jeweils das Trennprinzip!

Umsetzung des racemischen Gemischs mit einem enantiomerenreinen Substrat zu Diastereomeren Salzen (D-L und L-L). Diese können durch Kristallisation oder Chromatographie getrennt werden, da sich die Eigenschaften von Diastereomeren unterscheiden. Mittels chiraler Phasen Chromatographie können auch Enantiomerengemische / Racemate gespalten werden.

Erläutern sie den vorgeschlagenen Reaktionsmechanismus (katalytische Triade) von Serinhydrolasen mit Strukturformeln am Beispiel der Hydrolyse von Hexylacetat. Die Angabe der reaktiven funktionellen Gruppen der Aminosäuren ist ausreichend.

1. Nukleophiler Angriff des Serins: 

  • His aktiviert Ser (H geht zum Histidin rüber)
  • Negativ geladene Asp stabilisiert das positiv geladene His 
  • Ser greift an der C=O  
  • Der Bindung zum Sauerstoff klappt hoch und wird negativ geladen => "Tetraedisches Intermediat" 
  • Die Bindung von Sauerstoff klappt wieder runter und schmeißt Amin raus => "Acyl-Enzym Intermediat" 

2. Angriff des Nukleophil aus dem LM:

Gleiche Schitte wie oben. Nur dieses Mal geht das Enzym ab. Anschließend Abgabe des Protons zurück an Ser und Regenerierung des Ausgangszustands.

Erläutern sie beispielhaft die Produktion von enantiomerenreinen R-Aminosäuren mit Hilfe einer Hydrolase, Lyase und Dehydrogenase. Zeichnen sie die allgemeine Struktur der Ausgangsstoffe (R=Rest) und geben sie die Bezeichnungen der katalysierten Reaktionen an!

Schlagen sie zwei unterschiedliche Verfahren zur Produktion von enantiomerenreinem Pantolacton vor, welches als synthetischer Vorläufer für die Pantothensäure dienen kann!

  1. Esterase-Mechanismus (durch gefriertrocknete Hefe)
  2. Mikrobielle Entracemerisierung (dabei wird ein Racemat zu einer prochiralen entracemerisiert und dann enantioselektiv zurück umgewandelt)

Erläutern sie die Struktur von ß-Cyclodextrin! Wofür wird es eingesetzt? Wie wird es hergestellt?

Octyl-ß-D-glucosid (hat auch in einem Altklausur stattdessen Hexylglukosid gefragt) wird häufig als Tensid verwendet. Schlagen sie zwei biotechnologische Herstellungsverfahren für dieses Tensid vor und beurteilen sie deren Vor- und Nachteile!

Glycoside, auch Glykoside, sind organische chemische Verbindungen der allgemeinen Struktur R–O–Z. Dabei ist ein Alkohol (R–OH) über eine glycosidische Bindung mit einem Zucker (Z) verbunden. Glycoside chemisch zu synthethisieren ist sehr schwierig. Biokatalytisch hingegegen geht es ziemlich einfach. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Durch Glykosyltransferasen: Glykosyltransferase überträgt ein aktiviertes UDP-Kohlenhydrat auf ein anderes Zuckermolekül/Alkohol, unter Abspaltung des UDP.

Nachteil: Die Schwierigkeit dabei ist die Herstellung des aktivierten UDP-Kohlenhydrats.

  • Durch Rückreaktion der Glykosidase: Die Glykosidase hydrolisiert Glycosidische Bindungen. Man kann ihre Rückreaktion ausnutzen, um glycosidische Bindungen zu knüpfen.

Die Hinreaktion der Glykosidasen erfordert wie bei allen Hydrolasen Wasser als Co-Faktor. Für die Rückreaktion ist deswegen entsprechend ein wasserfreies Milieu und keine Cofaktoren noetig.

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