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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 07.06.2021 / 28.08.2021
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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

Analyseebenen dieser Theorien:
o Biologisch
o Psychologisch
o Sozial/kulturell

Kernaussagen
− Menschliches Verhalten sollte auf 4 Analyseebenen betrachtet werden
o eine ätiologische Ebene, die sich mit dem Einfluss von genetischen und
umweltbedingten Faktoren auf Psychopathologie auseinandersetzt
o Gehirnmechanismen, beschäftigen sich mit den Auswirkungen der
ätiologischen Faktoren auf die Entwicklung des Gehirns und seine spätere
Funktion
o neuropsychologische Analyse, die sich mit den hirnbasierten psychologischen
Systemen beschäftigt, die menschliches Verhalten beeinflussen
o eine symptomatische/phenomenologische Analyseebene, die versucht,
verschiedene Formen der Psychopathologie zu charakterisieren
▪ personal agency (persönliche Handlungsfähigkeit) gehört hierzu

฀ alle vier Ebenen bedingen sich gegenseitig und die Theorien auf den verschiedenen Ebenen
müssen miteinander konsistent sein

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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

vier Kategorien von Faktoren, die sexuell übergriffiges Verhalten verursachen

1. biologische Faktoren (beeinflusst durch genetische Vererbung und
Gehirnentwicklung),
2. ökologische Nischenfaktoren (d.h. soziale, kulturelle und persönliche Umstände-
Lernen),
3. neuropsychologische Faktoren
4. Faktoren auf der Handlungsebene (agency-level)
a. Ebene, auf der eine Person über mögliche Gründe für ihr Handeln nachdenkt,
sich für eine Handlungsweise entscheidet, und dann [absichtlich] handelt
฀ laut ITSO entstehen Sexualstraftaten durch die ständige Interaktion von distalen und
proximalen Faktoren

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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

4 Gruppen von klinischen Problemen, die bei Sexualdelikten eine Rolle spielen

o Abweichende Erregungszustände
o Angriffsbezogene Gedanken und Phantasien
o Negative/positive emotionale Zustände
o Soziale Probleme

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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

1. Entwicklung des Gehirns

3 Grundlegende Elemente in Darwins Theorie der natürlichen Selektion
1. Einzelne Mitglieder einer Art unterscheiden sich in Bezug auf ihre physischen und
psychische Merkmale
2. Einige Mitglieder einer Art zeigen Variationen, die sie besser in die Lage versetzen, zu
überleben oder sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.
3. Individuen, die besser ausgestattet sind, um zu überleben, werden sich mit größerer
Wahrscheinlichkeit fortpflanzen und ihre Gene weitergeben
1 weiterer Prozess neben natürlicher Selektion ฀ sexuelle Selektion

 

Genetische Determinanten von der Entwicklung des Gehirns

-Gene-Culture co-evolution Theory

Neurobiologische Funktionsweise

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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

2. Proximale und distale Faktoren

Setzen sich zusammen aus:
− Ökologischer Nische – soziale und kulturelle Rollen des Täters
− Lebensraum – Umgebung, in der eine Person lebt
฀ können dazu führen, dass eine Person ein Sexualdelikt begeht, ohne dass
psychologische oder biologische Anfälligkeiten vorliegen
− Distale Faktoren ฀ psychologische Vulnerabilitäten
− Proximale Faktoren ฀ physische Umgebung eines Individuums, stellt potentielle
Opfer zur Verfügung und schafft spezifische Umstände, die die psychologischen
Anomalien auslösen
฀ Eine Straftat kann also die Folge von Umständen sein, die die Fähigkeit des Individuums,
sich ethisch korrekt zu verhalten, untergraben und zum typischen Verhalten führen, das
sonst unterdrückt wird

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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

3. Neuropsychologische Funktionsweise

Sowohl die biologische Vererbung als auch das soziale Lernen können einen erheblichen
Einfluss auf die drei ineinander greifenden neuropsychologischen Systeme haben:
− Motivation/Emotion,
− Wahrnehmung und
− Gedächtnis sowie
− Handlungsauswahl und -kontrolle
฀ Probleme in einem System beeinflussen auch die anderen Systeme

1. Das motivationale/emotionale System

2. Handlungsauswahl- und -kontrollsystem

3. Das Wahrnehmungs- und Gedächtnissystem.

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Integrated Theory of Sexual Offending (ITSO)

4. Klinische Phänomene

Nach der ITSO interagieren Defizite in der neuropsychologischen Funktion mit der
der Ökologie oder physischen Umgebung des Individuums (proximale Dimension)
− führen zum Auftreten von vier Gruppen von Symptomen oder klinischen
Phänomenen, die direkt mit Sexualstraftaten assoziiert sind
o starke Emotionen / Emotionale und verhaltensbezogene Probleme
o Bedürfnis nach Intimität/Kontrolle
o triebunterstützende Kognitionen (abweichende Gedanken und Phantasien)
o abweichende sexuelle Erregung
฀ vermittelt durch persönliche Erfahrung und Handlungskontrolle.
− Diese 4 Klassen können hinweisen auf:
o Problematische Überzeugungen
o Fehlerhafte Bewertungen
o Schlechte Planung
− Führen dann zu gesellschaftlich nicht konformen Handlungen und verursachen
persönliches Leid

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Andere Theorien der Sexualdelinquenz

Finkelhors Bedingungsmodell des sexuellen Kindesmissbrauchs

− Hypothese, dass vier Vorbedingungen erfüllt sein müssen, bevor der sexuelle
Missbrauch eines Kindes stattfindet
a. Täter muss motiviert sein, das Kind zu missbrauchen
b. Täter muss innere Hemmungen überwinden (Alkohol Impulsstörung,
Psychose, schwerer Stress)
c. Täter muss äußere Hemmungen überwinden (fehlende mütterliche Nähe,
soziale Isolation, väterliche Dominanz, fehlende elterliche Aufsicht)
d. Täter muss Widerstand des Kindes überwinden (Geschenke,
Desensibilisierung, Aufbau emotionale Abhängigkeit, Drohungen, Gewalt)
฀ bauen aufeinander auf, d.h. müssen nacheinander erfolgen
Die Faktoren der Finkelhorschen Theorie lassen sich in die drei psychologischen Systeme
einordnen:
1. dem motivationalen/emotionalen System ฀ emotionale Kongruenz & sexuelle Erregung
2. dem Wahrnehmungs- und Gedächtnissystem ฀ auch nötig für die Überwindung externer
und kindlicher Widerstände
3. Handlungsauswahl- und Kontrollsysteme ฀ Blockade & Enthemmung, Voraussetzungen
für die Überwindung externer und kindlicher Widerstände