Lernkarten

Karten 46 Karten
Lernende 2 Lernende
Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 07.06.2021 / 21.06.2021
Lizenzierung Keine Angabe
Weblink
Einbinden
0 Exakte Antworten 46 Text Antworten 0 Multiple Choice Antworten
Fenster schliessen

Psychologische Ansätze zur Aggression
Theorie des sozialen Lernens

Erwerb und Manifestation von Aggression in drei Phasen
1. Prozesse und Bedingungen, die die individuelle Gewaltbereitschaft bestimmen und durch aggressive
Verhaltensmuster erworben werden (Erwerb aggressiver Verhaltensmuster)
2. Faktoren, die in einer konkreten Situation die Aggression auslösen oder Bereitschaft dazu bestimmen (Auslösende
Mechanismen für die Aggression)
3. Prozesse, die das ausgelöste aggressive Verhalten aufrechterhalten oder es stabilisieren (Mechanismen der
Aufrechterhaltung von Gewalt und Aggression)

Breites Modell mit biologischen Prozessen und gesellschaftlich-strukturellen Rahmenbedingungen; regte viele
weitere theoretische Überlegungen und Studien an.
Zu 1)

Zu 2) situative Merkmale die zu aggressiven Verhaltensweisen führen
- Angriff, Bedrohung oder Provokation
- Anreize, soziale Gewinne
- Enthemmtes Gruppenverhalten (z.B. Demonstrationen)
- Alkohol, Drogen
- Befehle und Anweisungen

Zu 3) Reaktionen nach der Tat wichtig für weitere Aggressionsausübung
- Keine Sanktionen von Justiz, Familie oder Schule führt zu Verstärkung
- Gewinn oder soziale Anerkennung bestärken
- Nach Tobsuchtsanfall muss Zimmer nicht aufgeräumt werden (negative Verstärkung)
- Andere werden nicht bestraft (stellvertretende Bekräftigung)
- Selbstregulierende Mechanismen

Fenster schliessen

Psychologische Ansätze zur Aggression
Modell der sozialen Informationsverarbeitung

In konkreten Situationen verarbeitet der Mensch Informationen anhand seiner biologisch begrenzten Kapazität und im
Lichte seiner bisherigen Lernerfahrung. Zudem lenken Emotionen die Wahrnehmung von stimmungskongruenten Reizen
und ihrer Interpretation. Defizite bei der Verarbeitung von sozialer Information führt demnach zu Schwierigkeiten und
aggressiven Verhalten. Folgende kognitive Prozesse seien beteiligt:

Zu 1) Enkodierung Information: Verarbeitung durch individuelle Verarbeitungskapazität beschränkt. Spezifische
Lernerfahrung und motivationale Besonderheiten führen zu Elaboration kognitiver Schemata (selektive Beeinflussung).
Probanden die mehr Gewalt erlebten, erinnern sich in gleichen Situationen später mehr an aggressive Reize als
unauffällige Probanden.
Zu 2) Interpretation d. Situation: affektive Perspektivenübernahme und Ursachenzuschreibung (Attribution) bei
aggressiven Kindern schlechter (hostile attribution bias)
Zu 3) Zielsetzung: Insbesondere in der Phase der Zielsuche hohe Anfälligkeit für affektive Zustände (Wahl antisozialer
Ziele).
Zu 4) Reaktionssuche: Abruf aus Verhaltensrepertoire in Abhängigkeit von Ähnlichkeit d. Situation und vorhandenen
Repräsentationen und der Stärke der assoziativen Verknüpfung. Aggressive Kinder haben ein gleich hohes
Handlungsrepertoire als unauffällige Kinder, allerdings sind ihre eher von mehr aggressiven und impulsiven Reaktionen
geprägt
Zu 5) Handlungsauswahl- und -bewertung: Effizienz und Angemessenheit, Vorerfahrung und subjektive Situation,
allgemeine Erwartung v. Wirksamkeit und Regeln werden bewertet. Aggressive Jugendliche haben eine kurzsichtigere
Folgenabschätzung.
Zu 6) Handlungssteuerung: handlung wird ausgeführt; ob diese aufrechterhalten wird hängt von Kompetenz,
Konsequenzerwartung und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen ab. Der Ausgang über diesen Prozess bestimmt wie es
weitergeht (Zyklus).
Kritik
Liefert gut Hinweise zur Aktualgenese aggressiven Verhaltens, die konsekutive Stufenabfolge ist weniger gut belegt.
Keine Klärung, welche Rolle Interaktionspartner spielen und wie sich die Stufen gegenseitig beeinflussen.

Fenster schliessen

Psychologische Ansätze zur Aggression
Allgemeines Aggressionsmodell

General Aggression Model (GAM) integriert Wissensstrukturen, Wahrnehmungs- und Personenschemata, sowie
Verhaltensskripte.
Konkrete Situation:

Personale Inputvariablen (Schemata, Einstellungen, Skripte) und aggressionsbegünstigende Situation (aggressive
Hinweisreize, aversive Erlebniszustände, Provokationen, Substanzintoxikationen) in Wechselwirkung zueinander führen
zu einem inneren Zustand der Person, der sich aus Kognition, Affekt und Erregung konstituiert. Es erfolgt eine
automatische Bewertung der Situation. Es folgt die spontane Handlung, oder bei Aufwendung von kognitiven Ressourcen
eine bedachte Handlung.

Kritik
Gute Ergänzung zur Aktualgenese. Die Annahmen über Einfluss und Wechselwirkung sind gut belegt. Prozessabfolge
interner Zustände im Wechselspiel von Affekt, Erregung und Kognition und die darauf folgende Bewertung und
Entscheidungsprozesse weniger.

Fenster schliessen

Risikomodelle dissozialen Verhaltens
Kumulation bio-psycho-sozialer Risikofaktoren

Risikofaktoren

Risikofaktoren
- Biologische u. genetische Risiken
- Familiäre Risiken
- Auf individueller Ebene
- Gewalthaltige Medien
- Schule, Ausbildung und Zukunftsperspektiven
- Peergruppen
- Nachbarschaft u. Gemeinde
- Diese Risikofaktoren lassen sich in intakten Familien neutralisiern!

 

Es gibt Protektive Faktoren auf der Ebene des Indigiduums und des sozialen Umfelds

Fenster schliessen

Risikomodelle dissozialen Verhaltens
Kumulation bio-psycho-sozialer Risikofaktoren

Kritik

Kann alle empirisch gewonnenen Erkenntnisse von Risiko- und Schutzfaktoren integrieren und liefert viele Ansätze für
Prävention und Intervention.

Der dissoziale Lebensstil (also die eigentliche Variable) ist zu breit angelegt, keine
differentielle Aussage darüber, unter welchen Umständen welche Form von dV entwickelt werden und welche Art und
Zahl von Schutzfaktoren neutralisierend wirken
• Kriminalität als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, in dem Risikofaktoren anhäufen und sich gegenseitig verstärken

Eines der einflussreichsten/ bedeutsamsten Modell zur entwicklungskriminologischen Ätiologie und Prävention von
Kriminalität

Fenster schliessen

Risikomodelle dissozialen Verhaltens

Modell des integrierten kognitiv-dissozialen Potentials

Wechselwirkungsmodell zum Aufbau eines dissozialen Lebensstils und zur Ausübung von konkreten dissozial-kriminellen
Verhaltens. Ausgelöst wird die konkrete Tatbegehung demnach durch eine Wechselwirkung zwischen individuellen
Merkmalen (dem aktuellen Grad des dissozialen Potentials) und sozialen Faktoren (der Verfügbarkeit von Gelegenheiten
und Opfern dVs).

Ob die Tat ausgeführt wird, hängt dann von kognitiven Prozessen ab. Dabei werden subjektive Kosten und Nutzen, sowie
die W*keit für Konsequenzen überschlagen. Allerdings überwiegt nicht immer die rationale Überlegung, auch ein aktuell
hohes dissoziales Potential beeinflussen die Bewertungsprozesse.

Fenster schliessen

Integrative Theorien.

General Personality & Cognitive Social Learning perspective (GPCSL).

Distale Faktoren, "Moderate Four", "Big Four"

Soziale Rahmen, Situative Einflüsse, Antisozialität (Persönlichkeit)

Fenster schliessen

Integrative Theorien.

Kognitiv-Affektives Persönlichkeitssystem (CAPS) nach Mischel (1995)

Enkodierungen: Individuelle Kategorisierung der eigenen Person, von anderen Personen, Ereignissen und
Situationen
Erwartungen/Überzeugungen: Individuelle Erwartungstypen, darunter Selbstwirksamkeitserwartungen und
Ergebniserwartungen (Kontrollüberzeugungen, Optimismus)
Affekte: Individuelle (aktuell und habituell erlebte) Emotionen
Ziele/Werte: Individuelle Ziele und Projekte, die eine Person verfolgt, und Wertmaßstäbe, an denen sie ihr
Verhalten ausrichtet
Kompetenzen und Pläne zur Selbstregulation: Individuelles Verhaltensrepertoire, über das eine Person verfügt,
und Strategie und Pläne für die Handlungsorganisation