HSG


M. M.
Diese Lernkarten behandeln verschiedene Geschäftsmodelle und Innovationsstrategien auf Universitätsniveau. Sie beleuchten Konzepte wie White Label, User Design und Two-sided Market, die Unternehmen helfen, Kundenbedürfnisse zu erfüllen und Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Besonders nützlich sind sie für Studierende und Unternehmer, die verstehen möchten, wie Unternehmen durch kreative Ansätze wie Reverse Innovation oder Barter wachsen können. Die Karteikarten bieten praktische Beispiele und Erklärungen, die das Verständnis für moderne Geschäftspraktiken vertiefen.
Karten
170
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
BWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
22.01.2020 / 23.01.2020

Lernkarten

Wieso scheitern Geschäftsmodelle ?

  • Oft antworten Firmen auf neue Innovation mit einer Verbesserung ihrer alten Produkte. Wie zum Beispiel in der Automobilindustrie, Motor vs. Elektrogetriebe. Noch weniger Sprit Verbrauch oder Elektro? “In Zukunft findet der Wettbewerb nicht mehr zwischen Produkten oder Unternehmen statt, sondern zwischen Geschäftsmodellen. – Gary Hamel”

Beispiele innovative Geschäftsmodelle

  • Nespresso: Razor and Blade - Grundmodell günstig, komplementär Gut ist dafür teuer.

    Like Gillette. Ggf. unter dem Produktionspreis verkauft. Quersubventioniert (Schindler):

    Viele Aufzüge verkaufen, über den Service Profit machen / Quersubventionieren

  • -  Auch Nespresso: Lock in Effekt; Razor and Blade Effekt funktioniert meistens nur mit

    Lock In. (Bspw. mit den Kappseln)

  • -  Lock In Effekt: 1) Nespresso Club (Community) & 2) Feel like George Clooney

    (unterschwellige Methode) & 3) Dichtung sind auf Kappseln und nicht in der Maschine /

    mit anderen Maschinen funktionieren die Maschinen nur halbrichtig & 4) Direkt Selling

  • -  Nespresso wird vom Effekt (3) wegkommen, da die Verpackungstechnologie kostspielig

    ist

The Business Model Triangle

Geschäftsmodelle vs Prozess- und Produktinnovationen

- Neue Geschäftsmodelle schöpfen gegenüber Produkt- und Prozessinnovationen zusätzliches

Innovationspotenzial und erzeugen zusätzlichen Profit (Produktinnovation/

Technologieinnovation < Prozessinnovation < Business Model Innovation)

 

 

Drei Strategien um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln

Transferieren

Kombinieren

Hebeln

Transferieren

Razor and Blade von Gillette für neue Industrie; Transferieren von

Prinzipien/ Patterns aus)

-  Def: “Ein bestehendes Geschäftsmodell wird auf eine neue Branche portiert. Die meisten Unternehmen nutzen diese Strategie. Wichtige Vorteile: Andere Unternehmen dienen als Blueprints und ihre Fehler können vermieden werden, so dass sie in ihrer Branche zu einem Innovationsführer werden können. Große Herausforderung: genügend Raum für Experimente und Anpassungen zu lassen.“

Kombinieren 

(Razor and Blade, Lock-in, Direct Selling Nespresso; mehrere Prinzipien/ Patterns kombinieren)


-  Def: “Übertragen und kombinieren von zwei Geschäftsmodellen. Besonders innovative Unternehmen können sogar drei Geschäftsmodelle gleichzeitig nutzen. Großer Vorteil: Synergien verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Wettbewerber das Geschäftsmodell imitieren. Große Herausforderung: Planung und Ausführung werden hochkomplex.“

Hebeln

(Nespresso, Special T, Babyness; auf den bestehenden Prinzipien/ Patterns ein neues Produkt anbieten)

-  Def: “Ein Unternehmen nutzt ein erfolgreiches Geschäftsmodell für eine andere Produktlinie. Nur die innovativsten Unternehmen können dies erreichen. Wesentliche Vorteile: Fähigkeit, Erfahrungen und Synergien zu nutzen; überschaubares Risiko. Große Herausforderung: Balance zwischen Veränderung und Stabilität.”

Kernaussage Geschäftsmodelinnovationen

→ Kernaussage daraus: Ein Unternehmen muss sich nach außen öffnen und bereit sein, von anderen

Branchen zu lernen. Der bisherige Erfolg anderer Branchenrevolutionen könnte einem dabei helfen, sein

eigenes Zukunftspotenzial zu finden.

90% aller Geschäftsmodellinnovationen sind Kombinationen: Erfolgswahrscheinlichkeit ist hoch, wenn bestehende Bestandteile wiederverwendet werden

Aber es werden jedoch heute gerade mal 10% Budget für BMI eingesetzt (der Rest geht meist an Produkt- und Prozessinnovationen)

Herausforderungen für BMI

1)  Dominierende Industrielogik (bspw. Rolls Royce mit dem neuen Revenue Model;

Performance Based Contracting)

2)  Schwierigkeit in Geschäftsmodellen zu denken (nicht in Produkten oder

Technologien; bspw. Dell mit dem Build to Order Prinzip/ negatives Working Capital)

3)  Fehlen von systematischen Tools, Kreativität nimmt mit dem Alter ab, kreativ denken wird nicht gelernt (Studie George Land), 5 Jährige 98% Kreativität, über 25 noch 2%; Wenn es gelingt Regeln zu verändern (=Geschäftsmodelle verändern), ist man mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich)

4)  BMI Mythen: (müssen überwunden werden, damit man erfolgreich sein kann; dazu braucht man ein unternehmerisches Mindset & die Fähigkeiten zu Innovieren)

- R&D Mythos (R&D sind die Zentren für Innovation)

BMI Mythen

- Initial Ascent Myth (Ideen, die noch nie jemand gehabt hat)
- Think-big Mythos (BMI sind immer radikal und neu für die Welt)

- Technologie Mythos (Innovation basiert auf einer neuen Technologie)

- Zufalls Mythos (Innovationen sind ein purer Zufall/ Glück)
- Einstein Mythos (Nur Genies können eine innovative Idee haben)
- Ressourcen Mythos (Grosse Innovationen bedingen viel Ressourcen)

Systematisches BMI - Gassmans Antwort

Vier Schritte Business Model Navigator

1. Initiation

2. Ideation

3. Integration

4. Implementation

Schritt 1 Business Model Navigator

Initation - Das Ökosystem analysieren

Voraussetzungen Initiation

-  Ein Geschäftsmodell ist kein isoliertes Konstrukt, sondern ein komplexes Beziehungsnetz, das ständig mit dem sich verändernden Ökosystem des Unternehmens zusammenhängt. Um der Herausforderung der Geschäftsmodellinnovation gerecht zu werden, müssen die Beteiligten nicht nur ihr eigenes Unternehmen und ihr bestehendes Geschäftsmodell, sondern auch die Rollen der Stakeholder und verschiedene Einflussfaktoren genau verstehen.

-  Dieser Schritt kann in der Regel eine Weile dauern, jedoch ist dieser extrem wichtig

-  Dieser Schritt kann das Verstehen des Status Quo dazu beitragen, dass man “Innovationsbedarf”

entdeckt, weil man erkennt, dass sein GM nicht stark gegenüber der Industrielogik abweicht.

Heutiges Geschäftsmodell

Ich muss das heutige Geschäftsmodell kennen. Man kann nicht per se das GM innovieren; man muss es kennen. Man muss die Change Driver identifizieren. (e.g., Digitalisierung, Globalisierung,...) Neben Change Driver gibt es auch Player (bspw. Porters 5 Forces; speziell Neueintretende Unternehmen, meist technologie driven)

Disruptive Veränderungen

Disruptive Veränderungen können von Konsumenten (Barbie früher Markt von 3-11Jährige, heute geschrumpft auf 3-5 Jährige) dem Markt (“Iphone bleibt ein Nischenprodukt→ uhm no) oder durch Technologie (Kodak, digitale Fotografie; Blockchain, IoT) entstehen

Kunden Partner Konkurrenz

-  Partnersystem analysieren, Kundenreise beobachten, wer macht was wie? Kunden, Partner, Konkurrenz

-  Wenn der Wettbewerb in einer Branche zunimmt, stellt sich die zentrale Frage: wie kann ich eine gewisse Stickiness (für Kunden, Partner) aufbauen

Megatrends und Regulierungen

(kennen wir zwar alle, aber wie wirken sie sich auf unsere GMs aus?)

- Fragen:

-  What are relevant trends for us?

-  Where can we create and capture value out of an identified trend?

-  How radical should we think about innovation?

Ökosysteme & digitale Transformation Eigenschaften

 

-  Sinkende Transaktionskosten

-  Allgegenwärtigkeit von mobilen Schnittstellen

-  Exponentieller Datenzuwachs

-  Immer besser werdende AI

Und dann kommen noch die veränderten Kundenerwartungen dazu, welche die ganzen Industriegrenzen verändern.

Definitionen Ökosystem

-  Moore: “In einem Ökosystem entwickeln Unternehmen gemeinsam Fähigkeiten um eine neue

Innovation herum: Sie arbeiten kooperativ und wettbewerbsfähig, um neue Produkte zu unterstützen, Kundenbedürfnisse zu befriedigen und schließlich die nächste Innovationsrunde einzubeziehen.” (Moore, 1993)

-  Adner: "Ausrichtungsstruktur der multilateralen Partnergruppe, die interagieren muss, damit sich ein zentrales Leistungsversprechen verwirklichen kann.” (Adner, 2017)

- Gassmann: “eine interaktive, kollaborative Konfiguration von Geschäftsmodellen aus der

Perspektive der Kundenreise.” (Gassmann, 2017)

 

Merkmale Ökosystem

besitzen eine gemeinsamen Value Proposition, agieren aligned und als Orchestrator

- Netzwerkeffekte sind die Treiber für das Wachstum eines Netzwerks (direkt und indirekt)

Vorteile von Ökosystemen

Wettbewerbsvorteil: Ökosysteme ermöglichen es Unternehmen, Werte zu schaffen, die kein

einzelnes Unternehmen allein schaffen könnte.

-  Robustheit & Überleben: Ökosystempartner werden gegen externe Schocks und störende

technologische Veränderungen gepuffert.

-  Produktivität & Leistung: Da die Partner des Ökosystems ein gemeinsames Schicksal haben,

verfolgen die Partner Strategien, die die allgemeine Gesundheit ihrer Ökosysteme fördern.

-  Verbesserte Einnahmequellen: Ökosysteme ermöglichen es Unternehmen, bestehende zu

nutzen und neue Einnahmequellen zu erschließen.

-  Operative Effizienz: Innovative Technologien, die in Geschäftsmodellen eingesetzt werden,

unterstützen das Kerngeschäft etablierter Unternehmen in Bezug auf Agilität und

Ressourcenauslastung.

-  Lernen und Know-how: Durch die Integration von Wissen von außen nach innen lernen

Unternehmen von innovativen BMs von Partnern, die Innovationsfähigkeit, Schnelligkeit der Markteinführung und zukünftige Wettbewerbsfähigkeit fördern.

Nachteile von Ökosystemen

-  Orchestrierungsaufwand: Koordinierung der Partner untereinander und die Ausrichtung der

Partner auf den Kundennutzen

-  Risiko der Abhängigkeit: Die Value Proposition kann nur mit allen Partnern erreicht werden

Smart Platforms

→ Kosteneffizienz, Schnelligkeit und Flexibilität

- Reusable (technological foundation)

-  Modular (complements connected via interface)

-  Versatile (core is reused different applications)

Voraussetzung für eine “Grenzfreie-Economy”

Ökosystem Mindset:

- Emotionale Bindungen zu Kunden aufbauen
- Gelegenheiten zur Spezialisierung brauchen verschiedene Partner

Data und Intelligence:

- Verschiedene Daten erhalten (über Partnerschaften)
- Fähigkeiten zum Speichern, Verarbeiten und Übersetzen entwickeln
die Daten in das Geschäft

Manage for Stakeholders:

- Erweiterte Sicht auf Konkurrenten und Möglichkeiten

- Interessen und Beziehungen ausgleichen

Questions to analyze the ecosystem

-  Wer sind die relevanten Akteure im Kontext meines Geschäftsmodells?

-  Welche Bedürfnisse und Einflussmechanismen haben sie?

-  Haben sie sich im Laufe der Zeit verändert?

-  Welche Auswirkungen hat dies auf m ein Geschäftsmodell?

-  Welche Technologien aus meiner und angrenzenden Branchen werden in 5-10 Jahren marktreif sein?

-  Welche Chancen eröffnen sie für neue Geschäftsmodelle?

-  Welche Trends haben derzeit die stärksten Auswirkungen auf meine Branche?

-  Welche Akteure in meinem Geschäftsmodell sind davon am stärksten betroffen?

-  Kommen regulatorische Veränderungen, die die Entwicklung meiner Branche prägen könnten?

Global Szenarien & Megatrends

- Wissensgesellschaft
- Netzwerke und Verbindungen
- Zentralisierung (Urbanisierung)
- Cocooning
- Ressourcenknappheit
- Verfolgung der Identität
- Sicherheit
- Selbstverwaltung
- Demographischer Wandel

Megatrends 2

-  Demographiewandel

-  Bildung

-  Gesundheit

-  Globalisierung

-  Migration

-  Internet

-  Interdisziplinäre technologie integration

-  Klimawandel

-  Umweltbewusstsein

-  Natürliche Ressourcen und Effizienz

-  Security Policy

-  New Governance

-  Changing Consumertrends (empowered by tech, demanding new levels of service, healthy and

eco-friendly)

Trends nach Land

Nordamerika

-  Mehr Ausgaben für Gesundheit

-  Car2Car Technologien erlangen Marktakzeptant

Brasilien

-  Medizintourismus

-  Investition in Hochgeschwindigkeitsbahnen

Subsaharra Afrika

- Infrasturktur- und Bahninvestitionen

Indien

-  Nachhaltige Städte

-  Wassermangel & Sanitärprobleme

Australien

- Solarenergie & erneuerbare Energien, weg von Kohle

Asien

-  Elektrifizierung des Landes

-  Wachsender Car-sharing Markt

China

-  61% der Bevölkerung in Städten

-  Baugewerbe boomt

Europa

- Energieeinspaarungen / effizienz

Schritt 2

Ideation - Adapting the Patterns

Zwei Prinzipien

Similaritätsprinzip

Konfrontationsprinzip

Definition Similaritätsprinzip

Def: “Ideen durch Suchen von Analogien mit einem bestehenden Geschäftsmodell (aus anderer Branchen oder Unternehmen) entwickeln, welche vor einem ähnlichen Problem oder einer ähnlichen Herausforderung stehen”

Schritte Similaritätsprinzip

-  Schritt 1 Eigenes Problem / Herausforderung definieren

-  Schritt 2 Suchkriterien definieren (Komplexität, Know-how, Druck auf Margen)

-  Schritt 3 Industrie suchen, die ähnliche Probleme hat

-  Schritt 4 Analysieren wie diese das Problem lösen

-  Schritt 5 Ideen für eigene Unternehmung entwickeln (Analogie)

Beispiel Similaritätsprinzip

Def. Konfrontationsprinzip

-  Def: “Ideen durch Konfrontation mit unpassenden BM entwickeln (mit Mustern die nichts mit dem alten Geschäftsmodell zu tun haben)” → “To perceive things differently, we must bombard our brains with things it has never encountered. Only by forcing our brains to re-categorize information ... we begin to imagine truly novelalternatives.” Gregory Berns, leading neuroscientists

-  Zentrale Frage: Wie würde ... (Zara, Nestlé, McDonald...) unser Geschäft führen?

Möglichkeiten Pattern Gebrauch

Face-to-face vs. virtual workshops

Sequential vs. parallel

Open vs. closed

High vs. low frequency

Face-to-face vs. virtual workshops

- Von Angesicht zu Angesicht: Profitieren Sie von lebhaften Gruppendiskussionen


- Virtuelle Workshops: Software-Anwendung, mehr Teilnehmer

- Ein kombinierter Ansatz ist oft der wertvollste

Sequential vs. Parallel

- Sequentiell: Die Muster werden den Teilnehmern nacheinander gegeben, wobei jedes Muster ausführlich besprochen wird.
- Parallel dazu: Alle Muster sind am Anfang angegeben, Kombination

Offen vs. Geschlossen

- Offen: Gruppendiskussion, kreativer Schwung
- Geschlossen: Brainwriting-Ansatz, erleichtert die Fixierung von Ideen, weniger Skepsis

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