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Crée / Actualisé 27.12.2019 / 03.01.2020
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Utilitarismus: Anspruch

  • eine einzige Norm/ein einziges Prinzip angeben, mit der sich in jeder Situation bestimmen lässt, welche Handlung moralisch richtig ist.
  • Erläuterungen:
    • Es geht darum, die moralisch richtigen Handlungen zu bestimmen, also diejenigen, die wir insgesamt moralischerweise ausführen sollten.
    • Es soll eine einzige Norm dafür angegeben werden (Monismus, von gr. “mono”=eins).
    • Da der Utilitarismus eine grosse Systematisierung moralischer Urteile anstrebt, nennt man ihn oft Theorie.
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Vertreter des Utilitarismus (mind. 2 kennen)

Historische Einordnung des Utilitarismus:

  • Jeremy Bentham (1748-1832): Hedonistischer Utilitarismus
  • John Stuart Mill (1806-1873): Utilitarismus (1863) (Hedonitsicher  Utilitarismus)
  • Henry Sidgwick (1838-1900)
  • Heute wird eine Speilart des Utilitarismus von dem bekannten australischen Bioethiker Peter Singer vertreten. (geb. 1946): Präferenzutilitarismus
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Utilitarismus: Grundidee

Utilitaristische Norm: In einer konkreten Situation ist jede Handlungsoption moralisch richtig, die den Nutzen insgesamt maximiert.

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Utilitarismus: Anwendung im Beispiel

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Anwendungsbeispiel:

  • Petra kann heute Nachmittag entweder ihre Tochter bei den Hausaufgaben helfen oder eine Bekannte treffen?
  • Ist es richtig, mit einer Bekannten auszugehen, obwohl das Kind Hilfe bei den Hausaufgaben braucht?
  • Handlungsalternativen für Petra:
    • H1: Tochter helfen
    • H2: Bekannte treffen
  • Wie sollte Petre (moralischerweise) handeln? Utilitarismus: Es kommt auf den Nutzen insgesamt an. D.h. insbesondere: Es geht nicht nur um den Nutzen für Petra. à utilitaristische Analyse: Nutzen unter H1 mit Nutzen unter H2 vergleichen, in diesem Beispiel die Summen der Nutzen von Petra, Tochter, Bekannte (Gesamtnutzen).
  • Erläuterung:
    • Was oben „Nutzen insgesamt“ hiess, ist der Summennutzen: Die Nutzenwerte, die eine Handlung für jede Person hat, werden aufaddiert.
    • Im Prinzip sind dabei alle Betroffenen zu berücksichtigen. De facto kann man sich aber auf Betroffene beschränken, für welche die Handlung einen Unterschied in ihrem Nutzen macht.
    • Bei der Berechnung des Summennutzens wird jede/-r Betroffene gleich gewichtet, es entsteht eine unparteiische Bewertung.
    • Wir können von einer Kosten-Nutzen-Rechnung (engl. cost-benefit-analysis) sprechen.
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Argument für Utilitarismus

P1: Nur Nutzen ist wirklich gut.

P2: Eine Handlung ist je besser, desto mehr Gutes sie hervorbringt.

P3: Die beste Handlung ist die richtige Handlung.
___________________________________________________________________

K: Daher: Die richtige Handlung maximiert den Nutzen.

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Nutzenbegriffe und entsprechende Varianten Utilitarismus
(hedonistischer vs. Präferenzutilitarismus)

Was ist überhaupt der Nutzen? Unterschiedliche Richtungen des Utilitarismus geben unterschiedliche Antworten auf diese Frage.

Bedingungen an jede Antwort:

  • Nutzen muss alles umfassen, was moralisch wichtig ist (sonst funktioniert das oben erwähnte Argument nicht, siehe Begründung Utilitarismus).
  • Nutzen muss quantifizierbar sein (sonst funktionieren die Summenbildung und die utilitaristische Norm nicht).

Hedonistischer Utilitarismus:

  • Nutzen: Lust
  • Bentham: Berechnung des Nutzen insgesamt richtet sich nach folgenden Eigenschaften von Lust (Lustkalkül): Intensität, Dauer, Sicherheit, Entfernung, Fruchtbarkeit (Wahrscheinlichkeit, dass der Lust weitere Lüste folgen), Reinheit (Wahrscheinlichkeit, dass der Lust keine Unlust folgt), Reichweite, was die betroffenen Personen angeht.
  • Heute: Intensität, Dauer, Fruchtbarkeit, Reichweite entscheidende Faktoren.
  • Nebenbemerkung: Lust hat ein negatives Gegenstück, nämlich Schmerz (engl. «pain»), das auch berücksichtigt werden muss, nämlich als «negative Lust».

 

Präferenzutilitarismus:

  • Nutzen: Wunscherfüllung
  • Grundidee: Der Nutzen einer Handlungsoption beschreibt quantitativ, wie stark eine Person etwas will (bzw. anderen Dingen vorzieht; “Präferenz” von lat. “praeferre” = vorziehen).
  • Wie stark eine Person etwas will, hängt dabei vielleicht von der Lust ab, die sich die Person erwartet. Es kann aber auch von ganz anderen Faktoren abhängen.
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Eigenschaften Utilitarismus (konsequentialistisch, Abwägung)

  • Der Utilitarismus ist konsequentialistisch. Definition Konsequentialismus: Eine moralische Auffassung ist konsequentialistisch, wenn sie die Richtigkeit einer Handlung nur am Wert der Konsequenzen festmacht. Slogan: „Moralisch wichtig ist nur, was letztlich herauskommt.“
  • Der Utilitarismus baut auf einer Form moralischen Überlegens auf, das wir aus dem Alltag kennen, nämlich dem Abwägen.
  • Im Utilitarismus unterliegt alles dem Abwägen; nichts ist davon ausgenommen.
  • Im Prinzip kann jede Handlung (Lüge, Stehlen) in einem konkreten Kontext als moralisch richtig herauskommen, wenn nur die Konsequenzen entsprechend sind.
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Utilitarismus zu Tierversuchen

  • Frage: Dürfen wir Tierversuche durchführen, z.B. um das menschliche Gehirn besser zu verstehen?
  • Grundsätzliches Anwendungsproblem: Wer zählt als “betroffen” durch Handlungsoptionen? Können Tiere betroffen sein? (Bisher haben wir nur von Personen gesprochen)

Naheliegende Antwort: Das hängt davon ab, ob Tiere “Nutzniesser” sein können.

  • Hedonistischer Utilitarismus: Berücksichtigung der Tiere bei der Berechnung des Summennutzens, sofern diese Lust und Schmerzen empfinden können. (Welche Tiere können Lust und Schmerz empfinden? Siehe Vorlesung H. Würbel, Biologie).

Dabei gilt im Prinzip: Wenn Tiere durchschnittlich weniger lange/intensive Lust empfinden, dann machen sie weniger oft Unterschied für Gesamtnutzen. Problem: Wie bestimmt man die Stärke und Länge, mit der Tiere Lust empfinden im Vergleich zum Menschen? Auch schon der Vergleich zwischen Menschen ist schwierig.

  • Präferenzutilitarismus: Berücksichtigung der Tiere bei der Berechnung des Summennutzens, sofer diese Präferenzen haben. Dabei setzt die Bestimmung von Nutzenwerten aufgrund von Präferenzen minimal rationale Präferenzen voraus. Wenn man diese verlangt, dann sind wohl nur wenige Tierarten betroffen. P. Singer geht davon aus, dass viele Tiere Interessen haben.
  • Ergebnis in jedem Fall: Im Prinzip ist der Utilitarismus offen dafür, Tiere genauso zu berücksichtigen wie Menschen.

Tierversuche:

Unter Annahme, dass dir relevanten Versuchstiere Lust empfinden können/Präferenzen haben und daher moralisch zu berücksichtigen sind, gilt: Ob Tierversuche richtig sind, hängt von einer Güterabwägung ab. Dabei muss das Leid der Tiere gegenüber positiven Konsequenzen für Menschen abgewogen werden.