Pharmakologie Nervensystem

BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester

BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester


M. V.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Pharmakologie des Nervensystems, insbesondere auf fortgeschrittenem Niveau. Sie behandeln die Wirkungen und Präparate von Medikamenten wie Psychopharmaka, Antiepileptika und Parkinson-Medikamenten, sowie deren Nebenwirkungen und Anwendungen bei verschiedenen Störungen und Symptomen wie Demenz, Anfällen und psychischen Erkrankungen. Ideal für Medizinstudenten und Fachpersonal, die sich mit der Behandlung von neurologischen und psychischen Erkrankungen vertraut machen möchten.
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Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Autres
Créé / Mis à jour
11.04.2019 / 16.04.2019

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Häufigkeit psychiatrische Erkrankungen

  1. Depression
  2. Angst und Panikstörung
  3. Psychosomatische Störungen
  4. Schlafstörungen
  5. Alkoholabhängigkeit
  6. Bipolare Störungen
  7. Schizophrenie, Psychosen
  8. Demenz

Säulen der psychiatrischen Therapien

  • Psychopharmaka 
  • Psychotherapie 
  • Soziotherapie 

Ursachen und Folgen der Psychiatrische Störungen und Wirkung der Medis 

  • Ursache: Neurotransmitterstörung (zu viel oder zu wenig)
  • Folgen: Veränderung der Rezeptorverteilung und Rezeptordichte 
  • Wirkung der Medis
    • veränderung der Konzentration des Neurotransmitters
    • Blockieren oder imitieren die Wirkung der Transmitter am Rezeptor

Definition Psychopharmaka 

  • Substanzen, die gestörte Stoffwechselprozesse im Gehirn beeinflussund unf Fehlregulationen normalisieren
  • Greifen in die Steuerungsfunkten des ZNS ein und verändern seelische Abläufe.

Grafik: Wirkung der Psychopharmaka 

Adaptive Mechanismen der Nervenzellen

  • Akuter Effekt;
    • Anstoss zur adaptiven Veränderung, kein eigentlicher Wirkungsmechanismus
  • Eigentlicher Wirkungsmechanismus: 
    • kompensatorische Mechanismen von Nervenzellen
    • Initale Konzentrationserhöhung im Synaptischen Spalt 
    • Anstoss zur adaptiven Veränderung auf der postsynaptischen Seite 
    • Veränderung der Dichte und Funktionalität der postsynaptische Rezeptoren 

Angriffspunkte Psychopharmaka 

Depression: Krankheitsbild und Ursache 

  • depressive Störung mit Behandlungsnotwendigkeit --> wenn die Symptome 2 Wochen bestehen 
  • Ursache 
    • oft unbekannt, genetische Dispostion wahrscheinlich
    • Auslöser:
      • belastende Lebenssituation,
      • Hormonelle Umstellung,
      • Körperliche Erkankung,
      • Saisonal: Winterdepression
  • Therapieziel: vollständige Remission und Rückfallprophylaxe

Wirkungsmechanismen Antidepressive 

Wirkung der Antidepressiva

  • Akute Wirkung 
    • sedierende Effekte 
    • vegetative Effekte von Therapiebeginn an bei Gesunden und Kranken
  • Antidepressive Wirkung 
    • nur bei Dauertherapie 
    • Wirkungsbeginn nach Wochen
    • nur bei psychisch kranken Personen

Trizyklische Antidepressive (TZA)

  • Substanzengruppen: nicht selektive Monamin Wiederaufnahmehemmer
  • Präparate: Amitriptylin
  • Wirkmechanismus:
    • Gemeinsamkeit: wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin und Serotnin. Rezeptorblockade anderer Neurotransmittersysteme (UAW)
    • Einmalige Gabe: Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin, Serotonin und Dopamin
    • Langfristige Gabe: Veränderung zentralvenöser Rezeptor 

Wirkung der Trizyklische Antidepressive 

UAW der Trizyklischen Antidepressive (TZA)

  • Muskarinische Acetylcholinrezeptor: Anticholinerge NW: 
    • Mundtrockenheit
    • Obstipation
    • Urinretention
  • a adrenerge Rezeptoren:
    • potenzierung von antihypertensiven Effekten von Prazosin und Terazosin
    • Benommenheit
  • Dopaminerge Rezeptore
    • Extrapyramidale Bewegungsstörungen --> Achtung bei Kombination mit Parkinsonmittel
  • Histaminerge Rezeptoren
    • Sedierung --> Achtung bei Kombination mit sedierenden Medis (Benzos)
    • Gewichtszunahme 
  • Überdosierung von TZA
    • hohe Toxizität
    • Vorsicht bei der Verordnung bei suizidgefährdeten Personen

Selektive Serotonin Reuptake Hemmer (SSRI)

  • Präparate: Citalopram
  • Wirkungsmechanismus
    • Serotonin Wiederaufnahme Hemmung 
  • Wirkung
    • gleichwertig antidepressiver Effekt wie TZA, aber weniger NW
    • nicht sedierend 
    • Antriebssteigerung kommt von Stimmungsaufhellung 
      • bei agitierten depresiven Patienten ober bei Schlafstörung Kombination mit Benzodiazepin/Hypnotikum/sedierendes Antipsychotikum empfohlen

Selektive Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI): Nebenwirkungen

 

  • am häufigsten GI-NW: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe 
  •  Agitation, Schlafstörungen 
  • Sexuelle Funktionsstörungen 
  • Nicht anticholinerg, nicht kardiotoxisch, keine orthostatische Hypotonie --> ¨bei Überdosierung weniger gefährlich als TZA 

Selektive Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI): Kontraindikationen 

  • Akute Manie 
  • Kombination mit MAO-Hemmern 
  • Vorsicht bei: 
    • Diabetikern (Cave: BZ-Schwankungen) 
    • oralen Antikoagulantien (Cave: erhöhte Blutungsneigung) 
    • Epilepsie (Cave: erniedrigte Krampfschwelle) 

 

Duale Wiederaufnahmehemmer / Rezeptorantagonisten: Überblick 

 

 

  • Gemeinsamkeit: Wirken nicht Sedieren
  • Wirkstoff : Wirkmechanismus
    • Venlafaxin : Noradrenalin- u. Serotonin- Wiederaufnahmehemmer
  • Wirkstoff: Präparat
    • Mitrazapin: Remeron

Duale Wiederaufnahmehemmer / Rezeptorantagonisten: Nebenwirkungen

Serotonin Syndrom

  • Trias
    • Fieber, neuromuskuläre und psychische Symptome 
    • Auftreten innerhalb weniger Stunden nach Einnahme, Dosiserhöhung, Kombination oder Überdosierung 
  • Symptome
    • mentale Ebene: Ängstlichkeit, Agitiertheit bis Delir, Ruhelosigkeit, Verwirrung, Desorientierung
    • autonome Störung: Schwitzen, Tachykardie, Hyperthermie, Hypertonie, Erbechen, Durchfall
    • neuromuskuläre Hyperaktivität: Tremor, Muskelrigidität, Myoklonus, Hyperreflexie

 

Behandlung Serotonin-Syndrom: 

 

  • Absetzten aller serotonergen Arzneimittel (in 90% ausreichend) 
  • Massnahmen zur Normalisierung der Vitalfunktionen (z.B. Volumensubstitution, Kühlung) 
  • Benzodiazepine zur Sedierung --> Besserung innerhalb 24h bei leichtem Syndrom 
  • Antipyretika (z.B. Paracetamol): nicht indiziert (Cave: Hyperthermie nicht durch Temperatur-Regelung im Hypothalamus beding 

 

Typische serotonerge Substanzen: 

  • Antidepressiva: SSRI, SSNaRI, Trizyklika, Lithium 
  • Schmerzmittel: Fentanyl, Methadon, Triptane 
  • Hustenmittel: Dextromethorphan 
  • Antiemetika: Ondansetron 
  • Drogen: Cocain, Ecstasy, LSD 

Johanniskraut 

  • Pflanzliches Präparat:
    • Extrakt aus Hypericum perforatum (=Johanniskraut) Vielstoffgemisch (Hauptstoffe: Hypericin, Hyperforin) 
  • Wirkungsmechanismus: 
    • Wiederaufnahmehemmung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin 
    • Verstärkung der GABAergen und glutamatergen Neurotransmission 
    • Beeinflussung von Schlaf und Stresshormonachse 
  •  Wirkung: 
    • Bei leichter bis mittelschwerer Depression 
    • Abhängig von Zusammensetzung, Gehalt und Stabilität des Extraktes 
  • Interaktionen: 
    • Induktion von Cyp 3A4
    • Verstärkte serotonerge Effekte  

Lithium

  • Wirkungsmechanismus:nicht genau bekannt 
  • Indikation:
    • Therapie manischer Phasen und Prophylaxe bipolarar Störungen 
  • Sehr enge therapeutische Breite: --> Spiegelbestimmungen 
  • Nebenwirkungen:
    • Tremor, Muskelzuckungen bis Krampfanfälle, Polyurie, Durst, Nausea 

 

Gründe für Therapieumstellungen der Psychopharmaka 

  • unzureichende Wirkung/Therapieresistenz 
  • störende Nebenwirkungen 
  • neu aufgetretene Kontraindikationen 
  • Interaktionen mit anderen Arzneimitteln 
  • unzureichende Compliance des Patienten 

Absetzen der Psychopharmaka 

  • Psychopharmaka grundsätzlich nicht abrupt absetzen
    • Umstellungen/Absetzen nur nach Rücksprache mit Arzt
    • Ausnahme: Unverträglichkeitsreaktionen (stationäre Behandlung) 
  • Antidepressiva absetzten: 
    • Absetzerscheinungen innerhalb von 24-72 h
    • Dauer 1-2 Wochen
    •  Symptome: allgemeines körperliches Unbehagen, Schwindel, Übelkeit, Schwitzen, Zittern, Gleichgewichtsprobleme  

 

Auswahl der Antidepressive aufgrund 

 

  • dominierender Symptomatik 
  • NW-Profil 
  • Komorbiditäten 
  • Interaktionen 
  • früherer Erfahrung 

Neuroleptika 

 

  • Substanzen zur Behandlung von Psychosen und Gemüts- und Geisteskrankheiten. 
  • Dazu gehören 
    • bipolare Störungen (manisch-depressiv) 
    • Schizophrenie 
    • Phobien 
    • Zwangsstörungen 

 

Einteilung in Minus- und Plussymptome

  • Negativsymptome sind Störungen 
    • des Denkens: Gedankenabbruch, Zerfahrenheit, Veränderung der Gedankenkette 
    •  der Sprache: Rededrang oder –hemmung, Wortneubildung, ständige Wiederholungen 
    • des Empfindens: Gleichgültigkeit, Überempfindlichkeit, Reizbarkeit, Kontaktverlust, soziale Rückzugstendenz 
    • des Ich-Erlebens: Identitätsverlust, Autismus
  • Positivsymptome
    • Halluzinationen: akustische, optische, sensorische 
    • Wahn: Verfolgungs-, Vergiftungs-, sexuelle Wahnvorstellungen 
    • Störungen der Motorik (sog. Katatone Symptome): Bewegungslosigkeit bis zur völligen Erstarrung, Antriebshemmung, motorische Unruhe und Bewegungsstereotypen  

Affektive Störung 

 

 Psychotische Angst 

Unruhe 

Erregtheit 

Aggressivität 

 

Bipolare Störung 

Wechsel von depressiven mit manischen Phasen

 

Manische Phase 

  • Übersteigerte Stimmung 
  • Ideenflucht 
  • Krankhaft gesteigerter Antrieb 
  • Patienten überschätzen sich 
  • pausenlos tätig 
  • handeln verantwortungslos (z.B. finanziell oder sexuell) 

 

Neurotische Erkrankungen: Neurosen 

  • Phobische Störungen (Phobien) 
    • Besondere Art der Angst, welche durch objektiv ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. 
    • z.B. Agoraphobie (Platzangst), Klaustrophobie, soziale Phobien 
  • Zwangsstörungen 
    • Wiederholte nicht sinnvolle Handlungen z.B. Waschzwang, Zählzwang, Ordnungszwang 
  • Anorexia nervosa, Bulimie 

 

 

Antipsychotika: Wirkungsmechanismus

  • Dopaminhyptohese 
    • Blockieren die Wirkung des Dopamins an den Dopamin Rezeptoren --> Hemmung der Dopamin Übertragung im Gehirn
    • gewisse Antipsychotika blockeren auch die Serotonin Rezeptoren 

Antipsychotika: Therapeutische Wirkung durch Rezeptorblockade

Antipsychotika: Therapeutische Wirkung durch Rezeptorblockade

  • Minderung der Positiv-Symptome: verzögert, nach 5-30d 
  • mässige Besserung der Minus-Symptome: verzögert, nach 5-30d 
  • Verhinderung und Abschwächung von Rezidiven 
  • sofortige Dämpfung 
  • sofortige Entspannung 
  • sofortige Sedierung 

 

Einteilung Antipsychotika

 

Antipsychotika: Indikationen

Antipsychotika: Nebenwirkungen

  • Extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen (EPS) 
    • Frühdyskinesien, Parkinson-Syndrom, Akathisie
  • Vegetative Störungen 
    • Benommenheit, Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Obstipation 
  • Hormonelle Störungen 
    • Ausbleiben der Menstruation, Ovulationshemmung, Libido- und Potenzverlust 

 

 

Extrapyramidale Nebenwirkung (EPS) der Antipsychotika 

Frühdyskinesien 

  • Krampfartiges Herausstrecken der Zunge 
  • Blickkrämpfe, Genickstarre 
  • Unwillkürliches Verzerren des Gesichtes 
  • Zuckungen im Hals- Schulterbereich 
  • Krampf der Kaumuskulatur 
  • Kiefersperre 
  • --> zu Behandlungsbeginn, auch abhängig von der Dosissteigerungsgeschwindigkeit

Parkinson-Syndrom arzneimittelbedingt 

  • Tremor, Rigor 
  • Kleinschrittiger Gang 
  • Verlust mimischer Bewegung 
  • Übermässige Schweiss- und Talgsekretion 
  • Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit 
  • --> Begleittherapie mit Parkinsonmitteln ist möglich

Akathisie 

  • Subjektiv als quälend empfundene Unruhe: Drang zu ständiger Bewegung 
  • Reizbarkeit, Angst --> Kann missgedeutet werden und zu einer Dosissteigerung führen --> Behandlung durch Dosisreduktion, Linderung durch Benzodiazepine und Betablocker 

Spätdyskinesie: irreversibel 

  • Unwillkürliche stereotype Bewegungen der Zungen- , Mund- oder Gesichtsmuskulatur (Kau- und Schmatzbewegungen) 
  • Ruckartige Bewegungen der Arme und Beine 

Übersicht Extrapyramidale Nebenwirkung 

Depot Präparate von Antipsychotika

  • i.m. Depotapplikationen für die Langzeitmedikation mit Intervallen von 1-4 Wochen 
  • kontrollierte Applikation mit stabilen Wirkstoffspiegeln; langsames Anfluten, reduziert EPS 
  • regelmässige ärztliche Kontaktaufnahme, bessere Adhärenz (Compliance) oder invasive Zwangsmassnahme? 
  • geringere Steuerbarkeit bei UAW, nicht für Akutbehandlung 
  • Umstellung auf Depot Präparat überlappend mit oraler Medikation 
    • 1. Generation Haldol® Decanoas (Haloperidol), Fluanxol ® Depot (Flupentixol), Clopixol ® Depot (Zuclopenthixol) 
    • 2. Generation Risperdal ® consta (Risperidon), Xeplion® Inj Susp (Paliperidonpalmitat), Abilify® maintena (Aripiprazol) 

Étudier