Pharmakologe: Krebstherapie

BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester

BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester


M. V.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Pharmakologie der Krebstherapie, insbesondere im Umgang mit Zytostatika und deren Nebenwirkungen. Sie behandeln Themen wie die Klassifikation von Paravasationen, präventive Maßnahmen gegen Neutropenie und EGFR-Hauttoxizität, sowie die Anwendung von Antiemetika zur Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Onkologen und Pflegepersonal, die sich mit den praktischen Aspekten der Krebstherapie vertraut machen möchten, um die Behandlung von Patienten zu optimieren und Nebenwirkungen effektiv zu managen.
Karten
74
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
11.04.2019 / 12.11.2022

Lernkarten

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) bei Onkologika (Beispiele)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)

  • Abhängig von 
    • Wirkstoff 
    • Dosis 
    • Zeitliche Abfolge der Applikation 
    • Patientenparameter (Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen, vorausgegangene Tumortherapien) 
  • Polychemotherapie: 
    • Mehr Wirkung 
    • Synergie 
    • Verzögerung der Resistenz-Bildung 
    • Tumor-Heterogenität 
    • „Streuung“ der Nebenwirkungen 

Formen Chemotherapie bedingter Übelkeit/Erbrechen (CINV)

  • Akute auftretende Übelkeit und Erbrechen: 
    • Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Chemotherapie auftretend 
    • Hauptsächlich durch Serotoninfreisetzung aus enterochromafinen Zellen 
  • Verzögert auftretende Übelkeit und Erbrechen: 
    • Nach 24 Stunden bis 5 Tage nach Chemotherapie auftretend 
    • Substanz-P-Vermittlung 
    • Multifaktorielle Genese: Beeinträchtigung der Blut-Hirn-Schranke, gestörte GI-Motilität, Nebennierenhormondysbalance, Akkumulation chemotherapeutischer Metaboliten 
  • Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen: 
    • Auftreten erst nach erfolgter Chemotherapie 
    • Folge klassischer Konditionierung nach vorausgegangener Übelkeit/Erbrechen 

Risikofaktoren Nausea

Definition der 4 Emesisgruppen

Wichtige Wirkstoffgruppen Antiemetika

  • Setrone 
  • NK1 Rezeptor Blocker 
  • Kombination
  • Kortikosteroide 
  • Benzodiazepine 

Setrone 

  • Wirkung: blockieren die Bindung von Serotonin an dessen Rezeptoren 
  • Präparate: Zofran® (Ondansetron), Kytril® (Granisetron), Aloxi® (Palonosetron) 
  • Standartmedikation bei moderat bis hoch emetogener Chemotherapie 
  • Nebenwirkungen:
    • Kopfschmerzen (<10%), Obstipation (10-20%), Diarrhoe (10-15%), Flush, Sedation, QT-Verlängerung, praktische keine Sedierung 

 

NK1-Rezeptor-Blocker: 

 

  • Wirkung: blockieren die Wirkung von Substanz P 
  • Präparate: Emend® (Aprepitant), Ivemend® (Fosaprepitant) 
  • Nebenwirkungen:
    • Appetitlosigkeit (ca. 17%), Obstipation, Diarrhoe, Singultus, Kopfschmerzen 

 

Kortikosteroide: 

  • Wirkung: nicht detailliert bekannt 
  • Präparate: Fortecortin® (p.o.), Mephameson ® (i.v.) (Dexamethason) 
  • Glucocorticoide sind Kombinationspartner zu anderen Antiemetika. Ihre Effekte sind additiv. 
  • Nebenwirkungen:
    • heftige perianale Parästhesien (bei zu schneller Injektion), Kopfschmerzen, Gesichtsflush, Blutzuckerentgleisung, Hypertonie, Gewichtszunahme 

Benzodiazepine 

  • Wirkung: Hauptkomponente der Wirkung ist die Angstlösung
    • Einsatz bei antizipatorischem Erbrechen, sonst immer in Kombination mit anderen Antiemetika 
  • Präparate: : Temesta® (Lorazepam) 
  • Nebenwirkungen: Sedierung 

 

Therapie Übelkeit und Erbrechen

Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen

  • Vorgehen zur Vermeidung antizipatorischer Emesis: Kontrolle der akuten als auch verzögerten Emesis 
  • Nicht-Medikamentöse Massnahmen:
    • Verhaltenstherapien (Muskelentspannung),
    • systematische Desensibilisierung,
    • Hypnose 
  • Medikamentöse Massnahmen: 
    • Benzodiazepine --> Wirksamkeit nimmt im Verlauf der Chemotherapie tendenziell ab 
    • Alle anderen Antiemetika entfalten hier keine Wirkung 

 

Grundsätze der antiemetischen Therapie

 Der Einsatz von Antiemetika richtet sich nach der am meisten emetogenen Komponente einer Chemotherapie. 

Behandlungsziel = Verhinderung von Nausea und Erbrechen: --> prophylaktische Therapie 

Häufig wird das Auftreten von verzögertem Erbrechen unterschätzt: -->Prophylaxe an den Tagen 2 bis 4 einhalten 

Gute Information der Patienten sehr wichtig! 

Orale und intravenöse Applikation sind gleich wirksam. 

Einnahmezeitpunkt oraler Antiemetika: 30-60 min vor Chemotherapie 

Guidelines beziehen sich auf Patienten ohne Übelkeit oder Erbrechen in der Anamnese. 

Übertherapie ist zu vermeiden: Antiemetika haben selber UAWs. 

 

UAWs beim Blut + Therapie

Neutropenes Fieber 

1. Neutropenie 

  • Neutrophile Granulozyten < 0.5 x 109/l = 500 /μl oder 
  • Erwartetes Absinken der Neutrophile Granulozyten auf < 0.5 x 109/l = 500 /μl in den nächsten 48 Stunden 

und 2. Fieber 

  • einmalig > 38.3°C (oral) oder 
  • über 1 Stunde persistierend > 38°C 

Ist ein onkologischer Notfall! 

  • hohes Risiko einer Bakteriämie Sepsis 
  • Relevante Mortalität: 11% 
  • Ärztliche Untersuchung innerhalb von 1-2h 
  • Antibiotika innert 2h nach Diagnose 

 

Ursachen des Neutropenes Fieber 

Granulozyten-stimulierende Faktoren G-CSF

  • Wirkungsmechanismus: 
    • st ein Glykoprotein, das die Entstehung neutrophiler Granulozyten und deren Freisetzung aus dem Knochenmark stimuliert 
  • Therapieziel: 
    •  Prophylaktische Gabe:  
      • Reduktion von Dauer und Schwere chemotherapie-bedingter Neutropenie, sowie lebensbedrohlicher Infektionen 
      • Vermeidung von Behandlungsverzögerungen 
      • Ermöglichung höherer Dosisintensität 
      • vor jedem Chemotherapiezyklus sollte eine Risikoabschätzung gemacht werden, ob der Einsatz von G-CSF notwendig ist! 
    • Therapeutische Gabe bei aufgetretener Neutropenie: 
      • Beim Auftreten einer febrilen Neutropenie nach Tumortherapie sollte keine routinemäßige Gabe von G-CSF erfolgen. 
  • Therapiebeginn: 
    • frühestens 24 Stunden nach Abschluss der Chemotherapie 
  • Präparate: 
    • Neulasta® (Pegfilgrastim): 1x Gabe s.c. 
    • Neupogen®/Zarzio® (Filgrastim): über mehrere Tage 1x/d s.c. (i.v. möglich), bis zur Normalisierung der neutrophilen Granulozytenzahl oder gemäss Therapieprotokoll 
  • UAW: 
    •  vorübergehende Knochenschmerzen (v.a. im Brustbein und Rücken) 

 

 

Generelle Präventionsmassnahmen des Neutropenen Fiebers 

  • Allgemeine Massnahmen: 
    • Korrektes Durchführen der hygienischen Händedesinfektion 
    • Reduktion invasiver Interventionen und Katheter 
    • Impfungen von Patient, Angehörigen und Pflegenden (Grippe!) 
  • Zusätzliche Massnahmen (abhängig vom Schweregrad der Neutropenie): 
    • protektive Isolation 
    • keine Pflanzen im Zimmer erlaubt 
    • keimarme Ernährung generell nicht notwendig (Ausnahme Stammzelltransplantation) 
    • Personal mit Infektionen der oberen Atemwege: Maske tragen, Arbeitsaufnahme nur nach Rücksprache mit Vorgesetzten 

 

Hauttoxizität: 3 Phasen durch EGFR-Hemmer

 

Akneiformes Exanthem 

 

Hauttrockenheit, Fissuren 

Nagelveränderungen 

Therapieempfehlung EGFR Hauttoxizität

Prävention der EGFR Hauttoxizität 

  • Gute Hautpflege (Urea haltige Präparate) in ausreichender Menge 
    • Phase I / II: schnell einziehende, nicht fettende Creme bzw. Lotion (Bepanthol® Körperlotion, Excipial U Hydrolotion®) 
    • Phase II/III: rückfettende Creme bzw. Lotion (Excipial U Lipolotion®) 
  • Konsequenter Sonnenschutz (Kleider, Sonnenschutzmittel) 
  • Nägel/Nagelfalz täglich reinigen und mit Crème/Salbe behandeln 
  • Druckstellen vermeiden ( gutes Schuhwerk) 
  • Vorbestehende Nagelerkrankungen vor Therapiebeginn klären 

Antiinflammatorische Therapie der EGFR Hauttoxizität 

  • Kortikosteroide lokal 
  • Evtl. in Kombination mit antiseptischen/antibiotischen Wirkstoffen 
  • Bei ersten Anzeichen der Entzündungsreaktion beginnen 
  • Nach 10d langsam wieder ausschleichen 
  • Akute EGFR-Follikulitis: Steroid der Klasse III (z.B. Elocom®) 
  • Nagelfalzentzündungen: Steroide der Klasse IV (z.B. Dermovate®) 

Systemische Antibiotikagabe bei EGFR Hauttoxizität 

  • Bei schweren Nebenwirkungen 
  • Empirisch bewährt haben sich: Tetracyclin, Doxycyclin oder Minocyclin --> Strenge Indikationsstellung

Paravasation

  • ist die unbeabsichtigte Instillation oder der Austritt von Zytostatika in perivaskuläre Räume und subkutanes Gewebe unter Therapie. 

 

  • Paravasation ist ein Notfall! 

 

Paravasation: Risikofaktoren

Paravasate: Patienteninformation

  • Zur Vermeidung möglicher negativen Folgen von Paravasaten sollen die Patienten immer das Pflegepersonal/Arzt informieren wenn: 
    • Schmerzen oder Brennen an der Infusionsstelle 
    • Bildung einer Schwellung an der Infusionsstelle 
    • Rötung an der Infusionsstelle 
    • Schmerzen durch Infusionsnadel verursacht 

 

Klassifikation des Schädigungstyps der Paravasation

 

 

  • Nicht gewebeschädigend (non vesicant) 
  • Gewebereizend (irritant): lokale Schmerzen, Brennen, Phlebitis, aber niemals Nekrose 
  • Gewebenekrotisierend (vescant): zusätzlich zu Reizung kommt es zu Ulzerationen und Nekrosen 

 

 

Paravasate: Allgemeine Massnahmen

Sicherer Umgang mit Zytostatika bei der Herstellung 

Technische Massnahmen bei Herstellung: 

  • 1. Geeignete Räume und Ausstattung 
  • 2. Sicherheitswerkbank oder Isolator 
  • 3. Geschlossene Systeme (Druckentlastungs- oder Überleitsysteme) zur Verhinderung des Austritts von Aerosolen 

Organisatorische Massnahmen: 

  • 1. Geschultes Personal 
  • 2. Geeignete Arbeitstechnik ohne Unter- oder Überdruck 
  • 3. Transport in speziellen geeigneten Behältnissen (Einschweissbeutel) 
  • 4. Beschäftigungsverbot für Schwangere und Stillend 
  • 5. Spillkit (Umgang, Standort, Schulung) 

Personenbezogene Schutzmassnahmen im Umgang mit Zytostatike

1. Herstellung: 

  • 1. Schutzhandschuhe 
  • 2. Schutzkleidung 
  • 3. Atemschutzmaske, Schutzbrille 

2. Verabreichung: 

  • 1. Handschuhe 

3. Allgemeines: 

  • 1. Schulung zum Vorgehen bei Kontamination des Arbeitnehmenden 
  • 2. Spillkit (Umgang, Standort, Schulung) 

 

Empfehlungen Personenschutz orale Onkologika

  • Hautkontakt mit oralen Onkologika vermeiden: 
    • Abzählen und Verabreichen von oralen Zytostatika nur mit Handschuhen oder direkt mit der Blisterpackung dem Patienten abgeben. Die Hände davor und danach waschen. 
  •  Entsorgung von mit oralen Onkologika kontaminierten Materialien: 
    • Generelle Regeln zu Umgang mit Zytostatika gültig --> bezeichnete Behälter zur Entsorgung benützen 
  • Teilen/Mörsern von oralen Onkologika resp. öffnen von Kapseln
    • wenn immer möglich vermeiden! 
      • Abmessen einer flüssigen Arzneiform birgt weniger Gefahr als Tabletten, die geteilt oder gemörsert werden müssen 
      • Einige Tabletten lösen sich in Wasser auf 
    • falls trotzdem notwendig: 
      • muss in einer Sicherheitswerkbank erfolgen 
      • Personal träg übliche persönliche Schutzausrüstung
      • Falls keine Sicherheitswerkbank verfügbar: 
        • Tätigkeiten über einer nach unten undurchlässigen Einmalunterlage durchführen 
        • Teilung in einem Druckverschlussbeutel 
        • Verwendung geschlossener Mörser --> vor dem Aufschrauben leicht klopfen 
        • staubfreie Reinigung der benutzten Gefässe und Arbeitsbereiche 

 

Étudier