Pharmakologe: Krebstherapie
BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester
BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester
-
- 1 / 74
-
Lernkarten
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)
- Abhängig von
- Wirkstoff
- Dosis
- Zeitliche Abfolge der Applikation
- Patientenparameter (Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen, vorausgegangene Tumortherapien)
- Polychemotherapie:
- Mehr Wirkung
- Synergie
- Verzögerung der Resistenz-Bildung
- Tumor-Heterogenität
- „Streuung“ der Nebenwirkungen
Formen Chemotherapie bedingter Übelkeit/Erbrechen (CINV)
- Akute auftretende Übelkeit und Erbrechen:
- Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Chemotherapie auftretend
- Hauptsächlich durch Serotoninfreisetzung aus enterochromafinen Zellen
- Verzögert auftretende Übelkeit und Erbrechen:
- Nach 24 Stunden bis 5 Tage nach Chemotherapie auftretend
- Substanz-P-Vermittlung
- Multifaktorielle Genese: Beeinträchtigung der Blut-Hirn-Schranke, gestörte GI-Motilität, Nebennierenhormondysbalance, Akkumulation chemotherapeutischer Metaboliten
- Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen:
- Auftreten erst nach erfolgter Chemotherapie
- Folge klassischer Konditionierung nach vorausgegangener Übelkeit/Erbrechen
Wichtige Wirkstoffgruppen Antiemetika
- Setrone
- NK1 Rezeptor Blocker
- Kombination
- Kortikosteroide
- Benzodiazepine
Setrone
- Wirkung: blockieren die Bindung von Serotonin an dessen Rezeptoren
- Präparate: Zofran® (Ondansetron), Kytril® (Granisetron), Aloxi® (Palonosetron)
- Standartmedikation bei moderat bis hoch emetogener Chemotherapie
- Nebenwirkungen:
- Kopfschmerzen (<10%), Obstipation (10-20%), Diarrhoe (10-15%), Flush, Sedation, QT-Verlängerung, praktische keine Sedierung
NK1-Rezeptor-Blocker:
- Wirkung: blockieren die Wirkung von Substanz P
- Präparate: Emend® (Aprepitant), Ivemend® (Fosaprepitant)
- Nebenwirkungen:
- Appetitlosigkeit (ca. 17%), Obstipation, Diarrhoe, Singultus, Kopfschmerzen
Kortikosteroide:
- Wirkung: nicht detailliert bekannt
- Präparate: Fortecortin® (p.o.), Mephameson ® (i.v.) (Dexamethason)
- Glucocorticoide sind Kombinationspartner zu anderen Antiemetika. Ihre Effekte sind additiv.
- Nebenwirkungen:
- heftige perianale Parästhesien (bei zu schneller Injektion), Kopfschmerzen, Gesichtsflush, Blutzuckerentgleisung, Hypertonie, Gewichtszunahme
Benzodiazepine
- Wirkung: Hauptkomponente der Wirkung ist die Angstlösung
- Einsatz bei antizipatorischem Erbrechen, sonst immer in Kombination mit anderen Antiemetika
- Präparate: : Temesta® (Lorazepam)
- Nebenwirkungen: Sedierung
Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen
- Vorgehen zur Vermeidung antizipatorischer Emesis: Kontrolle der akuten als auch verzögerten Emesis
- Nicht-Medikamentöse Massnahmen:
- Verhaltenstherapien (Muskelentspannung),
- systematische Desensibilisierung,
- Hypnose
- Medikamentöse Massnahmen:
- Benzodiazepine --> Wirksamkeit nimmt im Verlauf der Chemotherapie tendenziell ab
- Alle anderen Antiemetika entfalten hier keine Wirkung
Grundsätze der antiemetischen Therapie
Der Einsatz von Antiemetika richtet sich nach der am meisten emetogenen Komponente einer Chemotherapie.
Behandlungsziel = Verhinderung von Nausea und Erbrechen: --> prophylaktische Therapie
Häufig wird das Auftreten von verzögertem Erbrechen unterschätzt: -->Prophylaxe an den Tagen 2 bis 4 einhalten
Gute Information der Patienten sehr wichtig!
Orale und intravenöse Applikation sind gleich wirksam.
Einnahmezeitpunkt oraler Antiemetika: 30-60 min vor Chemotherapie
Guidelines beziehen sich auf Patienten ohne Übelkeit oder Erbrechen in der Anamnese.
Übertherapie ist zu vermeiden: Antiemetika haben selber UAWs.
Neutropenes Fieber
1. Neutropenie
- Neutrophile Granulozyten < 0.5 x 109/l = 500 /μl oder
- Erwartetes Absinken der Neutrophile Granulozyten auf < 0.5 x 109/l = 500 /μl in den nächsten 48 Stunden
und 2. Fieber
- einmalig > 38.3°C (oral) oder
- über 1 Stunde persistierend > 38°C
Ist ein onkologischer Notfall!
- hohes Risiko einer Bakteriämie Sepsis
- Relevante Mortalität: 11%
- Ärztliche Untersuchung innerhalb von 1-2h
- Antibiotika innert 2h nach Diagnose
Granulozyten-stimulierende Faktoren G-CSF
- Wirkungsmechanismus:
- st ein Glykoprotein, das die Entstehung neutrophiler Granulozyten und deren Freisetzung aus dem Knochenmark stimuliert
- Therapieziel:
- Prophylaktische Gabe:
- Reduktion von Dauer und Schwere chemotherapie-bedingter Neutropenie, sowie lebensbedrohlicher Infektionen
- Vermeidung von Behandlungsverzögerungen
- Ermöglichung höherer Dosisintensität
- vor jedem Chemotherapiezyklus sollte eine Risikoabschätzung gemacht werden, ob der Einsatz von G-CSF notwendig ist!
- Therapeutische Gabe bei aufgetretener Neutropenie:
- Beim Auftreten einer febrilen Neutropenie nach Tumortherapie sollte keine routinemäßige Gabe von G-CSF erfolgen.
- Prophylaktische Gabe:
- Therapiebeginn:
- frühestens 24 Stunden nach Abschluss der Chemotherapie
- Präparate:
- Neulasta® (Pegfilgrastim): 1x Gabe s.c.
- Neupogen®/Zarzio® (Filgrastim): über mehrere Tage 1x/d s.c. (i.v. möglich), bis zur Normalisierung der neutrophilen Granulozytenzahl oder gemäss Therapieprotokoll
- UAW:
- vorübergehende Knochenschmerzen (v.a. im Brustbein und Rücken)
Generelle Präventionsmassnahmen des Neutropenen Fiebers
- Allgemeine Massnahmen:
- Korrektes Durchführen der hygienischen Händedesinfektion
- Reduktion invasiver Interventionen und Katheter
- Impfungen von Patient, Angehörigen und Pflegenden (Grippe!)
- Zusätzliche Massnahmen (abhängig vom Schweregrad der Neutropenie):
- protektive Isolation
- keine Pflanzen im Zimmer erlaubt
- keimarme Ernährung generell nicht notwendig (Ausnahme Stammzelltransplantation)
- Personal mit Infektionen der oberen Atemwege: Maske tragen, Arbeitsaufnahme nur nach Rücksprache mit Vorgesetzten
Prävention der EGFR Hauttoxizität
- Gute Hautpflege (Urea haltige Präparate) in ausreichender Menge
- Phase I / II: schnell einziehende, nicht fettende Creme bzw. Lotion (Bepanthol® Körperlotion, Excipial U Hydrolotion®)
- Phase II/III: rückfettende Creme bzw. Lotion (Excipial U Lipolotion®)
- Konsequenter Sonnenschutz (Kleider, Sonnenschutzmittel)
- Nägel/Nagelfalz täglich reinigen und mit Crème/Salbe behandeln
- Druckstellen vermeiden ( gutes Schuhwerk)
- Vorbestehende Nagelerkrankungen vor Therapiebeginn klären
Antiinflammatorische Therapie der EGFR Hauttoxizität
- Kortikosteroide lokal
- Evtl. in Kombination mit antiseptischen/antibiotischen Wirkstoffen
- Bei ersten Anzeichen der Entzündungsreaktion beginnen
- Nach 10d langsam wieder ausschleichen
- Akute EGFR-Follikulitis: Steroid der Klasse III (z.B. Elocom®)
- Nagelfalzentzündungen: Steroide der Klasse IV (z.B. Dermovate®)
Systemische Antibiotikagabe bei EGFR Hauttoxizität
- Bei schweren Nebenwirkungen
- Empirisch bewährt haben sich: Tetracyclin, Doxycyclin oder Minocyclin --> Strenge Indikationsstellung
Paravasation
- ist die unbeabsichtigte Instillation oder der Austritt von Zytostatika in perivaskuläre Räume und subkutanes Gewebe unter Therapie.
- Paravasation ist ein Notfall!
Paravasate: Patienteninformation
- Zur Vermeidung möglicher negativen Folgen von Paravasaten sollen die Patienten immer das Pflegepersonal/Arzt informieren wenn:
- Schmerzen oder Brennen an der Infusionsstelle
- Bildung einer Schwellung an der Infusionsstelle
- Rötung an der Infusionsstelle
- Schmerzen durch Infusionsnadel verursacht
Klassifikation des Schädigungstyps der Paravasation
- Nicht gewebeschädigend (non vesicant)
- Gewebereizend (irritant): lokale Schmerzen, Brennen, Phlebitis, aber niemals Nekrose
- Gewebenekrotisierend (vescant): zusätzlich zu Reizung kommt es zu Ulzerationen und Nekrosen
Sicherer Umgang mit Zytostatika bei der Herstellung
Technische Massnahmen bei Herstellung:
- 1. Geeignete Räume und Ausstattung
- 2. Sicherheitswerkbank oder Isolator
- 3. Geschlossene Systeme (Druckentlastungs- oder Überleitsysteme) zur Verhinderung des Austritts von Aerosolen
Organisatorische Massnahmen:
- 1. Geschultes Personal
- 2. Geeignete Arbeitstechnik ohne Unter- oder Überdruck
- 3. Transport in speziellen geeigneten Behältnissen (Einschweissbeutel)
- 4. Beschäftigungsverbot für Schwangere und Stillend
- 5. Spillkit (Umgang, Standort, Schulung)
Personenbezogene Schutzmassnahmen im Umgang mit Zytostatike
1. Herstellung:
- 1. Schutzhandschuhe
- 2. Schutzkleidung
- 3. Atemschutzmaske, Schutzbrille
2. Verabreichung:
- 1. Handschuhe
3. Allgemeines:
- 1. Schulung zum Vorgehen bei Kontamination des Arbeitnehmenden
- 2. Spillkit (Umgang, Standort, Schulung)
Empfehlungen Personenschutz orale Onkologika
- Hautkontakt mit oralen Onkologika vermeiden:
- Abzählen und Verabreichen von oralen Zytostatika nur mit Handschuhen oder direkt mit der Blisterpackung dem Patienten abgeben. Die Hände davor und danach waschen.
- Entsorgung von mit oralen Onkologika kontaminierten Materialien:
- Generelle Regeln zu Umgang mit Zytostatika gültig --> bezeichnete Behälter zur Entsorgung benützen
- Teilen/Mörsern von oralen Onkologika resp. öffnen von Kapseln
- wenn immer möglich vermeiden!
- Abmessen einer flüssigen Arzneiform birgt weniger Gefahr als Tabletten, die geteilt oder gemörsert werden müssen
- Einige Tabletten lösen sich in Wasser auf
- falls trotzdem notwendig:
- muss in einer Sicherheitswerkbank erfolgen
- Personal träg übliche persönliche Schutzausrüstung
- Falls keine Sicherheitswerkbank verfügbar:
- Tätigkeiten über einer nach unten undurchlässigen Einmalunterlage durchführen
- Teilung in einem Druckverschlussbeutel
- Verwendung geschlossener Mörser --> vor dem Aufschrauben leicht klopfen
- staubfreie Reinigung der benutzten Gefässe und Arbeitsbereiche
- wenn immer möglich vermeiden!