Pharmakologe: Krebstherapie

BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester

BsC Pflege, ZHAW, 2. Semester


M. V.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Pharmakologie der Krebstherapie, insbesondere im Umgang mit Zytostatika und deren Nebenwirkungen. Sie behandeln Themen wie die Klassifikation von Paravasationen, präventive Maßnahmen gegen Neutropenie und EGFR-Hauttoxizität, sowie die Anwendung von Antiemetika zur Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Onkologen und Pflegepersonal, die sich mit den praktischen Aspekten der Krebstherapie vertraut machen möchten, um die Behandlung von Patienten zu optimieren und Nebenwirkungen effektiv zu managen.
Karten
74
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
11.04.2019 / 12.11.2022

Lernkarten

Exogene Risikofaktoren 

 UV-Licht / ionisierende Stahlen 

falsche Ernährung v.a. Übergewicht 

Alkohol 

chemische Kanzerogene: Zigarettenrauch, Cadmium, Aflatoxine, Umweltgifte 

physikalische Kanzerogene: Asbest 

onkogene Viren 

Onkogene Viren 

Endogene Risikofaktoren 

 

 genetische Faktoren: Erbliche Disposition 

gestörte Immunfunktion (Immunsuppression) 

körpereigene Hormone 

Definitionen

  • Tumor: abnorme Gewebeneubildung 
  • Onkos: Masse/ Geschwulst
  • Karzinom: Solider Tumor aus Epithelzellen
  • Sarkom: Solider Tumor aus Mesenchymzellen 
  • Lymphom: system entartete Lymphzellen
  • Leukämie: Systemisch entartet Blutzellen

Beningne oder Maligne Tumore 

Charakteristische Merkmale von Tumorzellen

 Unabhängigkeit von Wachstumssignalen 

Unempfindlichkeit gegenüber inhibitorischen Wachstumssignalen 

Umgehung und Vermeidung des natürlichen Zelltods 

Aneignung des Potentials zur unbegrenzten Replikation 

Induktion der Angiogenese (Entstehung neuer Blutgefässe) 

Induktion der Gewebeinvasion und Metastasierung 

Tumorentstehung 

Metastasierung 

3 Pfeiler der Tumorherapie 

Dosierung & Arzneimittelapplikation in der Onkologie 

Prinzipien der Chemotherapie 

  • Angriffspunkte: 
    • Zellteilung schnell wachsender Tumorzellen 
    • Unterbindung hormonabhängigen Wachstums 
    • Tumorspezifische Antikörper 
    • Verhinderung der Angioneogenese 
    • Zytokine: Eingriff in die Zellsignalvermittlung (Apoptose, Tyrosinkinasehemmer, RAS etc.) 
  • Polychemotherapie 
  • intermittierende Verabreichung (=zyklische Gabe) 
    • Reduktion der Toxizität 
    • normales Gewebe soll sich während der „chemofreien“ Zeit schneller erholen als die Tumorzellen, welche durch ihre erhöhte Mitoserate stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden 

Wirkstoffklassen der Zytostatika nach Teilung 

  • Phasenspezifische Zytostatika 
    • Wirken nur auf den gerade im Zellteilungszyklus befindlichen Anteil des Tumors
    • Schlechte Wirkung bei niedriger Teilungsrat
    • z.B Antimetabolite, Antibiotika Mitosehemmer 
  • Phasenunspezifische Zytostatika 
    • Wirken auch bei niedriger Teilungsrate, aber haben mehr UAW
    • BSP Alkylantien

Wirkstoffkalssen der Zytostatika 

 Mitosehemmstoffe 

Antimetabolite 

Topoisomerase-Hemmer 

Zytostatische Antibiotika 

Alkylantien 

Platin-Verbindungen 

monoklonale Antikörper (mAB) 

zielgerichtete orale Onkologika 

  • Kinasehemmer (KI) 

Hormonelle Therapien 

 

Mitosehemmstoffe

  • Hemmung der Chromosomenseperation und der Zellteilung 
  • Taxane 
  • Vinca Alkaloide

Taxane 

  • Hemmung Abbau des Spindelapparates 
  • ursprünglich aus pazifische Eibe gewonnen 
  • Beispiel Taxol, Taxotere 
    • überempfindlichkeitsreation. Prophylaxe mit Dexamethason, Antihistaminika
  • Polyneuropathie

Vinca Alkaloide 

  • Hemmung Aufbau des Spindelapparates 
  • Ursprünglich aus Immergrünarten gewonnen 
  • Beispiele: Oncovin ® (Vincristin), Navelbine ® (Vinorelbin) 
  • Besonderheiten: 
    • streng i.v. Anwendung sonst Gewebeschäden 
    • Vincristin: Periphere Neurotoxizität mit Parästhesien an Fingern und Zehen ( Cave: Dosisreduktion), Obstipation 
    • Vinorelbin: Phlebitis v.a. bei peripherer Applikation --> Venenspülung mit NaCl 0,9% 

Antimetabolite 

  • ähneln natürlichen Stoffwechselbausteinen (Purine, Pyrimidine, Folsäure) 
  • Einbau als «falsche Bausteine» oder Hemmung von Enzymen 
  • Hemmung der DNA- und RNA-Synthese 
  • Folsäureantagonisten
  • Purin und Pyrimindanaloga :

 

Folsäureantagonist

  • Hemmung der Dihydrofolatreduktase und DNA-Polymerase --> blockiert die Bildung neuer DNA 
  • Beispiele: Methotrexat, Pemetrexed (Alimta®) 

 

Purin und Pyrimidinanaloga 

  • werden als falsche Moleküle in die DNA eingebaut --> Unterbrechung der weiteren Replikation 
  • Purinanaloga 
  • Pyrimidinanaloga 
    •  Beispiele: 5-Fluorouracil, Capecitabin (Xeloda®), Gemcitabin (Gemzar®), Cytarabin (Cytosar®) 

Topoisomerase-Hemmer

 

  • Topoisomerase = Enzym, das DNA entwindet und spaltet, wichtig bei DNA-Replikation 
  • Hemmung des Enzyms Topoisomerase 
    • DNA wird „geschnitten“ und nicht wieder zusammengefügt 
    • DNA-Strangbrüche, Verdrillung, Überspiralisierung
  • Beispiel: Irinotecan (Campto®) 

  •  Herkunft aus Rinde, Holz und Samen des Baumes Camptotheca acuminata (Glücksbaum) 

  • Besonderheiten: 

    • Spätdiarrhoe: Unvorhersehbar, bei allen Dosislevels möglich 

    • Zeitpunkt: frühestens 24h nach Irinotecan (Median 6 – 11 Tage) 

    • Therapie: Loperamid, (+Antibiotikum, + Octreotid s.c. (Sandostatin®), falls länger andauernd als 24h) + Flüssigkeitsersatz 

  • Akutes cholinerges Syndrom: 

    • akuter Diarrhoe, Bauchkrämpfen, Schwitzen, Übelkeit, Speichelfluss, Sehstörungen (während Infusion, evtl. bis zu 24h danach) 

    • Prophylaxe: Atropin 0.25mg s.c. vor Irinotecan Applikation 

Zytostatische Antibiotika

  • Lagern sich zwischen Basenpaare der DNA-Doppelhelix und Enzym-blockade (RNA-Polymerase bzw. Transkriptasen, Topoisomerasen)
    • Hemmung der DNA und RNA-Neubildung, DNA-Strangbrüche, Bildung freier Radikale, Zellschäden 
  • Beispiele: Anthracycline: 

 

Anthracycline Besonderheiten 

 

  • Kardiotoxizität: 
    •  Dosisunabhängig Frühform: ST-Streckenveränderungen, Rhythmusstörung
      • Meistens sind Symptome durch Stopp der Infusion beendet
      • Keine Korrelation mit späterer Kardiomyopathie 
    • Dosisabhängige Spätform: Kardiomyopathie/Herzinsuffizienz 
  • Paravasation: Schwere Nekrose
    • am 14.d nach Doxorubicin Paravasion
  • Gefärbte Lösung
    • Verfärbung des Urins 1-2d

Alkylantien 

 

  • Phasenunspezifische Wirkung durch Vernetzung von DNA-Strängen, abnormen Basenpaarungen, DNA-Spaltung 
    • Störung der DNA-Reduplikation und der Zellteilung 

Beispiel: Cyclophosphamid (Endoxan®): 

  • Urotoxizität: Entstehung von tox. Abbauprodukten (Acrolein) in den ableitenden Harnwegen
    • hämorrhagische Zystitis
    • gute Hydrierung
    • Begleittherapie mit Mesna (Uromitexan®) 

Platin Verbindung

  • Phasenunspezifische Vernetzung von DNA-Strängen --> intrastrang-Quervernetzungen und interstrang-Quervernetzungen 
  • Beispiel: Cisplatin (Platinol®)
    • Nephrotoxizität (dosislimitierend) 
      • Voraussetzung für Therapie ist eine gute Nierenfunktion 
      • gute Hydrierung vor, während und nach Therapie zum Schutz der Nieren  
    • Hörschäden 
      • häufig hohe Frequenzen, Audiogramm 
    • stark emetogen 
    • periphere Neuropathie mit z.B. Kribbelparästhesien oder Krämpfen, aber weniger ausgeprägt als Oxaliplatin 

Targeted Therapie 

Monoklonale Antikörper („-mab“) = Y-förmige Proteine

Physiologische Aufgabe und Einsatz als Arzneimittel 

  • Physiologische Aufgabe 
    • spezifische Erkennung körperfremder/geschädigter körpereigener Strukturen, sog. Antigene 
    • Markierung: anheften der Antikörper an Antigene 
    • Abbau der markierten Antigene durch Immunzellen 
    • Immunantwort --> spezifische Antikörperbildung 
  • Einsatz als Arzneimittel 
    • Herstellung erfolgt gentechnologisch 
    • richten sich gegen externe Oberflächenstruktur an Tumorzellen 
    • hohes Molekulargewicht parenterale Verabreichung 
    • Dosierung nach „mg/kg KG“, „mg/KOF“, wenige mit Fixdosis 

Monoklonale Antikörper (mAB)

Therapeutische Antikörper 

Monoklonale Antikörper („-mab“) Infusionsbedingte Reaktionen

  • Symptome 
    • Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Bronchospasmus, Atemnot, Urtikaria, Blutdruckveränderung, Brustenge bis zum anaphylaktischen Schock 
  • Massnahmen 
    • Prämedikation 
      • Antihistaminikum wie Clemastin (Tavegyl®), Ranitidin (Zantic®) 
      • Kortison wie Methylprednisolon (Solu-Medrol®) 
    • Anpassung der Infusionsgeschwindigkeit 
    • Überwachung des Patienten 

Kinaseinhibitoren (KI) 

 

 

  • Übertragen Phosphat von ATP auf Funktionsproteine 
  • Phosphorylierung führt zur Aktivierung der Signaltransduktion (Apoptose, Proliferation, Differenzierung) 
  • In Tumoren sind Kinasen überexprimiert 
  • Potentielles Target für selektive Inhibition 
  • Sinn & Zweck: Hemmung des Tumorzellwachstums durch Beeinflussung der Signaltransduktion (tumorspezifischen Signalweg) 
  • sind orale Therapien --> Adhärenz! 

 

 

Hemmung EGFR Signalwege

 

Palbociclibum (=Ibrance®)

KI: Besonderheiten für Patienten 

 

Hormonantagonisten

  • Für hormonsensible Tumoren ist ein Einsatz von Hormonen oder Hormon-antagonisten geeignet:
  • Estrogenrezeptor-Antagonisten 
    • Tamoxifen (Nolvadex®) 
    • Fulvestrant (Faslodex®) 
  • Androgenrezeptor-Antagonisten 
    • Cyproteronacetat (Androcur®) 
    • Bicalutamid (Casodex®) 
    • Enzalutamid (Xtandi®) 
  • Östrogenrezeptor-Destabilisatoren
    • Langfristiger Abbau des Östrogen-rezeptors (=Downregulation) 
    • Fulvestrant (Faslodex®) 

Hormonsynthesehemmer / LHRH-Agonisten

  • Aromatasehemmer: Blockieren Östrogensynthese: 
    • Anastrozol (Arimidex®) 
    • Letrozol (Femara®) 
    • Exemestan (Aromasin®) 
  • 17alpha-Hydroxylase-Hemmer:
    • Hemmung der Androgen- Biosynthese (DHEA und Testosteron) in den Hoden
    • Abirateronacetet (Zytiga®) 
  • Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (LHRH-Agonisten): 
    •  Goserelin (Zoladex®) 
    • Leuprorelin (Lucrin®) 
    • Triptorelin (Pamerolin®) 
    • Histrelin (Vantas®) 
    • Degarelix (Firmagon®) 

Hormonelle Angriffspunkte Übersicht

 

Häufige und wichtige unerwünschte Wirkungen Aromatasehemmer

Zytostatikaresistenz

  • Nicht zelluläre Ursachen: 
    • ungeeignetes Schema, zu niedrige Konzentration am Wirkort, Bildung inaktivierender Antikörper. 
  • Zelluläre Ursachen: 
    • Selektion primär resistenter Zellen 
    • Mutation von Tumorzellen unter Therapie 
    • Abnahme der aktiven Aufnahme oder vermehrter aktiver Transport aus der Zelle 
    •  verstärkte DNA-Reparatur (Alkylantien) 

Chemotherapie: Wirkung vs. UAW

Allgemeine UAWs + Supportive Therapie 

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