ZHAW, BsC Pflege


M. V.
Diese Lernkarten behandeln die sichere Handhabung und Bewirtschaftung von Arzneimitteln im medizinischen Bereich. Sie umfassen Themen wie Lagerung, Stabilität, Verordnung und Dokumentation von Medikamenten, sowie die Vermeidung von Medikationsfehlern und die korrekte Bewirtschaftung von Betäubungsmitteln. Diese Karteikarten richten sich an medizinisches Personal, das sich mit der sicheren und effizienten Verwaltung von Arzneimitteln auseinandersetzen muss, um eine zuverlässige Patientenversorgung zu gewährleisten.
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Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Autres
Créé / Mis à jour
21.02.2019 / 22.03.2019

Flashcards

Medikationsprozess 

Unerwünschtes Arzneimittelereignis (UAE)

Adverse druf event ADE

 

• Gesundheitsstörung im Zusammenhang mit einer Arzneimitteltherapie 

• schliesst ALLES ein: auch unvermeidbare Ereignisse 

• kann also bei korrekter und unkorrekter Gabe auftreten 

 

 

Medikationsfehler (Medication error)

  • Gesundheitsstörung bei unsachgerechtem Gebrauch 
  • möglich von der Verschreibung bis zur Applikation: 
  • Beispielsweise: 
    • falsches Arzneimittel, falsche Dosis 
    • Übertragungsfehler 
    • Zubereitungs-, Applikationsfehler 
    • Nichtbeachtung von Kontraindikationen/Wechselwirkungen 

 

unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) 

(Adverse drug reaction (ADR)) 

 

  • Gesundheitsstörung bei sachgerechtem Gebrauch eines Arzneimittels 
  • Definition: unerwünschte Wirkungen eines Arzneimittels die zusätzlich zur gewünschten Hauptwirkung auftreten 
  • Synonym: Nebenwirkungen 

 

 

Häufigkeit von UAW 

Zusammenhang der Begriffe 

Arzneimittelkompatibilität 

  • physikalisch-chemische Beeinflussung von 2 Wirkstoffen (ausserhalb des Körpers) 
  • Folge: Ausfällung, Verfärbung, Gasbildung 

 

Arzneimittelinteraktion (Wechselwirkung)

Drug- Drug- Interaction 

  • Gegenseitige Beeinflussung der jeweiligen Wirkung bei gleichzeitiger Einnahme von mind. 2 Arzneimitteln (im Körper) 
  • Folge: Verstärkung oder Abschwächung der Arzneimittelwirkung, Nebenwirkungen 

wo geschehen die Feler im Medikationsprozess 

Hot Spots der Prolemfelder in der Patientensicherheit 

1. Fehler beim Richten von Medikamenten 

2. Verabreichung von Medikamenten an falschen Patienten 

3. falsche Dosierung aufgrund von Fehldosierung 

4. schlechte Lesbarkeit von verordneten Medikamenten 

5. mangelhafte Info über Medikamente bei Austritt 

6. Übertragungsfehler beim Kopieren von Verordnungen 

7. mangelhafte Dokumentation bei der Behandlung 

8. Verabreichung von Medikamenten vergessen 

9. Probleme bei der Einhaltung der Händedesinfektion 

10. ungenügende Kommunikation bei Übergaben/Rapport 

Gefahren Lokkalikes und Soundalikes 

  • Lookalikes = ähnlich aussehnde Arzneimittelverpackungen und Beschriftungen vor allem bei der Sekundärverpackung 
  • Soundalikes = ähnlich klingende Arzenimittelnahmen 

Arten von Inkompatibilitäten 

Risikofaktoren der Inkompatibilitäen 

  • Physikalisch-chemische Eigenschaften 
    • der Arzneistofflösungen 
    • der Flüssigkeitslösungen, Elektrolytlösungen 
    • der Ernährungslösungen 
    •  der Blutprodukte 
  • Konzentration: z.B. bei hohen Ionen-Konzentrationen Aussalzen von Proteinen 
  • Kontaktzeit: Je länger Kontaktzeit, desto höher Risiko für Inkompatibilität 

Folgen der Inkompatiblitäten 

  • Verstopfung des Lumens oder des Filters vom Infusionsbesteck 
  • Entstehung von Embolien und Thrombosen 
  • Wirkungsverlust durch Inaktivierung, Enstehung toxischer Abbauprodukte 

Einteilung der Inkompatibilitäten 

Ursachen von Ausfällung/ Ausflocken/ Trübung 

  • Verschiebung des pH-Wertes: Veränderung der Löslichkeit 
  • Zugabe von Salzen zu gesättigten Lösungen (Mannitol 20%) 
  •  Bildung unlöslicher Komplexe von grossmolekularen Anionen und Kationen (z.Bsp. Heparine oder Penicilline mit Aminoglykosiden) 
  • Kombination von Ionen, die schwerlösliche Salze bilden (z.B. Calcium-Salze + Phosphat-Salze Calciumphosphat) 
  • Ausfällung durch Verdünnungseffekte: Lösungen schwer löslicher Arzneimittel mit Lösungsvermittlern (Bactrim, Rivotril, Valium, Ilomedin, Cordarone, Temesta etc.) 
  • Reaktionszeit: oft sofort, aber auch schleichend… 

Ausfällung und der pH Wert 

Verfärbung durch

  • Abbau einer Substanz 
  • Umlagerung 
  • pH Verschiebung 
  • Hilfsstoffe 

Trennung disperser Systeme 

  • Trennung der Fett- und der Wasserphase bei Emulsionen 
    • z.B Nutriflex, Propofl 
  • Oft schwierig erkennbar, weil die Emulsion michlicht ist 
  • Arzneimittel können die Stabilität von Emulsionen erhöhen oder vermindern 
    • Emulsionsbruch, Veränderung der Arzneimittelfreisetzung im Körper 

 

Fazit 

  • Deshalb die Zugab von Arzneimitteln zu Emulsionen möglichst vermeiden und vorher Kompatibilität abklären 

Pastis Effekt 

  • Veränderung der Löslichkeit
  • Blutprodukte 
    • sehr heikle Produkte bezüglich Stabilität/ Kompatibilität
    • Nur NaCl darf gleichzeitig über den gleichen Venflon/ gleiches Lumen lauffen
      • Ausnahme mehrlumiger ZVK 

Vermeidung von Inkompatibilitäten 

  • Vorschriften zum Auflösen und Verdünnen von Arzneimitteln einhalten 
  •  Mehrere Arzneimittel nur dann gleichzeitig über dieselbe Infusionsleitung verabreichen, wenn die Kompatibilität gegeben ist. 
  • Getrennte Applikation vorziehen 
    • zeitliche Verschiebung 
    •  örtliche Verschiebung (Bsp. mehrlumiger ZVK) 
  • „Risikoarzneistoffe“ wie z.B. Furosemid, NaBic, Phosphatlösungen, PN und Fettemulsionen möglichst alleine laufen lassen. 
  • Anzahl intravenös zu verabreichender Arzneimittel auf ein Minimum beschränken 
    • Umstellung auf p.o./rektale Applikation 
    • Pausieren/Stoppen von nicht dringend benötigten Arzneimitteln 

Pharmakokinetik/-dynamik und Interaktionsmöglichkeiten

Typen der Arzneimittelinteraktionen 

  • pharmakokinetisch
    • Direkt 
    • indirekt 
  • Pharmakodynamisch 
    • direkt 
    • funktionell/ indirekt 

Direkte pharmako kinetische Interaktion 

  • Mechanismus
    • Chelatbildung diverser Arzneistoffe durch polyvalente Kationen 
  • Beispiel 
    • Calcium + Tetracyclin 
    • Calcium + Bisphosphonat 

Iniderekte pharmako kintetische Interaktion 

  • Mechanismus 
    • Induktion/ Inhibition von Arzneistoff metabolisierenden Enzymen 
  • Beispiel 
    • Johanniskraut + Nifedipin
    • Clarithromycin + Nifedipin 

Direkte Pharmakodynamische Interaktion 

  • Mechanismus 
    • Kompetition an derselben Zielstruktur 
  • Beispiel 
    • Morphin + Naloxon 
    • ASS + Ibuprofen 
    • Salbutamol + Carvedilol 

funktionelle, indirekte Phamakodynamische Interaktion

  • Mechanismus 
    • Anta-/ Synergismus zwerier Stoffe im gleichen Regelkreis 

Interaktion mit Nahrung 

  • Viele Wechselwirkungen mit der Nahrung sind relevant und haben relevante Auswirkungen auf die Schnelligkeit des Wirkungseintrittes und die Wirkung selbst = Therapieerfolg 
  • Verschiedenartige Einflüsse der Nahrung: 
    • Auf die Kinetik: Wirkungseintritt, Bioverfügbarkeit --> Verträglichkeit 
    •  Es besteht ein Zusammenhang mit den Arzneiformen: lösliche oder schnell zerfallende Arzneiformen werden weniger von Nahrung verzögert 
  • Es gibt nur 2 Zustände: nüchtern / nicht-nüchtern: 
    • Nüchtern = 1h vor oder 2h nach dem Essen 

Handhabung der Interaktionen in der Praxis 

  • Achtung vor: 
    •  Interaktion mit Nahrung, Grapefruit, Phytotherapeutika 
    • Interaktionen mit Selbstmedikation 
  • Änderung Lebensgewohnheiten: 
    • Rauchen, Trinken von Grapefruitsaft, salzreiche Ernährung --> kann bis jetzt gut eingestellte Arzneimittel aus dem Gleichgewicht bringen 
  • Achtung: Arzneimittelinteraktionen durch Absetzten möglich! 
    • Mögliche Arzneimittelinteraktion kann durch Dosisanpassungen austariert sein --> beim Absetzten können erneut Probleme auftreten 
  • innerhalb den ersten Stunden bis Tagen nach An- und Absetzten eines Arzneimittels verschärft auf UAW oder Wirkungsverlust achten 

Möglichkeiten zur Fehlerreduktion 

  • Elektronische Arzneimittelverordnung 
  • Unit dose System 
  • Zentralisiertes System zur Herstellung von i.v. Mischungen 
  • Arzneimittelrichten standardisiert 
  • 4-Augen-Kontrolle 
  • Richtlinien für die Verabreichung von Arzneimitteln: 
  • z.B. Liste für parenterale Arzneimittel / Sondenliste 
  • Standards für High-Risk-Medikamente 
  • Bar-Codes auf Medikamenten und Identifikation der Patienten (Barcode oder Foto) 
  • Monitoring und Melden von ADEs (CIRS-Meldungen) 

Definition von CIRS 

CIRS: critical incident reporting system

  • CIRS: Meldesystem zur anonymen Meldung von kritischen Ereignissen (critical incident) oder auch Beinahe-Fehlern (near miss) 
  • CI = Critical Incident: Ein kritischer Zwischenfall ist ein vermeidbares oder ungewolltes Ereignis, das den Patienten gefährden kann, aber nicht schädigt 

Vorgehen im CIRS 

  • Zwischenfälle können von Mitarbeitenden anonym gemeldet werden 
  • Systematische Erfassung und Auswertung 
  •  Wenn möglich Ableitung von Massnahmen, um beschriebene Zwischenfälle zu vermeiden 

Fehlerentstehung im CIRS 

Fehlerbegünstigende Faktoren 

  • Patientenfaktoren 
    • Sprache und Kommunikation, persönlcihe und soziale Faktoren 
  • Aufgaben unf Verfahrensfaktoren 
    • Verfügbarkeit und Verwendung von Protokollen, Richtlinien und Entscheidungshilfen 
  • Individuelle Faktoren 
    • Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, körperliche und psychische Gesundheit 
  • Teamfaktoren 
    • Kommunikation, Spuervision und Hilfesuche, Teamstruktir 
  • Faktoren des Arbeitsumfeldes 
    • Personalbestand, Arbeitsbelastung und Schichtpläne, Physische Umgebung 
  • Organisation und Managmentfaktoren
    • Grundsätze, Standarts und Ziele, Organisations und Sicherheitskultur 
  • Institutionelle, kontextuelle Faktoren 
    • Gesundheitspolitik, Verbindungen mit externen Organisationen 

Vermeidung von Fehlern bei der Arzneimitteltherapie 

  • ärztliche Verordnung lesbar und eineindeutig
    • am Besten elektronisch 
  • gut eingerichteter Medikamentenrichtplatz 
    • genügend Platz / Bewegungsfreiheit 
    • gute Beleuchtung 
    • übersichtlich 
    • einfach zu reinigen --> geeignete Materialien 
  • genügend Zeit
    • Vorrichten ohne Hektik 
    • 4-Augen-Kontrolle 
  • Ruhe, ungestörtes Arbeiten
  • Richten durch einzelne wenige Personen 
  • FEFO-Prinzip einhaltbar (geeignete Schränke, Regale, Schubladen) 
  • Beschriftung der Stationsapotheke: klar, deutlich und einheitlich 
  • Exakte Dokumentation 
  • Allgemeines: 
    • Fehlerkultur 
    • Standardisierung der Abläufe/Checklisten 
    • Schulung 

Arzneimittellogistik im Spital 

Korrekte Bewirtschaftung von Arzneimitteln 

  • Arzneimittel dürfen für Unbefugte nicht frei zugänglich sein 
    • keine Lagerung der gelieferten Arzneimittelboxen im Gang 
  • Einhaltung der auf Packung angegeben Lagertemperatur und allfälliger Lichtschutz 
    • Lagertemperatur: evtl. gekennzeichnet durch Spitalapotheke 
    • Betäubungsmittel sind mit roter Vignette gekennzeichnet 
    • Lichtschutz: sind evtl. gekennzeichnet durch Spitalapotheke 
  • Getrennte Lagerung von patienteneigenen Arzneimitteln 
    • immer mit Patienten Etikett beschriftet 
  • Nichtlisten-Präparate im Alphabet der Listen-Arzneimittel oder separat lagern 
  • FEFO – Prinzip:  
    • First Expired – First Out: zuerst ablaufende Arzneimittel, zuerst verbrauchen 
  • Kennzeichnung von Anbrüchen (Kreuz, Klebepunkt) nur eine OP pro Arzneimittel anbrechen 
  • kein Umfüllen in andere Behältnisse 
  • Übervorräte vermeiden: Hauptlager ist in der Spitalapotheke 
  • keine unterschiedlichen Chargen in einer Packung lagern 
  • Verfalldatum und Charge beim Richten nicht abschneiden --> müssen jederzeit ersichtlich sein
  • Aufbewahrung in der kompletten Originalpackung (inkl. Beipackzettel) 
  • Separate Lagerung von Zytostatika und von Betäubungsmitteln 
  • korrekter Umgang mit Anbrüchen von Mehrdosenbehältnissen 

Haltbarkeit und Aufbruchfrist 

  • beide sind abhängig von der chemischen und physikalischen Stabilität des Produktes 
  • beide sind abhängig von der mikrobiologischen Stabilität des Produktes 
  • beide sind zusätzlich abhängig von der galenischen Form, der Konservierung und der Primärverpackung des Produktes 

Haltbarkeitsfrist 

  • Zeitraum, innerhalb dessen ein Arzneimittel (unangebrochen) gelager und verwendet werden dar 
  • wird vom Hersteller definiert über das Verfalldatum (exp)

Aufbrauchfrist 

  • Zeitraum, innerhalb dessen ein Arzneimittel nach Anbruch der Oackung und Berücksichtigung chmischer, physikalischer und mikrobiologischer Aspekte gebraucht werden dar 
  • ist relevant bei Mehrdosenbehältnissen 
  • Für die Aufbrauchfrist ist die mikrobielle Stabilität wichtig, daher ist auf eine kontaminationsarme Entnahme der benötigten Dosis zu achten 

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