CHE172

Dozent: Prof. Oliver Zerbe

Dozent: Prof. Oliver Zerbe


D. B.
Diese Lernkarten behandeln die Chemie der Aromaten auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Bindungsarten, Reaktionen und Eigenschaften von Aromaten, insbesondere Benzol, sowie auf die Rolle von Orbitalen und Elektronen in diesen Prozessen. Die Karteikarten behandeln Themen wie elektrophile Substitution, Addition, die Bildung von Produkten und die Auswirkungen von Substituenten. Sie eignen sich für Studierende der Chemie, die ein tieferes Verständnis der Aromatenchemie und ihrer Reaktionen erlangen möchten.
Karten
122
Lernende
6
Sprache
Deutsch
Kategorie
Chemie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
20.02.2019 / 25.05.2022

Lernkarten

Hyperkonjugation

Die Stabilisierung kann auf die induktiven (elektronenschiebenden) Effekte der Alkylgruppen zurückgeführt werden, die auf die Polarisation von Bindungen aufgrund der Differenzen der Elektronegativitäten zurückzuführen sind. Elektronenschiebende Gruppen helfen so die positive Ladung teilweise zu kompensieren.

Es kommt aber auch zur Hyperkonjugation: Hyperkonjugation (auch Sigma-Konjugation genannt) beruht im Wesentlichen auf der Überlappung eines Sigma-Orbitals. (Beispiel: C-H-Bindung mit gefülltem Orbital). Aufgrund dieser Wirkung gilt die Alkylgruppe als "elektronenliefernd" und kann benachbarte positive Ladungen stabilisieren.

Hydrochlorierung von 1-Methylhexen

Der Übergangszustand TS1, der zum energetisch ungünstigeren sekundären Carbokation führt, liegt energetisch höher als der Übergangszustand TS2, der zum tertiären Carbokation führt. Also sollte die zweite Variante schneller ablaufen.

Induktiver Effekt

Hyperkonjugation und Beispiele

Halogen-Addition an Alkene (Beispiel: Bromierung von Alkenen)

Halogene wie Chlor und Brom addieren an eine Doppelbindung und bilden dabei vicinale Dihalogenide.

Bromierung als Anti-Addition

Bild: Alle Kohlenstoffe der Kette liegen in der Papierebene.

Stereoselektivität der Brom Addition an Alkene

Brom kann nur von unten angreifen, von oben würde es nicht aufgehen, da das positive Brom den Zugang versperrt.

Regioselektivität der Brom Addition an Alkene in Gegenwart eines nukleophilen Lösungsmittels

Was passiert bei Addition an unsymmetrisch substituierte Alkene? 

Beim Rückseitenangriff des Bromidions auf das Bromonium Molekül wird im ersten Schritt eine der beiden Br-C Bindungen im Bromonium gebrochen. Es wird dabei ein Carbokation gebildet, und hier bildet sich wiederum dasjenige Carbokation, das stabiler ist, das heisst das am positiv geladenen Kohlenstoff höher substituiert ist. Normalerweise spielt dies keine Rolle, weil zwei Bromatome formal addieren und die Reihenfolge keine Auswirkung auf das gebildete Produkt hat. In einem nukleophilen Lösungsmittel für die Bromaddition du, dass das nukleophile Lösungsmittel an das stabilere Kation addiert.

Reaktivität substituierter Alkene

Bei der Bromierung von Alkenen ist der erste Schritt (Angriff von Brom auf Alken) der langsame Geschwindigkeits-bestimmende Schritt. Je elektronenreicher die Doppelbindung ist, umso schneller erfolgt der Angriff. -> Energie von HOMO wird erhöht und somit der Energieunterschied zwischen LUMO (Br2) und HOMO (Doppelbindung) kleiner.

Säure-katalysierte Addition von Wasser an Alkene

Die Pi-Elektronen greifen das Proton an. Es entsteht somit eine positive Ladung beim zentralen C. Das Wasser dient nun als Nucleophil und bindet eine C-O-Sigma Bindung. Der Sauerstoff ist nun positiv geladen. Er gibt nun noch ein Proton ab und wird somit neutral.

In Gegenwart einer Säure liegt ein Gleichgewicht von Alkenen und Alkoholen vor. Dieses kann nun zum Alken (Dehydratisierung) oder zum Alkohol (Hydratisierung) verschoben werden. Bei tiefen Temperaturen, wenn ein grosser Überschuss an Wasser vorhanden ist, ist der Alkohol normalerweise das überwiegende Produkt.

Hydrierung (Reduktion)

Die Addition von Wasserstoff an Doppelbindungen verläuft bei Verwendung von Übergangsmetall-Katalysatoren (Bsp: Pd, Ni) quantitativ. Die beiden Wasserstoffe werden in den weitaus meisten Fällen von derselben Seite des Substrates addiert (syn-Addition).

Epoxydierung von Alkenen

Oxirane (Epoxide) können durch die Reaktion von Alkenen mit Persäuren gewonnen werden.

Mechanismus der Epoxydierung

Die Behandlung von Epoxide mit Wasser und Säure- oder Basenkatalyse führt unter Ringöffnung zu vicinal trans(1,2) Diolen.

Addition von Osmiumtetroxid an Alkene

OsO4 reagiert unter neutralen Bedingungen mit Alkenen unter Bildung der entsprechenden vicinalen syn-Diole:

Polymerisation von Alkenen

Alkene können unter geeigneten Bedingungen mit ihresgleichen reagieren. Dabei werden die ungesättigten Zentren des Alken-Monomeren unter Bildung von Dimeren, Trimeren, Oligomeren und schliesslich Polymeren verbunden.

Säurekatalysierte Polymerisation werden mit H2SO4, HF oder BF durchgeführt. Da Katione als Intermediate auftreten, werden sie kationische Polymerisation genannt. Andere häufig gebrauchte Methoden sind radikalische, anionische und metallkatalysierte Polymerisation.

Karotten, Alkene und das Sehrvermögen

Karotten besitzen eine reiche Quelle an Beta-Caroten dar. Dies ist für die Bildung von Vitamin A erforderlich ist. In der Leber wird Beta-Caroten in Vitamin A und 11-cis-Retinal umgewandelt.

Alkine

Dreifachbindung zwischen Kohlenstoffen. Es werden terminale und interne Alkine bezeichnet.

Beide Kohlenstoffe des Alkins sind sp-hybridisiert und daher ist die Struktur auch linear.

Die Chemie der Aromaten

Viele Benzolderivate stössen ein starkes Aroma aus, weswegen man sie aromatische Verbindungen nannte.  Aromatische Ringe kommen in vielen biologischen wirksamen Substanzen vor.

Benennung der Benzolderivate

Stellung der Substituenten

Die Substituenten werden in alphabetischer Reihenfolge genannt. Wenn bei ein bestehender aromatischer Substituent in einer Reaktion gegen einen anderen ausgetauscht wird, spricht man von einer ipso-Substitution.

Die Struktur von Benzol

Alle Bindungen sind gleich lang. Die Reaktivität ist sehr gering. 

Keine elektrophile Addition an Aromaten

Wir beobachten keine elektrophile Addition, sondern eine Substitutionsreaktion (H durch Br ersetzt). 

Konjugation und MO Schema von Butadien

Es bestehen vier verschiedene Energielevels und die alle unterscheiden sich alle in der Anzahl Knoten -> Je weniger Knoten, desto niedriger ist die Energie. 2 MOs sind bindend und 2 anti-bindend (Höher in Energie als die Ausgangs MOs). Es werden gesamt 4 Pi-Elektronen eingefüllt und somit sind nur die bindenden Orbitale besetzt. Dies führt zu einer starken Stabilisierung durch Konjugation.

Oberes Rechteck: Out of-phase

Unteres Rechteck: in-phase

 

 

MO Schema des Benzols

Das Benzolmolekül bildet ein regelmässiges Sechseck. Alle Kohlenstoffatome sind sp^2-hybridisiert und jedes pz-Orbital steht senkrecht zum Sigma-Skelett. Es sind maximal 3 Knoten (0, 1, 2 oder 3 Knoten) möglich und somit 4 Energielevels. Es werden 6 Pi-Elektronen eingefüllt und daher sind nur die bindenden besetzt. Die Sigma-MOs der s-Orbitale werden hier nicht betrachtet. Es entsteht eine Energieabsenkung gegenüber den 6 Ausgangs pz AOs und somit ist Benzol sehr reaktionsträge. Das Energie-niedrigste Niveau zeigt, dass die 6 Pi-Elektronen komplett über alle 6 Kohlenstoffe delokalisiert sind und eine gemeinsame Elektronenwolke bilden.

Hydrierwärme

Mesomerie (Auf Benzol bezogen)

Beide Strukturen stellen Grenzfälle dar und tragen beide zur Beschreibung der Elektronenverteilung bei. Resonanz wird die Beschreibung genannt, eine wirkliche Struktur durch nicht existierende Grenzstrukturen darzustellen.

Die Hückel Regel

Durch diese Rechnung lässt sich zeigen, dass ein monocyclisches konjugiertes Polyen (d.h alle C-Atome sp2 hybridisiert) besonders stabil ist, wenn es 4n+2 Pi-Elektronen enthält (n ist ganzzahlig).

Unterschied von Benzol und Cyclooctatetraen durch MO Schemata

Im Cyclooctatetraen werden zusätzlich nicht-bindende Zustände besetzt, weswegen die aromatische Stabilisierung ausfällt.

MO Schema für konjugierte zyklische Systeme

Trick: Man stellt die entsprechenden Polyeder auf die Spitze. Die Ecken geben dann die Lagen der Energieniveaus an.

Mechanismus der elektrophilen Substitution an Benzol

Das Benzol besitzt aufgrund seiner Pi-Elektronen nukleophile Eigenschaften und reagiert deshalb vorwiegend mit Elektrophilen. Im Gegensatz zu Alkenen führt ein solcher Angriff zu einer Substitution eines H-Atoms und nicht zu einer Addition. 

Bromierung von Benzol

Der erste Schritt ist thermodynamisch ungünstig, da dabei die Delokalisierung der Pi-Elektronen den aromatischen Charakter zerstören. Nach diesem Schritt wird der aromatische Ring wieder hergestellt, indem ein H-Atom des sp3-hybridisierten C-Atoms abgespalten wird.

Nitrierung von Benzol

Die Reaktion von Benzol mit Nitriersäure, einem Gemisch von Salpetersäure (HNO3) und Schwefelsäure (H2SO4), führt zur Nitrierung des Benzolrings. Dabei protoniert Schwefelsäure als die stärkere Säure Salpetersäure, und nach Abspaltung von Wasser entsteht das Nitronium Ion als Elektrophil, das dann der Aromaten angreift: 

Sulfonierung von Benzol

"Rauchende Schwefelsäure protoniert sich selbst, und bildet das Sulfonium Ion, das als Elektrophil agiert und den Aromaten sulfoniert.

 

Friedel-Crafts Alkylierung

In Friedel-Crafts-Reaktionen entstehen neue C-C Bindungen. In Gegenwart einer Lewis Säure, gewöhnlich Aluminiumchlorid, greifen Halogenalkane Benzol unter Bildung von Alkylbenzolderivaten an  (Friedel-Crafts Alkylierung), Alkaoylhalogenide ergeben Alkanoylderivate (Friedel-Crafts Acylierung).

In der Alkylierung wird das Alkylkation aus dem Alkylhalogenid in Gegenwart einer Lewis Säure, oder direkt durch Protonierung mit nachfolgender Wasserabspaltung aus dem Alkohol gebildet. Typische Lewis-Säuren sind bei dieser Reaktion: AlBr3, AlCl3, etc. Das Carbokation greift dann den Aromaten als Elektrophil an.

Dabei bestehen zwei Probleme: 

1) Das Produkt ist reaktiver als das Edukt, und deshalb kommt es häufig zu Mehrfachalkylierung

2) Es kann leicht zu Umlagerungen des Carbokations kommen. Aus diesen Gründen nimmt man häufig statt dessen die Friedel-Crafts Acylierung, und wandelt das Produkt anschliessend in das Gewünschte durch Reduktion der Carbonylgruppe um.

Friedel-Crafts Acylierung

Es entstehen Aryl-Alkyl-Ketone. Im ersten Schritt wird aus dem Acylchlorid in Gegenwart der Lewis Säure das Acylium Kation gebildet. Diese greift dann als Elektrophil den Aromaten an. So reagiert Benzol mit Acetylchlorid in Gegenwart von AlCl3 und bildet Acetophenon (R=Methyl).

Induktive Effekte

Induktive Effekte sind Polarisationseffekte, die über Sigma-Bindungen übertragen werden.

Resonanzeffekt oder mesomerer Effekt

Es ist möglich, dass ein Substituent an einen aromatischen Ring mit p-Elektronen zu den Pi-Elektronen des Ringes in Konjugation tritt und dadurch entweder negative Ladung aus dem ungesättigten System abzieht oder negative Ladung in dieses hineindrückt. 

Pi-Akzeptorwirkung

Die Stärke des mesomeren Effekts steigt mit der Bereitschaft des Substituenten, negative Ladung aufzunehmen.

Pi-Donorgruppen

Da N elektronegativer ist als C, übt die -NH2 Gruppe einen leicht elektronenziehenden Effekt aus (induktiver Effekt). Das freie Elektronenpaar des N-Atoms kann jedoch in das aromatische Pi-System miteingebracht werden, sodass die Ladungsdichte des Ringes erhöht wird.

Dieser Resonanzeffekt überwiegt den induktiven Effekt bei weitem. Anilin ist deshalb für weitere Substitution reaktiver als Benzol. Das Elektronegative O-Atom wirkt ebenfalls elektronenziehend (induktiver Effekt). Aber auch hier überwiegt der Einfluss der Resonanz (Pi-Donoreffekt), sodass der Benzolkern elektronenreicher wird.

Orientierung und relative Geschwindigkeit einer Zweisubstitution

Ein bereits vorhandener Substituent übt einen Einfluss darauf aus, an welcher Stelle im Ring ein Elektrophil angreift, und wie schnell die Reaktion abläuft (Im Vergleich zu Benzol). 

Bild: Zweisubstitution am Aromaten: o/p dirigierende Substituenten.

 

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