Energie- und Wärmehaushalt
Energie- und Wärmehaushalt - Med2 HS18 UniFr
Energie- und Wärmehaushalt - Med2 HS18 UniFr
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Lernkarten
Den Wirkungsgrad definieren, beschreiben
- Definition: Bei Arbeit wird immer Energie in Form von Wärme frei (die sog. Abwärme). Beim Menschen beschreibt der Wirkungsgrad, welcher Anteil der zugeführten Energie tatsächlich für körperliche Leistungen genutzt werden kann. Er liegt zwischen 0 und 100%.
- Einheit: Keine
- Normwert: Bei körperlicher Arbeit beträgt der Wirkungsgrad etwa 25% -> Dies bedeutet, dass lediglich ein Viertel der investierten Energie tatsächlich zur gewünschten Bewegung genutzt wird, wohingegen drei Viertel der investierten Energie in Form von Abwärme frei werden.
Definieren des Brennwertes
Brennwert: Maß für die thermische Energie, die in einem Stoff (bspw. einem Glucose-Molekül) gespeichert ist und die folglich bei der "Verbrennung" des Stoffs freigesetzt werden kann
- Einheit: kJ/g
- Physiologischer Brennwert: Die Energie, die tatsächlich vom menschlichen Stoffwechsel genutzt werden kann. Dieser Wert liegt aus folgenden Gründen immer etwas niedriger als der physikalische Brennwert:
- Unvollständige Verdauung/Resorption
- Produktion energiereicher Stoffwechselendprodukte
- Transport, Umbau und Speicherung der Nahrungsbestandteile
- Physikalischer Brennwert: Die Energie, die beim vollständigen Abbau eines Stoffs frei wird
Definieren von Abbauweg, physikalischem und physiologischem Brennwert von Kohlenhydraten
Abbauweg: Glycolyse
Physikalischer Brennwert: 17.6 kJ/g
Physiologischer Brennwert: 17.2 kJ/g
Definieren von Abbauweg, physikalischem und physiologischem Brennwert von LIpiden
Abbauweg(e): 1. Trazylglyzerid (TAG)-Abbau und 2. beta-Oxidation
Physikalischer Brennwert: 38.9 kJ/g
Physiologischer Brennwert: 38.9 kJ/gf
Definieren von Abbauweg, physikalischem und physiologischem Brennwert von Proteinen
Abbauweg(e): 1. Proteolyse, 2. AS-Abbau, 3. Harnstoffzyklus
Physikalischer Brennwert: 23 kJ/g
Physiologischer Brennwert: 17.2 kJ/g
Was ist der physiologische Brennwert von Alkohol?
30 kJ/g
Speicherort und Bedeutung von TAGs?
Speicherort: Fettgewebe
Bedeutung: Mit Abstand die grössten Energiespeicher des Körpers
Speicherort und Bedeutung von Glycogen?
Speicherort: 1. In der Leber, 2. In der Muskulatur
Bedeutung:
1. 1/3 der Glycogenvorräte. Dienen dazu, den Blutzuckerspiegel auch bei Nahrungskarenz aufrechtzuerhalten. Sind nach etwa 12-24 Stunden aufgebraucht.
2. 2/3 der Glycogenvorräte. Dienen dem Eigenbedarf des Muskels
Speicherort und Besonderes von ATP
Speicherort: In jeder Zelle
Besonderes: Ist nach Sekunden bis Minuten aufgebraucht
Definieren des Energieumsatzes
Der eigentliche Energieumsatz, also die Verstoffwechslung der Nahrungsbestandteile sowie die Bildung von ATP, findet auf zellulärer Ebene statt. Wird die Gesamtheit der zellulären Energiegewinnungsprozesse betrachtet, wird der Energieumsatz des gesamten Körpers beschrieben.
Auf zellulärer Ebene: Welche Umsatzformen gibt es?
- Erhaltungsumsatz: Energiemenge, die die Zelle benötigt, um ihre strukturelle Integrität zu bewahren (Zu diesen überlebenswichtigen Vorgängen zählen bspw. die Verteilung von Ionen zur Aufrechterhaltung des Membranpotentials und die Synthese von Membranbestandteilen.)
- Bereitschaftsumsatz: Energiemenge, die die Zelle benötigt, um in Leistungsbereitschaft zu sein (Also der Energiebedarf einer voll funktionsfähigen Zelle, die nicht nur gerade eben ihre strukturelle Integrität bewahrt.)
- Tätigkeitsumsatz: Energiemenge, die die Zelle benötigt, wenn sie gerade aktiv ihre Arbeit verrichtet (Bei der Muskelzelle wäre dies z.B. die Kontraktion, bei der Nervenzelle das "Senden und Empfangen" von Aktionspotentialen, bei Drüsenzellen die Produktion und Sekretion des Sekrets.)
Welche Arten von Umsatz gibt es auf der Körperebene?
- Grundumsatz: Energieumsatz des Körpers unter standardisierten Bedingungen (morgens, nüchtern , körperliche und geistige Ruhe , thermische Indifferenz ). Er beschreibt die Summe des Energieverbrauchs einer jeden Zelle unter den genannten Bedingungen
- Normwerte: 4,2 kJ/(kg×h) (♂), 3,8 kJ/(kg×h) (♀)
- Freizeitumsatz: Der Energieumsatz eines Menschen, der sich nicht intensiv körperlich betätigt, beträgt pro Tag ca.: 9600 kJ(♂) und 8400 kJ (♀)
- Arbeitsumsatz: Der Energieumsatz bei körperlicher Arbeit
- Bei leichter körperlicher Arbeit: Etwa 2 kJ/(kg×h) zusätzlich zum Freizeitumsatz
- Bei schwerster körperlicher Arbeit: Bis zu 10 kJ/(kg×h) zusätzlich zum Freizeitumsatz
Wie ist der Anteil der Organe am Grundumsatz?
Muskulatur: ca. 25%
Leber: ca. 25%
Hirn: ca. 20%
Herz: ca. 10%
Nieren: ca. 5 - 10%
Kalorimetrie definieren?
- Allgemein: Messung der Wärmemenge, die bei physikalischen, chemischen oder biologischen Prozessen aufgenommen bzw. abgegeben wird
- In der Physiologie: Bestimmung des Energieumsatzes eines Organismus mithilfe der Wärmeabgabe (direkte Kalorimetrie) oder mithilfe der Messung der Atemgase (indirekte Kalorimetrie)
Was ist eine Indirekte Kalorimetrie?
Bestimmung des Energieumsatzes eines Organismus mithilfe der Messung der O2-Aufnahme und der CO2-Abgabe
- Grundüberlegung: Bei der Verstoffwechslung der Nährstoffe wird O2 verbraucht und CO2 produziert. Da der Körper weder über ein nennenswertes O2- noch über ein CO2-Reservoir verfügt, entspricht das beim Stoffwechsel verbrauchte O2 dem eingeatmeten O2 und das im Stoffwechsel produzierte CO2 entspricht dem ausgeatmeten CO2. Anhand zweier Hilfsgrößen (Kalorisches Äquivalent und Respiratorischer Quotient) kann man aus den gemessenen O2- und CO2-Werten auf den Energieumsatz des Organismus schließen
Was sind Formel und Einheit bei der indirekten Kalorimetrie?
- Formel: Energieumsatz = (O2-Aufnahme/min) × Kalorisches Äquivalent
- Einheit: kJ/min
Was ist das kalorische Äquivalent? Welches Problem gibt es hierbei und wie wird es umgangen?
Die Nährstoffe werden im Verlauf ihrer Verstoffwechslung zu CO2 oxidiert. Der Energiewert, der bei dieser Oxidation eines bestimmten Nährstoffs pro Liter Sauerstoff gewonnen wird, wird als kalorisches Äquivalent bezeichnet.
Formel: kJ/IO2
Problem: Zur exakten Bestimmung des Energieumsatzes müsste der genaue Anteil der Nährstoffe an der Nahrung bekannt sein. Diesen kann man mithilfe des respiratorischen Quotienten ermitteln. Ist dies nicht möglich, behilft man sich mit einem Durchschnittswert für die sog. Mischkost
Was ist der respiratorische Quotient?
(RQ): Der Quotient aus CO2-Abgabe und O2-Aufnahme
- Grundüberlegung: Jeder Nährstoff hat einen spezifischen RQ (s. untenstehende Tabelle). Dies liegt daran, dass die Verstoffwechslung der verschiedenen Nährstoffe jeweils unterschiedliche Mengen O2 verbraucht und CO2 produziert.
- Formel: RQ = VCO2/VO2
- Schlussfolgerung: Ist der RQ bekannt, so kann auf den vorherrschenden Nährstoff rückgeschlossen werden. Bei normaler Mischkost beträgt er etwa 0,82. Bei höherem RQ sind die vorherrschenden Nährstoffe eher Kohlenhydrate, bei kleinerem RQ eher Fette und Proteine.
Körpertemperatur definieren mit Kerntemperatur, Schalentemperatur und Tagesverlauf
- Definitionen
- Körperkerntemperatur : Die Temperatur im Inneren des Rumpfes und des Schädels, wird über einen Regelkreis bei etwa 36,5°C konstant gehalten
- Körperschalentemperatur : Die Temperatur der Körperschale ist variabel, sie hängt von der Außentemperatur ab
- Körpertemperatur im Tagesverlauf: Die Körpertemperatur unterliegt einer zirkadianen Schwankung um etwa 1°C
- Minimum: Etwa 4 Uhr morgens
- Maximum: Etwa 18 Uhr abends
Wie wird der Wärmehaushalt reguliert?
- Regelzentrum: Der kaudale Hypothalamus (Area hypothalamica posterior) dient als "Thermostat"
- Ablauf: Erhält Informationen von den Temperatursensoren, gleicht sie mit der Solltemperatur ab und veranlasst über verschiedene Mechanismen Wärmebildung oder Wärmeabgabe (s.u.)
- Temperatursensoren
- Zentrale (= innere) Temperatursensoren: Temperatursensible Neurone im vorderen Hypothalamus (Regio praeoptica), im unteren Hirnstamm und im Rückenmark
- Periphere (= äußere) Temperatursensoren: Thermosensoren in der Haut
Was macht Progesteron im Bezug auf den Wärmehaushalt? Wofür wird dies verwendet?
Das Hormon Progesteron verursacht einen Anstieg der Solltemperatur im Hypothalamus um etwa 0,5°C. Mithilfe dieses Temperaturanstiegs kann der Termin des Eisprungs nachvollzogen werden!
Wärmebildung im Körper beschreiben?
Der Großteil der Wärme im Organismus entsteht durch die "Abwärme", die bei Stoffwechselvorgängen freigesetzt wird. Wenn diese nicht reicht, setzen folgende Mechanismen ein:
- Verstärke Muskelaktivität: Wärmebildung durch vermehrte Muskelaktivität, ist der wichtigste Mechanismus zur Wärmeproduktion beim Erwachsenen
- Willkürlich: Bspw. durch Umherlaufen bei Kälte
- Unwillkürlich: Durch Muskelzittern
- Zitterfreie Wärmebildung: Wärmebildung durch Lipolyse im braunen Fettgewebe, sie spielt vor allem beim Neugeborenen eine Rolle
- Prinzip: Mitochondriale Thermogenese
Prinzip und Beispiel für Konduktion?
Prinzip: Wärmeaustausch mit Gegenständen, die dem Körper direkt anliegen.
Bsp: Stuhl auf dem man sitzt erwärmt mit der Zeit.
Prinzip und Beispiel für Wärmestrahlung
Prinzip: Infrarotstrahlung, die zwischen unterschiedlich temperierten Regionen und Gegenständen ausgetauscht wird. Im Gegensatz zur Konduktion und zur Konvektion wird bei der Wärmestrahlung Wärme transportiert, ohne dass sich die beteiligten Gegenstände berühren.
Bsp: Aufnahme von Wärme bspw. durch erhitzten Naturstein
Prinzip und Beispiel für Evaporation
Prinzip:
- Wasser, das an der Körperoberfläche verdunstet, entzieht dem Körper Wärme
- Nur möglich, wenn der Wasserdampfpartialdruck der Haut höher ist als der der umgebenden Luft. Auf der Haut beträgt der Wasserdampfpartialdruck etwa 6,3 kPa
Bsp: Schwitzen
Was geschieht, wenn die Aussentemperaturen über der Körpertemperatur liegen?
Bei Außentemperaturen, die über der Körpertemperatur liegen, kann die Wärme nur über Verdunstung abgegeben werden. Diese hängt jedoch auch von der Luftfeuchtigkeit ab: Beträgt die Luftfeuchtigkeit 100%, ist eine Wärmeabgabe über Evaporation nur bis zu einer Umgebungstemperatur von 37°C möglich!
Beschreiben der Temperaturregulation über die Hautdurchblutung
Die Wärmeabgabe über Konvektion und Konduktion ist nur möglich, weil der Blutstrom die Wärme aus dem Körperkern in die Peripherie transportiert. Der Durchblutung der Haut kommt damit eine besondere Regulationsfunktion für die Körpertemperatur zu. Bei Kälte wird die Hautdurchblutung gedrosselt, sodass weniger Wärme abgegeben wird, bei Hitze hingegen wird die Hautvermehrt durchblutet.
Welche Mechanismen hat der Sympathikus im Bezug auf die Wärmeregulation über die Hautdurchblutung?
- Bei Kälte: Verstärkte Sympathikuswirkung → Konzentration von Noradrenalin im Blut↑ → Aktivierung von α1-Adrenorezeptoren an Blutgefäßen der Haut → Vasokonstriktion → Hautdurchblutung↓ → Wärmeabgabe↓
- Bei Wärme: Verminderte Sympathikuswirkung → Konzentration von Noradrenalin im Blut↓ → Verminderte Aktivierung von α1-Adrenorezeptoren → Vasodilatation → Hautdurchblutung↑ → Wärmeabgabe↑
Wie funktioniert die Temperaturregulation über die arteriovenösen Anastomosen?
- Bei Kälte: AVA sind geschlossen, Blut kann nur durch das Kapillarbett fließen → Wärmeabgabe↓
- Bei Wärme: AVA sind geöffnet, Blut strömt durch die AVA und durch die Kapillaren, Oberfläche für die Wärmeabgabevergrößert sich dadurch → Wärmeabgabe↑
Beschreiben des Gegenstromprinzips von Arterien und Venen im Bezug auf die Temperaturregulation über die Hautdurchblutung?
- Allgemein: Zwei Stoffströme werden zum Zweck des Wärme- oder Stoffaustauschs aneinander vorbeigeführt
- In Bezug auf das Blut: Arterien und Venen laufen parallel in die Peripherie und können dabei Wärme austauschen
- Arterielles Blut, das vom Zentrum in die Peripherie fließt, wird vom vorbeiströmenden venösen Blut abgekühlt (Hierdurch wird bei kalten Außentemperaturen der "Wärmeverlust" des Körpers reduziert.)
- Venöses Blut, das von der Peripherie ins Zentrum fließt, wird vom arteriellen Blut aufgewärmt (Hierdurch erreicht nur bereits angewärmtes und kein "kaltes" Blut den Körperkern.)
Was ist der Nutzen des Gegenstromprinzips von Venen und Arterien im Bezug auf die Temperaturregulation?
Bei Kälte: Durch Regulationsmechanismen werden die Gefäße eng gestellt. Dies verbessert den Wärmeaustausch des im Sinne des Gegenstromprinzips aneinander vorbeiziehenden Bluts, sodass die Wärme im Körperkern bleibt und nur ganz wenig in der Peripherie verloren geht
Bei Wärme: Durch Regulationsmechanismen werden die Gefäße weit gestellt. Das im Sinne des Gegenstromprinzips aneinander vorbeifließende Blut kann nun schlechter Wärme austauschen . Die Arterien nehmen also mehr Wärme mit in die Peripherie.
Prinzip und Nutzen der Lewis-Reaktion im Bezug auf die Temperaturregulation beschreiben?
Lewis-Reaktion: Lokale Schutzreaktion der Hautgefäße bei Kälte (kann nur bei Hautarealen beobachtet werden, die schon länger unterkühlt sind)
- Prinzip: Erweiterung der Hautgefäße und damit Steigerung der Durchblutung für einen kurzen Moment in regelmäßigen Abständen. Damit versucht der Körper zu verhindern, dass die betroffenen Körperstellen durch die ständige Unterkühlung und damit einhergehende Minderperfusion dauerhaft geschädigt werden.
Definieren der Indifferenztemperatur. Bedingungen dafür?
- Definition: Der Temperaturbereich, den wir als behaglich empfinden
- Bedingungen: Abhängig von der Umgebungstemperatur, der Luftfeuchtigkeit, der Windgeschwindigkeit, der Wärmestrahlung, der Bekleidung und der Aktivität
Wozu verhält sich die Indifferenztemperatur "proportional"
Die Indifferenztemperatur ist umso höher, je stärker die Wärmeabgabe gefördert wird! Da die Wärmeabgabe im Wasser mittels Konduktion deutlich stärker ist, friert man im Wasser schneller als an der Luft!
Was sind kurzfristige Anpassungsreaktionen auf Wärmebelastung?
- Dilatation der Hautgefäße
- Schweißproduktion
Was sind kurzfristige Anpassungen bei Kältebelastung?
- Konstriktion der Hautgefäße
- Aktivierung des Muskelzitterns
Was sind langfristige Anpassungen bei Wärmebelastung?
- Schweißproduktion bereits bei geringeren Temperaturen
- Andere Schweißzusammensetzung: Elektrolytgehalt↓ (hypoton) → Blutplasma ist im Verhältnis dazu dann hypertoner → Durstgefühl↑ → Trinkmenge↑ → Plasmavolumen↑ (So wird gewährleistet, dass trotz weitgestellter Blutgefäßeein ausreichend hoher Blutdruck erzeugt werden kann.)