BIO112 - Zusatz
Zusätzliche Begriffe zu BIO112 UZH
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Flashcards
Selbstorganisation definierter Bereiche
Verschiedene "Aggregate" im Zellkern
Die verschiedenen Typen von "Aggregaten" bestehen aus definierten Komponenten. Sie dienen als chemische Fabriken mit unterschiedlichen Funktionen. Fabriken sind meist sehr dynamisch. Je nach Bedarf verändern sie sich schnell => Beispielsweise je nach Zellzyklusstadium oder als Reaktion auf Signale.
Auch im Cytoplasma finden sich solche Domänen. (Beispiel: Centrosom)
Aufbau und Funktion des Nucleolus
Die prominenteste Aufgabe ist die Herstellung der rRNA und der Zusammenbau der Untereinheiten von Ribosomen. Der Nucleolus besteht deshalb vor allem aus prozessierter und nicht prozessierter rRNA, RNA prozessierenden Enzymen und deren Leit-RNAs, den entsprechenden DNA Regionen, Transkriptionsmaschinerie, ribosomalen Proteinen und im Bau befindlichen Ribosomen.
Warum braucht es dazu eine so grosse, spezielle Region? Die wachsende tierische Zelle muss ca. 10 Millionen Ribosomen herstellen.
Wie kann dabei genug rRNA hergestellt werden? Die rRNA kodierenden Gene liegen in vielen Kopien vor. Bei uns ca. 200 in mehreren Gruppen angeordnet an mehreren Chromosomenenden.
Struktur der rRNA-Produktion
Wir haben ca. 150 snoRNAs (small nucleolar RNAs), welche als Leit-RNAs dienen, indem sie die nichtkodierenden RNAs binden und so Enzyme regulieren, welche die rRNAs prozessieren (schneiden oder chemisch modifizieren).
Weitere nicht-kodierende RNAs die im Nucleolus hergestellt werden:
U6-snRNAs zum mRNA spleissen
tRNAs für die Translation
Telomerase-RNA
RNA des SRPs
Die Organisation der Kernmembran
Die Abschirmung der DNA vom Rest der Zelle bringt die gleichen Probleme mit sich wie die Zellmembran: Import/Export von Material und Kommunikation mit der Umgebung muss irgendwie erreicht werden.
Wieso wird nicht einfach die gleiche Maschinerie wie bei der Zellmembran benutzt? Der Zellkern hat eine Doppelmembran und sehr viel Material und sehr grosse Strukturen müssen passieren. -> Es werden spezielle Transportstrukturen benötigt.
Die Kernporen
Kernporen werden von Proteinkomplexen, den NPCs (Nuclear Pore Complex) gebildet.
In den Kern rein müssen: Viele Proteine, beispielsweise ribosomale Proteine, Transkriptionsfaktoren, DNA- und RNA-Polymerasen, Nucleotide, Histone, ATP etc.
Aus dem Kern raus müssen: mRNAs, tRNAs, Ribosomuntereinheiten etc.
Wie kommen die ribosomalen Proteine in den Zellkern rein wenn sie doch im Cytoplasma hergestellt werden, und wie kommen die gleichen Proteine nachher als (noch unreife) Ribosomen-untereinheiten wieder raus?
Dies führen die NPCs durch einen gerichteten Transport aus.
Wie werden NLS/NES erkannt?
NLS werden von Kernimportrezeptoren und NES von Kernexportrezeptoren erkannt. Die Rezeptoren gehören zur Proteinfamilie der Karyopherine. Diese binden gleichzeitig an die Kernporen. Verschiedene Karyopherine erkennen unterschiedliche NLS oder NES. Manchmal werden Adaptorproteine dazwischengeschaltet.
Wie erkennen Karyopherine NLS oder NES?
Die Karyopherine erkennen repetitive Phenylalanin (F)/Glycin (G) Sequenzen. Sie kommen an den cytosolischen Fibrillen und den ungeordneten Domänen der Proteine im Kanal in grosser Zahl vor. Die Rezeptoren mit ihren Frachten hangeln sich entlang dieser FG-Wiederholungen. Für den erfolgreichen Transport fehlen nun aber immer noch zwei Dinge.
Wie wird die Richtung bestimmt, respektive wie weiss der Rezeptor wann er innen oder aussen ist und deshalb seine Fracht laden oder eben loslassen soll? Woher kommt die Energie?
Das Prinzip des nukleären Import und Export
Der Rezeptor kann grundsätzlich ohne Problem rein und raus laufen ob mit oder ohne Fracht. Im Kern bindet er Ran-GTP.
Import: Der Rezeptor bindet Fracht im Cytosol -> Transport in den Zellkern -> Ran-GTP bindet -> Fracht fällt ab -> Rezeptor + Ran-GTP gehen zurück ins Cytosol.
Export: Der Rezeptor bindet im Zellkern Ran-GTP -> Fracht kann gebunden werden -> Transport ins Cytosol -> GTP im Ran wird durch RAN-GAP hydrolysiert -> Fracht fällt ab -> Der Rezeptor kehrt in den Zellkern zurück.
Pendelproteine
Pendelproteine werden sowohl importiert wie auch exportiert. mRNAs beispielsweise werden während der Prozessierung im Zellkern (Spleissen, Capping, Polyadenylierung) mit Proteinen beladen. Diese vermitteln Exportkompetenz. Dies verhindert auch, dass Abfall-RNA oder unvollständig prozessierte RNA exportiert wird. Nach Gebrauch müssen die Proteine wieder in den Kern zurück.
Weitere wichtige Pendelproteine
Transkriptionsfaktoren und Kinasen die Transkriptionsfaktoren aktivieren oder inaktivieren. Diese sind reguliert um nur wenn nötig in den Kern zu gelangen. Dies geschieht meist über Modifikation der Proteine (Phosphorylierung etc.). Sie müssen auch wieder ausgeschaltet und vom Kern entfernt werden. (Beispiel: Zellteilungssignale bei der Wundheilung oder aktivierende Signale der Immunzellen)
Bild:T-Zellaktivierung
NPCs in der Mitose
Beim Kernmembranzerfall in der Mitose, zerfallen auch die NPCs. Ein Teil der NPC Proteine diffundiert in der ER Membran. Andere sind frei im Cytosol.
Telophase: Wiederaufbau der Kernmembran, Lamine werden dephosphoryliert, um die segregierten Chromosomen bilden sich neue Kernmembranen.
Auch beim Zusammenbau der Kernporen scheint die Ran GTPase eine zentrale Rolle zu spielen - wie genau ist unklar.
Die Organisation der Kernmembran
Die innere und äussere Kernmembran sind verschieden. Die äussere Kernmembran bindet auch Ribsomen, weil sie Proteine in den Raum zwischen den Kernmembranen translatieren. Die Verbindung zum ER erlaubt, wenn nötig, die Vergrösserung der Kernmembran.
Wann ist das wichtig? Die innere Kernmembran ist mit einem Laminnetzwerk, intranukleären Proteinkomplexen und Chromosomen verbunden. Um die Kernporen sind die innere und äussere Kernmembran verbunden, dadurch können Lipide frei diffundieren und die innere Membran kann schnell mitwachsen.
Die Funktion der Lamine
Die Kernlamina verbindet Kernmembran und Chromosomen und stabilisiert die NPCs. Aber nicht alle Eukaryoten haben eine Kernlamina. In Hefen diffundieren NPCs deshalb in der Kernmembran. Phosphorylierung der Lamine führt zu ihrer Depolymerisierung.
Wann ist das wichtig? Während der Mitose wird die Lamina von der CDK phosphoryliert und wohl auch während des Kernwachstums.
Die Kernlokalisierung anhand der Gurke
In der noch kleinen Oocyte sind die Mikrotubuli so organisiertk dass der Nucleus am entfernten Ende der Eikammer sitzt. Gurken mRNA kommt aus dem Kern -> Lokal translatiertes Gurken Protein signalisiert "posteriore" Identität an die umgebenden Follikelzellen. Follikelzellen signalisieren zurück -> Eizelle reorganisiert Mikrotubuli. Dadurch wird Zellkern in die anteriore Ecke der Eizelle verfrachtet -> mit ihm die Gurken mRNA. In der neue Position signalisiert das Gurken Protein wiederum an die Follikelzellen die nun "dorsale Identität" annehmen.
Kernlokalisierung und Cytokinese in der Spalthefe
Wie kommt, bei der Kernlokalisierung und Cytokinese in der Spalthefe, der Zellkern in die Zellmitte und wie bleibt er trotz Längenwachstum da?
Zellkollektive
Indem sie miteinander interagieren und kommunizieren bilden Zellen komplexe, mehrzellige und sehr robuste Systeme. Bei Mehrzellern sind die Zellen üblicherweise schon vor der ersten Zellteilung an, miteinander verbunden. Die Komplexität unseres Körpers entsteht durch Musterung und schrittweise Differenzierung. Es gibt aber auch Organismen die nur bei Bedarf oder Gelegenheit mehrzellig wird.
Chemotaxis
Prozess in dem Zellen einem Signalgradienten nachlaufen, nennt man Chemotaxis.
Das Hauptproblem: Wie wird der kleine Unterschied der Molekülzahl vorne und hinten gelesen? Das cAMP aktiviert eine Signalkaskade über seinen cAR1 Rezeptor und die heterotrimeren GTP-Bindungsproteine. Dabei wird PI3-Kinase aktiviert und stellt PIP3 her. Die PTEN Phosphatase stellt das Signal fortlaufend wieder ab. Näher an der Quelle wird zuerst aktiviert und das Signal sofort autoregulatorisch verstärkt. Weiter hinten wird langsamer aktiviert und effektiver wieder inaktiviert. cAMP aktiviert auch noch einen Phospholipasen Signalweg, welcher die Asymmetrie weiter verstärkt und so hilft ganz flache Gradienten zu lesen. PI3 Kinasen/PTEN Signalkaskade ist auch in unseren Immunzellen aktiv und oft auch bei der metastasierenden Krebszellen.
Aufbau des Zellkollektivs
Die Zellen laufen zum Ort der höchsten Zelldichte welche zum Zentrum wird.
Wie wird dieser Ort anfänglich definiert? Es entstehen spiralförmige Signalwellen die vom Zentrum ausgehen. Die Reaktion der Zellen auf cAMP ist nicht konstant -> sie blinkt. Offenbar werden die Signale auch nur in Pulsen abgegeben. Das Ganze koordiniert sich relativ schnell so, dass automatisch Wellen entstehen.
Aber einer gewissen Zelldichte können Zelle nicht mehr geradlinig zum Zentrum laufen. Sie bewegen sich stattdessen im Kreis ums Zentrum herum. Die Konsequenz ist, dass sich die Signalwellen spiralförmig vom Zentrum wegbewegen.
Was ist das Signal der Chemotaxis?
Das Signal hier ist sekretiertes cycklisches Adenosinmonophosphat
Pseudoplasmodium
Wenn sich genug Zellen zusammengelagert haben, entsteht das Pseudoplasmodium. Es wandert herum und richtet sich dann auf um die Differenzierung des Fruchtkörpers zu beginnen. Die Zellen innerhalb des Plasmodiums bewegen sich immer noch zirkulär aber verschieden stark in gewisse Richtungen um sich fortzubewegen.
Um den Fruchtkörper zu formen opfern sich die meisteen Zellen. Nur ganz wenige machen Sporen. Dies ist eine irreversible Differenzierung -> Form des Altruismus