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Sprache Deutsch
Stufe Berufslehre
Erstellt / Aktualisiert 26.09.2018 / 19.10.2018
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Warum Fertigungssegmentierung?

Viele Absatzmärkte sind durch einen hohen Sättigungsgrad gekennzeichnet. Für ein Unternehmen kann folglich der Mengenzuwachs nicht das vorrangige Ziel sein. Der Kunde sucht vermehrt ein qualitativ hochstehendes Produkt, welches seine Wünsche möglichst gut abdeckt. Diese Entwicklung führt in vielen Fällen zu einer Erhöhung der Variantenzahl der Produkte und damit zum Anstieg der Logistik- und Kapitalkosten zur Bewältigung der verschiedenen Materialflüsse und -bestände.
Für Unternehmen, die auf aktuelle, schnelllebige Märkte zu reagieren haben, sind andere Fertigungsstrategien und Organisationsformen zu wählen als für Betriebe, die kontinuierlich in grossen Mengen ihre Produkte absetzen können. Die starke Zergliederung der bestehenden Produktionsprozesse sind komplexe, schwer überschaubare Systeme. Gesamtzusammenhänge sind für den einzelnen Mitarbeiter nicht mehr erkennbar.

Ausgehend aus diesen Erfahrungen und dem Zwang des Marktes flexibel und individuell auf Kundenwünsche eingehen zu können, entstand die Idee, die bestehenden Fertigungsorganisationen spezifisch auf einzelne Produkte oder Produktlinien auszurichten, in sog. Fertigungssegmente. Mit der Einschränkung der Teile- und Produktvielfalt innerhalb eines Segmentes lassen sich die Arbeitssysteme und Betriebsmittel besser auf die Fertigungsaufgabe ausrichten.

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Kernpunkte der Fertigungssegmentierung/

 

Ziel einer Fertigungssegmentierung ist es, durch die Reduktion der Teilevielfalt und die damit verbundene Komplexität, die Vorteile einer Fliessfertigung mit der hohen Flexibilität einer Werkstattfertigung zu verbinden. Ihre Realisierung verlangt aber nach einer veränderten Beurteilung der einzusetzenden Betriebsmittel. War man bis heute der Ansicht, dass eine kostengünstige Fertigung nur mit grossen, leistungsfähigen und automatisierten Maschinen realisierbar ist, so führt die Idee der Fertigungssegmentierung dort hin, dass die Gesamtleistung auf mehrere, kleinere Maschinen verteilt wird. Mehrere, gleich oder ähnlich ausgelegte Maschinen ermöglichen damit ein flexibles Reagieren auf veränderte Marktbedürfnisse. Sinkt der Kapazitätsbedarf in einem Segment, so lässt sich die Kapazität "maschinenweise" abbauen und in einen anderen Bereich verlagern.
Einzelne Grossanlagen haben den Nachteil, dass sie sich nur schwer auf die Kapazitätsbedarfe mehrerer Segmente abstimmen lassen. Die Schwierigkeit, unterschiedliche Anforderungen mehrerer Segmente mit den Eigenschaften einer Grossanlage (grosser Kapazitätsquerschnitt) zu synchronisieren, führt in vielen Fällen zu vor- und nachgelagerten Pufferlagern. Diese übernehmen die Aufgabe, momentan überzähliges Material solange zu "puffern", bis es vom nachgelagerten Segment oder Arbeitsplatz benötigt wird.

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Kriterien für die Segmentierung
Abhängig vom Produktionstyp und den Randbedingungen für den wirtschaftlichen Einsatz einer ev. bereits bestehenden Produktionsanlage unterscheidet man eine vertikale und eine horizontale Segmentierung.

Vertikale Segmentierung
Diese entspricht den primären Zielsetzungen der Segmentierung, d.h. sie ist produkt- und marktorientiert.

Horizontale Segmentierung
Die horizontale Segmentierung ist dann sinnvoll, wenn für eine wirtschaftliche Fertigung leistungsfähiger Produktionsanlagen vorhanden sein müssen. Bei entsprechender Eingliederung kann ein horizontales Segment mehrere vertikale Segmente bedienen. Nachteil einer solchen Einordnung ist der erhöhte Koordinationsaufwand, der für einen reibungslosen Ablauf zwischen den Segmenten notwendig ist.

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Vertikale Segmentierung dafür gelten folgende Kriterien:

• ausreichende Stückzahl / Produktionsvolumen (Auslastung)
• Vorhersagegenauigkeit der Bedarfe (siehe ABC / XYZ-Analyse)
• Produkttypen /-familien (produktionstechnische Eignung)
• Absatzstruktur und Absatzverhalten müssen bekannt sein
• Produktmix (produktionstechnisch ähnliche Produkte )
• Losgrössen (abgestimmt auf die Rüstzeiten, Vorhersagegenauigkeit, gleichmässige Auslastung)
• Wettbewerbsfaktoren (Lieferzeit, Flexibilität)

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Folgende Kriterien bestimmen den Einsatz horizontaler Segmente:

• flussorientierter Fertigungsablauf (Einbindung ins Gesamtsystem)
• Produktionsanlagen (z.B. Blechbearbeitungszentrum, Bestückungsanlage)
• Materialfluss
• Personal (Spezialisierung)

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Schwerpunkte bei der Realisierung

Eine erfolgreiche Realisierung setzt voraus, dass die Maschinen- oder Arbeitsplatzkapazitäten innerhalb eines Segmentes aufeinander abgestimmt sind. Arbeitsplätze, die in der Vergangenheit Engpässe bildeten, sind zu eliminieren oder den Leistungen der anderen Arbeitsplätze anzupassen. Kurzfristig auftretende Engpässe müssen durch Reservekapazitäten und qualifiziertes Personal aufgefangen werden können (Reservemaschine, "Springer").
Zielsetzung muss sein die Aufträge ‚fliessen‘ zu lassen. Es gelten somit ähnliche Überlegungen wie bei der Fliessfertigung.

Mittels Optimierung der Rüstzeiten, auf das Segment abgestimmter Werkzeuge und Transporteinrichtungen sowie automatisierten Arbeitsplätzen, bei welchen ein Mitarbeiter mehrere Maschinen bedienen kann (Entkopplung Mensch-Maschine), lassen sich die Mehrkosten der überzähligen Kapazitäten (Reservemaschine) kompensieren.

Ähnlich wie bei der Produktionsinsel kann die starke Produktorientierung zu der Überlegung führen, ob auch vorgelagerte, indirekte Arbeiten wie z.B. Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Einkauf und Auftragsabwicklung in ein Segment eingegliedert werden sollen. Damit liessen sich die Kommunikationswege einfach und effizient gestalten.

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Segmentierung (Fertigung, Montage, Leistungen i.A.)
Ausrichtung der Prozesse auf die Marktbedürfnisse. Jedes Segment richtet sich nach den Anforderungen des Marktes resp. des produktgerechten Herstellprozesses aus.

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Differenzierung nach Komplexität und Stückzahl

Die Komplexität einer Fertigung resp. Montage lässt sich anhand folgenden Kriterien erkennen:
- Kompliziertheit der Montage (montagegerechte Konstruktion)
- Materialvielfalt (Anzahl, Unterschiedlichkeit, Dimensionen der Komponenten und deren Bereitstellungsmöglichkeiten)

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Komplexität = Kompliziertheit + Montagereihenfolge und zeitliche Abhängigkeit