Zentrales Nervensystem
Themenblock für das 4. Semester Medizin UZH
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Cartes-fiches
Neocortex ( Aufmerksamkeit )
· wird durch fronto-parietales Netzwerk erzeugt
· visueller neglect
· v.a. durch Läsionen im (rechten) Parietallappen ausgelöst ( z.B. Schlaganfall )
· V1 noch funktionsfähig, aber fehlende Aufmerksamkeit für linkes Gesichtsfeld
→ Patient sieht noch alles, zeichnet aber nur die Hälfte
Neocortex ( CM-System )
· kortikomotoneurales System / Pyramidenbahn
· wird für Präzisionsgriff und Handgeschicklichkeit gebraucht
· Axone aus dem primär motorischen Kortex M1 ( Brodmann-Area 4 / Richtungs-spezifische Neurone )
· monosynaptische kortiko-motoneurale Verbindungen ( → sehr kurze Latenzzeit )
· viele kortikale Neurone setzten an einem Motoneuron an
· ein kortikales Neuron setzt an vielen Motoneuronen an
Neocortex ( Läsionen im Frontallappen )
· oberes Frontalhirnsyndrom ( inhibitorisch ) → Antriebsarmut
· unteres Frontalhirnsyndrom ( disinhibitorisch ) → Störungen des Affekts + Kritikfähigkeit
Neocortex ( kortikale Plastizität )
· Grösse der Repräsentationsfelder ist aktivitätsabhängig
· Grösse, Lage und Funktion von Repräsentationsfelder können sich ändern
· bei fehlendem Input übernehmen die Areale andere Funktionen
→ Ursache für Phantom-Schmerzen und Phantom-Glieder bei Amputationen
· bei wiederholter Reizung entsteht Kurzzeit-Plastizität ( ms - s )
→ Faszilitierung ( Verstärkung der synaptischen Potentiale )
→ Depression ( Abschwächung der synaptischen Potentiale )
· bei "gleichzeitiger" prä- und postsynaptischer Aktivitat entsteht Langzeit-Plastizität ( h - d )
→ LTP ( AP vor EPSP / Verstärkung der synaptischen Potentiale )
→ LDP ( EPSP vor AP / Abschwächung der synaptischen Potentiale )
Alzheimer ( Merkmale )
· altersabhängige degenerative Erkrankung des Gehirns ( ab ~60 Jahren )
· führt zu Störung der Sprache, des Denkvermögens und des Gedächtnisses
· Hirnmasse nimmt im Verlauf der Krankheit ab ( Hirnatrophie )
· gekennzeichnet durch histopathologische Veränderungen ( Amyloide Plaques / Fibrillen )
Alzheimer ( Verlauf / Symptomatik )
1-3 Jahre: Abnahme von Gedächtnis / Orientierung / Sprache
4-6 Jahre: Abnahme von Urteilsfähigkeit
6-9 Jahre: Abnahme von Ernährung / Hygiene
Alzheimer ( Diagnosekriterien für Demenz )
· Nachweis der Abnahme des Gedächtnisses sowie mindestens einer weiteren kognitiven Funktion
( z.B. Sprache, Urteilsfähigkeit, Denkvermögen, Ideenfluss, Informationsverarbeitung )
· Fehlen einer Bewusstseinstrübung
· Dauer der Störung über mindestens 6 Monate
· verminderte Affektkontrolle, Antrieb oder Sozialverhalten
( von mindestens einem dieser Merkmale: emotionale Labilität, Reizbarkeit, Apathie, Vergröberung des Sozialverhaltens )
· eindeutige Diagnose nur mittels Biopsie möglich
Alzheimer ( klinische Befunde )
· Befunde für wahrscheinliche Alzheimererkankung
· Fortschreitende Verschlechterung des Gedächtnisses und anderer kognitiver Funktionen
· Alter zwischen 40-90 Jahren
· fehlen systemischer Erkrankungen, die Defizite erklären könnten
· positive neuropsychologische Tests
· keine Bewusstseinsstörung
· Befunde gegen wahrscheinliche Alzheimererkrankung
· plötzlicher apoplektischer Beginn
· Hemiparesen / Ataxien
· Befunde die mit Alzheimer vereinbar sind
· Plateaus im Krankheitsverlauf
· assoziierte Symptome ( Depression / Inkontinenz / Gewichtsverlust / … )
· abnorme neurologische Befunde ( gesteigerter Muskeltonus / Myoklonus / … )
· normales CT
Alzheimer ( Risikofaktoren )
· Alter ( Hauptrisikofaktor )
· genetische Risikofaktoren ( sporadisch → ApoE4 / 5-10% familiär → APP, PS1 + PS2 )
· vaskuläre Risikofaktoren ( Atherosklerose / Diabetes / Hypertonie )
· Ernährung
· Kopf-Trauma
Alzheimer ( familiäre Alzheimerdemenz )
· verursacht durch
· PSEN1 ≈ 70% ( Presenilin 1 → γ-Sekretase-Komplex )
· PSEN2 ≈ 1% ( Presenilin 2 → γ-Sekretase-Komplex )
· APP ≈ 5% ( Amyloid-Precursor-Protein )
Alzheimer ( molekulare Mechanismen )
· initiale Verletzung → neurogene Inflammation → Veränderung der Zellen
· hohe Mengen von Aβ-Peptiden im Gehirn ( bilden intrazellulär Fibrillen / extrazellulär Plaques )
· entstehen durch schneiden des APP durch β- und γ-Sekretasen
· γ-Sekretasen haben noch andere Funktionen → keine Hemmung möglich
· β-Sekretasen haben grosses aktives Zentrum → Hemmung würde zuerst andere Enzyme hemmen
Alzheimer ( Tau-Protein )
· Mikrotubuli-assoziiertes Protein ( stabilisiert Mikrotubuli )
· Ursache für Frontotemporal-Demenz und Parkinson-Syndrom ( FTDP )
· Konformationsänderung durch abnormale Phosphorylierung
→ Dissoziation von Mikrotubuli → beinträchtigter axonaler Transport → Neuron stirbt ab
Alzheimer ( Zusammenfassung )
· neurodegenerative, progrediente Hirnatrophie ( v.a. temporoparietal + frontal )
· 4. Todesursache in industrialisierten Ländern
· Prävalenz verdoppelt sich ab 65J alle 5 Jahre
Schlaf ( Verhaltenskriterien für Schlaf )
· Reglosigkeit
· erhöhte Weckschwelle ( durch „Spindeln“ verursacht )
· schnelle Reversibilität ( Unterschied zum Koma / Narkose )
· homöostatische Regulation ( Schlafdefizit wird nachgeholt / zuviel Schlaf → weniger Schlaf )
· bestimmter Schlafplatz
· arttypische Körperstellung
Schlaf ( physiologische Veränderungen )
· Hirnwellen ( EEG )
· Muskelaktivität ( EMG )
· Augenbewegungen ( EOG )
· Herztätigkeit ( EKG )
· Körper- und Hirntemperatur
· Atmung
Schlaf ( Stromkurven )
· Elektroenzephalogramm
· Messung von Hirnströmen ( Hirnströme werden zu 96% vererbt )
· sehr hohe zeitliche Auflösung ( z.B. kann ein Lichtblitz genau synchronisiert werden )
· thalamokortikale Afferenzen generieren rhythmische Spindelaktivität ( im Wachzustand ~10Hz / α-Wellen )
· Elektrooculogramm
· Messung von Augenbewegungen
· Retina ist negativ geladen gegüber der Cornea
· Elektromyogramm
· Messung der elektrischen Muskelaktivität
Schlaf ( Entstehung der Hirnströme )
· Hirnströme ≈ postsynaptische Summenpotentiale (EPSP/IPSP) von Pyramidenzellen
· Hirnströme ≠ Aktionspotentiale ( sind auf der Kortexoberfläche nicht nachweisbar )
· Hirnströme korrelieren nicht mit Aktionspotentialen ( man misst Netzwerk-Aktivitäten )
Schlaf ( EEG-Frequenzen )
· durch thalamokortikale Netzwerke generiert
· alpha ≈ 8-12Hz
· beta ≈ 20Hz
· theta ≈ 4-8Hz
· delta ≈ 1-4Hz
· slow oscillations ≈ <1Hz
Schlaf ( δ-Wellen )
· nehmen mit Tiefe des Schlafes zu ( N3 > N2 > N1 )
· nehmen im Verlauf der Nacht ab
· nehmen bei Schlafentzug zu ( → homöostatische Regulation )
Schlaf ( Schlafstadien )
· Wach
· NonREM-Schlaf ( «burst-pause firing mode» in den thalamokortikalen Netzwerken )
· Stadium 1 ( N1 / Leichtschlaf )
· Stadium 2 ( N2 / Leichtschlaf )
· Stadium 3 ( N3 / Tiefschlaf )
· Stadium 4 ( N3 / Tiefschlaf )
· REM-Schlaf ( «single-spike firing mode» in den thalmokortikalen Netzwerken )
· Zyklus dauert 90-100 Minuten
· N2 macht grössten Anteil des Schlafes aus
· N3 ist prädominant am Anfang der Nacht ( tritt in der zweiten Nachthälfte nicht mehr auf )
· Dauer der REM-Phase nimmt im Verlauf der Nacht zu ( N3 hat höhere Priorität als REM )
· im NonREM-Schlaf tonische Hyperpolarisation → langsame Wellen im EEG
· im REM-Schlaf und Wachzustand teilweise Depolarisation → schnelle Wellen / kleine Amplitude
Schlaf ( Wachstadium )
· EEG: α-Wellen ( ~10Hz ) / β-Wellen ( ~20Hz )
· EOG: -
· EMG: hohe Muskelaktivität
Schlaf ( NonREM - Stadium 1 )
· EEG: θ-Wellen ( 5Hz )
· EOG: langsame Pendelbewegungen ( typisch für Einschlafen )
· EMG: erhöhte Muskelaktivität
Schlaf ( NonREM - Stadium 2 )
· EEG: „Spindeln“ ( 1s / 12-14Hz / wichtig für Konsolidierung ) / K-Komplexe ( grosse Amplitude )
· EOG: -
· EMG: erniedrigte Muskelaktivität
Schlaf ( NonREM - Stadium 3 )
· EEG: <50% δ-Wellen ( 1Hz / grosse Amplitude )
· EOG: keine Augenbewegungen
· EMG: weitere Abnahme der Muskelaktivität
Schlaf ( NonREM - Stadium 4 )
· EEG: >50% δ-Wellen ( 1Hz / grosse Amplitude )
· EOG: keine Augenbewegungen
· EMG: Muskelatonie
Schlaf ( REM )
· EEG: schnelle Wellen
· EOG: rasche Augenbewegungen
· EMG: Muskelatonie
Schlaf ( Schlafveränderungen mit zunehmendem Alter )
· starke Abnahme des REM-Schlafs ( 8h → 2h → 1h )
· Abnahme des NonREM-Schlafs ( 8h → 6h → 4h )
· Zunahme des Wach-Stadiums ( 8h → 16h → 19h )
Schlaf ( Pathologien )
· Insomnie
· Schlaflosigkeit
· verursacht durch ventrolaterale (präoptische) Hypothalmus-Läsion
· Narkolepsie
· Hypersomnie ( Patienten schlafen fast den ganzen Tag )
· verursacht durch posterolaterale Hypothalamus-Läsion
· Encephalitis lethargica
· unkontrollierbare Schlafanfälle ( Patienten schlafen plötzlich ein )
· verursacht durch posteriore Hypothalamus-Läsion
Schlaf ( ARAS - Neurotransmitter )
· Hypocretin / Orexin ( PH / posteriorer Hypothalamus )
· Noradrenalin ( LC / Locus ceoruleus )
· Histamin ( TMN / tuberomammilärer Nucleus )
· Serotonin ( Raphe-Kerne → Aktivität nimmt im Verlauf eines Schlafzyklus auf 0% ab )
· Dopamin ( VTA / area tegmentalis ventralis )
· Acetylcholin ( PPT + LDT / pedunculopontiner + laterodorsaler tegmentaler Nucleus )
Schlaf ( Hypocretin-System )
· integriert motivierende Signale ( Wachheit / Aufmerksamkeit / Belohnung / Appetit = orexis )
· Hypocretin induziert Wachheit durch Aktivierung histaminerger Neurone im TMN
→ Blockierung des H1-Rezeptors (postsynaptisch) führt zu Schläfrigkeit ( z.B. Antiallergika )
→ Blockierung des H3-Rezeptors (präsynaptisch) reduziert Schläfrigkeit ( Hemmung der Wiederaufnahme )
· Defizit führt zu Narkolepsie
Schlaf ( Dopamin-System )
· stimuliert Wachzustand
· Substanzen, die Wiederaufnahme des Dopamins hemmen und die Freisetzung fördern:
· Amphetamin
· Methylphenidat ( Ritalin )
· Modafinil ( Modasomil / interagiert auch mit NOR-Wiederaufnahme )
( · Koffein ( Adenosin-Antagonist / indirekte Wirkung auf Dopaminübertragung ) )
Schlaf ( Adenosin / Adenosinrezeptoren )
· extrazelluläre Konzentration von Adenosin im Liquor ~ δ-Wellen ~ Schlafentzung
→ schlaffördernder Neurotransmitter
· Adenosinrezeptoren
· Gαi: A1 / A3 ( A1 v.a. im Kortex )
· Gαs: A2A / A2B ( A2A v.a. im ARAS )
· Koffein ist ein Adenosin-Antagonist ( blockiert Adenosin A1- und A2A-Rezeptoren )
→ stimuliert Wachheit
Schlaf ( GABA / GABAA-Rezeptor )
· γ-Aminobuttersäure
· hemmender Neurotransmitter
· wird im VLPO-Hypothalamus gebildet
· GABAA-Rezeptor ( Heteropentamer )
· Chlorid-Kanal → Hyperpolarisation
· Benzodiazepine wirken als agonistische Modulatoren ( erhöhen die Öffnungswahrscheinlichkeit )
Schlaf ( Schlafmittel )
· v.a. Benzodiazepine ( Valium / Dormikum )
· Zolpidem ( keine Benzodiazepin-Struktur / aber gleiche Wirkung )
· erhöhen die Öffnungswahrscheinlichkeit für die Öffnung der GABAA-Rezeptoren
· induzieren unphysiologischen Schlaf ( reduzierte δ-Aktivität → kein Tiefschlaf )
Schlaf ( REM-Schlaf )
· aminerge Zellen ( LC → NOR / Raphe → Serotonin / TMN → Histamin / PH → Hypocretin )
· Abnahme der Aktivität während dem NonREM-Schlaf
· keine Aktivität mehr während dem REM-Schlaf ( «REM-off Neurone» )
· cholinerge Zellen ( PPT + LDT → ACh / VTA → Dopamin / Glutamat )
· Abnahme der Aktivität während dem NonREM-Schlaf
· hohe Aktivität während dem REM-Schlaf ( «REM-on Neurone» )
· Generator für REM-Schlaf liegt im Hirnstamm
· monoaminerge Zellen hemmen cholinerge Zellen → Enthemmung → REM-Schlaf
· cholinerge Zellen hemmen aktiv die Motoneurone → Muskelatonie während REM-Schlaf
Schlaf ( Antidepressiva )
· Monoamin-Oxidase Hemmer
· hemmen Wiederaufnahme von Serotonin, Norepinephrin und Dopamin
→ vollständige Unterdrückung des REM-Schlafes ( weil cholinerge Zellen nicht enthemmt werden )
Schlaf ( Aufrechterhaltung des Wach- und Schlafzustands )
· aktive Kerne im posterioren Hypothalamus stimulieren Kerne im ARAS ( LC / Raphe / TMN )
· Wachzustand → Kerne im ARAS erhalten den Wachzustand und inhibieren Kerne im VLPO
· Schlafzustand → VLPO-Kerne inhibieren den posterioren Hypothalamus und die Kerne im ARAS
· bei Läsion im posterioren Hypothalamus fällt das Hypocretin-System weg
→ Verschwimmung des Wach- und Schlafzustands → Narkolepsie
Schlaf ( zirkadianer Rhythmus )
· hat Einfluss auf die homöostatische Schlafregulation
· Periode ≈ 24.2h / Mesor = 24h-Mittelwert / Amplitude nimmt im Alter ab
· Frauen haben im Durchschnitt eine um 0.1h kürzere Periode als Männer
· innere Uhr liegt im Ncl. suprachiasmaticus ( SCN / enthält Melatonin-Rezeptoren )
· zirkadianer Rhythmus wird täglich synchronisiert
· v.a. über Licht ( retinohypothalamischer Trakt ) / aber auch über soziale Kontakte
· jede Zelle im Körper hat innere Uhr ( zeitlich-anhängige Genexpression / muss auch synchronisiert werden )
· retinohypothalamischen Trakt ( wichtig für Synchronisation des zirkadianen Rhythmus )
1. Lichteinfall auf Retina → Ncl. suprachiasmaticus im Hypothalamus
2. Ncl. suprachiasmaticus → Epiphyse
3. Epiphyse → Melatoninausschüttung ( Dunkelhormon / wird im Dunkeln ausgeschüttet )
4. Melatonin → Feedback zum Ncl. suprachiasmaticus
Schlaf ( Melatonin )
· Pinealishormon / Dunkelhormon / Nachthormon
· wird nur im Dunkeln ausgeschüttet / am Tag hat man kein Melatonin im Blut
· wirkt auf Melatoninrezeptoren im N. suprachiasmaticus
· fördert Resynchronisation des zirkadianen Rhytmus / ist keine Schlafsubstanz
kindliche Entwicklung ( Entwicklung des Individuums )
· Grössenzunahme ( quantiative Zunahme von Körpergrösse / Muskelkraft / Anzahl Worte )
· Differenzierung ( qualitative Zunahme von Gestalt / Lokomotion / Syntax / Grammatik )
· Spezifizierung ( funktionelle Anpassung an die Umwelt / Abschluss in der Pubertät )