PHZH an UNI ZH


J. G.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die Wechselwirkungen zwischen menschlichem Handeln und räumlichen Strukturen. Sie beleuchten die Bedeutung von Globalisierung, Raumkonzepten wie Wahrnehmung und Systemen von Lagebeziehungen, sowie die Rolle von Gesellschaft und Kultur in der Geographie. Besonders nützlich für Studierende der Geographie, die sich mit den sozialen und räumlichen Dimensionen der modernen Welt auseinandersetzen möchten.
Karten
44
Lernende
7
Sprache
Deutsch
Kategorie
Geographie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
26.12.2016 / 06.01.2019

Cartes-fiches

Wie kann man räumliche Muster und Gliederungen im Raum heraisfinden?

• Frage nach dem WO und nach dem WIE, um räumliche Differenzierungen zu erklären • Weiter können wir fragen: WARUM sind einige Teile des Strandes übervoll und andere leer? Inwieweit bezieht sich dieser Umstand auf die Unterschiede in der Güte des Strand

Phänomen des „Personal Space“ mit verschiedenen „Zonen“ 

• intime • personale • soziale • öffentliche Zone

Von was hängt Regionalisierung ab? (3)

Unterschiedliche Perspektiven

• Der fachlich gefärbte Blick auf Sachverhalte

• Unterschiedliche zeitliche Perspektiven

- Massstabsgrösse

Wie wird Regionalisiert und was ist zu beachten? 

  • Bildung von Regionen -->  das Eine wird vom Anderen entlang einer räumlichen Dimension getrennt (Bsp.: Klimazonen)

  • Zur Regionsbildung gehört die Ziehung von Grenzen, die Abgrenzung nach aussen und die Konstruktion einer inneren Homogenität

  • Geographische Regionen sind kontextuell, historisch wandelbar und unterliegen ständigen Aus- und Neuverhandlungen.

  • Auf den ersten Blick à Komplexität wird reduziert, man schafft räumliche Ordnung

  • Auf den zweiten Blick à Grenzziehung niemals neutral und folgenlos 

  • Räumliche Gliederung, die aus dem alltäglichen Handeln von Menschen entstehen; Bsp.:

    Herausbildung von Siedlungen --> Langstrasse, Züriberg etc. Bsp. Trampelpfad

    Regionalisierungen (insbesondere soziale / politische) haben Folgen! (Räumliche Zugehörigkeit, Nationalität, Pass, Apartheid etc.)
    Man muss wissen, auf was man sich einflässt, wenn man „regionalisiert“ 

Was macht die Geographie? 

Geographie schafft Grenzen
Geographie untersucht, wie Grenzen/Regionen gemacht werden Geographie untersucht, wie Grenzen soziale und materielle Praxis „regeln“ 

Begriff Handlungsarena erklären können und ein Beispiel dazu aufzeigen können. 

  • Physisch materieller Kontext à Lage, materielle Eigenschaften, aber auch

    Bedeutungszuweisungen der Akteure

  • Akteure -->  Formen ihrer Interaktion, Netzwerke, Organisationen
    Beispiel: StrandbesucherInnen, StrandverkäuferInnen, Anbietende von Dienstleistungen, Hoteliers, Gemeinde, Polizei, Küstenwache. 

  • Institutionelle Regelungen à geltende gesetzliche Regelungen, informelle Regeln, Politiken 

Bedeutung von Raum und Ort (space and place) 

  • •Begriff space kann (vor allem in engl. Lit) auf den abstrakten geometrischen Raum, in dem sich Menschen und Objekte verorten lassen, verweisen 

  • Unterscheidung von: absolute space vs. relative space, von Menschen wahrgenommener bzw. konstruierter Raum. Bsp. Strand der weissen Menschen 

    • Space is socially created – “every society produces a space, which can be seen and understood as its own space” (Lefebvre, 1974 /1991)

    • Relational space – “constructed out of interrelations“ (Massey, 1994)

  • Relationale Räume: Fokus auf die Verflechtungen von

    unterschiedlichen Orten (Lossau et al., 2013)

  • Cyperspace, virtuelle Räume: Überwindung des geometrischen Raum- Ortes; Herstellung raumwirksamer Alltagserfahrungen; Gleichzeitigkeit einer ortsgebundenen Körperlichkeit / Cyperspace... 

Locale (Schauplatz)?

material setting for social relation 

Geographical immaginations?

raumbezogene Vorstellungen, die an eine spezifische Weltsicht gebunden sind 

Place / Ort / Örtlichkeit 
Welche? (4)

Place

Sense of place

Locale (Schauplatz)

Geographical immaginations

Regionalisierungen (insbesondere soziale / politische) haben Folgen! 

  • Räumliche Zugehörigkeit / Nationalität / Pass / Mobilität 

  • Ausweisung eines Schutzgebiets nach ökologischen Aspekten / Konsequenzen für die Bewohner 

  • Off limits (Apartheid, militärische Sperrzonen, „weiche“, über Diskurse erzeugte und im Verhalten verfestigte „Meidungsräume“ – vgl. relational space) 

    -> man muss wissen auf was man sich einlässt, wenn man regionalisiert, GG schafft Grenzen 

Betrachtungsebenen (Masstab) (6)

•  Mikroebene (z.B. Haushalt, lokal)

•  Mesoebene (z.B. Stadt, Staat, regional)

•  Makroebene (z.B. globales Städtesystem, global)

•  Multiskalige Ansätze

•  Multi-sited: Multi-sited ethnography is a method of data collection that follows a topic or social problem through different field sites geographically and/or socially.

•  Glocalisation: Die Auswirkungen der Globalisierung auf lokaler Ebene anzuschauen

Was ist ein Paradigma?

“Ein Paradigma ist das, was den Mitgliedern einer wissenschaftlichen Gemeinschaft gemeinsam ist, und umgekehrt besteht eine wissenschaftliche Gemeinschaft aus Menschen, die ein Paradigma teilen" 

Paradigmenwechsel ?

die Ablösung eines Paradigmas durch ein neues durch grundlegende, sprunghafte Veränderungen in der Sichtweise darüber, wie wissenschaftliche Erkenntnis im Forschungsprozess herbeigeführt wird. 

Bsp.: es verändern sich auch die Gesellschaftlichen Bedingungen,
z.B. als sie studierte gab es noch keinen Gedanke, dass wir Probleme mit Ressourcen, Klimawandel usw. haben….

Paradigmenpluralismus 

...einerseits aufgrund ihres Wesens als Brückenwissenschaft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, andererseits durch die historische Entwicklung von unterschiedlichen „paradigmatischen Strömungen“ in der Sozialgeographie

• Paradigmen sind nicht Konkurrenten sondern vielmehr Komplementatoren, was den Paradigmenpluralismus zueiner  Stärke der Geographie macht 

Konstruktivistisch / Interpretativ-verstehend / handlungsorientiert 

Verstehen und interpretieren von Wahrnehmungen, Meinungen und Handlungen von Menschen sowie den Rahmenbedingungen ihrer Entstehung

• Bedeutungen von materiellen Gegebenheiten sind nicht Eigenschaften der Objekte per se, sondern werden diesen von den Subjekten zugeschrieben, sie sind soziale Konstrukte

– Beispiel: Akteursorientierte, konstruktivistische Perspektive 

Positivistisch / quantitativ / szientistisch 

Beobachten und Erklären von natürlichen und gesellschaftlichen Phänomenen und Zusammenhängen sowie davon abgeleitet die Prognose zukünftiger Ereignisse und Entwicklungen (Modelle)

• Fokus auf funktionale und systemische Zusammenhänge der Realität – Beispiel: Systemisch funktionalistische Perspektive 

Systemisch funktionalistische Perspektive 

  • Jede beliebige thematisch/raum-zeitliche Beobachtungseinheit kann als System begriffen werden

  • System = modellhafte Rekonstruktion der Zusammenhänge zwischen verschiedenen Elementen eines Ganzen, die durch geregelte Beziehungen - Funktionen - miteinander verbunden sind

  • Anordnung der Elemente bilden die Struktur

  • Unterscheidung: einfache und komplexe, offene und geschlossene

    Systeme

  • Positive und negative Rückkoppelungen im System

– Bsp. politische Systeme, Gesellschaftssysteme, Ökosysteme 

Akteursorientierte, konstruktivistische Perspektive 

 

Annahmen:

  • •  Bedeutungen von materiellen Gegebenheiten sind nicht Eigenschaften der Objekte per se, sondern werden diesen von den Subjekten zugeschrieben

  • •  Raum / natürliche Umwelt / Natur sind ein soziales Konstrukt, das auf Wahrnehmung und Bedeutungszuweisung durch Akteure basiert

  • •  Handlungen von Akteuren / Akteursgruppen mit unterschiedlicher Machtausstattung / Handlungsmacht (agency) schaffen oder verändern beabsichtigt oder unbeabsichtigt Strukturen und bestimmen somit die Rahmenbedingungen für Folgehandlungen

  • •  Institutionen -> „ ... the rules of the game in a society, or, more formally ... the humanly devised constraints [Beschränkungen] that shape human interaction“ (Spielregeln die in einer Gesellschaft herrschen

Geodeterminismus / Umweltdeterminismus 

Die Natur/Umwelt formt den Menschen/Gesellschaft

Gleiche natürliche Umwelt führt zu gleichen menschlichen Handlungen 

... ist ein Forschungsansatz der Wirtschaftsraumanalyse, der besagt, dass die unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung in verschiedenen Teilen der Welt in erster Linie durch die natürliche Ausstattung bestimmt ist.

Gegen Belge für den Geodeterminismus

Beleg: dass diese Hypothese nicht stimmt:
Beispiel: Bali
Wie nutzen sie als Inselbewohner das Meer? Boote, Fischkonsum, sind aber keine begeisterte Fischer. 
Hängt mit dem Weltbild zutun: Hindu: dieses sehen die Berge als göttliches an, jedoch das Meer als unheimlich, mit Dämonen.
Dazu kommt, dass der Reisanbau mehr hergibt als die Fischerei. 

Beginn des Geodeterminismus

Der Geodeterminismus war die dominierende theoretische Denkrichtung der Geographie, besonders der Humangeographie, des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und war in Deutschland besonders stark vertreten. 

Politische Umsetzung des Geodeterminismus

•  Überlegenheit der Kolonialmächte wird legitimiert

– Überlegenheit ist «naturgegeben» und damit «gottgewollt»

•  Theorie leistet «Blut-und-Boden»- Ideologien Vorschub

Es gibt eine natürliche Umgebung, in die eine bestimmte Menschengruppe gehört und eine andere nicht 

 

physische Bedingungen haben kausale Macht: z.B. harsche Umweltbedindungen in Australien bedingen primitive Völker

Possibilismus

Possibilismus

•  Mensch als soziales Wesen rückt in den Mittelpunkt

•  Lage, Klima etc. können sich auf eine Kultur auswirken

•  Menschliche Anpassungsfähigkeit ist nicht in gleicher Weise vom Milieu abhängig wie die von Pflanzen und Tieren

•  Konzentration auf die Menschen weist den Weg zur Sozialgeographie 

...ist das Gegenteil von Determinismus (Geographie), er beschreibt die Ansicht, dass der Mensch in seinen Entscheidungsprozessen frei von der Natur sei.
Der Mensch kann sich demnach frei entwickeln und wird nicht durch die Natur in seinem Handeln eingeschränkt, sondern nur durch seine eigenen sozialen und physischen Grenzen.

Der theoretische Gegenentwurf zu diesem Denkbild ist der Geopossibilismus, der seine Vertreter hauptsächlich in Frankreich hatte (z. B. Paul Vidal de la Blache). Die alleinige Tatsache, dass Menschen und Gesellschaften sich an ihre natürliche Umwelt anpassen, sich diese zu Nutze machen und von bestimmten natürlichen Ressourcen (z B. Boden, Wasser) abhängen, ist daher nicht als geodeterministische Denkweise zu bezeichnen.

Versch. Raumkonzepte? (4) 

Raum als Container 

Raum als System von Lagebeziehungen / Raumstrukturforschung 

Raum der Wahrnehmung 

Raum als Element von Kommunikation und Handlung 

Der Container-Raum

•  Raum enthält bestimmte reale Sachverhalte der physisch-materiellen Welt (Klima, Vegetation, Werke der Menschen etc.)

•  Räume sind Wirkungsgefüge natürlicher und anthropogener Faktoren: das Ergebnis von Prozessen, die die Landschaft gestaltet haben

•  Landschaft ist das zentrale Forschungsobjekt der Geographie 

 

--> Bsp. Was beitet das für eine toursistische Nutzung?

Beispiel: Welche Elemente sind diesem Raum bezogen auf den Tourismus in der Oberflächenform, im Klima, in der Vegetation, in der Tierwelt und in den Siedlungs-und Wirtschaftsformen der Menschen enthalten/zu finden? 

 

Das klassische länderkundliche Schema (A. Hettner 1859 - 1941)

1) Lage, Gestalt, Größe
2) Geologie, Oberflächenformen
3) Klima
4) Gewässer
5) Vegetation
6) Tierwelt
7) Mensch
8) Siedlungen
9) Wirtschaft
10) Verkehr
11) Sprache, Religion, Staatssystem 

Heute findet man in REiseführern noch die traditionellen Schematas

Raum als System von Lagebeziehungen / Raumstrukturforschung 

•  Räume werden als Systeme von Lagebeziehungen / Funktionen materieller Objekte betrachtet

•  Akzent liegt auf der Bedeutung von Standorten, Lagerelationen und Distanzen - auf den Strukturen des Raums / Raumstrukturforschung

–  Quantitative Methoden

–  Seit 1970 

 

Bsp.: Bsp.: Toursimus: Welche Bettenkapazität, Übernachtgunszahlen, bietet der Raum?

Welche regionalewirschaftliche Effekte und Raumentwicklungspotenziale hat der Raum? 

Raum der Wahrnehmung

  •  Räume werden als Kategorie der Sinneswahrnehmung gesehen

  •  Wie werden scheinbar real vorhandene Räume von Individuen/

  • Gruppen wahrgenommen und bewertet, wie räumlich differenziert?

– Kognitive Karten, mental maps, Experimente etc. (es sind viele Karten aus der Sicht der Menschen, die sie produzieren entstanden)

• Suche nach Erklärungen für unterschiedliches menschliches Verhalten im Raum

– Seit 1980 

 

mehr Psychologie

Beispiel: Toursimus:
Welche positiven oder negativen Einstellungen haben Toursitinnen zur Ferienlandschaft?Welche Bedeutung haben subjekt- und gruppenspezifische Bewertungen bei der Urlaubsentscheidung? 

 

Raum als Element von Kommunikation und Handlung 

•  Räume werden als konstruierte Kategorie gesehen, von Menschen durch alltägliches Handeln „gemacht“

•  Wer (Individuen, Gruppen, Gesellschaften) kommuniziert unter welchen Bedingungen und aus welchen Interessen heraus über bestimmte Räume?

– Diskursanalyse

•  Welche Arten von Räume (Regionen) kommen durch

welche Arten von menschlichen Handlungen zustande?

–  Akteurs- oder Stakeholderanalyse, alltägliche Regionalisierung

–  Seit ca.1990 

Beispiel: Wer präsentiert die einzelnen Regionen wie? Welche Strategien werden damit verfolgt? 

--> Unterschiedliche Annahmen des Begriffes „Raum“ und unterschiedliche Perspektiven führen zu unterschiedlichen Fragestellungen! 

Gesellschaft 

•  Beziehungen zwischen Individuen, durch gemeinsame Überzeugungen / Werte gestiftet und durch gemeinsame Institutionen aufrechterhalten sowie durch soziale Praktiken im Alltagsleben reproduziert 

Das Zusammenleben einer grösseren Zahl von lebewesen über längere Zeit hinweg in eine räumlichen Kontext

•  Stabilität von Gesellschaften hängt davon ab, inwieweit sich ihre Mitglieder an geteilten Werten und Normen orientieren 

Werte

abstrakte Ideale, aus religiösen, weltanschaulichen oder ethischen Überzeugungen abgeleitet 

Normen / Institutionen 

definitive Prinzipien oder Regeln, welche die Mitglieder einer Gesellschaft beachten sollen (z.B. Sexualverhalten, Kindererziehung, Gesetze, politisches System) 

Kultur 

besteht aus Werten, welche die Mitglieder einer bestimmten Gruppe (Gesellschaft) haben, Normen, denen sie folgen, und den materiellen Gütern, die sie kreieren 

Materielle Güter bzw. Artefakte

sind materielle Manifestationen der Kultur (z.B. Kleidung, Gebäude, Landnutzungssysteme) 

Gesellschafts- und Wirtschaftsformen darstellen

Gesellschaftsform Moderen charakterisieren und Beispiel aus Alltag machen

Folgen der Moderne

Verwissenschaftlihung: heute denken wir nicht mehr so, sind kritischer

In welcher Moderne leben wir heute?

Postmorderen seit wann?

Aufkommen der Kritik an linearen Wachstum – Grenzen des Wachstums, Ablösung von Fordismus, postindustrielle Gesellschaft, pluralistische Gesellschaft, zunehmende Bedeutung IT etc. 

Unterschiede zw. traditioneller und postmoderner Gelleschaftsform aufzeigen

Globalisierung: Versch. Aspekte beschrieben und anhand dieser Aspekte Globalisierung charaktieriesieren 

Wirtschaftliche Globalisierung / Kapitalistische Weltökonomie 

– Ausbreitung der kapitalistischen Weltökonomie (Harvey 1996)

– weltweiter Einbezug der Menschen in die Weltwirtschaft – Zunahme transnationaler Unternehmen
– Internationale Arbeitsteilung
– Globales Finanzsystem 

Bsp. Jeans Herstellung: eine Jeans geht 12 Mal um die Welt

Étudier