SCM VL15 (Linzmajer)
SCM 27.04.15: RFID und unterstützende Technologien für ECR
SCM 27.04.15: RFID und unterstützende Technologien für ECR
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Lernkarten
Was bedeutet "RFID"?
Radio Frequency IDentification (RFID)
Ziele des Einsatzes von RFID (5).
Effizienzsteigerung durch Erhöhung des Automatisierungsgrades der Datenerfassung.
Weniger Verwaltungsaufwand durch eine lückenlose Erfassung und eine permanente Inventarisierung von Waren.
Höhere Kundenzufriedenheit durch verfügbare Waren im Regal (kein Out of Stock).
Mehr Effizienz im Warenfluss durch schnelle und korrekte Wareneingangs- und Warenausgangskontrollen.
Kosteneinsparung durch Verwendung als Warensicherungstechnologie.
RFID im Handel: Drei zentrale Einsatzbereiche
Im Rahmen der Instore-Logistik können der Wareneingangsprozess, Filialumlagerungen und auch Retouren durch RFID unterstützt werden.
Im Verkaufsraum selber sind die RFID-Einsatzmöglichkeiten vielfältig – neben der besseren Warenverfügbarkeit bieten sich Cross-Selling Aktivitäten und zusätzliche Produktinformationen an. Aber auch die Warensicherung und der Checkout lassen sich mit RFID effizienter gestalten.
Das Bestandsmanagement wird insbesondere durch automatisierte Inventuren und Regalmanagement unterstützt. Dabei ist das Zusammenspiel von vereinfachten Inventurprozessen und der Regalpflege von besonderer Bedeutung. Die hierdurch entstandene Transparenz der Waren und Warenbewegungen führt damit auch zu einem verbesserten Einsatz der Abschriften.
RFID-Chip unter der Haut (paar Infos zum lesen..)
Ein Grossteil der Angestellten des High-Tech Firmenkomplex Epicenter im Zentrum von Stockholm, haben sich einen RFID-Chips unter die Haut implantieren lassen.
Der Chip wird zwischen Daumen und Zeigefinger eingesetzt und ist so gross wie ein Reiskorn.
Sobald die Hand in die Nähe eines Lesegeräts kommt, wird der Chip identifiziert.
Die RFID-Chips ermöglichen:
Den Zugang zum Gebäude
Das Bezahlen am Kopierer und in der Kantine
Handy entsperren
Zugang zum Fitnesscenter (Ersatz Mitgliedskarte)
Im Baja Beach Club in Barcelona bekommen Personen mit implantierten Chip VIP-Zugang
Kostenentwicklung der RFID-Tags
Die Kosten für die Einführung von RFID-Lösungen haben sich positiv entwickelt. Der Grossteil der RFID-Chips kostet zwischen 6 und 14 Cent.
Bei grösseren Stückzahlen, die mit der Marktdurchdringung kommen werden, ist mit einer Preisentwicklung in Richtung 2 Cent pro RFID-Label zu rechnen
Branchenschätzung Kosten: Händler, 500 bis 1000m2 Verkaufsfläche, zwei Kassen, zwei Eingänge und zwei mobile RFID-Scanner: Investment in der Höhe von 10000 bis 15000 Euro inklusive Verkabelung, Server und Software Lizenzen.
Ein Return on Investment ist laut Experten nach 2 Jahren möglich.
Wer zahlt jedoch die RFID-Chips? Hersteller? Handel? -> Vorteile für vertikal integrierte Händler.
Illustrationsbeispiel Gerry Weber (Unternehmensporträt)
Die Gerry Weber International AG ist ein internationaler Fashion- und Lifestylekonzern und Systemanbieter.
Das Geschäftsjahr 2011/2012 war sehr erfolgreich: 852.1 Mio. Euro Konzernumsatz und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 108.9 Mio. Euro (+2.9%).
Durch den Aufbau einer vertikalen Geschäftsstruktur hat sich die Gerry Weber-Gruppe eine Marktposition geschaffen, die von neuen Wettbewerbern kaum gefährdet werden dürfte.
Die Gruppe hat sich eine breite Kundenbasis aus etwa 5.500 nationalen und internationalen Einzelhändlern aufgebaut, um nicht von einzelnen Grosskunden abhängig zu sein.
Durch die eigenen Retail-Aktivitäten hat sich die Gruppe einen zweiten Absatzkanal geschaffen. Durch die damit verbundenen Erfahrungen am POS können die Kollektionen noch gezielter auf die Kundennachfrage zugeschnitten werden.
Illustrationsbeispiel Gerry Weber (Einsatz von RFID)
2010 versieht Gerry Weber als erster deutscher Textiler seine gesamte Produktion von jährlich 25 Mio. Kleidungsstücken direkt in der Herstellung mit eingenähten RFID-Chips.
Gerry Weber investiert hierzu in 5 Jahren 2,7 Mio. Euro. Die Summe soll sich in ca. 2 Jahren amortisiert haben.
Die eingenähten Funk-Chips sollen die Supply Chain von der Produktion bis zum POS unterstützen.
Hauptziele sind: Vermeidung von Diebstahl, Transparenz- und Effizienzsteigerungen in der Supply Chain, schnellere Auslieferungszeiten, reduzierte Falschlieferungen und damit geringere Versandkosten sowie Bekämpfung der Produktpiraterie.
Illustrationsbeispiel Gerry Weber (Entwicklungen seit der Einführung von RFID)
«Drei Jahre nach Gerry Webers RFID-Start sind die funkenden Chips immer noch ein Fremdkörper in der deutschen Modebranche. Nur wenige Unternehmen nutzen die Nahfunktechnik, da sie die Investitionen scheuen und die Wut der Datenschützer fürchten. Aber langfristig führt kein Weg an der kontaktlosen Kontrollmethode vorbei. Am meisten lohnt sich RFID für vertikale Anbieter, da sie von der Technik entlang der gesamten Wertschöpfungskette profitieren können.»
«Gerry Weber probiert derzeit ein Real-Time-Locating-System aus. Es zeigt den Verkäufern, welche Artikel sich aktuell in welcher Größe und Farbe auf welchem Warenträger im Laden befinden.» -> Möglicher zukünftiger Wettbewerbsvorteil im Sinne des Cross-Channel-Managements.
RFID-Technik und Datenschutz
«Protest gegen Schnüffel-Etiketten: Der Datenschutz-Verein FoeBud hat RFID-Chips ausgelesen, die in Kleidung von Kunden eines Gerry-Weber-Geschäfts versteckt waren. Wer Kleidung der Modefirma Gerry Weber kauft, bekommt gleich noch eine Spionagewanze in Form eines RFID-Chips dazu.» - ZEIT Online
«Der Einsatz der RFID-Technik im Einzelhandel wirft neben Vorteilen für Verbraucher auch datenschutzrechtliche Probleme auf. Die sehr kleinen RFID-Chips („Tags“) enthalten eine eindeutige Nummer, die kontaktlos und unbemerkt ausgelesen werden kann. Dadurch ermöglicht es diese Technik Objekte eindeutig zu identifizieren – und damit auch Personen, die diese mit sich führen.» - Positionspapier Verbraucherzentrale
«Big Brother Award» 2003 (Metro Future Store), 2005 (FIFA WM-Tickets), 2007 (Deutsche Bahn) & 2011 (Modemarke Peuterey) für RFID Einsatz.
llustrationsbeispiel Metro Group: Nutzen von RFID für Metro`s Supply Chain für Lebensmittel
RFID-Tags auf Paletten sollen den Lkw-Beladungsprozess beim Lieferanten beschleunigen -> Der Lieferant hat eine Zeitersparnis von 10 min pro Lkw, was bei 15 Lkw`s/Tag und Arbeitskosten von 25 Eur/Std. dem Lieferanten 20 Cent pro Palette oder 16.000 EUR/Jahr einspart.
RFID-Tags auf Behältern sollen den Beladungsprozess von Paletten verbessern -> Durch RFID sinkt die Fehlerquote bei der Beladung gemischter Paletten, was einer Zeitersparnis von 4 min für jeden der 1.300 täglich verladenen Behälter und somit 0.3 Cent pro Behälter oder 81.000 EUR/Jahr entspricht.
RFID-Tags auf Behältern und Kisten sollen die Regalauffüllung in den
Filialen verbessern -> Durch RFID soll die Produktverfügbarkeit im Filiallager von 96 auf 98% erhöht werden.
Mobile Technologien im Handel: Zwischenfazit
Mobile Technolgien und die zunehmende Verbreitung von Smartphones eröffnen neue Möglichkeiten für den Handel. Mobile Anwendungen können den Kunden direkt, interaktiv, individuell und ortsgenau ansprechen. Je nach Ausstattung der Smartphones können darüber hinaus weitere Funktionen (z.B. Mobile Payment, Barcode Scanning) eingebaut werden.
Kunden wünschen sich zwar eine grössere Einbindung mobiler Technologien, doch zumindest von Seiten des Handels ist die Umsetzung bisher (mit einigen Ausnahmen) eher langsam. Dies eröffnet schnellen Nischen-Playern und Drittanbietern den Zugang zu diesem Medium.
Die transparente Lieferkette: Herausforderung für die Supply Chain
Durch neue Technologien wie RFID oder Mobile Tags können einzelne Produkte weit in der Lieferkette zurückverfolgt werden. Dadurch kann nicht nur der Händler/Hersteller genauere Informationen finden, sondern auch der Kunde kann auf diese Informationen möglicherweise in Zukunft zugreifen.
Steigende Anforderungen und Sensibilität der Kunden für Prozesse, die in der Lieferkette vorgelagert sind, spornen Händler und Hersteller dazu an, die Lieferkette transparenter zu gestalten. Für den Hersteller und Händler bedeutet die zunehmende Transparenz der Lieferkette auch, dass er zunehmend für Fehler in der Supply Chain zur Verantwortung gezogen wird. Einige Beispiele der letzten Zeit zeigen, wie ungenügende Zustände von Konsumentenorganisationen aufgedeckt wurden. Auf der anderen Seite können sich einige Händler und Hersteller auch durch ihre Supply Chains hervorheben (z.B. Starbucks, Body Shop).
Warenschwund: Zahlen und Fakten
1.45 Prozent des weltweiten Umsatzes im Einzelhandel geht aufgrund von Warenschwund (z.B. Diebstahl) verloren. Dies entspricht einem Warenwert von mehr als 91 Milliarden Euro.
Neben Diebstahl zählen Fehler in der Prozesskette (z.B. Fehler in der Bestandserfassung) zu den wichtigsten Ursachen für Warenschwund.
Bei den Dieben am beliebtesten sind teure Markenartikel, wie zum Beispiel Rasierklingeln, Kosmetika, alkoholische Getränke und Smartphones.
RFID gewinnt an Bedeutung als potentielle Lösung gegen Diebstahl. Im Vergleich: Eine Warensicherungsetikette kostet zwischen 20 und 35 Cent.
Problemfeld Out-of-Stock (OOS)
„The OOS-rate is measured as a percentage of the SKUs that are out-of-stock on the retail shelf at a particular moment in time (i.e., the consumer expects to find the item but it is not available).“
2009 haben in der Schweiz die Besten 2% OOS-Raten, der Grossteil zwischen 5-8%,
die Schlechtesten 10%.Konsumenten, die eine Regallücke vorfinden, nehmen die Verfügbarkeit in anderen Sortimenten als schlechter wahr, als sie tatsächlich ist und schieben die Schuld immer auf den Händler.
- Promotions wirken verschärfend auf die Out-of-Stock Raten.
Ursachen für Regallücken (Filialbedingte und vorgelagerte Ursachen für Regallücken in drei vergleichbaren Handelsunternehmen im Bereich Tabakprodukte und Rauchbedarfsartikel.)
Reaktionen auf Regallücken im LEH (wahrscheinlich "Lebensmitteleinzelhandel")
14 Prozent der befragten Konsumenten geben an, bei einer Regallücke als Folge nichts zu kaufen.
11 Prozent der Konsumenten kaufen woanders.
17 Prozent greifen auf ein kleineres Gebinde zurück oder kaufen eine andere, meist günstigere Sorte.
Folge: Umsatzverlust von 1 Milliarde Euro im Jahr.
«Wir sind ständig bestrebt, Out-of-Stock-Situationen zu vermeiden. Unsere Warenwirtschaftssysteme erkennen auf Basis von Abverkäufen und der Vergangenheitsdaten, wann Ware nachgelegt oder nachbestellt werden muss. Wir haben den Kontakt zu den Industriepartnern intensiviert und suchen bei aktuellen Störungen in der Prozesskette gemeinsam nach Auswegen.» Verantwortlicher Metro Group
Massnahmen gegen OOS-Situationen zur Verbesserung der Regalverfügbarkeit
Operatives Geschäft
vordefinierte Listen, in denen wiederholt auftretende Probleme im
Tagesgeschäft vermerkt werden
Definition von unterschiedlich anfälligen Warengruppen
Entwicklung von standardisierten Massnahmen-Katalogen
Die Belieferung über das Zentrallager setzt andere Bedingungen als Vendor Managed Inventory oder Cross Docking durch die Hersteller voraus
eindeutige Regelung der Zuständigkeiten für die Regalpflege
Einsatz von RFID (intelligente Regale)
ECR und Kundendaten: Die Bedeutung der Kundenkompetenz
Nur wer seine „guten“ Kunden kennt, kann Werbung und Sortiment genau für diese optimieren
Analyse und Clusterung von Kundenkartendaten helfen bei massgeschneiderten POS-Konzepten
- Folgende Informationen sind relevant:
– Welche Warengruppen werden zusammen gekauft?
– Welche Produkte werden an welchen Tagen gekauft?
– Welche Artikel werden in welchen Abständen gekauft?
– Wie reagieren Kunden auf POS-Massnahmen?
Kundenkartendaten erweitern: Durch ECR einen Informationspool aufbauen
Kundendaten geben Informationen über grundsätzliche Tendenzen im Einkaufsverhalten, erlauben aber noch keine vertieften Aussagen über Motive und Bedürfnisse.
Die Kundenkartendaten sollten daher im Zusammenhang mit ECR noch weiter ausgebaut werden.
Ansetzen an allen Stellen des Konsumprozesses:
Vor dem Kauf: Was ist die Motivation für den Einkauf?
Während des Kaufs: Was sagt die Kaufentscheidung über die Person aus?
Nach dem Kauf: Was beeinflusst Zufriedenheit und Wiederkauf?