Methoden empririscher Sozial- und Wirtschaftsforschung
HTW Berlin, BWL(B) 3. Semester, Preiß
HTW Berlin, BWL(B) 3. Semester, Preiß
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Cartes-fiches
empirische Sozialforschung
= Sammlung von Techniken und Methoden zur korrekten Durchführung der wissenschaftlichen Untersuchung menschlichen Verhaltens und/oder gesellschaftlicher Phänomene
Kriterien empirischer Forschung
- Ziel = Inferenz (Schlussfolgerung) -> Ursachen, Begründungen
- Vorgehensweise = öffentlich zugänglich
- Schlussfolgerungen sind prinzipiell unsicher, falsifizierbar
- Kennzeichen der Wissenschaft ist die Methode
Ziel empirischer Wissenschaft
Konstruktion eines objektiv nachprüfbaren theoretischen Modells der Realität
-> systematische Prüfung von Theorien
Forschungsprozess
Auswahl Forschungsproblem
Theoriebildung
Festlegung der Untersuchungsform und Operationalisierung
Datenerhebung
Datenanalyse
Publikation
Theorie
- i.w.S. = System von Aussagen
- i.e.S. = Menge von logisch miteinander verknüpften, widerspruchsfreien Gesetzen oder Hypothesen -> Modell der Realität -> Teilmenge empirisch überprüfbar
- enthält deskriptive und kausale Aussagen
- sparsam an Grundbegriffen
- soll neue Fragestellungen erzeugen
- soll praktisch anwendbar sein
Hypothesen
- Aussagen über Zusammenhang von mindestens 2 Merkmalen
- begründete Vermutungen
-> deterministischer Zusammenhang = universell gültig
-> probabilistischer Zusammenhang = mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gültig
Gesetze
- Hypothesen mit raumzeitlich unbegrenztem Gültigkeitsanspruch
-> können als empirisch bestätigt angesehen werden
- z.B. Naturgesetze, physikalische Gesetze
Erhebungsinstrumente
- Inhaltsanalyse von Produkten menschlicher Tätigkeit (Kunst, Kleidung, Gebäude...)
- Beobachtung in natürlicher Situation
- Befragung in natürlicher Situation (mündlich, telefonisch, schriftlich)
- Experiment in vom Forscher bestimmten Situation
Variablen
- Merkmale oder Eigenschaften einer Person, einer Gruppe, einer Organisation oder eines anderen Merkmalträgers
- hat mindestens zwei Ausprägungen
- disjunkt und erschöpfend (Kategorien dürfen sich nicht überschneiden und müssen vollständig sein)
Hausalhypothesen
- wenn-dann-Hypothesen -> dichotome Merkmale
- je-desto-Hypothesen -> mindestens ordinal skaliert
Messen
Zuordnung von Zahlen zu Objekten gemäß festgelegter Regeln
Gütekriterien der Messung
- Validität = Übereinstimmung des Messungsergebnisses mit vorgegebenem Sachverhalt
- Reliabilität = Zuverlässigkeit von Messergebnissen, ohne Messfehler
- Objektivität = Messung unabhängig von Testleiter und Testauswerter, anwenderunabhängige Regeln für Ergebnisinterpretation
Operationalisierung
Schritte der Zuordnung von empirisch erfassbaren, beobachtbaren oder erfragbaren Indikatoren zu einem theoretischen Begriff
-> Suche nach empirisch beobachtbaren, manifesten Variablen und Indikatoren
Voraussetzungen Befragung
- Fragen für Teilnehmer verständlich
- relevante Informationen aus Gedächtnis des Teilnehmer abrufbar
- bei Einstellungsfragen: bereits gebildete Meinung oder relevante Informationen zur Urteilsbildung abrufbar
- bei Verhaltensfragen: Erinnerung an relevante Ereignisse möglich
- gebildete Urteile in Antwortformat einpassbar
Fehlerquellen im Interview
- Interviewer-Effekte
-> Effekte durch Merkmale und Verhalten der Interviewer
-> Interview-Fälschung, Gegenmaßnahmen: geringe Interview(er)anzahl, gute Honorierung
- Anwesenheitseffekte -> Effekte durch Anwesenheit Dritter
- Kontext-Effekte -> Effekte der Fragenreihenfolge = Assimilationseffekt, Erinnerungsaktivierung durch Vorfrage, Folge = positive Korrelation mit Vorfrage
- soziale Erwünschtheit -> Verzerrung des Antwortverhaltens in Richtung subjektiv wahrgenommener sozialer Erwünschtheit
- Response-Sets
-> systematische Antwortmuster
-> Tendenz zur Mitte, Tendenz zur Zustimmung..
optimale Fragebogengestaltung
leicht (offene Meinungsfrage) -> schwierig (Einstellungs- und Verhaltensfragen) -> heikel (Fragen zu schwierigen Themen) -> langweilig (Alter, Geschlecht, Beruf...)
Grundregeln Fragenformulierung
- einfach und klar
- kurz und präzise
- neutrale Formulierungen
- eindimensionale Fragen
- keine Überforderung der Befragten
- keine falschen Prämissen
- keine Suggestivfragen
- keine hypothetischen Fragen
- Antwortvorgaben = disjunkt und erschöpfend, genügend differenziert