Int Füh K 2

int füh k 2

int füh k 2


A. I.
Diese Lernkarten behandeln grundlegende Konzepte der Organisation und Führung im universitären Kontext. Sie beleuchten verschiedene Sichtweisen auf Organisation, wie statische und dynamische Ansätze, sowie die Bedeutung von Strukturen, Regeln und Verhaltensbeeinflussung. Themen wie formale und informale Strukturen, Selbstorganisation und Fremdorganisation werden ebenso behandelt wie die Rolle von Führung, Mitarbeiterverhalten und Gruppenarbeit. Besonders nützlich sind diese Karteikarten für Studierende der Betriebswirtschaftslehre, die ein tiefes Verständnis für Organisationsprozesse und Führungsstrategien erlangen möchten.
Karten
167
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
BWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
21.07.2015 / 21.07.2015

Lernkarten

Führung als von der Hierarchie unabhängige Kategorie

Nicht jeder Vorgesetzte ist unbedingt ein Führer - und nicht jeder Unterstellte wird notwendigerweise geführt.
Führerschaft wird nicht ´von oben´ oktroyiert, sondern ´von unten´attributiert.
Das wesentliche Ziel der Führung - das Bewirken einer intendierten Verhaltensausrichtung bei anderen - lässt sich mit formal begründeter Leitung allein nur suboptimal realisieren, es bedarf grs. der Akzeptanz durch die Geführten.

Zuschreibung von Führung

Es geht also nicht darum, ob die betreffende Person diese Merkmale oder Verhaltensweisen tatsächlich (messbar) bestitzt bzw. zeigt, sondern ob sie dieser Person zugeschrieben werden.

Prototypische Vorstellungen über Führung

Geführte besitzen sog. prototypische Vorstellungen darüber, welche Merkmale und Verhaltensweisen vorhanden sind, bzw auftreten müssen, um eine Person als Führer bzw Führerin zu identifizieren.

Kriterium der Verhaltensbeeinflussung

um den Führungsbegriff eine qualitative Form zu geben ist das Kriterium der Verhaltensbeeinflussung notwendig. Ein Vorgesetzter möchte auf einen Mitarbeiter einwirken, um ein in seinen Augen sinnvolles Verhalten zu provozieren. Dies drückt sich in der Aktivierung oder in der Verhinderung eines bestimmten Verhaltens aus.

Definition von Führung

´´Führung heißt, andere durch eigenes, sozial akzeptiertes Verhalten so zu beeinflussen, dass dies bei den Beeinflussten mittelbar oder unmittelbar ein intendiertes Verhalten bewirkt´´.

Unterschied zur Vorgesetztenposition

Weibler: koppelt Führung an das Kriterium der Akzeptanz durch die Geführten. Im Unterschied zu der formalen Position des Vorgesetzten, die den Mitarbeitern ´vorgesetzt´ wird.
Führung geht über die reine Ausnutzung formaler Kompetenzen einer Vorgesetztenposition hinaus.

Führung als Mittel der Zielerreichung in Organisationen

durch verschiedenste Führungsaktivitäten das Verhalten der Geführten so zu beeinflussen, dass die Ziele der Organisation bestmöglich erreicht werden

Personalführung als Lückenbüßer

´Lückenbüßer´, da dieser erst zum Einsatz kommt, wenn organisationale Verhaltenssteuerung und andere Formen der Verhaltenskontrolle nicht oder nicht in einem ausreichendem Maße wirken.

Probleme der organisationalen Steuerungslogik

.) Organisationen wissen zu jedem Zeitpunkt zu wenig, um alle Konsequenzen, die aus ihrer engen Verflochtenheit mir ihrer Umwelt entstehen, rechtzeitig im Vorfeld bestimmen zu können.
.) Es ist unmöglich, für alle Eventualitäten, Vorkehrungen zu treffen. Es würde zu viele Ressourcen binden und wäre vollkommen unpraktikabel. Organisationale Strukturen bleiben damit unvollkommen

Organisationale Betrachtung von Führung

Führung vollzieht sich heute wesentlich in Organisationen.
PERSONALFÜHRUNG oder MITARBEITERFÜHRUNG

Personalführung zur Sicherung von Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft

Aus Sicht der Organisation, soll die Personalführung die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Personals sichern.

Führung als universelles Phänomen

Bass: Studium der Menscheitsgeschichte - auch der hervorgetretenen FÜHRUNGSGESTALTEN.
In allen menschlichen Gemeinschaften haben sich Führungsstrukturen herausgebildet, da Führung Leistungen hervorbringt, die auf anderem Weg nicht realisierbar wären.

Integration

.. wird sowohl zur Führungsaufgabe wie zur Organisationsaufgabe

Bedeutung der Intentionalität

Das Kriterium der Intentionalität ist notwendig, da eine Verhaltensausrichtung, die unbeabsichtigt bewirkt wird, definitorisch ausgeschlossen bleiben soll.
zB: das bloße Erscheinen eines Vorgesetzten am Arbeitsplatz, welches das Verhalten seiner Mitarbeiter erkennbar verändern kann, zählt dann nicht zur Personalführung, wenn dieser Wirkung vom Vorgesetzten nicht intendiert ist.

Probleme der organisationalen Steuerungslogik III

.) Organisationen leiden unter den Leistungsschwankungen ihrer Mitglieder, sie sind den Folgen der Eigenwilligkeit und Eigensinnigkeit ihrer Mitglieder ausgesetzt. Individuelle Mitgliederziele können organisationale Ziele behindern oder konterkarieren
.) Organisationen sind soziale Gebilde, in denen verschiedene Menschen über längere Zeit gemeinsam an der Erfüllung von Aufgaben arbeiten. Ihre persönlichen Ziele weisen deutliche Differenzen auf und überlappen sich nur teilweise

Führung als Ergebnis kognitiver Prozesse

Führung (oder die Einstufung einer Person als Führer) ist das Ergebnis eines kongnitiven Prozesses (Informationsverarbeitungsprozesses).

Die Geführten definieren, ob und in welchem Ausmaß eine Person als Führer zu betrachten ist und/oder inwieweit ein beobachtetes oder aufgrund eines Ereignisses erschlossenes Verhalten mit Führung in Verbindung zu bringen ist.

Kriterium der Akzeptanz

Die Versuche, das Verhalten anderer Personen zu beeinflussen, können nur dann der Führung zugerechnet werden, wenn sie bei den Beeinflussten auf Akzeptanz stoßen.
Die Wirksamkeit der Führung wird ohne Akzeptanz verringert.

Probleme der organisationalen Steuerungslogik II

.) Organisationen koordinieren die Handlungen ihrer Mitglieder, ohne die Personen, die eine Stelle besetzen, im Voraus genau zu kennen. Insb kann die Leistungsmenge und Leistungsgüte eines Stelleninhabers im Vorfeld nur geschätzt werden. Im Unternehmen werden somit durchschnittlich zu erwartende Leistungsmenge und Leistungsgüte unterstellt, diese variieren aber, sodass unplanbare Leistungsunterscheide auftreten.

Vielfalt von Anwendungszusammenhängen der Führung

Es lassen sich verschiedene OBJEKTE, KONTEXTE und SYNONYME DER FÜHRUNG unterscheiden, je nachdem ob man auf einzelne Personen oder ganze Gruppen (Führungsobjekte), Führungshandeln im wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Kontext (Führungskontexte) oder auf Anregung, Beeinflussung oder Koordination abhebt (Führungssynonyme).

Organisationen als Handlungsarenen

Organisationen schaffen Handlungsarenen, die individuelles Handeln einerseits gleichzeitig ermöglichen und einschränken und andererseits ggf. von diesem bestätigt und verändert werden.

Personalführung und Organisation als Formen der Verhaltenssteuerung

Zwei zentrale Formen der Verhaltenssteuerung:
PERSONALFÜHRUNG, vorwiegend direkte, interaktive und individuell ausgestaltete Form;
ORGANISATION, indirekte, unilaterale und kollektiv ausgestaltete Form.
Diese stehen sowohl in einem Konkurrenz- wie Substitutionsverhältnis zueinander und erreichen auf unterschiedlichem Weg jeweils spezifische Abstimmungsleistungen im Verhältnis von Individuum und Organisation

Kollektivismus vs Individualismus

kollektivistische Sichtweise - Platon, stellte das Wohl des Ganzen in den Mittelpunkt

Perikles - die Freiheit des Einzelnen

Gegensatz zwischen Individuellem und Kollektivem ist eine Grundkonstante des menschlichen Zusammenlebens.
Alle Organisationen bewegen sich GLEICHZEITIG im Spannungsfeld von Innen- vs Aussenorientierung sowie einer individuellen vs kollektiven Ausrichtung

Notwendigkeit von Führung in Organisationen

Führung stellt sich stets in den Dienst der Organisation, indem sie die notwendige Verhaltenskoordinierung organisierter Personen in den Bereichen übernimmt, wo organisatorische Mitteln versagen.
Deswegen kommen Organisationen idR nicht vollkommen ohne Führung aus. Führung bildet ein divergentes Steuerungsmedium, das mit seiner situationsspezifischen, konkreten und individuellen Ausrichtung organisationale Steuerungsmöglichkeiten ergänzt oder ersetzt

Zielgerichtetheit von Beeinflussung

Beeinflussungsversuche in Leistungsgemeinschaften erfolgen zielgerichtet. Führung trägt dazu bei, die Ziele der Organisation und/oder ihrer Mitglieder zu erreichen.
BARNARD: Akzeptanz definiert dabei den Korridor, eine so genannte INDIFFERENZZONE, innerhalb dessen verschiedene Arten der zielorientierten Beeinflussung möglich sind.

(Un-)Mittelbarkeit von Führung

.. Führung bewirkt nicht zwingend sofort nach dem Beeinflussungsversuch die gewünschte Verhaltensausrichtung. Es wird auch oft Zeit benötigt, um ein Verhalten zu zeigen.

Personalführung als Erfolgsfaktor

Personalführung ist oft der entscheidende Faktor für den Erfolg von Organisationen. Sie trägt in erheblichem Maße dazu bei, einen Mangel an technischen, finanziellen und personalen Ressourcen zu überwinden bzw zu kompensieren.

Führungsbedarf in Organisationen

Generell ergibt sich ein Bedarf an Personalführung in Organisationen durch den erheblichen Integrations- und Koordinierungsbedarf arbeitsteiliger Formen der Leistungserstellung, der nicht allein durch strukturelle bzw. organisatorische Maßnahmen gedeckt werden kann.

Ausmaß des Führungsbedarfs in Organisationen

Führungsbedarf im Unternehmen entsteht abhängig von Interpretations- und Verhaltensspielräumen der Organisationsform.
Zentrales Problem von Organisationen ist es eine KONGRUENZ (Übereinstimmung) zwischen Organisations- und Personalstruktur herzustellen

Kongruenz von individuellen und organisationalen Zielen

Organisationen sind Zusammenschlüsse von höchst unterschiedlichen Personen, eine Deckungsgleichheit der individuellen und organisationalen Zielen sowie des organisational erwartete und individuell gezeigte Verhalten ist nicht von vornherein gesichert.
Eine Kongruenz muss gezielt hergestellt werden, da anderenfalls die Erreichung der Organisationsziele gefährdet werden können.

Soziale Kontrolle als Instrument der Konformitätssicherung

Unter SOZIALE KONTROLLE werden alle Prozesse verstanden, die der Überprüfung zwischen Erwartung und tatsächlichem Verhalten dienen.
In Organisation bedeutet soziale Kontrolle, dass auf verschiedenen Wegen nachgeprüft wird, ob die Organisationsmitglieder entsprechend der aufgestellten Verhaltenserwartungen handeln bzw gehandelt haben.

Charatkterisierung der Verhaltenskontrolle

ETZIONI: ´Das Ziel der Organisationskontrolle ist es, sicherzustellen, dass Vorschriften und Befehle befolgt werden. Wenn eine Organisation Individuen einstellen könnte, die sich von selbst fügten oder wenn Organisation ihre Mitglieder so erziehen könnte, daß sie sich ohne Aufsicht einfügten, dann bestünde kein Bedarf an Kontrolle.´

Prozesse oder Formen der sozialen Kontrolle

.) vor-organisationale soziale Kontrolle;

.) organisationale Potenzialkontrolle;

.) organisationale Handlungskontrolle

Prozesse oder Formen der sozialen Kontrolle:
VOR-ORGANISATIONALE SOZIALE KONTROLLE

.. bevor eine Person in eine Organisation eintritt, ist sie durch bisherige Sozialisationsprozesse auf die Interaktion und Zusammenarbeit mit anderen Personen vorbereitet. Bspw lernen Kinder im Elternhaus oder in der Schule, dass Hilfsbereitschaft ein sozial erwünschtes Verhalten ist. Dies muss einem Organisationsmitglied bei seinem Eintritt in die Organisation nicht neu vermittelt werden

Prozesse oder Formen der sozialen Kontrolle:
ORGANISATIONALE POTENZIALKONTROLLE

Durch die Auswahl von bestimmten Personen, kann die Organisation ihren zielgerichteten Einsatz und ihre Weiterqualifizierung Handlungspotenziale kontrollieren bzw. gewünschte Verhaltensweisen entwickeln.
Einem Organisaitonsmitglied, daß ein Seminar für Konfliktlösungstechniken besucht hat, steht zukünftig ein breiteres Spektrum an organisational erwünschten Handlungsweisen für Konflikte zur Verfügung

Prozesse oder Formen der sozialen Kontrolle:
ORGANISATIONALE HANDLUNGSKONTROLLE

durch SOZIALISATION werden personale Handlungspotenziale geprägt, durch SELEKTION UND ALLOKATION ´gesiebt´ und organisationalen Positionen zugeordnet. Die Organisation kann schließlich DIREKT Handlungen der Organisationsmitglieder auf persönlichem oder unpersönlichem Weg kontrollieren.
Unpersönliche Kontrolle - Fließbandtechnik; persönliche Kontrolle - Vorgesetzte, aber auch Kollegen

Personalführung als Residualfaktor

dh. dass dieser situationsspezifisch immer dann und in dem Maße eingesetzt wird, in dem die übrigen Mechanismen sozialer Kontrolle nicht ausreichen bzw. nicht zur Wirkung oder zum Einsatz gelangt sind.

Führung findet insb dort statt, wo organisationale Regelungen nicht (mehr) greifen.

Aktive Führungsanstrengungen als Kern der Personalführung:

.) Ereignisse des externen und internen Organisationsgeschehens zu interpretieren,
.) Mitarbeiter zu motivieren,
.) Fähigkeiten zu entwickeln,
.) Zielsetzungen zu verdeutlichen,
.) Belohnungen in Aussicht zu stellen,
.) Anerkennung zu gewähren,
.) individuelle Bedürfnisse zu erkennen sowie
.) Vertrauen zu schaffen.

Positive Wirkung von Führung

Geführte Mitarbeiter zeichnen sich durch ein
.) höheres zeitliches Engagement für die Arbeit,
.) eine stärkere Kooperationsbereitschaft,
.) eine höhere Kreativität bei der Problemlösung oder durch
.) relative Vorteile wie Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Gewissenhaftigkeit aus als ungeführte Mitarbeiter.

Erhöhung der Wirksamkeit des Personals

Führung zielt darauf ab, bestimmte Verhaltenserwartungen, die die Organisation bzw die Führenden ggü den Geführten haben, durchzusetzen und die ´Wirksamkeit´des Personals zu gewährleisten.
Ziel eines jeden Führungsversuchs: eine intendierte Verhaltensausrichtung bei den Geführten zu bewirken.

Substitutionstheorie der Führung

Die Aufgabe des Führers wird unverändert darin gesehen dass durch Führungshandeln einen im Sinne der Organisation positiven Einfluss auf den Geführten auszuüben ist.
Das Ziel der positiven Verhaltensbeeinflussung kann auch anderwertig durch personale Führung erreicht werden.

Lernen