Grundzüge der betrieblichen Steuerlehre Kapitel 4

Aus dem Modul Externes Rechnungswesen der FU Hagen

Aus dem Modul Externes Rechnungswesen der FU Hagen


R. L.
Diese Lernkarten decken die Grundzüge der betrieblichen Steuerlehre auf Universitätsniveau ab. Sie konzentrieren sich auf die Steuerschuld, das Finanzamt, die Steuerpflichtigen und die verschiedenen Verfahren wie das Erhebungsverfahren, die Festsetzung und die Rechtsbehelfe. Die Karteikarten erklären auch die Unterschiede zwischen Steuerhinterziehung und leichtfertiger Steuerverkürzung sowie die Rolle des Finanzgerichts. Sie richten sich an Studierende und Fachleute, die sich mit den rechtlichen und praktischen Aspekten der Steuerverwaltung vertraut machen möchten.
Flashcards
35
Students
1
Language
German
Category
Finance
Level
University
Created / Updated
02.11.2015 / 29.07.2017

Flashcards

Was kennzeichnet grob das Ermittlungsverfahren?

Zur Durchführung der Besteuerung müssen zunächst die Steuerpflichtigen und die diesen zuordnenbaren Besteuerungsgrundlagen ermittelt werden. Das Verfahren, in dem dies geschieht, wird als Ermittlungsverfahren bezeichnet.

Was kennzeichnet grob das Festsetzungsverfahren?

Das Verfahren zur Festsetzung der Steuerschuld heißt Festsetzungsverfahren. In ihm wird also die Steuerschuöd für alle Beteiligten, d.h. sowohl für das Finanzamt als auch für den Steuerpflichtigen, verbindlich festgesetzt.

Was kennzeichnet grob das Erhebungsverfahren?

Nach der Festsetzung erfolgt die Erhebung der Steuerschuld. Wie dies zu geschehen hat, regelt das Erhebungsverfahren.

Was kennzeichnet grob das Vollstreckungsverfahren?

Kommt ein Steuerschuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach, so muss das Finanzamt versuchen, die Steuerschulden zwangsweise beizutreiben. Das geschieht durch Vollstreckungsmaßnahmen im Vollstreckungsverfahren.

Was kennzeichnet grob das Rechtsbehelf- und Rechtsmittelverfahren?

Fühlt sich ein Steuerpflichtiger durch eine bestimmte Maßnahme des Finanzamtes unrechtmäßig behandelt, so muss er sich gegen diese Maßnahmen wehren können. Die rechtlich zulässigen Abwehrmaßnahmen des Steuerpflichtigen werden Rechtsbehelfe und Rechtsmittel genannt.

Was kennzeichnet grob das Steuerstraf- und -bußfeldverfahren?

Verkürzt ein Steuerpflichtiger durch falsche Angaben seine Steuerschuld (vorsätzlich oder leichtfertig)

Wovon wird das Emittlungsverfahren beherrscht?

Wird beherrscht vom Untersuchungsgrundsatz. Er besagt, dass die Finanzbehörde den Sachverhalt von Amts wegen zu ermitteln hat (§ 88 Abs. 1 AO). Alle günstigen als auch ungünstigen Umstände sind zu berücksichtigen.

Wer ist für ein Ermittlungsverfahen zuständig?

Innerhalb der Finanzbehörde wird das Ermittlungsverfahren vom dem für den Einzellfall zuständigen Finanzamt durchgeführt. Zuständig ist also weder die OFD noch das Bundes- oder Landesfinanzministerium.

Was besagt eine Steuernummer?

Das jeweilige Finanzamt vergibt an jeden beim ihm geführten Steuerpflichtigen eine Steuernummer, die bei jedem Schriftwechsel als Aktenzeichen dient.

Welche Rolle nehmen insbesondere Meldebehörden ein (hinsichtlich des Zusammenspiels zwischen Finanzamt und anderen Behörden)?

Nach § 136 AO sind die Meldebehörden verpflichtet, den Finanzämtern meldepflichtige Daten mitzuteilen.

Inwieweit hat der Steuerpflichtige eine Pflicht zur Mitarbeit / Unterstützung?

Steuergesetze unterwerfen den Steuerpflichtigen durch eine Vielzahl von Mitwirkungspflichten.

Generell ergibt sich dies bereits aus § 90 Abs. 1 AO. Nach dieser Vorschrift sind die Steuerpflichtigen zur Mitwirkung bei der Ermittlung des steuererlich bedeutsamen Sachverhalts verpflichtet.

Wie bestimmt sich, wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet?

Wer zur Abgabe einer Steuerererklärung verpflichtet ist, bestimmt sich gem. § 149 Abs. 1 AO nach den Vorschriften der Einzelsteuergesetze

Aus § 150 Abs.1 AO und den Einzellsteuergesetzen ergibt sich, dass für die Steuererklärung grundsätzlich amtlich vorgeschriebene Vordrucke verwendet werden müssen.

Was bedeutet Außenprüfung?

Vom Finanzamt kann nach § 193 AO eine Ausprüfung als nachträglicher Teil des Ermittlungsverfahrens angesehen werden. Geprüft wird die Richtigkeit der Steuerbemessungsgrundlagen und die korrekt Erklärung darüber.

Was passiert in einer Betriebsprüfung?

Dies sind Außenprüfungen, die bei Steuerpflichtigen passieren, die einen Betrieb besitzen.

Was passiert bei der Steuerfestsetzung?

Konkretisiert wird ein Steueranspruch aber erst durch eine Steuerfestsetzung durch das Finanzamt (Steuerfestsetzungsverfahren) -> Erst nach der Steuerfestsetzung besteht für den Steuerschuldner eine Zahlungsverpflichtung.

Wodurch ist der Steuerbescheid gekennzeichnet?

Steuern werden von dem Finanzamt grundsätzlich durch Steuerbescheide festgesetzt (§ 155 Abs. 1 Satz 1 AO).

Wodurch unterscheiden sich Feststellungsbescheide von Steuerbescheiden?

Während die festgesetzte Steuer notwendiger Bestandteil eines jeden Steuerbescheids ist (§ 157 Abs. 1 AO), enthält ein Feststellungsbescheid überhaupt keinen Steuerbetrag. In ihm werden lediglich bestimmte Besteuerungsgrundlagen gesondert festgestellt.

Was sind Steuermessbescheide?

Diese bilden die Grundlage für die Festsetzung der Realsteuern, d.h. der Gewerbe- und der Grundsteuer.

Was ist eine Vorbehaltsfestsetzung?

In manchen Fällen kann sich das Finanzamt eine spätere Prüfung, z.B. für mehrere Jahre gemeinsam, vorbehalten (§ 164 AO). Es erfolgt dann eine Festsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung (Vorbehaltsfestsetzung).

Wann entsteht die Steuerschuld?

Eine Steuerschuld entsteht, sobald der Tatbestand verwirklicht ist, an den ein Steuergesetz eine Leistungspflicht knüpft (§ 38 AO).

Wann ist eine Steuerfestsetzung nach § 169 Abs. 1 AO unzulässig?

wenn die Steuerfestsetzungsfrist abgelaufen ist. - > Die Festsetzungsverjährung tritt ein

Wozu dient das Erhebungsverfahren?

Erhebung der Steuerschuld (dient d. Erfüllung d. Steueransprüche des Fiskus zum Fälligkeitszeitpunkt d. Steuerschuld (§ 220 Abs. 1 AO))

Was besagt die Stundung von Steuerschulden?

§ 220 AO: Ganz o. teilweise Stundung d. Steuerschuld durch FA(Hinausschieben d. Fälligkeitszeitpunktes), wenn Einziehung bei Fälligkeit erhebliche Härte darstellt u. Stundung d. Einziehung nicht gefährdet

Wann erlöschen Steuerschulden?

Steuerschulden erlöschen gem. § 47 AO insbes. durch Zahlung, Aufrechnung, Erlass o. Zahlungsverjährung

Wann erfolgt der Erlass der Steuerschuld?

Erlass d. Steuerschuld (§ 227 Abs. 1 u. 4 AO): Ganz o. teilweiser Erlass, wenn Einziehung d. Schuld nach Lage d. Einzelfalls unbillig wäre; Erlass ist unwiderruflich!

Was sind Rechtsbehelfs- u. Rechtsmittelverfahren

Rechtsschutz d. Steuerpflichtigen. Mit ihrer Hilfe kann d. Steuerpflichtige eine gegen ihn gerichtete Maßnahmen einer Finanzbehörde, sog. Steuerverwaltungsakt, auf Rechtmäßigkeit überprüfen lassen.

Was unterscheidet Rechtsbehelfe und Rechtsmittel?

  • Rechtsbehelf: Sowohl im außerordentlichen Vorverfahren (Einspruch) als auch in Verfahren v. Gerichten d. Finanzgerichtsbarkeit
  • Rechtsmittel: Gegen (Gerichts-)Urteile u. andere Entscheidungen; nur in Finanzgerichtsbarkeit

Gegen welche Verwaltungsakte in Abgabeangelegenheiten wird häufig Einspruch erhoben?

  • Steuerbescheide einschließlich der Vorauszahlungsbescheide
  • Feststellungsbescheide und Steuermessbescheide
  • Bescheide über die Festsetzung von Verspätungs- und Säumniszuschläge
  • Stundungsverfügungen, Erlassverfügungen

Wie bezeichnet man den Rechtsbehelf vor dem Finanzgericht?

Der Rechtsbehelf vor dem Finanzgericht ist die Klage.

Was erreicht man mit der Anfechtungsklage?

Mit einer Anfechtungsklage - der mit Abstand wichtigsten Klageart - wird die Aufhebung oder Änderung eines Steuerverwaltungsaktes begehrt (§ 40 Abs. 1 FGO).
Die Anfechtungsklage kann sich richten gegen:
- Steuerbescheide + Vorauszahlungsbescheide
- Feststellungsbescheide
- Steuermessbescheide 

Was erreicht man mit der Verpflichtungsklage?

Eine Verpflichtungsklage hat zum Ziel, die Finanzbehörde zum Erlass eines abgelehnten oder unterlassenen Verwaltungsaktes zu veranlassen.

Was leistet die Revision?

Sie richtet sich gegen Urteile der Finanzgerichte. Sie also ein Rechtsmittel. Nicht jede Revision ist gegen jedes Urteil eines Finanzgerichts zulässig

Wann sind Rechtsbehelfe der AO und alle Rechtsbehelfe der FGO zulässig?

Nur wenn bestimmte Zulässigkeitsvoraussetzungen erfüllt sind.

Welche Vorraussetzungen erfüllt die Zulässigkeitsvoraussetzung?

1. Rechtsbehelf muss in der vorgeschriebenen Form erhoben werden (Schriftform)
2. Die Rechtsbehelfsfrist von einem Monat muss gewahrt sein.
3. es muss ein Beschwer gegeben sein.
4. es darf kein wirksamer Rechtsbehelfsverzicht vorliegen.

Welches sind die zwei wichtigen wichtigen Vergehen hinsichtlich der Steuer?

1. Steuerhinterziehung -> Steuerhinterziehung begeht vor allem, wer  vorsätzlich der Finanzbehörde über steuerlich erhebliche Tatsachen falsche Angaben macht oder sie über derartige Tatsachen in Unkenntnis lässt.

2. Die wichtigste Steuerordnungswidrigkeit ist die leichtfertige Steuerverkürzung. Der Unterschied zur Steuerhinterziehung ist der, dass nicht Vorsatz, sondern Leichtfertigkeit vorliegt.

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