UZH


Y. P.
Diese Lernkarten bieten eine umfassende Übersicht über empirische Methoden der Sozialforschung auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Konzepte wie die Auswahl von Stichproben, die Messung von Variablen und die Durchführung von Befragungen. Studierende der Sozialwissenschaften profitieren von den detaillierten Erklärungen zu verschiedenen Befragungsmethoden, der Gewichtung von Daten und der Analyse von Querschnitten und Längsschnitten. Die Karteikarten helfen dabei, die Grundlagen der empirischen Sozialforschung zu verstehen und anzuwenden.
Flashcards
55
Students
3
Language
German
Category
Social
Level
University
Created / Updated
30.04.2021 / 29.06.2025

Flashcards

Kennzeichen einfache Zufallsauswahl:

a) Auswahlwahrscheinlichkeit ist für alle Elemente der Grundgesamtheit identisch grösser als Null (EPSEM: Equal Probability Selection Method)

b) Auswahl erfolgt direkt in einem einstufigen Vorgang

Kennzeichen komplexe Zufallsauswahl:

Auswahlwahrscheinlichkeit ist für alle Elemente der Grundgesamtheit nicht identisch (also nicht EPSEM), sondern „nur“ berechenbar

Kennzeichen bewusste Auswahl:

- Subjektive Auswahl bestimmter Personen(gruppen)

- Verallgemeinerung (Schluss auf Grundgesamtheit) fragwürdig, unmöglich bzw. nicht angestrebt

Probleme in der Praxis

• Objektivität, Reliabilität, Validität
• Fehler beim Interview: Vorlesung 9
• Undercoverage
• Non-Response 

• Selektionsbias

Kennzeichen willkürliche Auswahl

  • Befragungspersonen werden nach ihrer Verfügbarkeit ohne Systematik ausgewählt (kein Zufall, kein Plan)
  • Verallgemeinerung unmöglich bzw. nicht angestrebt

Stichprobenausfälle:

Undercoverage

--> Untersuchungspopulation < Zielpopulation
Z.B. „Bevölkerungsstichprobe“: CH-Pass, >18, Privathaushalt --> Ohne Migration, Wohnsitzlose, Anstaltbevölkerung, ...

 

Non-Response

--> Ausschöpfungsquote = Rücklauf / (Bruttostichprobe – neutrale Ausfälle)

 

Selektionsbias

Systematische Ausfälle (Selektionsbias/Mittelstandsbias) Weniger dramatisch: Zusammenhänge zwischen Variablen Eher Verzerrung bei Mittelwerten und Anteilen (Prozente)

Gewichtungsarten für die Gewichtung / Hochrechnung

1. Designgewicht aufgrund Stichprobenplan z.B. Ausgleich Haushaltsgrösse

2. Nachgewichtung (Redressment) z.T. Kaschierung systematischer Verzerrungen

3. Gewichtung aufgrund Hypothese v.a. „Anpassung“ von Wahlprognosen

Wichtige Angaben bei Ergebnisdokumentation:

• Definition der Grundgesamtheit
• Auswahlverfahren (z.B. Zufall, Quote)
• Bei Quote: Quotierungsmerkmale
• Ausschöpfungsquote
• Fallzahlen (unit & item non-response)
• Befragungsform (persönlich, telefonisch, schriftlich)

• Gewichtung / Hochrechnung
• Fragetext mit Antwortkategorien

definiere Querschnitt:

Erhebung: einziger Zeitpunkt

Daten: Querschnitt + retrospektive Zeitreihe + retrospektives Ereignis

Definiere Längsschnitt (Panel)

Erhebung: mehrere Zeitpunkte, gleiche Variablen & Stichprobe

Daten: Querschnitt

+ pro-/retrospektive Zeitreihe

+ pro-/retrospektives Ereignis

+ Panel
Wichtig: Passung zwischen Daten und Forschungsfrage

Persönliche Befragung Definition:

Face-to-face-Interview

Von standardisierten Paper-and-Pencil-Interview (PAPI)
über Computer Assisted Personal Interview (CAPI)
bis hin zu wenig strukturierten qualitativen Befragungstechniken wie das narrative Interview (Vorlesung 10)

 

Vorlesung: 

  • Hohe Ausschöpfungsquote 

  • Kontrolle der Befragungssituation

  • Komplexere Filterführungen möglich (noch besser durch CAPI)

  • komplexe Fragen möglich (wg. schriftl. Vorlage + Nachfragemöglichkeit)

  • Mehr Informationen, z.B. auch zur Wohnsituation

  • lange Listen möglich

 

Nachteil:

  • teuer
  • keine schnellen Befunde
  • Intervieweffekte

Vorteile telefonischer Befragungen:

  • Hohe Ausschöpfungsquote im Vergleich zur postalischen Befragung

  • Relativ einfache Stichprobenziehung
    (Random Digit Dialing oder Telefonverzeichnis)

  • Schnellere Befunde
    z.B. Meinungsumfragen vom Vortag, Zwischenergebnisse
    CATI: Daten direkt im Rechner, direkte Verkodung offener Fragen)

  • geringere Kosten als bei persönlichen Befragungen

  • hohe Anonymität

  • Komplexe Filterführungen möglich

  • Plausibilitätskontrollen unmittelbar möglich

  • Interviewkontrolle durch Supervision

Nachteile telefonischer Befragungen: 

• Z.T. „quick-and-dirty“-Blitzumfragen, abhängig von Durchführung (z.B. keine Zufallsauswahl innerhalb des erreichten Haushalts)

• Z.T. Stichprobenfehler (Personen ohne (veröffentlichte) Telefon(nummer); grössere Sample-Chancen von Personen mit mehreren Telefonnummern)

• Wenig geeignet für spezifische Gruppen (z.B. Jugendgangs, Sozialhilfeempfang)

• Primacy-Recency-Effekte (bei Antwortkategorien werden die ersten und letzten Vorgaben besonders häufig erinnert)

• Verschiedene Interviewtechniken kaum möglich (z.B. lange Listen/Itembatterien mit mehr als fünf Ausprägungen,Satzergänzungsverfahren)


• Häufigere Weiss-nicht-Antworten bei sensiblen Fragen

schriftliche Befragung:

Postalisch: Fragebogen wird per Post an Befragte verschickt, selbständig ausgefüllt und wieder zurückgesandt

Online: Fragebogen wird über das Internet ausgefüllt

 

Vorteile:

  • geringere Interviewkosten und Verwaltungsaufwand
  • Vermeidung von Interviewfehlern

  • Ehrlichere Antworten durch glaubwürdigere Anonymität

  • Mehr Zeit zum Überlegen

 

Nachteile:

• Schwierigere Stichprobenziehung als beim Telefon (z.B. Meldeamtsdaten der Gemeinden)

• Üblich: höhere Ausfallquoten (Interviewer/in kann zunächst ablehnende Personen überzeugen)

• Mglw. stärkere systematische Ausfälle
(z.B. am Thema Interessierte nehmen eher teil)

• Kontrolle, wer füllt wie wann wie ernsthaft aus? 

• Befragungseffekte

• Nur geringe Komplexität möglich (postalisch: kaum Filterführung; auch Online nur einfache Fragen, keine Listen)

• Keine Rückfragemöglichkeit bei Verständnisproblemen

Fragetypen: Nach was kann gefragt werden, um so auf entsprechende Ergebnisse zu kommen, die man erlangen will?

• Einstellungsfragen

 Meinungen, Ansichten

Z.B.: „Die Schweiz sollte der EU beitreten“.
Von „Stimme gar nicht zu“ bis „Stimme voll zu“ (Likert-Skala, Vorl. 5).

 

• Überzeugungsfragen
Subjektive Aussagen über Fakten

Z.B.: Was glauben Sie, wie viele Studierende leben in Zürich?“

 

• Verhaltensfragen
Häufigkeit, Dauer und Art von Handlungen in der Vergangenheit

Z.B.: „Wie oft waren Sie in diesem Semester in einem Tutorat?“

 

• Merkmalsfragen
Sozialdemographische, sozialstatistische Charakteristika

Z.B.: „Wie hoch ist Ihr monatliches Nettoeinkommen?“.

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