3. Jahr


Luisa Scacchi
Diese Karteikarten bieten einen vertieften Einblick in die Komplexität des Jahresabschlusses, insbesondere für Fortgeschrittene. Sie behandeln zentrale Themen wie die Bewertung von Forderungen, die Behandlung von Delkredere, die Buchung von Aufwänden und Erträgen sowie die Anwendung des Vorsichtsprinzips. Besonders nützlich sind sie für Finanzexperten und Buchhalter, die ihre Kenntnisse in der Jahresabschlussanalyse und -erstellung vertiefen möchten, um präzise und konforme Finanzberichte zu erstellen.
Karten
61
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Finanzen
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
21.03.2019 / 29.01.2022

Lernkarten

Darstellung der Bilanz

Aktiv wird nach Liquidierbarkeit gegliedert

Passiv: Fristigkeit

Rückstellungen: Kurzfristig bis ein Jahr, langfristig ab 1 Jahr / Im OR wird die Bilanz dargestellt. OR muss nach 2015 sein.

Darstellung der Erfolgsrechnung

OR Art. 959b

Personalaufwand und Abschreibungen/Wertberichtigungen müssen im Anhang ausgewiesen werden

Rechnungslegungsstandards und Bewertungsgrundsätze

True and fair view-Prinzip ehrliche und sauebere dargestellte billanz ohne reserven. / US GAAP: muss angewendet werden bei einer amerikanischkodierte Börse

Rechnungslegungsstandards und Bewertungsgrundsätze (3)

.

Aus den Rechnungslegungsstandards leiten sich 7  Bewertungsgrundsätze ab: (aswendig lernen!!)

  1. Einzelbewertung (OR 960/1): Aktiven und Verbindlichkeiten müssen einzeln bewertet werden sofern sie
    -wesentlich sind
    -nicht als Gruppen zusammengefasst werden können
  2. Vorsicht (OR 960/2): Die Bewertung muss vorsichtig erfolgen. Sie darf aber die zuverlässige Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens nicht verhindern
  3. Forführung (OR 958a): Aktiven und Verbindlichkeiten sind grundsätzlich zu Fortführungswerten und nicht zu liquidations-werten zu bewerten.
  4. Stetigkeit (OR 958c/1Ziff 6): Bei der Bewertung sind stets die gleichen Massstäbe zu verwenden
    Wichtig weil; so einfacher verglichen werden kann wenn immer die gleichen werten benutzt werden.

Folgende dreit kommen vom Vorsichtsprinzip (siehe Abbildung)
- Niederstwertprinzip: von verschiedenen möglichen Werten ist der tieftes zu wählen
- Relationspinzip: Gewinne dürfen erst verbucht werden, wenn sie tatsächlich erzielt wurden
- Imparitätsprinzip: Nicht realisierte Gewinne dürfen nicht verbrucht werden. Nicht realisierte Verluste sowie realisierte Verluste müssen verbucht werden.

Anschaffungswert  (Fortführungswert)

Kaufpreis zuzüglich Bezugskosten, (Transport-, Versicherungskosten, Zoll usw.) und Montage bzw. Einrichtungskosten

Herstellungswert  (Fortführungswert)

Anfallende Kosten wie Einzellöhne, Einzelmaterial, Fertigungsgemeinkosten (ohne Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten) für die Herstellung eines Produkts

1Restwert (Fortführungswert)

Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten oder Nominalwert abzüglich Wertverlust (OR 960a/3)

Für die Ermittlung des Restwerts spielen Zustand, Alter, technischer Zustand, bezahlter Anschaffungswert, ursprüngliche Herstellkosten, Wiederbeschaffungskosten, Lage am Absatzmarkt, Verlustrisiken und Gewinnchancen eine Rolle

 

Verkehrswert (Veräusserungswerten)

Marktwert auf dem Absatzmarkt bzw. voraussichtlich zu erzielender Verkaufserlös unter normalen Verhältnissen.

Ist die Einstellung der Unternehmenstätigkeit oder von Teilen davon in den nächsten zwölf Monaten beabsichtigt, sind die betroffenen Unternehmensteile zu Veräusserungswerten zu bewerten.

Liquidationswert (Veräusserungswert)

Verkaufserlös bei Liquidation eines Unternehmens bzw. Teilen davon

Bewertung von allgemeinen Aktiven

Bei der Ersterfassung dürfen die Aktiven höchstens zu Anschaffungs- oder Herstellkosten bewertet werden

Bei der Folgebewertung dürfen die Werte der Ersterfassung nicht überschritten werden (Ausnahme Aktiven mit beobachtbaren Marktpreisen).

Wertverluste sind durch Abschreibungen oder Wertberichtigungen zu berücksichtigen

Anschaffungskosten

Für gekaufte Handelswaren, Roh- und Hilfsmaterial, Betriebsstoffe und Halbfabrikate

 

Bruttoankaufspreis

-Preisminderungen (Rabatt, Skonto)

+Bezugsspesen (Zoll, Versicherung)

Anschaffungskosten

Herstellungskosten

Für selbst hergestellte Halb- und Fertigfabrikate

 

Einzelmaterial

+Materialeinzelkosten

+Fertigungseinzelkosten

+Fertigungsgemeinkosten

Herstellungskosten

Herstellungskosten DL

Direkte Lohnaufwendungen

+Direkte verrechenbare Drittleistungen

+Anteilige allgemeine Aufwendungen (exkl. Verkaufskosten)

Herstellungskosten

Bewertung von Material und Handelswaren

1. Ist-Werte / 2. Verrechnungswerte

Ist-Werte:
Gleitender Durchschnittspreis
Fifo-Methode (first in – first out)
Lifo-Methode (last in – first out)
Hifo-Methode (highest in – first out

Verrechnungswerte:
Verrechnungspreismethode, wird vor allem bei Produktionsunternehmen in der Materialwirtschaft angewendet und ist daher Teil der Betriebsbuchhaltung

Höchstmöglicher Bilanzwert gem. OR 960c/1 bei Vorräten und nicht fakturierten Dienstleistungen

Bewertung des Anlagenvermögens

Die Bewertung der Sachanlagen erfolgt zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten
Beteiligungen werden aktiviert, wenn sie langfristig gehalten werden und mindestens 20 Prozent der Stimmrechte gegeben sind
Immaterielle Güter wie Patente, Lizenzen, Marken oder Rezepte werden nur aktiviert, wenn kumulativ folgende Voraussetzungen erfüllt sind: Kauf oder Eigenherstellung und Nutzbarkeit von mehr als 1 Jahr

Bewertung von Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten sind grundsätzlich zum Nennwert(so viel wie es wert hat, Rechnungsbetrag) zu bilanzieren. Einzige Ausnahme bilden die Rückstellungen, welche auf der Berechnung eines erwarteten künftigen Mittelabfluss basieren.

Aktive Rechnungsabgrenzung

Die aktive Rechnungsabgrenzung wird angewendet um erzielte, aber noch nicht fakturierte Erträge abzubilden oder um bezahlte aber noch nicht erbrachte Lieferungen und Leistungen aus der Erfolgsrechnung zu entfernen

Passive Rechnungsabgrenzung

Die passive Rechnungsabgrenzung wird angewendet um fakturierte aber noch nicht erbrachte Lieferungen und Leistungen aus der Erfolgsrechnung zu entfernen oder um bezogene Lieferungen und Leistungen, welche noch nicht in Rechnung gestellt wurden in den Aufwänden abzubilden

Achtung, auch Investitionen im Anlagevermögen werden entsprechend abgegrenzt!

Beispiel von passiver Rechnungsabgrenzung

Beispiel von aktiver Rechnungsabgrenzung

Sie arbeiten als Buchhalter in einer Warenhandelsunternehmung. Zum Jahresabschluss 2017 bemerken Sie, dass die für die im Dezember 2017 gelieferten 100 Monitore à CHF 150,-- pro Stück erst 50 Stück in Rechnung gestellt wurden.Welche Buchungen müssen Sie im Jahresabschluss 2017 vornehmen?

Rückstellungen

Rückstellungen werden gebildet, wenn eine Verbindlichkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr entstanden ist, aber der Mittelabfluss erst in der Zukunft sein wird. Folgende Kriterien müssen kumulativ erfüllt sein um eine Rückstellung zu bilden:
-Es muss auf einem vergangenen Ereignis beruhen
-Es muss zu einem wahrscheinlichen zukünftigen Mittelabfluss führen
-Die Höhe und/oder Fälligkeit der Verpflichtung ist ungewiss aber verlässlich abschätzbar

Zweck
Sie stellen eine Periodengerechte Erfassung des Aufwandes sicher. Ein Aufwand ist der Periode zu belasten, die ihn verursacht hat (Verursacherprinzip)

Auswirkung
Es wird ein Ausweis eines zu hohen Erfolgs verhindert

Besonderheit
Beinhalten wegen des ungewissen Charakters oft stille Reserven

Auflösung/Verwendung
Werden verwendet, wenn das Ereignis endgültig eintritt und entlasten die Erfolgsrechnung. Werden sie nicht mehr benötigt, werden sie über den ausserordentlichen Erfolg aufgelöst

Beispiele von Rückstellungen
Gegen Ihre Unternehmung wird in einem Gerichtsverfahren eine Schadenersatzforderung in der Höhe von CHF 50’000 eingeklagt. Das Verfahren wird voraussichtlich erst in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen sein.

Buchungen zum Jahresabschluss 2017
Bildung einer Rückstellung  Übr. Betriebsaufwand / lfr. Rückstellungen  CHF 50’000

Sie konnten Sich mit der Klägerschaft im Rechnungsjahr 2018 auf die Zahlung eines Schadenersatzes von CFH 40’000 einigen.

Buchungen im Rechnungsjahr 2018
Bezahlung des Schadenersatz  lfr. Rückstellungen / Bank  CHF 40’000
Auflösung Rückstellung  lfr. Rückstellungen / ao. Ertrag  CHF 10’000

Eventualverbindlichkeiten

Eventualverbindlichkeiten werden gebildet, wenn der Eintritt eines künftigen Mittelabfluss nicht sicher, aber möglich ist und die Höhe des Betrags nur geschätzt werden kann.  Das Obligationenrecht unterscheidet zwei Arten:

-Eventualverpflichtung für Bürgschaften, Garantieverpflichtungen und Pfandbestellungen zugunsten Dritter (OR 959c/2 Ziffer 8)

-Übrige Eventualverpflichtungen aus eigener Tätigkeit wie z.B. Garantien für Erbrachte Leistungen (OR 959c/2 Ziffer 10)

Eventualverbindlichkeiten und Eventualforderungen sind im Anhang aufzuführen. Sie führen zu keine Erfolgswirksamen Buchung in der Bilanz bzw. Erfolgsrechnung

Wird ein Mittelabfluss wahrscheinlich, so sind entsprechende Rückstellungen zu bilden (OR 960e/2

Anlagenbuchhaltung

Anlagevermögen sind langfristige Wertanlagen, die dem Unternehmen dauerhaft dienen und jahrelang Bestand haben. Zum Anlagevermögen gehören immaterielle Vermögensgegenstände, Finanz- und Sachanlagen. Das Anlagevermögen ist als Gegensatz zum Umlaufvermögen anzusehen.

Die Bewertung des Anlagevermögens erfolgt zu Anschaffungs- bzw. Herstellkosten.

Mittels Abschreibungen wird die Wertverminderung von Anlagevermögen über die Nutzungsdauer erfasst.

Nicht abnutzbares Anlagevermögen wird nicht abgeschrieben. Man geht hierbei davon aus, dass kein Wertverlust stattfindet (z.B. Grundstücke)

Übersicht Abschreibungen

Abschreibungsmethode / Direkte Methode

Abschreibungsmethode / Indirekte Methode

Abschreibungsverfahren: Abschreibungen zum Anschaffungswert können zeit- oder leistungsorientiert erfolgen

 

Zeitorientiert: Abschreibung aufgrund er zeitlichen Nutzungsdauer
- Nutzung einer Immobilie
- Nutzung von IT-Infrastruktur

Die Abschreibungen können linear (gleichmässige Abschreibung), degressiv (immer kleiner werdend) oder progressiv (immer grösser werdend) erfolgen.

Leistungsorientiert: Abschreibung aufgrund der geschätzten Gesamtleistung
- Anzahl gefahrener Kilometer
- Anzahl produzierter Stk.

Impairment (Dauernde Wertminderung

Es kann vorkommen, dass aufgrund eines nicht vorhergesehenen Ereignisses ein Anlagegut trotz Abschreibungen überbewertet ist. Da Überbewertungen nicht erlaubt sind, sind entsprechende Wertminderungen zu buchen.

Bsp: Veraltete Technologie, Wirtschaftlichkeit ist nicht gegeben, Umzonung von Grundstücken etc…

Eine Impairment hat einen langfristigen Charakter und wird nicht über die ordentlichen Abschreibungen verbucht.

Stille Reserven / Bildung von stillen Reserven & Auflösung

Bildung von stillen Reserven

Mit der Bildung von stillen Reserven verschlechtert eine Unternehmung ihren Unternehmenserfolg.
Bsp. Aktiven  Zu hohe Abschreibungen / Umrechnung von Debitoren in   Fremdwährung zu einem zu tiefen Wechselkurs
Bsp. Passiven  Zu hohen Rückstellungen / Umrechnung von Kreditoren   in Fremdwährung zu einem zu hohen Wechselkurs

Auflösung von stillen Reserven

Die Auflösung von stillen Reserven verbessert den Unternehmenserfolg einer Unternehmung.
Bsp. Aktiven  Zu tiefe Abschreibungen / Zahlungen von Debitoren in   Fremdwährung zu einem besseren Wechselkurs
Bsp. Passiven  Zahlung von Kreditoren in Fremdwährung zu einem tieferen   Kurs / Auflösung von zu hohen Rückstellungen

Interne vs. Externe Bilanz

Die interne Bilanz entspricht den effektiven Werten wo hingegen die externe Bilanz stille Reserven enthalten kann. Extern wird mit 40%, intern mit 20% vom Buchwert abgeschrieben

Vorsichtsprinzip (2)

Realisationsprinzip: Gewinne dürfen erst verbucht werden, wenn sie tatsächlich erzielt wurden

Imparitätsprinzip: Nicht realisierte Gewinne dürfen nicht verbucht werden / Nicht realisierte Verluste sowie realisierte Verluste müssen verbucht werde

Transitorische Buchungen (2)

Aktive Rechnungsabgrenzung: Die aktive Rechnungsabgrenzung wird angewendet um erzielte, aber noch nicht fakturierte Erträge abzubilden oder um bezahlte aber noch nicht erbrachte Lieferungen und Leistungen aus der Erfolgsrechnung zu entfernen

Passive Rechnungsabgrenzung :Die passive Rechnungsabgrenzung wird angewendet um fakturierte aber noch nicht erbrachte Lieferungen und Leistungen aus der Erfolgsrechnung zu entfernen oder um bezogene Lieferungen und Leistungen, welche noch nicht in Rechnung gestellt wurden in den Aufwänden abzubilden

1. Aufwands- und Ertragsvortrag

2. Aufwands- und Ertragsnachtrag

1. Ein verbuchter Aufwand bzw. ein verbuchter Ertrag wird in die folgende Periode «vorgetragen»

Transit. Aktive / Aufwand

Ertrag / Transit. Passive

2. Ein noch nicht verbuchter Aufwand bzw. ein noch nicht verbuchter Ertrag wird in die laufende Periode «nachgetragen»

Betriebsaufwand / Transit. Passive

Transit. Aktive / Mietertrag

 

Passivdarlehen CHF 96’000 zu 5% Zins
Zinstermin 31.03.20xx
Welche Buchungen mit Betrag müssen Sie vornehmen?
Handelt es sich um einen Aufwands- bzw. Ertragsnachtrag oder um einen Aufwands- bzw. Ertragsvortrag?
Welche Auswirkungen hat die Buchung auf den Erfolg?

Sie haben die Gebühren für die Nutzung ihrer Lizenzen für den Monat Dezember ihren Kunden noch nicht fakturiert.
Welche Buchungen mit Betrag müssen Sie vornehmen?
Handelt es sich um einen Aufwands- bzw. Ertragsnachtrag oder um einen Aufwands- bzw. Ertragsvortrag?
Welche Auswirkungen hat die Buchung auf den Erfolg?

Sie haben die Mieten für ihre Lagerräume für den Monat Januar bereits im Dezember bezahlt.
Welche Buchungen mit Betrag müssen Sie vornehmen?
Handelt es sich um einen Aufwands- bzw. Ertragsnachtrag oder um einen Aufwands- bzw. Ertragsvortrag?
Welche Auswirkungen hat die Buchung auf den Erfolg?

Lernen