FOM
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Cartes-fiches
- Qualitative Sozialforschung sucht den Sinn der Dinge, deren inneres Wesen, zu erfassen und zu verstehen.
Was spricht für eine qualitative Forschung?
- Soziale Phänomene existieren nicht außerhalb eines Individuums, sondern beruhen auf den Interpretationen der Individuen einer sozialen Gruppe, die es zu erfassen gilt.
- Soziale Tatsachen können nicht vordergründig als objektiv identifiziert werden. Sie müssen interpretiert werden.
- Quantitative Messungen können soziales Handeln nicht wirklich erfassen.
- Hypothesen, die vor der Untersuchung aufgestellt werden (= quantitative Forschung) können ggf. dazu führen, dass Meinungen oder Absichten suggeriert bzw. aufoktroyiert werden.
- Theorien (Gesetzmäßigkeiten) stehen im Zentrum des Erkenntnisprozesses:
- Alle Schwäne sind weiß (All-Aussage: räumlich-zeitlich unbegrenzt gültig).
- Falsifikation = Falschheitsbeweis/Verifikation = Wahrheitsbeweis:
- Es gibt keine wahren Aussagen, nur bewährte.
- Hypothesen, die falsifiziert wurden, werden ausgesondert, die „Anderen“ (zunächst) beibehalten. Auf diese Weise stellen sich Erkenntnisgewinne ein.
- Soziale Phänomene existieren nicht – wie naturwissenschaftliche – außerhalb menschlicher Sinnstrukturen und Handlungen:
- Allgemeine Gesetzesaussagen („All-Aussagen“) gibt es in den Sozialwissenschaften nicht.
- Qualitative Forschung zielt ab auf die soziale Wirklichkeit, so wie sie die Menschen sehen und konstruieren (= gesellschaftliche Konstruktion der Realität).
- Die Deduktion (Ableitung) ist eine logische Form des Schließens vom Allgemeinen zum Besonderen.
- Hypothese (allg. Regel): Je häufiger Medizinschränke bei Einbrüchen leer geplündert werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Einbrecher drogenabhängig sind.
- Die Induktion schließt vom Besondern auf das Allgemeine. Aus Einzelfällen wird eine allgemeine Aussage (Hypothese) entwickelt.
- Schritt 1: Beobachtung
- Bei drei Einbrüchen ist auch der Medizinschrank leer geplündert worden.
- Schritt 2: Deutung
- Die Spuren weisen auf die gesuchten drogenabhängigen Einbrecher X, Y (Typen aus der Kartei) hin.
- Schritt 3: Hypothese
- Je drogenabhängiger Einbrecher sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch den Medizinschrank leer plündern.
- Die Interpretation der Daten (Spuren) führt dazu, dass sie mit vorhanden und bekannten Typen/Kategorien in Verbindung gebracht werden; dies ist charakteristisch für die Induktion.
- Die Übertragung existierender Typen/Kategorien auf Beobachtungsbefunde führt genau genommen nicht zu wirklich Neuem.
- Die Induktion führt nicht zu wahren, sondern lediglich zu wahrscheinlichen Aussagen.
- Typen bzw. Kategorien, mit denen eine Beobachtung in Verbindung gebracht werden könnte, sind nicht bekannt bzw. nicht vorhanden. Es muss die Kategorie erst er- bzw. gefunden werden, um ihr Daten zuzuordnen.
- Beobachtung:
- Bei drei Einbrüchen ist auch der Medizinschrank leer geplündert worden.
- Schluss von der Beobachtung auf Typ und allgemeine Aussage bzw. Regel zugleich.
- „Mit der Abduktion arbeiten Forscher Neues heraus, insofern sie eine ganz neue Kategorie kreieren müssen, um ihre Daten erklären zu können. Dies ist notwendig, falls keine bisherige Theorie den empirischen Sachverhalt beschreibt und erklärt“
- Postulat 1
- Gegenstand humanwissenschaftlicher Forschung sind immer Menschen, Subjekte. Die von der Forschungsfrage betroffenen Subjekte müssen Ausgangspunkt und Ziel der Forschung sein
- Postulat 2
- Am Anfang einer Analyse muss eine genaue und umfassende Beschreibung (Deskription) des Gegenstandsbereiches stehen.
- Postulat 3
- Der Untersuchungsgegenstand der Humanwissenschaften liegt nie völlig offen, er muss immer auch durch Interpretation erschlossen werden.
- Postulat 4
- Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer möglichst in ihrem natürlichen, alltäglichen Umfeld untersucht werden.
- Postulat 5
- Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer möglichst in ihrem natürlichen, alltäglichen Umfeld untersucht werden.
- Deskription (Postulat 1+2)
- Einzelfallbezogenheit
- Offenheit
- Methodenkontrolle
- Interpretation (Postulat 1+3)
- Vorverständnis
- Introspektion
- Forschergegenstandsinteraktion
- Subjekt (Postulat 4)
- Ganzheit
- Historizität
- Problemorientierung
- Verallgemeinerungsprozess (Postulat 5)
- Argumentative Verallgemeinerung
- Induktion
- Regelbegriff
- Qualifizierbarkeit
- Testen von Hypothesen
Quantitative Methoden
- Quantifizierung von Sachverhalten
Quantitative Methoden
- Überprüfung statistischer Zusammenhänge
Quantitative Methoden
- Generierung von Hypothesen
Qualitative Methoden
- Sammeln von Verbesserungsvorschlägen
Qualitative Methoden
- Erkundung von Ursachen
Qualitative Methoden
- Aufstellen von Klassifikationen oder Typologien
Qualitative Methoden
- Einzelfallbezogenheit
Ergebnisse und Verfahrensweisen können sich von einzelnen Fällen wegbewegen, sie müssen aber immer wieder auf Einzelfälle bezogen werden. An den Einzelfällen können Theorien widerlegt werden, oder aber die Adäquatheit von Verfahrensweisen und Interpretationen überprüft werden. Dies sollte gerade auch bei größeren Stichproben geschehen.
- Offenheit
Der Forschungsprozess sollte dem Gegenstand der Forschung so offen gehalten werden, dass erforderliche Änderungen problemlos möglich sind; Auf diese Weise werden Ergänzungen und Revisionen der theoretischen Strukturierung gegenüber möglich.
- Methodenkontrolle
Um das Ergebnis nachvollziehbar zu machen, muss man den Weg, der zum Ergebnis geführt hat, offen legen. Das Vorgehen muss zum einen expliziert werden und zum anderen begründeten Regeln folgen. Dabei gilt: Je offener das Verfahren, desto genauer muss jeder einzelne Schritt des Vorgehens im Forschungsprozess beschrieben werden. Trotz der Offenheit muss der Forschungsprozess kontrolliert ablaufen.
- Vorverständnis
Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer interpretiert werden, wobei diese Interpretationen nie voraussetzungslos möglich sind. Das eigene Vorverständnis beeinflusst die Interpretation (Grundsatz der Hermeneutik). Um den Einfluss des Vorverständnisses auf den Forschungsprozess jedoch nachvollziehbar zu machen, ist es notwendig, dass das Vorverständnis offen gelegt wird; Hermeneutische Spirale: Vorverständnis wird offen gelegt und am Gegenstand weiterentwickelt.
- Introspektion
Introspektion bedeutet die Analyse des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns. In der Psychologie wurde die Methode der Introspektion lange kontrovers diskutiert Nicht nur in qualitativen, auch in quantitativen Analysen fließen introspektive Daten ein; So werden in der qualitativen Forschung introspektive Daten zugelassen – sie müssen jedoch als solche ausgewiesen, begründet und überprüft werden.
- Forschergegenstandsinteraktion
Forscher und Forschungsgegenstand verändern sich durch den Forschungsprozess; der Prozess kann damit als eine Interaktion verstanden werden. Datengewinnung ist ein kommunikativer Prozess, ein Prozess der subjektive Deutungen erfordert und im Dialog abläuft.
- Ganzheit
Zwar kann eine analytische Trennung in menschliche Funktions- bzw. Lebensbereiche während eines Forschungsprozesses sinnvoll sein, sie sollte jedoch wieder zusammengeführt und in einer ganzheitlichen Betrachtung interpretiert und korrigiert werden. Die einzelnen menschlichen Funktionsbereiche (Denken, Fühlen, Handeln) und Lebensbereiche (Gesellschaft, Beruf, Familie, Freundeskreis) sind nur als analytische Differenzierungen zu betrachten, die stets auf das Ganze zurückbezogen werden müssen.
- Historizität
Humanwissenschaftliche Gegenstände haben eine Geschichte und können sich verändern. Entsprechend dem qualitativen Denken sollte ein Gegenstand auch immer in seinem historischen Kontext betrachtet werden; ohne Berücksichtigung des historischen Kontextes kann es zu Fehldeutungen kommen.
- Problemorientierung
Humanwissenschaftliche Untersuchungen sollen direkt an praktischen Problemstellungen ansetzen; Auch die Ergebnisse der Forschung sollten sich wieder auf die konkrete und praktische Problemstellung beziehen.
- Argumentative Verallgemeinerung
Untersuchungsergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung besitzen ihre Gültigkeit zunächst nur für den Bereich, in dem sie gewonnen wurden; Bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung muss expliziert und begründet werden, welche Ergebnisse auf welche Situationen, Bereiche und Zeiten generalisiert werden können.
- Induktion
Im qualitativen Denken wird induktives Vorgehen explizit eingesetzt: Aus einzelnen Beobachtungen setzen sich die ersten Zusammenhangsvermutungen zusammen. Die Ergebnisse sind aufgrund der Offenlegung des Forschungsprozesses überprüfbar und kontrollierbar.
- Regelbegriff
Das qualitative Denken geht davon aus, dass Menschen nicht nach Gesetzen quasi automatisch funktionieren. Das Denken, Fühlen und Handeln wird vom Menschen selbst hervorgerufen wobei sich gewisse Regelmäßigkeiten feststellen lassen. Im humanwissenschaftlichen Gegenstandsbereich werden daher Gleichförmigkeiten nicht mit allgemeingültigen Gesetzen, sondern besser mit kontextgebundenen Regeln abgebildet.
- Qualifizierbarkeit
Zentrale Funktion qualitativen Denkens ist es, eine sinnvolle Quantifizierung zu ermöglichen. Mit der Quantifizierung kann ein Schritt zur Absicherung und Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse geschaffen werden.
- Voraussetzungen
- genügend Wissen, um Hypothesen oder theoretisches Modell aufstellen zu können
- ausreichende Kenntnisse über relevante Inhalte und Beurteilungskriterien für die Entwicklung der Forschungsinstrumente
- Stichprobengröße und Zusammensetzung: möglichst große Stichprobe idealerweise Zufallsauswahl, sonst Quotenauswahl oder ähnliche repräsentative Auswahlmethoden
- Kenntnisse der Testkonstruktionsprinzipien
- Voraussetzungen
- Stichprobengröße: abhängig von der konkreten Fragestellung, ca. 20-200 Personen theoretische Sättigung beachten
- Stichprobenzusammensetzung: theoretical sampling, der Fragestellung angepasst, heterogen und möglichst typische Vertreter
- Durchführung
- Definition der Fragestellung
- Einholen aller verfügbaren Informationen über den Untersuchungsgegenstand
- Konstruktion des Erhebungsinstruments (Fragebogen, Beobachtungsschema, quantitativer Interviewleitfaden etc.)
- Pretest des Erhebungsinstruments
- Datenerhebung
- Dateneingabe
- Quantitativ-statistische Auswertung
- Interpretation der Ergebnisse und gefundenen Zusammenhänge
- Ergebnispräsentation/ Berichterstellung
- Definition der Fragestellung
- Entscheidung über Art und Strukturierungsgrad der Methode
- Entwicklung des lnterviewleitfadens/ Beobachtungsleitfadens/ Diskussionsleitfadens etc.
- Schulung der Interviewer/Beobachter/ Diskussionsleiter etc.
- Rekrutierung der Teilnehmer
- Durchführung und Protokollierung der Befragung/Beobachtung
- Auswertung der Verbaldaten/Beobachtungsdaten und Kategorisierung
- Interpretation
- Ergebniszusammenstellung
- Ergebnispräsentation
- Vorteile
- Exakt quantifizierbare Ergebnisse
- Ermittlung von statistischen Zusammenhängen möglich
- Möglichkeit, eine große Stichprobe zu untersuchen und damit repräsentative Ergebnisse zu erhalten
- Im Vergleich zu qualitativen Verfahren geringere Kosten, geringerer Zeitaufwand
- hohe externe Validität durch große Stichprobe
- größere Objektivität und Vergleichbarkeit der Ergebnisse
- Vorteile
- Methode passt sich an den Untersuchungsgegenstand an und nicht umgekehrt
- Offenheit des Vergehens ermöglicht Entdeckung bisher unbekannter Sachverhalte
- Informationen über subjektive Sicht der Gesprächspartner, da keine Vorgaben
- Fokus wird vom Teilnehmer selbst bestimmt
- Möglichkeit, Hintergründe zu erfragen und Unklarheiten zu beseitigen
- hohe inhaltliche Validität durch nicht prädeterminierte Vorgehensweise
- tieferer Informationsgehalt durch offene Befragung
- größere Subjektivität der Ergebnisse
- Nachteile
- Keine Flexibilität während der Untersuchung durch die Standardisierung der Untersuchungssituation, kein individuelles Eingehen auf die Testpersonen möglich •
- keine Ursachenermittlung für Befund wie z.B. Unzufriedenheit (zur Verringerung dieses Problems empfiehlt sich der Einsatz offener Fragen zur Ursachenermittlung) •
- keine Verbesserungsvorschläge (dieser Nachteil kann durch die Integration offener Fragen verringert werden)
- Nachteile
- Qualitative Methoden sind relativ zeit- und kostenintensiv
- Anforderungen an die Qualifikation des Interviewers/Beobachters sind recht hoch, die Qualität der Daten ist zu einem gewissen Teil auch davon abhängig
- Auswertung ist im Vergleich zu den quantitativen Methoden relativ aufwendig
- Zentrale Prinzipien
- Offenheit
- Forschung als Kommunikation
- Prozesscharakter von Forschung und Gegenstand
- Reflexivität von Gegenstand und Analyse
- Explikation
- Flexibilität
- Zentrale Prinzipien – Offenheit
- Es werden keine fixen Hypothesen gebildet
- Es herrscht eine Offenheit für das "Neue" - Die qualitative Forschung sollte sich einen offenen Wahrnehmungstrichter bewahren. Es werden vorab keine Hypothesen gebildet.
- Explorationsfunktion der qualitativen Forschung