FA Finanz-/RW


A. T.
Diese Lernkarten decken die Grundlagen und das Rahmenkonzept des Swiss GAAP FER ab, das sich an verschiedene Organisationen richtet. Sie behandeln die Bewertung von Aktiven und Verbindlichkeiten, die qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung wie Wesentlichkeit und Stetigkeit, sowie die Struktur der Jahresrechnung und des Geschäftsberichts. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Finanzverantwortliche und Buchhalter, die sich mit der Schweizer Rechnungslegung vertraut machen möchten.
Cartes-fiches
52
Utilisateurs
17
Langue
Allemand
Catégorie
Finances
Niveau
Autres
Créé / Mis à jour
03.06.2018 / 02.03.2024

Cartes-fiches

Was ist die Zielsetzung der Jahresrechnung?

Die Jahresrechnung

  • stellt dem Empfänger den Tatsachen entsprechende Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in strukturierter Form zu Verfügung
  • dient dem Empfänger als Entscheidungsgrundlage und 
  • dient der Rechenschaftsablage durch das verantwortliche Organ (FER R/5)

Was ist die Grundlage für die Jahresrechnung nach Swiss GAAP FER?

Die Grundlage für die Jahresrechnung ist der Grundsatz von True and fair view (FER R/6). Dies bedeutet, dass die Jahrsrechnung wahr (=willkürfrei), klar und zuverlässig die wirtschaftlichen Tatsachen einer Unternehmung widerspiegelt. 

Welche Teile umfasst der Geschäftsbericht?

  • Jahresbericht
  • Jahresrechnung
    • Bilanz
    • ER
    • Geldflussrechnung
    • Eigenkapitalnachweis
    • Anhang

Was ist zu tun bei der erstmaligen Anwendung von Swiss GAAP FER?

Wird von einer Organisation die SWISS GAAP FER erstmals als Grundlage ihrer Rechnungslegung angewandt, so

  • ist die Vorjahresbilanz an das neu gewählte Regelwerk (Kern-FER oder gesamtge Swiss GAAP FER) anzupassen und zu zeigen (auf die ER kann verzichtet werden)
  • kann zusätzlich die Vorjahresbilanz auf der Basis des OR offengelegt werden (freiwillig)

Welche Grundlagen sind bei der Erstellung der Jahresrechnung zu beachten?

  • Fortführung (going concern)
  • Wirtschaftliche Betrachtungsweise (substance over form)
  • Zeitliche Abgrenzung
  • Sachliche Abgrenzung (Matching of costs and revenues)
  • Vorsichtsprinzip
  • Bruttoprinzip

Was bedeutet die Grundlage "Fortführung"?

Wird die Organisation weitergeführt (Normalfall), so sind die Fortführungswerte als Bewertungsbasis anzuwenden. 

Was bedeutet die Grundlage "Wirtschaftliche Betrachtungsweise"?

Die tatsächlichen (wirtschaftlichen) Gegebenheiten sind wichtiger als die rechltiche Form, d.h. die wirtschaftliche Auswirkung eines Geschäfts muss erkennbar sein und nnicht nur die rechtliche. 

Dies ist ein zentraler Punkt der True and fair view-Rechnungslegung.

Was bedeutet die Grundlage "Zeitliche Abgrenzung"?

Aufwand und Ertrag sind periodengerecht abzugrenzen und zu erfassen.

Die Auswirkungen von Geschäftsfällen sind dann zu erfassen, wenn sie auftreten und nicht wenn die Zahlung erfolgt. 

Was bedeutet die Grundlage "sachliche Abgrenzung"?

Alle Aufwendungen, die dazu dienen, bestimmte Erträge zu erzielen, sind entsprechend dem Ertragsanfall (in der ER) zu berücksichtigen.

Ein Ertrag ist zu erfassen, wenn eine DL erbracht ist oder ein Vermögenswert geliefert wurde und Nutzen und Risiken sowie die Verfügungsgewalt auf den Käufer übergegangen sind. 

Was bedeutet die Grundlage "Vorsichtsprinzip"?

Die Bewertung hat vorsichtig zu erfolgen. 

Die weniger optimistische Bewertungsvariante ist anzuwenden. 

Das Vorsichtsprinzip darf nicht zur Bildung von willkürlichen stillen Reseren benutzt werden. 

Was bedeutet die Grundlage "Bruttoprinzip"?

Aktiven und Passiven sowie Aufwand und eRtrag sind getrennt (=ohne gegenseitige Verrechnung) auszuweisen. 

Eine Verrechnung sit nur in sachlich begründbaren Fällen möglich, und wenn dadurch keine irreführende Darstellung entsteht. Ein begründeter Fall liegt z.B. vor, wenn eine Fachempfehlung dies fordert und erlaubt oder wenn dadurch die wirtschaftliche Aussage eines Geschäfts besser gezeigt wird. 

Definition Aktiven

Sie entstehen aus vergangenen Geschäftsfällen oder Ereignissen. Sie sind in der Verfügungsmacht der Organisation und bringen der Organisation voraussichtlich einen zukünftigen (= über die Berichtsperiode hinaus) Nutzen.

Ihr Wert muss verlässlich ermittelt werden können. 

Definition Umlaufvermögen/Anlagevermögen

Zum Umlaufvermögen zählen Zahlungsmittel, zum Handel gehaltene Posten und Aktiven die innerhalb von 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag realisiert oder verbraucht werden.

Alle übrigen Aktiven gelten als Anlagevermögen. 

Definition Verbindlichkeiten

Sie entstehen aus vergangenen Geschäftsfällen oder Ereignissen, falls ein zukünftiger Mittelabfluss wahrscheinlich ist, Der Erfüllungsbetrag muss verlässlich ermittelt werden können. 

Definition kurzfristige/langfristige Verbindlichkeiten

Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten zählen Verbindlichkeiten, die innert 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag zu erfüllen sind, oder bei denen der Mittelabfluss der operativen Tätigkeit zuzurechnen ist, oder wenn sie für Handelszwecke gehalten werden. 

Alle übrigen Verbindlichkeiten gelten als langfristig. 

Definition Eigenkapital

Das Eigenkapital resultiert aus der Summe aller Aktiven minus der Summe aller Verbindlichkeiten (=Residualgrösse). 

Definition Eventualforderungen oder -verbindlichkeiten

Dies sind Aktiven bzw.. Verbindlichkeiten, bei denen eine verlässliche Ermittlung des Vermögenswerts bzw. des Erfüllungsbetrags nicht möglich ist. 

Sie sind im Anhang offenzulegen. 

Definition Erträge

Erträge sind Nutzenzugänge in der Berichtsperiode durch Zunahme von Aktiven und/oder Abnahme von Verbindlichkeiten, die das Eigenkapital erhöhen, ohne dass die Eigentümer eine Einlage leisten. 

Definition Aufwendungen

Aufwendungen sind Nutzenabgänge in der Berichtsperiode durch Abnahme von Aktiven und/oder Zunahme von Verbindlichkeiten, die das Eigentkapital vermindern, ohne dass die Eigentümer eine Ausschüttung erhalten. 

Definition Erfassung von Erträgen und Aufwendungen

Erträge und Aufwendungen sind nur dann zu erfassen, wenn die damit verbundenen Änderungen der Aktiven und /oder Verbindlichkeiten zuverlässig ermittelt werden können. 

Definition Erfolg

Erfolg (Gewinn/Verlust) = Ertrag minus Aufwand

Welches Bewertungskonzept ist gemäss Swiss GAAP FER grundsätzlich zulässig und was bedeutet es?

Einzelbewertung

In der Jahresrechnung gilt der Grundsatz, dass die Aktiven und Verbindlichkeiten einzeln zu bewerten sind. 

Welche Ausnahmen vom grundsätzlichen Bewertungskonzept der Einzelbewertung gibt es?

Ausnahmsweise können gleichartige Aktiven mit gleicher Qualität (z.B. Forderungen mit gleicher Laufzeit und vergleichbarem Ausfallrisiko oder Artikelgruppen) und gleichartige Verbindlichkeiten gesamthaft bewertet werden = Gruppenbewertung

Welches ist der erzielbarer Wert bei der Bewertung von Aktiven?

Erzielbarer Wert = Höherer Wert aus Netto-Marktwert und Nutzwert, gemäss FER 2/41

Was bedeutet der Tageswert bei der Bewertung von Aktiven?

Preis für die Wiederbeschaffung am Bilanzstichtag

Was bedeutet der Netto-Marktwert bei der Bewertung von Aktiven?

Aktueller Marktpreis auf dem Absatzmarkt abzüglich Verfügungskosten (wie Transport, Verkaufskommissionen, Steuern)

Was bedeutet der Nutzwert (Disounted Cashflow) bei der Bewertung von Aktiven?:

Barwert der zukünftigen erwarteten

  • Nettogeldzuflüsse und/oder
  • Einsparungen an zukünftigen Geldabflüssen

Was bedeutet der Liquidationswert bei der Bewertung von Aktiven?

Möglicher Verkaufspreis bei Total- oder Teilliquidation

Was bedeutet der historische Wert bei der Bewertung von Aktiven?

Direkt zurechenbare Kosten bei der Beschaffung bzw. Herstellung unter Abzug der planmässigen Abschreibungen und ausserplanmässigen Abschreibungen (=Wertbeeinträchtigungen)

Was bedeutet der historische Wert bei der Bewertung von Verbindlichkeiten?

Betrag, der bei Vertragsabschluss vereinbart wurde

Was bedeutet der Tageswert bei der Bewertung von Verbindlichkeiten?

Nicht diskontierter Betrag, der für die Erfüllung am Bilanzstichtag nötig wäre

Was bedeutet der Barwert bei der Bewertung von Verbindlichkeiten?

Barwert der zukünftigen Nettogeldabflüsse (diskontierter Betrag)

Was ist bei Ereignissen vor dem Bilanzstichtag zu tun?

Diese Ereignisse müssen in der Jahresrechnung des abgelaufenen Jahres berücksichtig werden, z.B. mit Rückstellungen, Wertberichtigungen. Falls sie wesentlich sind, müssen sie zudem im Anhang offengelegt werden.

--> Buchung nötig

Was ist bei Ereignissen nach dem Bilanzstichtag zu tun?
 

Diese Ereignisse müssen, falls wesentlich, im Anhang offengelegt werden und zwar mit der geschätzten finanziellen Auswirkung. (ist eine Schätzung nicht möglich, so ist auf diesen Umstand hinzuweisen). 

--> keine Buchung; nur Offenlegung

Welche qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung gibt es?

  • Wesentlichkeit
  • Stetigkeit
  • Vergleichbarkeit
  • Verlässlichkeit
  • Klarheit

Was bedeutet die "Wesentlichkeit" bei den qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung?

Wesentlich sind alle Sachverhalten, die das Urteil des Informationsempfängers in Bezug auf die Organisation beeinflussen können. 

Was bedeutet die "Stetigkeit" bei den qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung?
 

Die Jahresrechnung muss in Bezug auf die Bewertung, darstellung und Offenlegung nach den gleichen Grundsätzen wie in der Vorperiode erstellt werden. 

Abweichungen von der Stetigkeit sind im Anhang offenzulegen. 

Was bedeutet die "Vergleichbarkeit" bei den qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung?
 

Die Empfänger der Jahresrechnungg müssen diese über längere Zeit mit den Jahresrechnungen der Vorperioden vergleichen köonnen. Die Vorjahreszahlen sind aufzuführen. 

Was bedeutet die "Verlässlichkeit" bei den qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung?
 

Die Informationen dürfen nicht durch verzerrende Einflüsse und Willkür verfälscht sein. 

Was bedeutet die "Klarheit" bei den qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung?
 

Dem Grundsatz der Klarheit entsprechen: 

  • Übersichtliche und sachgerechte Gliederung
  • Zusammenfassung von gleichartigen Posten mit zutreffender Bezeichnung
  • Inhalt und Darstellung zeigen ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechedes Bild der Organisation
  • Querverweise zum Anhang bei Abschlussrechnungspositionen, die im Anhang erläutert werden. 

Étudier