Banking & Finance Private & Investment Banking
Erweiterung Modul 6
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Cartes-fiches
Was ist die Bedeutung des Private Banking für die Schweiz?
Das Schweizer Private Banking ist ein wichtiger Eckpfeiler unseres Finanzplatzes und auch heute noch das mit Abstand grösste Zentrum für das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft weltweit (Schweiz als grösster Offshore-Anbieter & drittgrösster Anbieter von Private Banking Dienstleistungen weltweit)
Definition Private Banking
Private Banking umfasst sämtliche Bankdienstleistungen für wohlhabende Privatkunden und deren Familien. Das beinhaltet in erster Linie die Anlageberatung und die Vermögensverwaltung
Was sind fünf zentrale Merkmale des Private Banking?
– Reiche bis super reiche Kunden (Kundensegmentierung nach Vermögen)
– Persönliche und langfristige Kundenbeziehung (Trotz Digitalisierung ist Private Banking sehr persönlich & basiert auf einem Vertrauensverhältnis zum eigenen Kundenberater)
– Vertrauen und Diskretion (früher Bankengeheimnis)
– Servicequalität und ganzheitliche, häufig massgeschneiderte Lösungen
– Tätigkeit ist grundsätzlich losgelöst von der Rechtsform (z.B. auch genossenschaftlich, öffentlichrechtliche Institute oder gar Non- und Near-Banks)
Weitere Eigenschaften von Private Banking bezüglich Kundenstruktur
-Ein wesentlicher Unterschied zum Commercial/Retail Banking liegt in der Kundenstruktur und in der Art der Dienstleistung: Das Private Banking konzentriert sich ausschliesslich auf vermögende Privatpersonen und bietet für die entsprechenden Kundenbedürfnisse auch individualisierte Lösungen an.
-Solche Dienstleistungen sind mit höheren Kosten für die Bank verbunden, daher sollte ein Private Banking Kunde über ein gewisses Mindestvermögen (ca. CHF 250’000 bis CHF 500'000) verfügen
-Kundensegmentierung nach Vergmögen in Retail-Kunden, Affluent-Kunden, High Net Worth Individuals, Very HNWI & Ultra HNWI (100k, 500k, 5Mio, 50Mio)
-Einige Bankengruppen (wie Kantonalbanken oder Grossbanken) bieten bereits für Affluent-Kunden Private Banking Dienstleistungen an.
-Art der angebotenen Dienstleistung unterscheidet sich je nach Kundensegment: Affluent-Kunde erhalten Zugang zu herkömmlichen Private Banking Services, wohingegen ein UHNWI-Kunde massgeschneiderte Lösungen offeriert bekommt.
-Die Komplexität der Dienstleistungen nimmt also im Vermögen zu. Zudem steigt die Verhandlungsmacht (bezüglich Fees,..) der Kunden ebenfalls im Vermögen
Wie verdient die Bank am Private Banking?
Im Vergleich zum Commercial und Retail Banking verdient das Private Banking bei solchen Dienstleistungen aber nicht an einer Zinsmarge, sondern verrechnet den Kunden entsprechende Kommissionen (Position Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft hat somit bei Bankinstituten mit einem ausgeprägten Private Banking Fokus den grössten Anteil am Betriebsertrag)
Welche zyklische Komponente weist das Private Banking auf?
Aufgrund der starken Fokussierung auf die Anlageberatung ist der Erfolg des Private Banking auch von der Stimmung an den globalen Finanzmärkten abhängig. In einer Phase des Aufschwungs mit viel Optimismus unter den Marktteilnehmern sind diese eher bereit ihr Vermögen aktiv zu investieren, was sich positiv auf die Kommissions- und Dienstleistungserträge auswirkt
Welche Bankengruppen sind in der Schweiz vor allem im Private Banking aktiv & wann zählt man als Privatbank?
-Vor allem auf Börsen-, Effekten- und Vermögensverwaltungsgeschäfte spezialisierten Institute (Vontobel, Julius Bär) und Privatbankiers im Private Banking aktiv (aber auch Grossbanken, ausländisch beherrschte Banken, Kantonalbanken)
-Ab Schwellenwert von 33% des Ertrags aus Kommissions-& Dienstleistungsgeschäft zählt man als Privatbank & unterliegt einer Deklarationspflicht (AuM/NNM)
Anhand welcher Kennzahlen lässt sich die Operative Effizienz und finanzielle Wertschaffung des Private Bankings beurteilen?
-Assets under Management (AuM, Verwaltete Vermögen): Grössenangabe, wie viel Kundengelder im Rahmen der Anlageberatung und Vermögensverwaltung betreut werden (nur bankfähige Vermögenswerte). Die Höhe der verwalteten Vermögen verändert sich somit aufgrund von Kursschwankungen der Wertpapiere, Wechselkursschwankungen sowie Geldzuflüsse und Geldabflüsse (Marktwert der Kundengelder)
-Net New Money (NNM, Netto-Neugeldzufluss): Zentrale Grösse zur Beurteilung von Wachstum; Netto- Veränderung der verwalteten Vermögen unter Ausschluss von Zins- und Dividendenerträgen sowie Kursschwankungen. Finanzielle Kennzahl für das Kundenvertrauen und die Attraktivität der Bank
-Brutto-/ Nettomarge in Bezug zu AuM: Die Bruttomarge respektive Nettomarge gibt Aufschluss über die Rentabilität des Private Banking, indem Erträge in Relation zur Ertragsbasis gestellt werden (in Basispunkten, also 1 Bps=0.01%)
-Cost Income Ratio (CIR, Aufwand-Ertrag-Verhältnis): Zentrale Kennzahl, um die Effizienz im Private Banking zu messen. Kosten pro erwirtschafteten Franken. Je tiefer die Cost Income Ratio, desto effizienter arbeitet eine Bank. (CIR von 75% würde bedeuten, dass für jeden erwirtschafteten Franken im Durchschnitt CHF 0.75 an operativen Kosten anfallen)
Beschreibe die Anlageberatung (Advisory) / Beratungskunden
-Im Rahmen der Anlageberatung erbringt das Private Banking eine Beratungs- und Informationsdienstleistung.
-Verfügungsmacht (wie Entscheid Kauf/Verkauf Aktie) bleibt nach wie vor beim Kunden und die Bank lediglich beratend zur Seite steht
-Beratungsfunktion wird üblicherweise durch den persönlichen Kundenberater ausgeführt (der aber auch teils beeinflussend wirkt)
-Es wird keine direkte Beratungskommission verrechnet, sondern die Bank verdient indirekt an der Vermittlungsgebühr (Courtage) beim Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers & an der Depotgebühr
Beschreibe die Vermögensverwaltung (Vermögensverwaltungsmandat) / Diskretionäre Kunden
-Kunde delegiert sämtliche Anlagekompetenzen im Rahmen eines allgemeinen Vermögensverwaltungsauftrages (VVA) an die Bank, welche im Anschluss sämtliche Anlageentscheide trifft
-Kunde erwartet dabei in erster Linie eine gute Performance & hat die Möglichkeit verschiedene Vorgaben zu definieren, wie sein Vermögen verwaltet werden soll (wie maximaler Anteil an Aktien, nur Schweizer Titel,.. im Portfolio) Dafür wird spezieller VVA abgeschlossen, woraufhin die Bank im Rahmen dieser Vorgaben die entsprechenden Anlageentscheide trifft (höhere Kommission)
-Neben dem Verdienst an Courtage und Depotgebühr wird zusätzlich eine Verwaltungsgebühr erhoben (Fee based, 0.3-1.8% auf das angelegte Vermögen)
Beschreibe das Depotgeschäft / Self-directed / Depotkunden, Custody
-Basisdienstleistung der Anlageberatung und Vermögensverwaltung mit dem Ziel, dem Kunden eine sichere und flexible Möglichkeit zu bieten, seine Anlagen wie auch Wertschriften aufzubewahren
-Basis ist ein sogenannter Hinterlegungsvertrag, es gibt zwei unterschiedlichen Depotvarianten:
-Offenes Depot: Umfasst nicht nur um die sichere Verwahrung, sondern auch um die ordentliche Verwaltung der hinterlegten Sicherheiten. Dies beinhaltet beispielsweise die Überwachung von Dividendenzahlungen bei Wertschriften oder die Gutschrift von Zinszahlungen (auch möglich ist die Vertretung an GVs oder die Ausübung von Bezugsrechten bei Kapitalerhöhungen durch eine schriftliche Instruktion des Kunden)
-Verschlossenes Depot: Bank übernimmt nur die ordnungsgemässe und sichere Verwahrung. Diese Depotvariante eignet sich nur für Wertgegenstände, die keine Verwaltung benötigen und langfristig aufbewahrt werden sollen (wie Testamente, Urkunden oder Bilder) (Unterschied zum Schliessfach: Kunde übergibt den Wertgegenstand in versiegeltem Umschlag oder plombierter Kiste der Bank erhält Empfangsbestätigung. Die Bank verwahrt den Gegenstand im Tresor vs. Schliessfach: Kunde hinterlegt Gegenstand selbständig in persönlichem Fach, jederzeitigen Zugriff)
-Reine Depotkunden treffen also eigene Anlageentscheidungen & benötigen die Bank nur für Verwaltung/Verwahrung des Vermögens
-Gebühren fallen in beiden Fällen an, beim offenen Depot höher aufgrund der zusätzlichen Verwaltungstätigkeit (Transaction based, Ticket fee)
Was gehört zum Financial Planning?
-Im Rahmen des Financial Planning werden verschiedene weitere Dienstleistungen ausserhalb der klassischen Anlageberatung und Vermögensverwaltung angeboten.
-Ziel ist es ein umfassendes Verständnis der Einkommens- und Vermögenssituation des Kunden zu erhalten und diesen bei der Verfolgung wie auch Umsetzung verschiedener finanzieller Ziele zu unterstützen:
-Steuerliche Beratung: Optimierung der aktuellen wie auch zukünftigen Steuersituation (wie Hauskauf vollständig durch EK finanzieren oder Hypothek aufnehmen)
-Vorsorgeplanung: Wie sieht die aktuelle Vorsorgeplanung des Kunden aus und deckt sich diese mit den angestrebten Zielen (wie frühzeitige Pension, zukünftigen Rentenleistungen)
-Ehegüterrecht: Wie können die Einkommens- und Vermögensverhältnisse klar geregelt werden
-Nachlassplanung: Beratung und Optimierung von Nachlasslösungen (wie Vermögen fair und steuergünstig an die nächste Generation weitergegeben)
-Weitere: Rechtsberatung, Versicherungen
-Solche Beratungen können sehr umfassend und zeitintensiv sein (Beratungskommission)
Definition Investment Banking
Investment Banking umfasst Bankdienstleistungen für grosse Unternehmen und öffentlichrechtliche Institutionen auf dem Kapitalmarkt mit Fokus auf Kapitalbeschaffung auf dem Primär und Sekundärmarkt, Beratung zu Corporate Finance sowie Handel am Sekundärmarkt (Asset Management)
Was sind die zentralen Charakteristiken von Investmentbanking?
-Vielseitiges Tätigkeitsfeld: Ursprüngliche Hauptaufgabe des Investment Banking bestand darin grosse Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung auf dem Primärmarkt zu unterstützen und den Handel am Sekundärmarkt durchzuführen
-Vereinfacht handelt es sich beim Investment Banking um das Private Banking für grosse Unternehmen und öffentlich-rechtliche Institutionen
-Der Grossteil dieser Tätigkeiten im Investment Banking generiert für die Bank Kommissionserträge (wie M&A) oder Handelserträge (wie Brokerage)
-Erweiterung des Tätigkeitsfelds aufgrund stetiger Veränderung auf dem Finanzmarkt mit neuen Finanzinnovationen: Durchführung von Fusionen und Akquisitionen, die Entwicklung von neuen Produkten, der Eigenhandel, die Anlageberatung von institutionellen Kunden, die Emission, Platzierung und das Market Making unterschiedlicher Finanzinstrumente, Brokerage sowie weitere Finanzdienstleistungen (Corporate Finance, Research,..)
-Bis zur Finanzkrise war der Eigenhandel weiterer ausschlaggebender Einkommenstreiber (Erträge daraus seither stark zurückgegangen)
-Investmentbanking in der Schweiz weniger stark verbreitet Grossbanken UBS und CS nehmen führende Rolle ein
Was versteht man unter dem Emissionsgeschäft (Kapitalmarkt)?
-Investment Banking unterstützt im Rahmen des Emissionsgeschäfts ihre Kunden bei der Aufnahme von zusätzlichem Kapital durch die Herausgabe von Wertpapieren
-Beratende Funktion, um festzustellen, welche Form der Kapitalbeschaffung am meisten Sinn macht (FK wie Obligationen oder EK wie Aktien)
-Konkreter Emissionsprozess: Platzierung der Wertpapiere bei interessierten Investoren und somit die Sicherstellung, dass der gewünschte Kapitalbedarf aufgenommen werden kann
-Besondere Form dieses Geschäfts: Initial Public Offering (IPO) eines Unternehmens (private Gesellschaft wandelt sich in Publikumsgesellschaft durch die erstmalige Platzierung und Kotierung der entsprechenden Beteiligungspapiere an der Börse)
-Neben der Börseneinführung & der Kapitalerhöhung übernimmt das Investment Banking in Bezug auf Kapitalmärkte weitere Aufgaben wie Mitarbeiter-& Managementbeteiligungen oder den Rückkauf eigener Aktien (Reduktion der Anzahl Aktien durch Kauf & Vernichtung)
Was versteht man unter Mergers & Acquisitions (M&A)?
-Durch Globalisierung und strukturellen Veränderungen hat Anzahl an Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen zugenommen
-Solche Transaktionen umfassen sowohl finanzielle, rechtliche und auch steuerliche Aspekte, weshalb der Beizug von Experten essenziell ist
-Beratende Funktion von der Auswahl eines passenden Übernahmekandidaten bis hin zum effektiven Zusammenschluss
-Zusätzlich gibt es oft Rekonstruierungen von Unternehme wie Verkauf von einzelnen Geschäftsbereichen, wo ebenfalls Beratung zur Ermittlung eines fairen Verkaufspreises und der Suche eines passenden Käufers nötig sind
Was versteht man unter Brokerage & allgemeinen Beratungsdienstleistungen?
-Kauf/Verkauf von Wertpapieren (wie Aktien, Rohstoffe, Obligationen etc.) im Auftrag des Kunden,
-Kunde erhält so indirekt Zugriff auf verschiedene globale Handelsplätze (wichtig für professionelle Marktteilnehmer zum Aufbau eines global diversifiziertes Portfolio)
-Übernimmt Blockaufträge der Kunden und versucht als Broker ein grosses Aktienpaket an eine Drittpartei weiterzuverkaufen (wenn zb das Volumen an der Börse zu klein ist für eine preisneutrale Ausführung des gesamten Aktienpaketes)
-Research-Reports oder Investment-Ideen, mit dem Ziel den Kundenumsatz zu steigern & allgemeine Beratungsdienstleistungen im Bereich Corporate Finance an oder in Bezug auf steuerliche Aspekte
Was versteht man unter dem Eigenhandel einer Bank?
-Investment Banking kann neben dem Handel für Kunden auch auf eigenen Namen und eigene Rechnung am Geld-& Kapitalmarkt investieren
-Entsprechend handelt es sich hierbei um keine Dienstleistung für Kunden oder Drittparteien, sondern der Eigenhandel verfolgt aktiv das Ziel aus Kursschwankungen Gewinne zu erzielen
-Deutlich erhöhtes Risiko für die Gesamtbank, da solche Eigenhandelsaktivitäten auch zu erheblichen Verlusten führen können (Lehmann Brother, US Subprime Hypothekarmarkt verspekuliert), dadurch können Universalbanken die Sicherheit ihrer Kundeneinlagen gefährden
Wie unterscheidet sich das Investment Banking vom Commercial Banking?
-Abbildung fehlt
-Institutionelle Investoren sind vor allem andere Banken, Versicherungen, sehr reiche Kunden, Unternehmen,..
-Investment Banking ist je nach dem auch für sehr grosse Kredite zuständig
-Beim Commercial Banking liegt das Kreditrisiko bei der Bank, während beim Investement Banking die Weitergabe an den Markt typisch ist. Das heisst, dass Anleihen/Aktien nur ganz kurz auf die eigenen Bücher genommen werden bevor sie auf den Markt kommen (Ausnahme Eigenhandel)