Wirtschaft und Recht - Finanzbuchhaltung, Obligationen, Allgemeine Vertragslehre

Witschaft & Gesellschaft 1 Lehrmittel für die kaufmännische Grundbildung, 1. Lehrjahr 2. Auflage 2015, hep verlag ag, Bern Kapitel 6, Kapitel 16, Kapitel 17

Witschaft & Gesellschaft 1 Lehrmittel für die kaufmännische Grundbildung, 1. Lehrjahr 2. Auflage 2015, hep verlag ag, Bern Kapitel 6, Kapitel 16, Kapitel 17


L. P.
Diese Lernkarten decken grundlegende Konzepte der Finanzbuchhaltung, Obligationen und der allgemeinen Vertragslehre auf dem Niveau der Mittelschule ab. Sie behandeln zentrale Themen wie Vertragsarten, Erfüllungsmodalitäten, Schadenersatz und Vertragsverletzungen, wobei auch spezifische Beispiele und Formvorschriften wie einfache Schriftlichkeit oder öffentliche Beurkundung erklärt werden. Besonders nützlich sind sie für Schüler und Studierende, die sich auf Prüfungen im Bereich Wirtschaft und Recht vorbereiten, da sie sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Anwendungen vermitteln.
Karten
77
Lernende
6
Sprache
Deutsch
Kategorie
BWL
Stufe
Mittelschule
Erstellt / Aktualisiert
07.02.2019 / 12.08.2024

Flashcards

Was ist die Finanzbuchhaltung?

  • erfasst alle vermögensrelevante Geschäftsfälle eines Unternehmens chronologisch und systematisch anhand der Belege, auf diese Weise kann die Bilanz, Erfolgsrechnung und Geldflussrechnung gebildet werden

Über was geben die Bilanz und Erfolgsrechnung allgemein Auskunft?

  • ob ein Unternehmen Gewinn oder Verlust gemacht hat

Über was gibt die Bilanz im Detail Auskunft?

  • über das Vermögen und die Schulden eines Unternehmens

Über was gibt die Erfolgsrechnung im Detail Auskunft?

  • über die Aufwände (Ausgaben) und Erträge (Einnahmen) eines Unternehmens

Welche Aufgaben erfüllt die Finanzbuchhaltung im Wesentlichen?

  • Dokumentation: sämtliche Geschäftsfälle werden erfasst, Unternehmenserfolg ist ersichtlich
  • Rechenschaftslegung nach aussen: der Geschäftsbericht informiert die Anspruchsgruppen (Aktieninhaber/Fremdkapitalgeber)
  • Beweismittel: bei rechtlichen Auseinandersetzungen
  • Grundlage für die Steuerveranlagung: das steuerbare Einkommen und Vermögen wird daraus ersichtlich
  • Aktive Öffentlichkeitsarbeit: der Jahresbericht lässt sich auch als Werbung einsetzen

Was verlangt die Schweizer Gesetzgebung von allen Unternehmen, welche im Handelsregister eingetragen sein müssen?

  • Erstellung eines Inventars (Verzeichnis des Besitzstandes)
  • Erstellung einer Erfolgsrechnung und Bilanz (Art. 958 OR)
  • Grundsätze ordnungsgemässer Buchführung (Art. 959 OR)

Was sollen die Erstellung eines Inventars, Erfolgsrechnung und Bilanz, sowie die ordnungsgemässe Buchführung sicherstellen?

  • dass Informationen für die Anspruchsgruppen der Wahrheit entsprechen und im Zweifelsfall eher schlechter dargestellt werden als sie tatsächlich sind (Vorsichtsprinzip)

Was ist das Rechnungswesen?

  • die Finanzbuchhaltung ist ein Teil des Rechnungswesens, zu dem auch die Betriebsbuchhaltung und die ergänzenden Berichte gehören

Was ist die Betriebsbuchhaltung?

  • sie erfasst alle anfallenden Kosten und Einnahmen
  • damit kann berechnet werden, was die Herstellung und der Verkauf eines Produktes effektiv kostet

Was sind ergänzende Berichte?

  • diverse betriebswirtschaftliche Kennzahlen, z.B. zur Rentabilität, Liquidität und Vermögensstruktur eines Unternehmens

Aus welchen 3 Bereichen besteht das Rechnungswesen?

  • Finanzbuchhaltung (Bilanz, Erfolgsrechnung, Budget und Geldflussrechnung)
  • Betriebsbuchhaltung
  • ergänzende Berichte

Für was benötigt man in der Bilanz und Erfolgsrechnung verschiedene Konten?

  • während des Jahres verändern sich die Bilanz und Erfolgsrechnung durch Geschäftsfälle laufend, diese Veränderungen werden in den Konten gesammelt, für jeden Posten der Bilanz und Erfolgsrechnung wird ein separates Konto geführt

Was ist die Doppelte Buchführung?

  • ein Konto besteht aus zwei Seiten, dem Soll und Haben
  • jeder Geschäftsfall wird in zwei versch. Konten verbucht, einmal im Soll und einmal im Haben
  • in welchem Konto ein Betrag im Soll und im Haben einzutragen ist, bezeichnet man als Buchungssatz

Was ist ein Journal?

  • darin werden alle Geschäftsfälle chronologisch geordnet und erfasst
  • ein Journal enthält das Datum, die Beschreibung des Geschäftsfalls, den Buchungssatz und den Betrag

Erkläre den Aufbau einer Bilanz?

  • sie ist stichtagsbezogen (in der Regel wird sie auf den 31.12. erstellt), sie enthält die Zusammenstellung aller Aktiven und Passiven
  • die Aktiven werden unterteilt in Umlaufvermögen (Kasse, Bank, Post) und Anlagevermögen (Wertschriften, Mobiliar, Liegenschaften etc.), die Passiven werden in Fremdkapital und Eigenkapital unterteilt
  • die Differenz zwischen Aktiv- und Passivseite entspricht dem Ertrag, ist dieser positiv weist das Unternehmen einen Gewinn aus, ist er negativ einen Verlust

Erkläre den Aufbau einer Erfolgsrechnung?

  • im Gegensatz zur Bilanz ist sie zeitraumbezogen (in der Regel vom 1.1.-31.12.)
  • sie stellt in dieser Periode alle angefallenen Aufwände (Ausgaben) und Erträge (Einnahmen) einander gegenüber
  • als Differenz zwischen Aufwand und Ertrag resultiert der Erfolg in Form von Gewinn oder Verlust

Was ist eine Obligation?

  • ein Rechtsverhältnis zwischen zwei oder mehreren Personen, aus dem die eine Partei ein Recht auf Leistung hat und die andere Partei zu dieser Leistung verpflichtet ist

Was sind Gläubiger und Schuldner?

  • Gläubiger ist die Partei, welche ein Recht auf Leistung (Forderung) hat
  • Schuldner ist die Partei, welche zu einer Leistung verpflichtet (Schuld) ist

Was ist das Schuldverhältnis?

  • dieses umfasst die Gesamtheit der Rechtsbeziehungen zwischen einem Gläubiger und einem Schuldner und kann mehrere Obligationen, also Verpflichtungen, beinhalten
  • aus einem Kaufvertrag z.B. ergeben sich zwei Obligationen, die erste richtet sich auf den Kaufpreis, die zweite auf die verkaufte Sache

Aus welchen Gründen können Obligationen zwischen zwei Personen entstehen?

  • mit dem Willen der Parteien, durch einen Vertrag
  • von Gesetzes wegen, durch unerlaubte Handlung oder ungerechtfertigte Bereicherung

Wie entsteht eine Obligation mit dem Willen der Parteien?

  • die Parteien verpflichten sich freiwillig zu einer oder mehreren Leistungen, sie schliessen also einen Vertrag ab und werden durch diesen gebunden

Wie entsteht eine Obligation von Gesetzes wegen?

  • fügt jemand einem Dritten widerrechtlich einen Schaden zu, kann er gegen seinen Willen schadenersatzpflichtig werden, die Obligation entsteht in solchen Fällen von Gesetzes wegen durch eine sogenannte unerlaubte Handlung
  • ebenfalls unabhängig vom Willen der Beteiligten entstehen Obligationen aus ungerechtfertigter Bereicherung

Welche 4 Fragen müssen zur Verschuldungshaftung (Haftung bei unerlaubter Handlung) mit JA beantwortet werden?

  1. Schaden: ist ein Schaden eingetreten?
  2. Widerrechtlichkeit: war die Handlung widerrechtlich?
  3. Adäquater Kausalzusammenhang: war die widerrechtliche Handlung kausal (ursächlich) für den Schaden?
  4. Verschulden: hat der Schädiger absichlich oder fahrlässig gehandelt?

Erkläre das Tatbestandsmerkmal "Schaden"?

  • Schaden ist im rechtlichen Sinne eine unfreiwillige Vermögensverminderung unterschieden werden folgende zwei Schäden:
  • Personenschaden: Schaden, der durch Körperverletzung oder Tötung entsteht, daraus entstehen Heilungskosten, Verdienstausfall
  • Sachschaden: Schaden aus der Beschädigung oder Zerstörung einer Sache, durch welche Reparatur- oder Wiederbeschaffungskosten entstehen und zu einem Minderwert führen

Erkläre das Tatbestandsmerkmal "Widerrechtlichkeit"?

  • eine Handlung, mit welcher ein absolutes Recht wie das Eigentumsrecht oder die Persönlichkeitsrechte (Gesundheit, Ehre, Privatsphäre) verletzt wird und dafür kein Rechtfertigungsgrund gegeben ist

Erkläre das Tatbestandsmerkmal "Adäquater Kausalzusammenhang"?

  • ein Geschädigter hat nur dann Anspruch auf Schadenersatz, wenn die widerrechtliche Handlung die Ursache des Schadens war, nicht jede Ursache eines Schadens ist auch rechtlich erheblich, für völlig ungewöhnliche Folgen haftet der Verursacher nicht
  • die Haftung soll auf ein vernünftiges Mass begrenzt werden, für Schäden welche nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung nicht zu erwarten sind, haftet ein Schädiger deshalb nicht, in einem solchen Fall fehlt der sogenannte adäquate (angemessener) Kausalzusammenhang

Erkläre das Tatbestandsmerkmal "Verschulden"?

  • der Schädiger haftet nur, wenn ihn ein Verschulden trifft, d.h. wenn man ihm sein Verhalten vorwerfen kann
  • dabei wird zwischen Absicht und Fahrlässigkeit unterschieden, absichtlich handelt, wer einen Schaden will

Welche 2 Formen des Verschuldens gibt es?

  • Absicht: willentlich mit Absicht
  • Fahrlässigkeit: grobe Fahrlässigkeit (darf nicht passieren), leichte Fahrlässigkeit (sollte nicht passieren)

Erkläre allgemeine Fahrlässigkeit?

  • diese liegt vor, wenn jemand - bewusst oder unbewusst - die erforderliche Sorgfalt nicht beachtet

Erkläre "Grobe Fahrlässigkeit"?

  • diese liegt vor, wenn jemand die elementarsten Vorsichtsgebote missachtet
  • z.B. ein Autolenker, welcher am Steuer eine SMS schreibt, betrunken oder mit massiv überhöhter Geschwindigkeit fährt, handelt grobfahrlässig

Erkläre "Leichte Fahrlässigkeit"?

  • diese liegt vor, wenn jemand geringfügig von der nötigen Sorgfalt abweicht
  • z.B. einem Autofahrer, der langsam auf einer schneebedeckten Strasse fährt, jedoch überraschend bremsen muss und dabei ins Schleudern gerät, wird lediglich leichte Fahrlässigkeit vorgeworfen

Was ist eine Kausalhaftung?

  • Haftung ohne Verschulden (nicht durch eigenes Verschulden, sondern aus Mangel an einer Sache oder durch fremdes Verschulden, man kann haftbar gemacht werden, weil man für eine Sache oder eine fremde Person verantwortlich ist)

Welche 3 Fragen müssen bei einer Kausalhaftung mit JA beantwortet werden?

  • Schaden
  • Widerrechtlichkeit
  • adäquater Kausalzusammenhang

Nenne 3 Beispiele einer Kausalhaftung?

  • Haftung des Tierhalters (Art. 56 OR): der Tierhalter haftet für den von seinem Tier angerichteten Schaden
  • Haftung des Familienhauptes (Art. 333 ZGB): das Familienhaupt (Mutter/Vater) haftet für den Schaden, den ein Kind, Entmündigter, Geistesschwacher oder Geisteskranker im selben Haushalt lebend, verursacht
  • Haftung des Motorfahrzeughalters (Art. 58 SVG): der Halter eines Motorfahrzeuges haftet für den Schaden, der duch den Betrieb seines Fahrzeuges entsteht

Wie entsteht eine Obligation von Gesetzes wegen aus ungerechtfertigter Bereicherung?

  • ohne gültigen Grund: eine Rechnung wird versehentlich doppelt bezahlt, also erfolgt die Zahlung ohne Rechtsgrund, der Empfänger ist ungerechtfertigt bereichert, die Rückerstattung darf gefordert werden
  • aus einem nicht verwirklichten Grund: jemand möchte ein Grundstück kaufen und macht dafür eine Anzahlung, doch dann möchte der Eigentümer das Grundstück doch nicht mehr verkaufen, also ist der Eigentümer durch die Anzahlung ungerechtfertigt bereichert worden, der Käufer darf die Anzahlung zurück verlangen
  • aus einem nachträglich weggefallenen Grund: eine Familie lebt in einer Wohnung und zahlt den Mietzins immer im Voraus, wenn die Wohnung nach einem Brand nicht mehr bewohnbar ist, kann die Familie den Mietzins für die Zeit nach dem Brand zurück fordern, der Grund für die Zahlung, das Mietverhältnism ist nachträglich weggefallen und der Vermierter ungerechtfertigt bereichert worden

Entstehungsgründe einer Obligation durch einen Vertrag, richtig oder falsch?

Entstehungsgründe einer Obligation durch einen unerlaubte Handlung, richtig oder falsch?

Entstehungsgründe einer Obligation durch ungerechtfertigte Bereicherung, richtig oder falsch?

Welches ist im Alltag der wichtigste Entstehungsgrund für eine Obligation (Verpflichtung)?

  • Vertrag

Erkläre den Unterschied zwischen einer Verschuldenshaftung und einer Kausalhaftung?

  • Verschuldenshaftung: Haftung wegen eines vorwerfbaren Verhaltens, vorausgesetzt wird Absicht oder Fahrlässigkeit
  • Kausalhaftung: Haftung ohne Verschulden, weil man für eine fremde Sache oder fremdes Verhalten verantwortlich ist

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