Grundlagen der Entscheidungstheorie


B. I.
Diese Lernkarten bieten einen Überblick über die Grundlagen der Entscheidungstheorie auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Konzepte wie Entscheidungsprozesse, Modelle, Prognosen und Bewertungen, wobei sowohl programmierbare als auch nicht programmierbare Entscheidungen betrachtet werden. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende der Betriebswirtschaftslehre, die sich mit den Phasen und Aktivitäten der Entscheidungsfindung vertraut machen möchten, um fundierte und rationale Entscheidungen in verschiedenen Situationen treffen zu können.
Karten
27
Lernende
5
Sprache
Deutsch
Kategorie
BWL
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
17.05.2018 / 10.07.2018

Cartes-fiches

Nennen Sie die Punkte des Phasenkonzepts nach Simon.

1. Diagnoseaktivität

2. Entwurfsaktivitäten (Alternativenerzeugung)

3. Umweltprognose

4. Prognose der Entscheidungskonsequenzen

5. Bewertung und Auswahl

6. Realisationsprozess

7. Kontrollinformationen (Soll/Ist Vergleich)

Was ist die Aufgabe einer Diagnoseaktivität (Intelligence activity)? 

Aufgabe: Identifizierung von Entscheidungsproblemen

Beschreiben Sie die jeweiligen Situationen der Diagnoseaktivität.

- In wohlstrukturierten Situationen (z.B Routineentscheidungen):

  - meist identisch mit Soll/Ist Vergleich

  - programmierte Auslösemechanismen für Routinenentscheidungen

- In schlecht strukturierten Situationen meinst nur indirekte Hilfen: 

  - Sammlung relevanter Basisinformationen (Managementinformationssysteme, Prognosemodelle, Frühwarnsysteme)

  - Methoden der starren Extrapolation (Bedrohung durch eigene Politik) 

  - Erklärungsmodelle

 

Was ist die Aufgabe einer Entwurfsaktivität (design activity)?

Aufgabe: Erzeugung von Handlungsmöglichkeiten (Entscheidungsalternativen)

Beschreiben Sie die jeweiligen Situationen der Entwurfsaktivität (design activity).

- In wohlstrukturierten Situationen: 

 - meist routinemäßige Erzeugung

 - mathematische Formalisierung mit Hilfe von Entscheidungsvariablen (= Basis für Optimierungsverfahren)

- In schlechtstrukturierten, innovativen Situationen:

 - hohe Anforderung an unternehmerische Kreativität

 - indirekte Hilfen durch wissenschaftliche Modelle: (Modellierungsversuche, Expertensysteme)

 - indirekte Hilfen durch psychologische (kreativitätsfördernde) Techniken: (z.B laterales Denken, Brainstorming)

Was ist die Aufgabe der Umweltprognose (Entwicklungsprognose)? 

Aufgabe: Schätzung und Prognose der relevanten Daten

Beschreiben Sie die Umweltprognose näher.

*Umwelt = relevantes Umfeld, kann vom Entscheidungsträger nicht gestaltet werden 

häufig: vom Markt geforderte Absatzmengen

*Szenario = relevante zukünftig mögliche Umweltkonstellation

*Prognose der relevanten Daten (Umweltparameter, Szenarien) mit Unsicherheiten behaftet 

 --> fallweise unterschiedlich hohes Entscheidungsrisiko

*Prognosemodelle:

 - Zeitreihenextrapolationsmodelle für kurzfristige Bedarfsprognosen

 - kausale Prognosemodelle für mittelfristige Nachfrageprognosen

Was ist die Aufgabe von Prognose der Entscheidungswirkung (Wirkungsprognose)? 

Aufgabe: Lieferung von Wenn/Dann -Aussagen 

--> Wenn eine bestimmte Entscheidungsalternative gewählt wird und eine bestimmte Umweltkonstellation eintritt, dann nehmen die relevanten Wirkungsgrößen (z.B Gewinne) folgende Werte an. 

Durch welche Modelle kann die Prognose der Entscheidungswirkung (Wirkungsprognose) unterstützt werden?

* Durch Systemmodelle, d.h. durch Modelle des gesteuerten oder gestalteten Systems.

--> Quantitative Systemmodelle: 

analytische Modelle und Simulationsmodelle

Was ist die Aufgabe der Bewertung und Auswahl? 

Aufgabe: Bewertung der Entscheidungsalternativen im Hinblick auf Unternehmensziele und ggf. auf Entscheidungsrisiken;

Auswahl der besten Alternative oder zumindest einer Alternative, die dem Zielanspruchsniveau genügt. 

Was ist das Problem bei der Bewertung und Auswahl? 

Problem: Konzipierung von Zielsystemen und von qualitativen und quantitativen Entscheidungskriterien, welche operational (d.h praktikabel) sind und Oberziele des Unternehmens nachhaltig und widerspruchsfrei fördern. 

 

--> wissentschafliche Hilfe ggf. durch Bewertungsmodelle (z.B Kosten-Nutzenmodelle und Nutzwertanalysen).

Was ist die Aufgabe des Realisierungsprozesses? 

Aufgabe: praktische Umsetzung der in Bewertung und Auswahl gewählten und durch Instruktionen autorisierten Entscheidungsalternative.

Was sagt das Realisierungsprozess? 

*Entscheidungen auf höherer Managementebene i.d.R für unmittelbare praktische Umsetzung nicht konkret oder nicht detailliert genug. 

- Auslösung von Ausführungsentscheidungen auf unteren Managementebenen --> konkrete Aktionen

- oder Rahmen- oder Zielvorgaben für untere Managementebenen

Was ist die Aufgabe der Kontrollaktivität?

Aufgabe:

- Überwachung und Bewertung der Konsequenzen

  --> laufend bei realisierten Routineentscheidungen fallweise bei strategischen Entscheidungen

- Soll/ Ist Vergleich

  --> bei gravierenden Abweichungen des Ist-Zustandes vom Sollzustand: Einleitung von Diagnoseprozessen und Korrekturentscheidungen 

- Auslösung neuer Entscheidungszyklen

 

 

Was hat jedes Unternehmensbereich im Bezug auf Kontrollaktvität?

- Kontrolle ist traditionelles Anliegen des internen und externen RW's 

- Jeder Unternehmensbereich mit zusätzlichen Kontrollsystemen; Überwachung wichtiger Qualitäts-, Leistungs und Kostenkennzahlen

Was sind die Anmerkungen zu den Teilaktivitäten?

- Gewicht und Komplexität der Teilaktivitäten 1 bis 7 je nach Entscheidungssituation sehr unterschiedlich ausgeprägt. 

Bsp: Diagnoseaktivität 

- bei strategischen Entscheidungen auf Top-Managementebene komplex und umfangreich

- bei operativen Entscheidungen auf der Meisterebene oft rudimentär

Es wurden zahlreiche einfache Routinenentscheidungen mit Hilfe von Entscheidungsmodellen und Entscheidungsregeln generell gelöst. Was sind die Voraussetzungen dafür?

Voraussetzungen: 

- laufende Bereitstellung aktueller und korrekter Daten

- Regeln, mit deren Hilfe der Computer erkennen kann, bei welchen Datenkonstellation die Entscheidungsregeln schlecht oder nicht funktionieren (Management by Exception)

Wie sieht die Reihenfolge in realen Entscheidungsprozessen aus? 

* Allgemein gilt: 

  - zunächst Planungsaktivitäten (Entscheidungsvorbereitung) (1) bis (5)

  - dann Realisierungsprozess (6)

  - schließlich Kontrollaktivitäten (7)

*Für Planungsaktivitäten keine allgemein gültige Reihenfolge

*Besonders bei schlecht strukturierten, innovativen Entscheidungen: Planungsprozess ist ein Lernprozess mit mehrfacher Rückkehr zu "früheren" Phasen. 

Was ist der Unterschied von einem Phasenkonzept(Simon) zum  Modell von Schierenbeck?

Schierenbeck

Zielbildung - Phase vorhanden

Prognose nur in einer Phase

Kontrolle und Abweichungsanalyse in 2 voneinander getrennten Phasen

Rückkopplung stärker betont

Vorwärtskopplung stärker betont bzw. vorhanden

Entscheidung in einer konkreten Phase

 

Simon

Keine Phase Zielbildung

Umweltprognose / Prognose der Entscheidungskonsequenzen

Beides in einer Phase (7.)

Rückkopplung sehr dünn / wenig vorhanden => von Phase 7. -> 1.

Bei Model von Simon nur implizit vorhanden

 

 

Beschreiben Sie die Entscheidungstypen

Welche Darstellungsformen von Modelltypen gibt es und geben Sie die jeweiligen Lösungsverfahren zu den Darstellungsformen an? 

Darstellungsform: 1. Verbal, 2. visuell, 3. physisch

Lösungsverfahren: 1. Optimierung, 2. Heuristik, 3. Simulation

Beschreiben Sie die Entscheidungsebene I

Beschreiben Sie die Entscheidungsebene II.

Nennen Sie die Strukturmängel & Defekte nach Adam.

1. Wirkungsdefekt: Wirkungszusammenhänge nicht eindeutig bestimmbar z.B Zusammenhang von Werbemaßnahmen und Umsatz

2. Bewertungsdefekt: Einfluss einer Entscheidung auf relevante Zielgrößen nicht eindeutig z.B Aufspaltung in fixe und variable Kosten nicht möglich

3. Zielsetzungsdefekt: keine operationale, eindimensionale Zielfunktion existiert z.B Vorliegen konfliktärer Ziele 

4. Lösungsdefekt: keine effiziente-Lösungsmethode existiert z.B ganzzahlig-kombinatorische Probleme beim Travelling Salesman Problem

Unterscheiden Sie programmierbare und nicht programmierbare Entscheidungsprozesse v oneinander?

programmierbare Entscheidungsprozesse:

- sind wohl-struktuiert.

- repetitive Routineentscheidungen, für deren Handhabung bestimmte Prozeduren ausgearbeitet wurden.

- adaptive Entscheidungen bzw. Entscheidungsprozesse 

nicht programmierbare Entscheidungsprozesse:

- sind schlecht strukturiert

- nicht programmierbare Entscheidungen sind neu, unstrukturiert und in ihren Konsequenzen ungewiß. 

- umfassen einmalige, komplizierte und neue unternehmenspolitische Entscheidungen. 

Beschreiben Sie den wissenschaftlichen Erklärungsansatz? 

Was sind die Schwächen und Begrenzungen des Homo-Oeconomicus-Modells? 

Strukturdefekte: Zielsetzung (0), Wirkung (4), Bewertung (5), Lösung (5)

(0)Zielkritierien: 

- Fairness, Zusammenarbeit, Moral.

- Furcht, ins Hintertreffen zu geraten

(4)Umweltprognose: 

- Persönliche Betroffenheit

- Theorie der " nervösen Frösche"

(5)Bewertung & Auswahl: 

- Daumenregeln 

- a > b, b > c, aber c > a

- Vergleichs & Ankerpunkte

(5)Lösung

Wenn es keine effiziente Lösung gibt, kann der Homo Oeconomicus mit all seiner Alternativfindung auch keine sinnvolle Lösung finden. 

- Weizenbaum (Informatiker)

 

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