Politische Geographie

Politische Geographie

Politische Geographie


V. L.
Diese Lernkarten behandeln die komplexen Wechselwirkungen zwischen Raum, Macht und Konflikten auf universitärem Niveau. Sie beleuchten Themen wie den spatial turn, die Rolle von Akteuren und Ressourcen in globalen Konflikten, sowie die Auswirkungen von Sicherheitspolitik und Ressourcenknappheit. Besonders relevant für Studierende der Geographie und Politikwissenschaft, die sich mit aktuellen globalen Herausforderungen auseinandersetzen möchten.
Karten
23
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Geographie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
14.07.2017 / 19.07.2017

Lernkarten

Grenzen des Wachstums-Nachhaltigkeit-Ressourcenknappheit-Generationengerechtigkeit

  • weischelt: Ökologische Benachteiligung der Tropen
  • Startpunkt: nach Tragfähigkeit der Erde
  • Vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie: Limits of growth, endliche Menge an Ressourcen wird Wachstum globaler Ökonomien bestimmen, Schlüsselressourcen gelangten auf globale Agenda -> aktuelles, individuelles, lokales Handeln aller hat globale Auswirkungen, entsprechen aber nicht Zeithorizont und Handlungsraum eines jeden einzelnen -> Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unternernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum -> Berechnung von Szenarien
  • Parallel dazu seit frühen 80ern: Nachhaltigkeitsdiskussion, Erkenntnis der Übernutzung

-> Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft als Dimensionen von Wachstum

  • 30years after-Club of Rome: zu spät für nachhaltige Entwicklung
  • Ressourcenproblem nicht mehr nur physisches Problem sondern als Governance -> Assymetrien von Macht und Gewalt um Ressourcen zu nutzen oder deren Nutzung zu verhindern, Schlüsselakteure: Konzerne, Finanzmärkte (Spekulationen), Nationalstaaten (politisch gewollte Knappheiten)

 

spaces of exception- palästinensische Flüchtlingslager

-Palästinensische Flüchtlingslager: 

12 im Libanon seit 1948

kein Leben wie in anderen Ländern der Diaspora, nur in Flüchtlingslagern am Rande von Beirut

äußerlich nur unterscheidbar da es chaotischer und wilder aussieht, quasi Stadtteil, aber: komplett andere Regulierung

Steuerung durch UN-Organisation und NGOs -> Versuch Lebensbedingungen zu verbessern

informelle und kriminelle Akteure bilden Geflecht der Camps

-> Ineffizienz von Versorgungsstrukturen, Hisbollah daher bedeutend da Übernahme von Schulbildung + medizinischer Versorgung: Klientilistische Strukturen, Anfälligkeit gegenüber politischen Agenden, Parallelsysteme, Duplikation / fehlende Kooperation

eingebunden in räumlich-konfessionell segregierte libanesische Gesellschaft, scharfe Trennung muslimische + christliche Gebiete, Berufsverbot für Palästinenser, von lokaler Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen

anhaltender Konflikt denn Konfessionalismus als labiles Gefüge, politische Strukturen zwischen religiösen Gruppen, würde durch Integration Palästineser außer Kontrolle geraten (25% der Bevölkerung)

space of political otherness

 

Flüchtlingslager in Deutschland 

Keine Bürgerrechte die in demokratischen Staaten natürlich sind: Pass, Wohnort, Reisen -> herrscht anderes Rechssystem als außerhalb der Lager

Diskurse um Ressourcenarmut und -fluch: Dimensionen

Ökologische Aspekte: globale Schlüsselressourcen, nachhaltige Nutzung, ökologischer Rucksack:v.a. die mit höherem Pro-Kopf-Einkommen, Kreisberegnungsanlagen in Saudi-Arabien, Anbau von Cocktailtomaten im Disi-Gebiet aber verbrauchen viel Wasser -> virtuelle Wasserströme! Umweltbelastungen v.a. durch Industrieländer, weniger durch globalen Süden

-> großflächige Eingriffe in Landschaften, entscheidend welche Umweltbelastungen messbar sind, Instrumente zur Schätzung: virtuelles Wasser, Länder wie China, Europa, oder Naher Osten profitieren davon durch Erstellung von Konsumprodukten

  • Ökonomische Aspekte: Rohstoffbörsen, Verknüpfung von Finanz-und Rohstoffströmen: globaler Rohstoffhandel und seine Assymmetrien
  • Verkehrsgeographische: neue Massentransportsysteme, Hazard-Risiken etc
  • Sozialgeographische: Ausbeutung, Verarmung etc
  • Politisch-geographische: Ressourcenkonflikte/-fluch

Erklärung zu heutigen ethnischen Konflikten

  • Auseinanderbruch Osmanisches Reich
  • Millet-System als konfliktausgleichend, Angehörige der Buchreligionen als bedeutende Steuerzahler, daher weniger gefährdet als heute (Christen, Juden, Islam)
  • Sykes-Picot Abkommen von 1916, Versprechen von Groß-Arabien an Weizmann bzg. Israel, künstliche Linienziehung
  • Entstehung zahlreicher neuer Nationalstaaten mit Zielsetzung homogener Bevölkerung, divide &rule um Vorherrschaft der Briten zu gewährleisten
  • Unrechtsempfinden in Bevölkerungsteilen noch heute bringt arabischen Herrschern wie Nasser in Ägypten + Gaddafi in Libyen viel Popularität ein -> Prägten Sehnsucht nach großarabischem Reich
  • Jordanien und Irak entstanden um Söhne Faisals zufriedenzustellen
  • Palmyra und Resafa als Bsps für Räume die der IS einnimmt, wenn koloniale Mächte durch ihre Grenzziehung Konflikte vorprogrammieren

Weg in Sicherheits- und Kontrollstaat

  •  Kinder lernen nicht mehr Umgang mit sozialer Differenz durch Abschottung und Privatisierung öffentlicher Räume
  • Stadt braucht physische Orte, nicht nur mediale Orte der Begegnung
  • Liste überwachter Bereiche wird immer länger: Banken, Tankstellen, Bahnhöfe, Parkhäuser, U-Bahnen, Taxis, Schulen, Kitas
  • Singapur: private Sicherheitsdienste, heuern problematisches Personal an, immer mehr private Überwachung im Gegensatz zu normaler Polizei, Machtmonopol des Staats wird aufgelockert
  • Neue Ideen zur Herstellung von Sicherheit: New York – zero tolerance: kein Lärm, öffentlicher Drogenkonsum, Obdachlosigkeit nicht erwünscht
  • Städtischer Raum wird immer mehr nach Kriterien neuer Sicherheitspolitik gebaut (an Bahnhöfen charakteristisch: Bahnhofmission wird aus Bahnhöfen geschmissen etc), Nichtkonsumenten haben in Konsumenten-Bahnhöfen nichts zu suchen, sozial homogene Quartiere bis hin zu Schranken, Zäunen etc, gibt es horizontal sondern auch vertikal (siehe Bangkok – dual city: Häusermann: Das Ende der sozialen Stadt (Stadtsoziologie: komplexer Begriff dass für eine gesamte Bevölkerung soziale Sicherheit herzustellen ist, für inkludierte wird heute Schutz vor exkludierten, vor armen hergestellt -> vom wohltätigen zum strafenden Staat- Intervention in Städte) -> Staatlich garantierte Sicherheit wird nicht mehr garantiert, nur noch Sicherheit für solche die es bezahlen können -> Sicherheit wird zur käuflichen Ware v.a. in Ländern des globalen Südens wo bereits starke Gegensätze bestehen, z.B. Rio!

Resilienzforschung

  • Fähigkeit eines Umweltsystems, Störungen eine Zeitlang zu tolerieren, ohne Systemzusammenbruch (Puffer und Elastizität) -> da meist gekoppelt am Mensch-Umweltbeziehungen: Frage nach dem Einfluss von Menschen, nach Mechanismen und Strategien
  • Ansätze auf globaler Ebene zur gesellschaftlichen und ökologischen Lösung des Klimawandels gescheitert -> Trend zu technical turn (Systemzustände durch technische Lösungen zu stabilisieren) und neuer Konjunktur climate engineering, gibt aber eigentlich kaum technische Lösungen, ist vielmehr Verschleierung gesellschaftlicher Verantwortung und overkill modellorientierter Simulationen und technischer Lösungen 

spatial turn

Raumkritische Wende, nimmt Räume als kulturelle Größe wahr

Raum nun: Ergebnis sozialer Beziehungen, entspricht dem Interesse und Handeln einzelner Menschen oder Gruppen , wichtig: sozial und kulturell geformte Raum-Wahrnehmung bzw. -konstruktion.

  • Erforschung heute: Wie werden Räume und Raumzugänge, Verfügbarkeiten und räumliche Nutzungsbeschränkungen  verhandelt?
  • (nach dem Ende Kalter Krieg brach in politischer Geographie neue Vielfalt und Unübersichtlichkeit an Raumbildern, Raumdiskursen und Zugehörigkeiten aus -> Zerfall alter Staaten und Entstehung neuer)
  • widmet sich:  räumlichen Sichtweisen oder räumlichem Denken, betreibt räumliche Analyse 
  • Wer beeinflusst und hat Macht? Welche Normen bestehen?

-Aushandlung der wirtschaftlichen Rolle: USA und alte Welt mit Ökonomieblasen und Krisensymptomen, Schuldenberge vs. BRICS-Staaten (v.a. China, Südafrika, Brasilien) -> neue politische Weltordnung in Zukunft

-Prozesse nicht nur auf nationalstaatlicher Ebene sondern auch im Alltag: in Städten: öffentlicher Raum, gated communities vs. Bürgerliche Freiheit, beschränkte Nutzungsbedingungen, Konflikte um Infrastrukturprojekte

-Hybride Formen von Kultur und Identität, neue Praktiken verändern Raumbezüge: virtuelle Check-ins in materielle Räume

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