Lernkarten

Sophie Marthaler
Karten 136 Karten
Lernende 1 Lernende
Sprache Deutsch
Stufe Grundschule
Erstellt / Aktualisiert 19.08.2019 / 19.01.2020
Lizenzierung Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung (CC BY-NC-ND)     (hbh)
Weblink
Einbinden
0 Exakte Antworten 136 Text Antworten 0 Multiple Choice Antworten
Fenster schliessen

Systemtheorie

doppelte Bedeutung:

  • Ein gegenständliches oder natürliches System oder aber auch ein geschaffenes System. Platon spricht etwa vom Staatensystem.
  • Ein System konnte aber auch eine Ordnung von Begriffen sein, im Sinne eines gedanklichen Systems.

Drei Strömungen:

  • Allgemeine Systemtheorie
  • Kybernetik
  • Strukturell-funktionale soziologische Theorie

Bertalanffy: eine Menge von Elementen, zwischen denen Wechselbeziehungen bestehen.

Wichtige Begriffe: Vernetzung, Reziprozität, Dynamik, interne Organisation.

Kybernetik befasst sich mit der Regelung und Steuerung bzw. der Kommunikation von Systemen. (Bsp. Heizung)

Wichtige Begriffe: Auslösung, Steuerung, Effektor, Rezeptor, Ist- und Sollwert.

Die von Talcott Parsons begründete strukturellfunktionale sozialwissenschaftliche Systemtheorie untersucht die Frage, wie Strukturen das Verhalten von Individuen innerhalb einer Gesellschaft determinieren. Die struktur-funktionale Theorie unterscheidet sich von der Kybernetik gravierend dadurch, dass sie von vornherein auf den humangesellschaftlichen Bereich beschränkt ist. Mit dem Begriff Struktur soll gewissermassen die Anatomie des sozialen Systems verstanden werden. Handlungen sind dabei die konstitutiven Elemente des Systems. Dabei wird untersucht, welche Handlungen funktional (strukturerhaltend) und welche dysfunktional für das System sind.

Bei der Neuformulierung der strukturell-funktionalen Theorie von Niklas Luhmann ist nicht die Handlung sondern die Kommunikation das Kernelement seiner Theorie. Kommunikation meint nicht nur den gewohnten sprachlichen Austausch, sondern vollzieht sich auch über gesellschaftlich-symbolisch generalisierte Medien wie Geld, Macht, Status usw. Soziale Systeme sind geschlossen und vermitteln durch Komplexitätsreduktion zwischen der komplexen Welt und dem System. Dadurch schränken sie die kommunikativen Anschlussmöglichkeiten ein und bestimmen die Struktur eines Systems.

 

Fenster schliessen

Systemtheorie II

Autopoeisis: Jene Organisationsmerkmale, welche für die Selbsterschaffung und Selbsterhaltung von Systemen verantwortlich sind. Eine vorbehaltlose Übertragung des Prinzips der Selbstorganisation von Organismen auf soziale Probleme gehört, zu den Kernpunkten der Kritik an der Systemtheorie, obwohl es praktisch wäre.

Ein System macht sich ein künstlich homogenes Bild eines anderen Systems. Ein System ist ein in sich geschlossener Kreis. Aber man kann zwei Systemen angehören (Kritik an Luhmann). Nach Luhmann kommunizieren die Systeme nicht untereinander. Die Gesellschaft wird immer in 2 Gruppen eingeteilt (Mann/Frau, Beh./n.beh., Ausländer/CH…). Man kann fast alles systemtheoretisch erklären: Hexenverfolgung, Situationen auf einer WG im Heim…

Die allgemeine Systemtheorie wie auch die Kybernetik sind keine abgeschlossenen Theoriegebäude. Es gibt verschiedene Bezüge zu anderen theoretischen Richtungen, die teilweise von diesen angestossen worden sind. Dazu gehören etwa die Entscheidungs- und die Spieltheorie (wie stellt eine Gruppe von Menschen ihre Regeln auf?), die Chaostheorie oder die Synergetik.

Fenster schliessen

Radikaler Konstruktivismus:

Der Radikale Konstruktivismus wendet sich in erster Linie gegen einen naiven Realismus, indem er jegliche Abbildthese verwirft. Er leugnet nicht, entgegen vielen Missverständnissen, die Existenz einer realen Welt (wie etwa der Solipsismus), bezweifelt jedoch, dass wir mit unseren Sinnen in der Lage sind, diese zu erfassen. Damit überspitzt er die schon im kritischen Rationalismus angelegte Idee der theoretischen Konstruktion von Realität.

Wahrnehmung: Das Ziel des Denkens ist nicht die Welt objektiv zu verstehen sondern das was wir wahrnehmen logisch zu ordnen.

Fenster schliessen

Sozialkonstruktivismus:

Der Sozialkonstruktivismus interessiert sich dafür, wie soziale Kontexte und soziale Einzelphänomene konstruiert werden, wie gesellschaftliche Relevanz eines Phänomens erzeugt wird, und wie ein Phänomen tradiert und institutionalisiert wird. Ein wichtiges Moment gesellschaftlicher Konstruktion ist die Klassifikation bzw. Kategorisierung von Menschen und Menschengruppen. Mittlerweile schon klassisch sind die Konstruktionen zum Geschlecht, zur national-staatlichen und sozialen Herkunft oder eben auch zur Behinderung.

Naturalisierung & Essentialisierung: Einer Gruppe von Menschen (z.B. Ausländer, Behinderte...) werden Eigenschaften zugeordnet.

Beispiel für die soziale Konstruktion von Naturalisierungen & Essentialisierungen: Anzahl Behinderte Personen in Finnland: 32.2% und Rumänien: 5.8%

Der Sozialkonstruktivismus verwendet wie die Hermeneutik qualitative Forschungsmethoden.

Fenster schliessen

Ethik in der Sonderpädagogik:

Wozu braucht es Ethik?

  • Wie lässt sich heilpädagogisches Handeln legitimieren, und an welchen übergreifenden Zielen soll es sich orientieren?
  • Handelt es sich bei dem übergreifenden Ziel der gesellschaftlichen Integration um ein erstrebenswertes Ziel? Wie wäre es zu begründen? Ist es ausschliesslich oder gäbe es noch andere Ziele auf gleicher Ebene?
  • Dürfen Behinderte segregiert werden?
Wie steht es um den Lebenswert von Behinderten?
  • Nach welchen Prinzipien werden knappe Güter (z.B. Bildung) verteilt? Leistung?

Entscheidungen sind dann moralisch am ehesten zu vertreten, wenn sie das allgemeine Glück in grösstmöglichstem Mass steigern.

Strömungen in der Ethik:

  • Utilitarismus (sind die Auswirkungen ethisch vertretbar?)
  • Deontologie (es gibt gewisse Prinzipien, die man nicht überschreitet)
  • Verhandlungsethik/Diskursethik
  • Tugendethik

Diskursethik: Die Basis dieser Ethik bildet der Austausch von Argumenten mit dem Ziel der Verständigung. Die Ethik kommt nicht ohne normative Voraussetzung aus, die man nahezu als Tugend bezeichnen könnte (z.B. Wahrheit). Jürgen Habermas, Karl-Otto Apel

Tugendethiken tauchen erstmals bei Aristoteles auf. Sie beziehen sich auf psychologische Triebkräfte und Grundeinstellungen, welche die Umsetzung eines ethisch begründeten Moralsystems ermöglichen. (Aristoteles: man lebt „perfekt“ und wird dadurch glücklich)

 

Kant: Pflicht/Vernunft, kategorischer Imperialismus

Utilitarismus: (lateinisch utilitas = Nutzen) ist eine ethische Position, welche ausschliesslich die Folgen einer Entscheidung oder einer Handlung moralisch bewertet.

Eine Entscheidung oder Handlung ist dann moralisch positiv zu bewerten, wenn sie das Gesamtglück grösstmöglich steigert. Damit ist der Utilitarismus der konsequentialistischen Ethik und dem Eudämonismus, der nahe verwandten Position zum Hedonismus zuzurechnen.

Bentham: Grösstmögliches Glück der grösstmöglichen Zahl. Was heisst grösstmöglich?

Fenster schliessen

Kritik am Utilitarismus:

  • Zu enge und ungenaue Definition des Begriffs Nutzen
  • Alle Individuen streben nach dem eigenen Glück, das heisst nicht, dass es dasselbe Glück ist, nachdem die Gesellschaft strebt.
  • Ablehnung von anderen ethischen Prinzipien

Der Präferenzutilitarismus basiert auf den allgemeinen Prinzipien des Utilitarismus (Glückmaximierung) und des negativen Utilitarismus (Schmerzminderung), erweitert diese jedoch um das Kriterium der individuellen Präferenz und verengt damit die Definition dessen, was unter Glück oder Nutzen zu verstehen ist. Der Verstoss gegen eine Präferenz eines anderen Wesens ist demnach moralisch verwerflich.

Wer gehört zu alle? Kriterien von Singer:

  • Intelligenz

  • Explorationsdrang
  • Selbstbewusstsein

  • Zeitgefühlt
  • Kommunikationsfähigkeit

Wesen, oder Personen, die nicht über die genannten Kriterien verfügen, haben keinen Anspruch auf Glücksoptimierung und Leidensminimierung, da ihre Präferenzen nicht tangiert werden können, weil sie über keine verfügen. Kritik: Singer macht die Kriterien, das steht ihm nicht zu.

Fenster schliessen

Prävention oder Intervention?

Widerspruch in der sich die Sonderpädagogik befindet. Durch Massnahmen „gegen“ Behinderung, werten sie diese ab.

Deontologie: In Abhebung zu konsequentialistischen Positionen handelt es sich bei der deontologischen Ethik um eine Gesinnungsethik. Das moralisch Vertretbare muss aus sich heraus getan werden, unbeschadet der Rahmenbedingungen des einzelnen Falles und der denkbaren Handlungskonsequenzen. Selbst wenn keine Hoffnung auf Erfolg bestehen würde, bliebe die Position selbst unangetastet. Die der Deontologie innewohnenden Verpflichtungen gelten demnach als unumstösslich. Deontologische Positionen werden in den eingeschränkten Konsequentialismus eingeordnet, weil diese nicht von der Bewertung der Folgen des Handelns entbinden, diese aber nicht als ausschliessliches Kriterium behandeln.

Kant: Jeder Mensch kann als vernünftiges Wesen erkennen, was moralisch richtig ist. Die rationalistisch idealisierte Gleichsetzung von Vernunft und Moral charakterisiert die Hoffnungen der Aufklärung: Vernunft – Gerechtigkeit – Freiheit.

John B. Rawls: In seiner Theorie der Gerechtigkeit stellt er dieselben Grundfragen wie der Präferenzutilitarist Peter Singer. Rawls teilt sogar weitgehend die Argumentation Singers und folgt denselben Gedankenschritten. Dennoch kommt er zum Teil zu deutlich anderen Ergebnissen. Erkenntnisleitend ist die Frage, für welche Grundsätze sich freie und vernünftige Menschen bei einer fairen Ausgangssituation in ihrem eigenen Interesse entscheiden würden.

Fenster schliessen

Gerechtigkeitskriterien:

  • Jede Person hat den gleichen Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundrechte und Freiheiten, das mit demselben System für alle vereinbar ist.
  • Eine gerechte soziale Ordnung muss mit gesellschaftlichen Positionen verbunden sein, die allen unter Bedingungen fairer Chancengleichheit offen stehen.
  • Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind so zu regeln, dass sie den am wenigsten Begünstigten die bestmöglichen Aussichten bringen.

Die Untauglichkeit der Chancengleichheit als Verteilungsprinzip nach ethischen Gesichtspunkten besteht darin, dass sie die Begründung von Ungleichheit lediglich auf die Zufälle der Geburt bzw. der Genetik verschiebt. Chancengleichheit ist letztliche eine Wettbewerbsformel (Heid), welche die Gewinner legitimiert und die Verlierer trösten soll: Sie hatten ihre Chance.

MacIntyre: Er verzichtet auf eine scharfe Trennlinie zwischen Mensch und Tier, sondern plädiert für graduelle bzw. skalierte Unterschiede. Der Mensch ist von Beginn an auf Zuwendung angewiesen, damit er überhaupt autonom werden kann. Er bewegt sich damit in einer Dialektik zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit. Das Unabhängigkeitsgrad (vom Präferenzutilitarismus als Kriterium verwendet), weist graduelle Unterschiede auf.

Wir sind in einem „Netzwerk des Nehmens und Gebens“ idem wir uns dank der Hilfe anderer erst die Tugenden für die Unabhängigkeit erwerben können. In diesem Netzwerk der uneigennützigen Hilfeleistung klaffen an allen Stellen Lücken, weil nicht alle Personen in der Lage sind, die erhaltene Hilfe zu einem späteren Zeitpunkt weiterzugeben. Weil wir niemals ausschliessen können, selbst in eine derartige Situation zu geraten, müssen wir auf dem Weg der Perspektivenübernahme lernen, uns in die Rolle von Behinderten zu versetzen, und uns über unsere eigene Abhängigkeit/gewonnene Unabhängigkeit bewusst zu werden.