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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 13.02.2019 / 19.08.2019
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Beschreiben sie die Hintergründe der Entstehung des Normalisierungsprinzips und nennen sie die Begründer des Prinzips!

Bank Mikkelsen aus Dänemark & Bengt Nirje aus Schweden

Hintergründe der Entstehung:
In Schweden und Dänemark hatte die Gesetzgebung in den 60er Jahren bezüglich „kommunaler Dienste für geistig behinderte Menschen“ nicht viel zu bieten. Grosse Heime und Anstalten wurden stattdessen gefunden. In Dänemark existierte allerdings seit 1959 ein neues Gesetz, welches Raum für innovative Neuerungen bot. In der Einleitung der Verfassung war der Zweck des Gesetzes festgelegt, „den geistig behinderten Menschen eine Lebensführung zu ermöglichen, welche der normalen Lebensweise so nahe wie möglich kommt.“

Fachleute und Elternorganisationen aus beiden Ländern bemühten sich um Unterstützung von gesetzlich bevollmächtigten kommunalen Diensten für alle geistig behinderten Kindern, sowie um kommunale Lebensräume für geistig behinderte Erwachsene. 1968 trat in Schweden das neue Gesetz in Kraft, nach welchem in den Gemeinden umfassendere Dienstleistungen für geistig behinderte Menschen angeboten werden mussten. Dies führte zu umfangreichen Wandlungen und Schaffung von diversen Dienstleistungen wie Familienunterstützungsdienste, Frühförderprogramme, Berufsbildungsprogramme usw... auch in europäischen Ländern entstanden zur selben Zeit ähnliche Forderungen.

Prinzip: Das Normalisierungsprinzip bedeutet, dass man richtig handelt, wenn man für alle Menschen mit geistigen oder anderen Beeinträchtigungen, Behinderungen, Lebensmuster und Alltägliche Lebensbedingungen schafft, welche den gewohnten Verhältnissen und Lebensumständen ihrer Gemeinschaft oder ihrer Kultur entsprechen oder ihnen so nahe wie möglich kommen.

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Nennen sie die Prinzipien der Normalisierung und beschreiben sie dazu konkrete Beispiele aus der Praxis!

Es sind 8 Prinzipen Festgelegt worden für das Normalisierungsprinzip.
Nach Bengt Nirje (R=Richtziel, G=Grobziel, F=Feinziel)

  • Normaler Tagesrhythmus (altersentsprechende Schlafzeiten, Mahlzeiten zur entsprechenden Zeit) Richtziel: normaler Tagesrhythmus, Grobziel: Schlafzeiten gestalten Feinziel: darf am WE länger wach bleiben, da er es gerne macht
  • Normaler Wochenrhythmus (3 Bereiche, Arbeit/Schule, Freizeit, Wohnen) In der Institution verbinden sich diese Bereiche sehr schnell, die Freie Zeit geht dabei unter, Alles ist geplant und geregelt, gleiche Kleider die ganze Woche R: normaler Wochenrhythmus, G: Zeit lernen, F: stellt Wecker alleine
  • Normaler Jahresrhythmus (Ferien, Feste, Bräuche, Saisongerechte Mahlzeiten) R: normaler Jahresrhythmus, G: Feste miterleben, hört gerne Musik, F: An die Fasnacht gehen
  • Normale Erfahrungen im Ablauf des Lebenszyklus (Behinderte im Teenagealter auch mal Bier kosten lassen, ins Kino gehen) R: Normaler Lebenszyklus, G: Geburi feiern, F: Geburifeier planen
  • Normaler Respekt vor dem Individuum und dessen Recht auf Selbstbestimmung (Bezugspersonensystem wobei der Klient selbst wählen darf, Zimmereinrichten, Entscheide & Wünsche akzeptieren) R: Recht auf Selbstbestimmung, G: Selbständig kleiden können, F: Mit BP oder Freundin Kleider kaufen gehen.
  • Normale Sexuelle Lebensmuster ihrer Kultur (Bordellbesuche, Kontakt zu anders und gleichgeschlechtlichen ermöglichen. R: normale sexuelle Kultur, G: Kontakt zu anderen pflegen, F: jemand einladen, Veranstaltung besuchen
  • Normale ökonomische Lebensmuster und Rechte im Rahmen gesellschaftlicher Gegebenheiten (Gerechtfertigter Lohn für geleistete Arbeit, Sackgeld aushändigen) R: Recht auf ökonomische Lebensmuster, G: Taschengeld bekommen F: NM freiwillig in der Küche mithelfen und so Taschengeld kriegen
  • Normale Umweltmuster und Standards innerhalb der Gemeinschaft (Möglichkeit der Mobilität) R: normale Umweltmuster, G: Bauernhof kennenlernen wo Essen gepflanzt wird, F: mithelfen beim Pflanzen setzen
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Was bedeutet Normalisierung bezogen auf die Integration im Wohnalltag?

Integration im Wohnalltag 6:

  1. Räumliche Integration: Wohneinrichtungen in normalen Wohngegenden einzurichten
  2. Funktional: Menschen mit geistiger Behinderung sollen allgemeine Dienstleistungen (ÖV, Kino) in Anspruch nehmen können.
  3. Sozial: Soziale Beziehungen in der Nachbarschaft sollte durch Achtung und Respekt getragen sein.
  4. Personale: Lebensalter entsprechende persönliche Beziehungen sollen emotional befriedigt sein. Auch ausserhalb vom Elternhaus.
  5. Gesellschaft: Bezüglich gesetzlicher Ansprüche werden Menschen mit einer Behinderung als Mitbürger Akzeptiert. Alltags entscheide sollten selbst bestimmen werden.
  6. Organisatorische: Strukturen von Gemeinden so ändern, dass die Integration von Menschen mit geistiger Behinderung dienen. Z.B Räume für Dienstleistungen zur Verfügung stellen.
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Wolfsberger ersetzte den Begriff der Normalisierung durch den der „Aufwertung der sozialen Rolle. Was ist darunter zu verstehen?

Erweiterung des Normalisierungsgedanken

Durch Wolfsberger (Ihm war Auflösung von Grosseinrichtungen eine wichtige Voraussetzung zur Normalisierung) Mikkelsen und Nirje die juristischen & institutionellen Rahmenbedingungen von Normalisierung im Vordergrund standen, richtet Wolfsberger seinen Blick stärker auf den Menschen mit Behinderung und seine Rolle in der Gesellschaft und ersetzt den Begriff der Normalisierung durch den der Aufwertung der Sozialen Rolle. Dazu müssen Veränderungen auf 3 Ebenen erfolgen:

Personal Ebene: Beim Menschen mit Behinderung selbst, an seinem äusseren Erscheinungsbild und Verhaltensweisen (Kleider, Schuhe etc..)

Soziale Ebene: Unterstützen von Familien, nicht nur mit behinderten Arbeiten.

Gesellschaftliche Ebene: Änderung der Gesetzgebung (Behindertengerecht, in gewissen Ländern teilweise gar nicht vorhanden, andere Sicht zu behinderten) oder des Sprachgebrauchs (Mongo etc..).

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Beschreiben sie die wichtigsten Kritikpunkte am Normalisierungsprinzip! 3!

1. Wurde nicht konsequent deinstitutionalisiert, stattdessen wurde Normalisierung häufig nur als Humanisierung von Lebensbedingungen innerhalb bestehender Grossinstitutionen in Betracht gezogen.

2. Gemeindenahe (Wohn-) Angebote für ein Leben „so normal wie möglich“ wurde fast ausschliesslich nur durch neue Wohnheime geschaffen

3. Betroffene wurden an der Normalisierung ihrer Lebensbedingungen nur selten Beteiligt, nicht Lebensweltorientiert.

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Welches sind die wichtigsten Leitsätze des Empowerment- Konzepts? 8: BORRUVVV

Definition Empowerment:
Empowerment als eine Philosophie & Praxis bezeichnet, die als ein gesellschaftskritisches Korrektiv mehr Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Lebensqualität & eine lebendigere Demokratie zum Ziel hat. Umgesetzt wird dies in Auseinandersetzungen & Bemühungen um akzeptable Lösungen durch die Selbstorganisation & die Selbstregie Betroffener, die sich als Experten in eigener Sache von niemandem dabei vereinnahmen lassen wollen.
 

1. Vertrauen in die Fähigkeiten des Einzelnen sein Leben in eigener Regie zu gestalten. Z.B Kleider, Essen und Trinken selber aussuchen lassen

2. Vertrauen in die Fähigkeit des Einzelnen Krisen zu meistern (Copingstrategie Potenzial ist in jedem Menschen vorhanden)

3. Unbedingte Annahme des anderen (Voraussetzungslose Annahme und Bejahung des anderen als Person.) z.B Klient will unbedingt barfuss zur Gruppe laufen im Sommer à dies erlauben

4. Verzicht auf Etikettierung, Entmündigung (Mit unserem Wissen besteht Gefahr wir meinen das Leben des anderen zu kennen)

5. Respekt vor der Sicht und Entscheidungen des anderen

6. Orientierung an der Rechte- Perspektive, Bedürfnisslage und Lebenszukunft der Betroffenen

7. Beachten der Lebenswelt und sozialen Ressourcen (mit Klientin Bettwäsche kaufen gehen, da sie es gerne macht, nicht einfach für sie welche kaufen gehen!)

8. Respekt vor der Selbstverantwortung des Einzelnen (Bedeutet, dass sie nicht für ihre Klienten verantwortlich sind, sondern sich vor IHM zu verantworten haben.) z.B Zieldefinierung selber lassen aber sie dabei unterstützen

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Das Empowerment – Konzept kritisiert den traditionellen „Förderbegriff“ in der Praxis. Nennen sie Problembereiche, wo eine Umsetzung von Empowerment in der Praxis oft scheitert. 11: IDIFÜZHOUII

1. Defizitorientiert und Symptomzentrierung z.B viele Förderkonzepte sind Problemorientiert

2. Inszenierung einer Behandlungsbedürftigkeit (man entwickelt für und nicht gemeinsam mit dem Klient Förderpläne)

3. Fremdbestimmung und Subjekt Vergessenheit (durch Heilpädagogische Förderung wird ein Mensch Fremdbestimmt und unterdrückt in seiner Kreativität)

4. Orientierung am traditionellen Therapiemodell z.B hat sich an das Therapiemodell orientiert bei allen gleich anstatt individuell, z.B alle müssen in die Logopädie

5. Hierarchisches Beziehungsverhältnis (Arzt / Helfer stehen oft über dem Patienten oder Klient) z.B Arzt verordnet Physio ohne Absprache mit Klient

6. Inszenierung einer Lebenslangen Förderbedürftigkeit (Traditionelle, alte Vorstellungen das Menschen mit einer Geistigen Behinderung keine eigenen Entscheidungen treffen können) z.B Klientin muss bis 100 rechnen können, obwohl sie das im Alltag nicht braucht -> unnötig, Physio kann sie eher gebrauchenà Muskelaufbau und Erhaltung

7. Uneingeschränkter Glauben an die Effektivität geschlossener Curricula z.B um Lernziele zu erreichen muss man sich strikt an die Förderplanung halten, z.B man besteht darauf, dass es beim Werken schlussendlich einen Stuhl geben muss, Klient möchte aber lieber ein Bänkli machen

8. Übertherapeutisierung des Alltagslebens (aus der Förderung wird ein Förderzwang) z.B Überforderung mit ganz vielen Therapien

9. Ignoranz der Ganzheitlichkeit des Individuums z.B geht nicht mit Klient einkaufen, ist nur Problemorientiert à soziale Konsequenzen betrachten

  • 10. Ignoranz des Kommunikativen Bezugs z.B jetzt machen wir ein Fussbad à fragt nicht ob Klient das möchte
  • 11. Zwang zur Anpassung an die geforderte Norm z.B Normalität wird nicht kritisch hinterfragt bzw. ob es für den Klienten passt à Ziel, dass er sich an die Norm hält z.B Geschirr abräumen muss jeder selbst!