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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 13.02.2019 / 13.02.2019
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Nennen sie eine aktuelle Definition von „geistiger Behinderung“ und beleuchten sie den Begriff Geistige Behinderung kritisch!

Die geistige Behinderung eines Menschen wird als komplexen Zustand aufgefasst, der sich unter dem vielfältigen Einfluss sozialer Faktoren aus medizinisch beschreibbaren Störungen entwickelt hat. Die diagnostizierbaren prä-, peri- und postnatalen Schädigungen erlauben keine Aussagen zur geistigen Behinderung eines Menschen. Diese bestimmt sich vielmehr aus dem Wechselspiel zwischen seinen potentiellen Fähigkeiten und den Anforderungen seiner konkreten Umwelt.

Kritik:  
Wenn wir eine Person geistig behindert bezeichnen werten wir diese damit zwangsläufig in seinem Personsein ab. Gleichsetzung von Intellekt, Kognition also von Denken mit Geist greift zu kurz.

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Welches sind mögliche Ursachen einer geistigen Behinderung? Nennen sie die wichtigsten Haupt- und Unterkategorien.

A) Pränatal entstandene Formen geistiger Behinderung 6!

1. Genmutation als Ursache geistiger Behinderung (ein Gen betreffende Mutation, die durch ein verändertes Genprodukt, z.B Enzymedefekt erkennbar wird)
2. Fehlbildung- Retardierungs- Syndrom (durch eine Vielzahl von Faktoren bedingte Störungen als Ursache von Geister Behinderung z.B Angelman Syndrom)
3. Fehlbildung des Nervensystems (Abnorme Vergrösserung oder Verkleinerung des Kopfes infolge primärer Fehlentwicklung des Gehirns)
4. Chromosomenanomalien, die zu Geistiger Behinderung führen z.B: Trisomie
5. Exogen verursachte Entwicklungsstörungen (von aussen auf das Kind einwirkende Faktoren, die zu bleibenden Schäden führen: z.B: HIV- Infektion, Alkohol
6. Idiopathische geistige Behinderung (Zerebrale Funktionsstörungen ohne Nachweisbare körperliche Symptome)

B) Perinatale Komplikationen als Ursache Geistiger Behinderung 4!
1. Geburtstrauma
(Verletzung des Gehirns während der Geburt, z.B Verformung Kopf)
2. Hypoxisch-ischämische Enzephalophathie (Sauerstoffmangel des Gehirns während Geburt)
3. Frühgeburt (Unreife Organentwicklung)
4. Erkrankung des Neugeborenen (z.B: Atemstörungen, Hirnhautentzündung, Blutgruppen Unverträglichkeit)

C) Postnatale Ursachen geistiger Behinderung 4!
(Geistige Behinderung Infolge einer Hirnschädigung, die sie im Verlauf des Lebens ereignet)

1. Entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (z.B: Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung)
2. Schädel –Hirn- Trauma (Hirnverletzungen durch Unfälle oder Gewalteinwirkung auf den Schädel)
3. Hirntumoren (Geschwülste des Gehirns und seiner Hüllen)
4. Hirnschädigung durch Vergiftung / Sauerstoffmangel / Stoffwechselkrisen

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Beschreiben sie, was unter psychologischen Gesichtspunkten unter geistiger Behinderung verstanden wird und nennen sie wichtige Kritikpunkte an der Intelligenzdiagnostik.

Die Schädigung des Gehirns hat Auswirkungen auf die kognitive, motorische, emotionale und soziale Entwicklung und das Lernen des Menschen. Die Erfassung dieser Beeinträchtigung und Störung ist Aufgabe der psychologischen Diagnostik als Teilgebiet der Psychologie. In dieser psychologischen Betrachtungsweise steht die Intelligenzentwicklung im Vordergrund, d.h geistige Behinderung wird primär als Intelligenzminderung aufgefasst.

Definition von Intelligenzminderung:
Intelligenzminderung ist ein Zustand von verzögerter oder unvollständiger Entwicklung der geistigen Fähigkeiten. Als besonders beeinträchtigt gelten hierbei solche Fähigkeiten die zum Intelligenzniveau beitragen, wie Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten.

Kritik an Intelligenzdiagnostik:
Fungierte lange als Selektionsdiagnostik für Schuleinweisung der Kinder und Jugendliche. Heute steht es in der Kritik, weil der Begriff der Intelligenz, wissenschaftlich nicht eindeutig definiert ist. Durschnittintelligenz & Normwerte sind heute unzulänglich, jeder Mensch entwickelt sich als Individuum mit seinen Startbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten und im Kontext zu seinem Sozialem und Kulturellem Umfeld.

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Wie kann eine „geistige Behinderung“ unter Pädagogischer Perspektive erklärt werden und was sind Merkmale der Erziehung bei geistig behinderten Menschen?

Der Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung ist überaus Heterogen. Allen gemein ist eine starke Beeinträchtigung ihres Lernens mit Einschränkungen für ein selbstbestimmtes Leben. Bei der Pädagogik geht es nicht nur um klinische Symptome oder Behinderungsgraden, sondern um ihre Lernmöglichkeiten und Bedürfnisse.

Aufgabe ist Lernfähigkeit und die speziellen Erziehungsbedürfnisse ins Blickfeld zu nehmen. Bei einer pädagogischen, erziehungsrelevanten Bestimmung von Behinderung müssen zwei Komponenten gleichzeitig in den Blick genommen werden:

  • Die individuelle Lern und Entwicklungsstörungen bzw. Voraussetzungen
  • Und der damit verbundene spezifische Erziehungsbedarf

    Merkmale der Erziehung 4!

    Was mache ich? Intentionalität: (Erziehung versucht Ziele, Normen und Werte zu verwirklichen) z.B ein geistig behinderter schlägt wenn er etwas möchte à Norm ist jedoch man schlägt nicht!
    Was...  Interaktivität:         (Erziehung ist Interaktionsprozess, die Erziehung erfolgt in Auseinandersetzungen mit Inhalten, Gegenständen und Themen) z.B Basale Stimulation, wie reagiert der Klient darauf?
    Was... Gesellschaftsgebundenheit: (Erziehung wird in gesellschaftlichen Kontext eingebunden und macht den Wandel mit) z.B man muss die heutige Erziehung berücksichtigen z.B heute sind Frauen und Männer gleichberechtigter
    Wie mache ich es? Methodik: (Erziehung ist Methodisch organisiert)
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Benennen sie wichtige Ziel- und Themenbereiche in der sozialpädagogischen Arbeit mit Geistig behinderten Menschen und beschreiben sie jeweils an einem praktischen Beispiel, was damit konkret gemeint ist.

Nach Bach!: „Als allgemeines Ziel lässt sich die Selbstverwirklichung des Geistigbehinderten in sozialer Eingliederung abheben." HEISST: Klient soll zu einem weitmöglichen Lebensreichtum angeregt und nicht blosser Brauchbarkeit geführt werden.

1. Bereich der Emotionalen Beziehung (Vertrauen, Bindung etc)
Bsp. Verantwortung übergeben über die Haustiere, Pflanzen, Garten oder Einkäufe, R: Vertrauen, G: Pflanze kaufen, F: für Pflanze sorgen, 1x Woche giessen
2. Bereich der sozialen Erziehung (Umgangsregeln, Kontaktfähigkeit, Rollen)
Bsp. Begrüssung an der Tür üben, nicht immer umarmen + Küssen, 1 x am Tag begrüssen R: Umgangsregeln lernen, G: 1x am Tag grüssen, F: mit einem Handschlag begrüssen
3. Bereich der Erziehung zur Selbständigkeit (Ankleiden, Körperpflege, Einkauf, Waschen)
R: SelbständigkeitG: erkennt wenn sein Zimmer dreckig ist F: saugt 1x pro Woche sein Zimmer
4. Leibeserziehung (Koordination, Kraft, Ausdauer, Abbau von Motorik Störungen)
Bsp. Fähigkeiten sollten standhaft bleiben- nicht abbauen, Ergo und Physiotherapie, R: Motorik fördern G: aufrecht stehen F: Stehhilfe beim kochen
5. Wahrnehmungserziehung (Seh-, Hör-, Tast-, Geruchs-, Raumsinnschulung)
Bsp. Hörgeräuschen nachgehen damit Klient sie einordnen kann R: Seh und Hörwahrnehmung G: kann Geräusche im Alltag zuordnen F: CD hören mit Musik und anschliessend Bild zuordnen
6. Gestaltungserziehung einschliesslich Freizeiterziehung (Hobbys, Langeweile vorbeugen, Spielen, Bauen, Musizieren)
R: FreizeiterziehungG: Hat regelmässiges Hobby F: Sucht Verein aus
7. Spracherziehung (Sprachfertigkeit, Sprachoffenheit)
Bsp. Man nimmt die Angst vom reden, Wortschatz erweitern mit z.B 1x pro Woche Vortrag über Sportinfos, da er Sport liebt
8. Kognitive Erziehung (Regel-,Zeichen-,Zahlenverständnis)
Bsp. Mit gewohntem Rechnen (Lego, Personen,) R: Zahlenverständnis G: Zahlen wiedergeben F: Fussballresultate in Zahlen wiedergeben
9. Umwelterschliessung (Räumlich + zeitliche Orientierung, Verkehrssicherheit)
Bsp. Weg A-B lernen, Begleitung dabei bis es alleine geht, Lerneffekte machen. R: Kennt Umwelt G: Klient weiss wo der Supermarkt ist F: geht alleine in den Supermarkt

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Was zeichnet handlungsbezogenes Lernen bei geistig behinderten Menschen aus und welche Merkmale des Handelns wirken dabei unterstützend?

Beim Lernen geistig behinderten Menschen geht es darum, Entwicklungs und Lernimpulse anzubieten, welche nachhaltig positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und schlussendlich auf die grösstmögliche Partizipation wirken.

Mit handlungsbezogenem Lernen ist folgendes gemeint:

  • Lernen orientiert sich an Kompetenzen und Handlungsfähigkeit. Ziel Förderung, Ss und Autonomie. Handlungsfähigkeit zentral um eigenes Leben gestalten zu können
  • Tätigkeiten mit Handlungs und Materialmedien ist im Vordergrund. Materialien des Alltags.
  • Handlungs und Materialmedien aktivieren konkretes Handeln und wirken zielgerichtet, z.B kann mit Kommunikationscomputer kommunizieren. Z.B kann so sagen, dass sie lieber eine Blume malen möchte...kann so auf Umwelt eingewirkt werden.

Wichtige Merkmale des menschlichen Handelns zusammengefasst 5:

  • Handlungen sind zielgerichtet & bewusst z.B beim Kochen ein Menu erstellen, jemand möchte einen Ausflug machen
  • Handlungen sind motiviert, Motiv regt zum Handeln an
  • Handlungen sind strukturiert 4 Schritte: Motivation, Planung, Ausführung und Kontrolle
  • Handlungen sind selbst, mit oder fremdbestimmt à Ziel Lernenden zum selbstbestimmten Handeln führen
  • Handlungen gestalten Person & Umwelt à Handlungen sind Ausdruck einer Person und hinterlassen Eindrücke.
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Nennen sie wichtige methodische Prinzipien in der Zusammenarbeit mit geistig behinderten Menschen und erläutern sie diese an konkreten Beispielen! 18!

1. Grobsinniges Prinzip
Anschauungsmaterial sollte besonders wesentliche Merkmale vergrössert darstellen. Z.B im Kinderbuch sind die Bilder extra gross
2. Mehrsinniges Prinzip:
Ansprechen möglichst vieler Sinne (z.B. fühlen, hören, riechen, schmecken, sehen).
Dabei ist ein Sinnvolle Schwerpunktsetzung wichtig (Nicht alle Sinne gleichzeitig) z.B Beim Fruchtsalat Banane schneiden, div. Käse probieren
3. Motorisches Prinzip:
Lerninhalte sollten in Bewegung, Tätigkeit & Handeln erarbeitet werden. Z.B neue Buchstaben nicht nur schreiben, sondern auch ertasten, ablaufen etc..
4. Prinzip der Angepasstheit (Alltag des Adressaten kennen)
Ausgehen von der Verstehens Ebene und der Erlebniswelt der Betroffenen. Das Niveau in kleinen Schritten heben. Z.B Klient rührt beim Kochenà kann nicht erwarten, dass er direkt ein Menu kochen kann
5.Prinzip der Anschauung (Symbole erlernen)
Von Konkreten zum Abstrakten d.h. zuerst Realgegenständen arbeiten, dann mit Modellen oder Bildern. Z.B Apfel: zuerst richtiger Apfel, dann Bild, dann Wort etc..
6. Prinzip der Emotionalität
Die Grundbedürfnisse wie: Sicherheit, Geborgenheit, Anerkennung, Lob, Möglichkeit eigener Kreativität müssen erfüllt sein, um lernen zu können. Z.B Lieblingstier ausmalen lassen & loben, wenn unsicher muss er nicht vor vielen Leuten malen
7. Prinzip der Entwicklungsgemässheit:
Beachtung des Verstehensniveaus & der Lebenserfahrung der Betroffenen. Z.B mit Erwachsenen nicht immer Kinderlieder singen.
8. Prinzip der Festigung:
Erst wenn ein Lernschritt geübt & gefestigt ist, kann der nächste erfolgen. Wichtig ist Wiederholung, schafft Sicherheit. Z.B Zusammen Wecker stellen, danach alleine
9. Prinzip der Haltgebung:
Halt geben durch Führen zur Selbstverwirklichung & vertrauenswürdiges Verhalten der Erzieher. Z.B Klientin fragt immer wieder beim Laufen, bist du da? Haltest du mich?

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Nennen sie wichtige methodische Prinzipien in der Zusammenarbeit mit geistig behinderten Menschen und erläutern sie diese an konkreten Beispielen! 18!


10. Prinzip der Individualisierung:
Beachtung des individuellen Förderbedarfs sowie der Gruppengrösse. Z.B wo braucht jeder individuellere Förderbedarf? Wenn jemand Ruhe braucht kann ich nicht sagen du musst in Atelier deine Ruhezeit nehmen bei vielen anderen
11. Prinzip der Isolierung von Schwierigkeiten
Nur ein Schwierigkeitsgrad sollte zu überwinden sein was der Didaktischen Reduktion entspricht. Z.B Schuhe mit Klettverschluss kaufen
12. Prinzip der kleinsten Schritte:
Zergliederung des Lerninhalts in sehr kleine, überschaubare & nachvollziehbare Schritte. Z.B Bett abziehen, dann erst nach und nach üben das Bett anzuziehen
13. Prinzip der Konkretheit:
Eindeutige Schwerpunktsetzung auf einen Teilaspekt. Z.B Klient informieren: wir holen etwas zu trinken beim Buffet, eingrenzen
14. Prinzip der Lebensnähe:
Themen, die in der LW der behinderten eine Rolle spielen, werden meist motiviert verarbeitet. z.B Kindern lese ich kein Buch von PSY vor, eher ein Kinderbuch
15. Prinzip der räumlichen Nähe:
Unmittelbarer optischer Kontakt ist hilfreich bei der Zuordnung von 2 Begriffen. Z.B Zähne putzen ist Thema im Bad
16.Prinzip der Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit:
Möglichkeit des Selbstständigkeit Arbeitens & des Äusserns eigener Ideen & Vorschläge bieten. Vorgaben möglichst geringhalten z.B offene Fragen was er basteln möchte
17. Prinzip der zeitlichen Nähe
Zeitlich abschätzbarer Rahmen, Die konkrete Situation sollte Zeitnah besprochen werden.
Bsp. Nicht im März von Weihnachten sprechen
18. Rhythmisches Prinzip:
Rhythmisch strukturierte Abläufe erleichtern effektvolles Arbeiten. Z.B von oben nach unten waschen. Immer vor zu Bett gehen Zähne putzen etc